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BMW R 18: Erste Infos, Bilder und Daten vom neuen Super-Boxer

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © BMW

BMW visiert mit der R 18 den weltweiten Cruiser-Markt an. Für einen Erfolg – vor allem in den USA – sollen der leistungsstarke Boxermotor, das schicke Design mit Retro-Elementen und viele attraktive Extras sorgen. Erste Infos, Bilder, Daten, Preis.

  • Die neue BMW R 18 zielt direkt auf die Cruiser von Harley und Honda ab

  • Jede Menge Extras und Zubehör für individuelles Konfigurieren

  • Die R 18 First Edition soll ab Herbst 2020 erhältlich sein

Wie derzeit alle Termine, hat die Corona-Pandemie auch die Premiere der BMW R 18 am 3. April bei der legendären Handbuilt Show in Austin/Texas pulverisiert. Während Harley-Davidson gerade schwächelt, nimmt BMW einen neuen Anlauf, um mit Hilfe eines Boxer-angetriebenen Cruisers wie schon zuvor so viele Länder der Welt nun auch Amerika zu erobern.

R 18-Boxer-Motor: 1,8 Liter Hubraum, 91 PS Leistung

Der erste Versuch, dort Fuß zu fassen, fand 1997 statt und ging schief: R 1200 C hieß das nur 61 PS leistende Cruiserchen – sowohl Hubraum als auch Drehmoment und Leistung waren viel zu gering für das von Harleys riesigen V2-Motoren verwöhnte Publikum. Bis 2004 legten die Bayern diverse Varianten des Cruisers auf – keine schaffte den Durchbruch. 2005 wurde die Produktion eingestellt.

Doch wie gute Boxer nach einem bösen k.o. stand auch BMW wieder auf. Lediglich fünf Prozent beträgt der Marktanteil der bayerischen Bikes in den USA im Marktsegment 500 Kubik+. "Da ist doch noch was drin für uns!" wurde zum Credo in München. Dazu kam das 2014 vom damaligen Motorrad-Chef formulierte Ziel, im Jahr 2020 stolze 200.000 Motorräder absetzen zu wollen.

Dazu brauchte es, ganz klar, auch einen Cruiser, nicht nur die in Indien gefertigten Modelle G 310 R und GS mit mikroskopisch kleinem Einzylindermotor. Und so schuf man ein Monument von Boxermotor, im hauseigenen Jargon "Big Boxer" genannt. 1802 Kubikzentimeter Hubraum weist er auf, also 901 Kubikzentimeter pro Zylinder. Mit 67 kW/91 PS liegt die Leistung um 50 Prozent höher als seinerzeit, das Drehmoment liegt im Bereich zwischen 2000 und 4000 U/min nie unter 150 Newtonmeter.

Ein echter Bullen-Boxer, und zwar mit klassischer Luft-/Ölkühlung und zwei über der Kurbelwelle liegenden, kettenangetriebenen Nockenwellen.

Überzeugendes Retro-Design

Nicht nur in puncto Motorgröße hat BMW aus dem misslungenen Erstversuch gelernt. Auch der Stil des neuen Boxer-Cruisers ist ein gänzlich anderer: Die Bayern haben sich an ihre bald 100 Jahre währende Historie erinnert und sie in den neuen Cruiser einfließen lassen. Als Vorlage diente die 1936 erschiene R 5. Diese wies einen wunderbar anzuschauenden Starrrahmen auf und brachte deshalb keine Hinterradfederung, dafür aber ein durch und durch stimmiges Äußeres mit.

Nun lautete der Auftrag an die Entwickler, einen ebenso faszinierenden Cruiser auf die Räder zu stellen, wie es die R 5 einst war. Ein modernes Motorrad also, mit fast allen technischen Finessen, die der Markt aktuell bereithält, die aber dezent verpackt sind und die ausgewogene Linie mit ihren historischen Anklängen nicht stören. Und das sich behaupten kann gegen die zahlreichen, etablierten Konkurrenten wie etwa die Harley-Davidson FXDR 114, Harley-Davidson Low Rider S, Harley-Davidson Sport Glide, Triumph Bonneville Bobber, Triumph Rocket 3 und die Kawasaki Vulcan S.

Preis der R 18 First Edition: 22.800 Euro

Selbstverständlich gibt es bei der R 18 eine einstellbare Hinterradfederung, sie ist aber versteckt unter dem Sitz montiert. Die von der R 5 abgeleiteten Stilzitate sind mannigfaltig: etwa die offen rotierende, verchromte Kardanwelle – sie überträgt eindrucksvoll die Kraft vom mehr als nur ansehnlichen Big Boxer zum scheinbar ungefederten Hinterrad. Dann der schwarz lackierte Doppelschleifenrahmen aus Stahl, der 16-Liter-Tropfentank, die Verkleidung der Telegabel-Standrohre mit Gabelhülsen, das klassische Rundinstrument mit integriertem Display oder die Lackierung mit Doppellinierung.

