Zontes 310 T: Gelungene Reiseenduro aus China

Schicker Import aus China: Die Zontes 310 T
Schicker Import aus China: Die Zontes 310 T© RKM

Die Zontes 310 T ist eine chinesische Reiseenduro, die mit adretter Verpackung und üppiger Ausstattung punkten will. Ob auch die Fahrleistungen überzeugen, klärt der Fahrbericht. Plus: Bilder, Daten, Preis.

  • Gute Verarbeitung und Ausstattung

  • Einfaches Handling

  • Sehr gute Preis-Leistung

Zontes ist eine der inzwischen in Europa etablierten chinesischen Motorradmarken, die mit ansprechenden Einstiegsmodellen punkten wollen. Die Chinesen übernehmen zwar attraktive Merkmale der Konkurrenz, merzen aber mit erstaunlich üppiger Ausstattung und mehr als ordentlicher Verarbeitung das negative Image des Nachbau-Asiaten aus.

Besonders interessant ist die 310 T, die wie eine kleine, modernisierte Version klassischer Reiseenduros daherkommt. Daneben umfasst das 310er-Portfolio das Naked-Bike 310 R, den vollverkleideten Tourer 310 X, den lässigen Cruiser 310 V. Zudem gibt es eine 350er-Baureihe und die ZT 125 G1 sowie 125 GK und 125 U.

Im Test: 35-PS-Motor mit zwei Fahrmodi

Der Einzylinder der 310 T entspricht in seinen Grundzügen einem Honda-Antrieb © RKM

Alle Bikes basieren auf dem gleichen technischen Baukasten, der Elemente etablierter Motorradhersteller enthält. Das kleine Adventure-Modell, dessen schnabelförmige Front an die BMW GS erinnert, zeigt beim Endschalldämpfer Anleihen bei MV Agusta, die hübsche Aluschwinge mit Versteifungsrippen könnte so auch in einer KTM arbeiten. Ungeachtet dessen tritt die Zontes als sehr erwachsenes Motorrad mit einem aggressiven Gesicht auf, das von zwei schmalen Positionslichtern über dem mittigen LED-Scheinwerfer geprägt wird.

Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder der 310 T entspricht in seinen Grundzügen einem Honda-Antrieb. Mit vier Ventilen, zwei oben liegenden Nockenwellen und Einspritzung ist er technisch up to date, sein Hubraum von 312 Kubik reicht zu einer Leistung von 26 kW/35 PS bei 9500 Touren und einem Drehmoment, das bei 30 Newtonmeter gipfelt. Auf Knopfdruck springt der Motor problemlos an und nervt dank Ausgleichswelle auch bei hohen Drehzahlen nicht mit vermehrten Vibrationen.

Das kurz gestufte Sechsganggetriebe lässt sich sauber hoch- und runterschalten. Damit schwimmt die 310 T im Berufsverkehr gut mit, und auch Touren sind gut machbar. Ebenfalls auf Knopfdruck stehen zwei Fahrmodi – Eco und Sport – zur Verfügung, die sich nur bei der Gasannahme, nicht aber bei der Endgeschwindigkeit unterscheiden.

Andererseits cruist das Bike auch im sechsten Gang bei Tempo 50 durch den Ort, ohne zu ruckeln oder zu zuckeln. Überhaupt hinterlässt der Motor einen grundehrlichen Eindruck mit guter Gasannahme, sauberem Leerlauf und dezenten Auspuffgeräuschen. Selbst der ermittelte Verbrauch von vier Litern für schnelle 100 Kilometer ist in Ordnung, zumal der Tank mehr als 350 Kilometer Reichweite erlaubt.

Einfaches Handling und ABS

186 Kilogramm Gewicht und 17-Zoll-Räder sorgen für leichtes Handling in Kurven © RKM

Beim Entern der Sitzbank streckt sich dem Fahrer der breite Enduro-Lenker weit entgegen, die gummierten Rasten sind tief genug für guten Knieschluss bei angenehmen Winkeln platziert. Sehr aufrecht und vom Polster in 84 Zentimetern Höhe unterstützt, fühlt man sich auf Anhieb wohl. Gute Voraussetzungen also für einen beherzten Kurveneinsatz, zumal 186 Kilogramm Gewicht und 17-Zoll-Räder vorn wie hinten ein leichtes Handling ermöglichen sollten. Für einen besseren Grip empfiehlt es sich allerdings, die CST-Serienbereifung gegen andere Pneus wie zum Beispiel Michelin Pilot Road 5 zu tauschen.

Während die USD-Gabel in der Front sauber anspricht und auch bei heftigen Bremsmanövern – dank Bosch-ABS gefahrlos möglich – nicht gleich auf Block geht, ist das Federbein zu weich ausgelegt und kommt bei Fahrten zu zweit recht schnell an seine Grenzen. Dazu leitet es Fahrbahnstöße recht ungefiltert an die Besatzung weiter.

Motorrad & Roller: Neuheiten, Tests, Fahrberichte

Großteil der Ausstattung ist serienmäßig

Inklusive: Der elektrisch in zwei Stufen verstellbare Windschild © RKM

Werden die erfreulich gut verarbeiteten 37-Liter-Alukoffer (mit Träger ca. 800 Euro) und das 45-Liter-Alu-Topcase (mit Träger ca. 500 Euro) aus dem Werkszubehör montiert, taugt die 310 T nur für Solofahrten. Mehr Ausstattung muss man für die große Tour nicht zukaufen, denn die Zontes 310 T ist serienmäßig mit allen möglichen Extras versehen: Keyless-Go, elektrisch in zwei Stufen verstellbarer Windschild für ausgezeichneten Schutz, robuste Motorschutzbügel, Handprotektoren aus Aluminium, Gepäckträger, LED-Rundum-Beleuchtung, Lithium-Batterie, USB-Ladebuchse, hinterleuchtete Schaltereinheiten, LCD-Cockpit und auf Knopfdruck öffnende Tank- und Sitzbankschlösser.

Die Kritikpunkte sind überschaubar: Der Wendekreis ist zu groß, Vielfahrer vermissen einen Hauptständer zur Kettenpflege, und wenn die Batterie leer ist, muss sie über einen Steckkontakt in der hinteren Radabdeckung wieder zum Leben erweckt werden. Unterm Strich bleibt ein mehr als komplett ausgestattetes Motorrad, das für 4990 Euro die Messlatte in dieser Klasse kräftig anhebt.

Technische Daten Zontes 310 T

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylindermotor, 312 ccm Hubraum, 26 kW/ 35,4 PS bei 9500 U/min, 30 Nm bei 7500 U/min; vier Ventile/Zylinder, dohc, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahlrohr-Brückenrahmen; 37 mm USD-Telegabel vorne, nicht einstellbar, 160 mm Federweg; Alu-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein (Vorspannung stufenlos einstellbar), 180 mm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 110/70 R17 (vorne) und 160/60 R17 (hinten). 300 mm Einscheibenbremse vorne, 230 mm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme

zwei Fahrmodi, ABS abschaltbar

Fahrleistungen und Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit 150 km/h, 4,0 l/100 km

Maße und Gewichte

Radstand 1400 mm, Sitzhöhe 840 mm, Gewicht fahrfertig 205 kg; Tankinhalt 15 l

Preis

4990 Euro

Text: Thilo Kozik/SP-X