Serienmäßig wird letztere nur in der First Edition geliefert, die in ganz Europa ab Herbst 2020 erhältlich sein wird. Hierzulande beträgt ihr Preis 22.800 Euro. Zur Markteinführung wird es darüber hinaus ab sofort in bestimmten Märkten ein Standardmodell geben; Deutschland gehört nicht dazu.

Viele Extras: Lenker, Räder, Assistenzsysteme

Drei Scheibenbremsen mit mächtigen Bremssätteln, eine Motorschleppmoment-Regelung, die Automatische Stabilitätskontrolle ASC, drei Fahrmodi mit den hübschen Bezeichnungen "Rain", "Roll" und "Rock" sowie ein schlüsselloses Startsystem sind im Serienumfang enthalten. Eine Rückfahrhilfe wie auch eine Berganfahrhilfe oder ein im LED-Rundscheinwerfer integriertes adaptives Kurvenlicht werden als Sonderausstattung geliefert. Die Liste der möglichen Extras für eine individuelle Note scheint endlos zu sein. Erstmals werden sogar verschiedene Rädergrößen angeboten.

Die serienmäßig schwarze "Heldenbrust" – das ist der große vordere Motordeckel – kann durch ein verchromtes Exemplar optisch veredelt werden. Dazu kommen diverse Lenker, Spiegel, Zylinderhauben, und, und, und. Als Krönung hat BMW mit Stardesigner Roland Sands zwei Design-Kollektionen entwickelt, und es gibt feine Extra-Auspuffanlagen der US-Marke Vance & Hines.

Auch höchst spezielle, handgefertigte Sitze sowie Sitzbänke des US-Herstellers Mustang finden sich im Sonderausstattungs-Wälzer. Ein Soziuspaket für die einsitzige First Edition ist ebenfalls dabei, für bescheidene 250 Euro.

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Typisch Cruiser: Lässige Sitzhaltung, cooler Anblick

Bleibt noch das nach einem ausreichend üppigen Motorvolumen zweite entscheidende Cruiser-Kriterium: die lässige, tiefenentspannte Sitzposition. Hier birgt der Boxermotor mit seinen beiden weit abstehenden Zylindern eine Gefahr. Doch BMW schwört, dass die "mid-mounted-footpeg"-Position nicht nur beste Fahrzeugkontrolle, sondern eine absolut stimmige Cruiser-Ergonomie ermögliche. In Serienauslieferung liegt die Sitzhöhe des 345 Kilo wiegenden Bayern-Kolosses bei nur 69 Zentimetern. Wer will, kann sich ganz nach Gusto platzieren: Es gibt nicht nur höhere Sitze, sondern auch Trittbretter sowie zusätzliche Fußstützen.

Fazit: Man scheint also an alles gedacht zu haben, damit der infolge der Corona-Pandemie sicher nicht einfacher gewordene Schritt über den Großen Teich erfolgreich wird, und der Cruiser dann auch weltweit durchstartet.

Technische Daten BMW R 18 First Edition

Herstellerangaben

Motor/Getriebe

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, OHV, vier Ventile pro Zylinder, 1802 ccm Hubraum, 67 kW/91 PS bei 4750 U/min., 158 Nm bei 3000/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kardan

Fahrwerk

Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen; Teleskopgabel ø 49 mm vorne, 12 cm Federweg; Cantilever-Federbein hinten, Federbasis einstellbar, 9 cm Federweg; Drahtspeichenräder; Reifen 120/70 R 19 (vorne) und 180/65 B 16 (hinten). 30 cm Doppelscheibenbremse vorne, 30 cm Einscheibenbremse hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1731 mm, Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 690 mm, Leergewicht 345 kg (fahrfertig), zulässiges Gesamtgewicht: 550 kg

Assistenzsysteme

Zweikreis-ABS (Teilintegral), Motorschleppregelung MSR, Automatische Stabilitätskontrolle ASC, drei Fahrmodi, aut. Blinkerrückstellung, Keyless Startsystem

Fahrleistungen, Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit über 180 km/h, 0 – 100 km/h 4,8 s, WMTC-Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,6l/100 km

Preis

ab 22.800 Euro (zzgl. Nebenkosten)

Text: Ulf Böhringer/SP-X