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Kymco Grand Dink 300i: Taiwan-Roller im Fahrbericht

Kymco Grand Dink 300i fahrend auf der Straße
Bequemer und solider Roller der 300er-Klasse: Kymco Grand Dink 300i ∙ © Kymco

Der Kymco Grand Dink 300i ist zwar kein Hightech-Vorreiter, dafür ein verlässlicher und komfortabler Gefährte für den Alltag. Testfahrt, technische Daten und Preis.

  • Günstiger als die japanische oder italienische Konkurrenz

  • Genügend Leistung für Stadtverkehr und Landstraße

  • Bequeme Sitzposition, auch für zwei Personen

Drei Motorroller bietet der taiwanesische Hersteller Kymco in Deutschland alleine in der 300er Klasse an: Grand Dink 300i, X-Town 300i und People GT 300i heißen die Modelle, angetrieben von jeweils unterschiedlichen Motoren.

Alle sind flüssigkeitsgekühlt, doch mal sind es Zweiventiler, mal Vierventiler, mal beträgt ihr Hubraum 271, mal 276 und mal 299 Kubikzentimeter. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Leistungen; sie reichen von gut 22 bis 29 PS.

Der neu designte Grand Dink 300i ist nach Hubraum und Leistung das Einstiegsmodell in die Scooter-Mittelklasse made in Taiwan. Mit seinem freien Durchstieg ist er ein besonders praktischer Vertreter der Roller-Zunft.

Und was klar für ihn spricht: Er ist (typisch für Kymco) mit einem Grundpreis von 4680 Euro günstiger als seine japanischen Mitbewerber (z.B. von Yamaha oder Honda) und sogar deutlich billiger als die 300er Vespa.

Üppig Platz auch für den Beifahrer

Die feuerrote, glänzende Lackierung des Testfahrzeuges ist von Anbeginn gut für unsere Beziehung: Fesch sieht er aus in seinem fernöstlichen "Dschunken-Design", der Grand Dink 300i.

Dink? Ein Online-Lexikon weist den Weg zum Verständnis der Modellbezeichnung: "to dink" bedeutet "jemanden mitnehmen". Das ist auf diesem Roller fraglos möglich – und zwar sehr bequem: Die ausklappbaren Fußrasten für die Sozia sind ideal positioniert, das Sitzpolster gut geformt.

Auch die Sitzposition des Fahrers ist tadellos, zudem ist die Sitzhöhe mit 76 Zentimetern erfreulich niedrig, ohne dass der Abstand zum Roller-Trittbrett ungebührlich gering wäre. Man sitzt gut als durchschnittlich großer Mitteleuropäer.

Und man fährt auch gut. Der 271 Kubikzentimeter kleine wassergekühlte Einzylinder-Viertakter schnurrt unauffällig, vibriert nur dezent und beschleunigt besser, als es seine Nennleistung von gut 22 PS vermuten lässt. Im Alltagsverkehr ist man gut motorisiert, bei Bedarf zeigt der Digital-Tacho bis zu 135 km/h an. Selbst Landstraßen-Überholmanöver aus etwa 85 km/h gelingen zügig. Positiv auch die feine Gasannahme des Einzylinders, dessen Einspritzanlage offensichtlich ausgezeichnet abgestimmt ist.

Fahrwerk: Es geht auch ohne Hightech

Auch wenn die Fahrwerkskomponenten des Kymco Grand Dink 300i bei Technik-Experten nicht für hochgezogene Augenbrauen sorgen: Sie machen ihre Sache ausgezeichnet. Es gibt zahlreiche Roller, deren Telegabeln Unebenheiten nicht so sauber wegfedern wie die des Taiwaners. 

Die Hinterhand, konzeptionsbedingt durch die schwere Triebsatzschwinge gehandicapt, kann der guten Gabel erst mit Respektsabstand folgen; härtere Stöße werden aber nur selten ans Fahrer-Kreuz durchgereicht. Keinen Grund zur Beanstandung liefern Geradeauslauf und Kurvenstabilität; der Kymco gibt sich gutmütig und ziemlich wendig.

Auch die Bremsanlage, mit je einer Scheibe vorne und hinten sowie Zweikolbenzangen technisch unspektakulär, macht ihre Sache einwandfrei; das ABS regelt sauber.

Verbrauch: Weniger als die Werksangabe

Eher old fashioned wirkt der Blick ins Cockpit. Die LCD-Anzeigen für Tacho, Tankvorrat, Kühlwassertemperatur und Uhrzeit sind erkennbar von gestern, aber gut ablesbar. Konnektivität sucht man vergeblich. Die rote Drehzahlmessernadel steht im Zentrum, obwohl man sie im Grunde nicht braucht, denn die Variomatik verhindert ohnehin spritfressende Drehzahl-Orgien.

Und so ist der Benzinverbrauch erstaunlich niedrig: Bei zügiger Überlandfahrt unterschritten wir mit 3,1 Litern/100 km deutlich den WMTC-Normwert von 3,8 l/100 km, auch bei häufigerem Vollgas erreichten wir diesen nur knapp. Gut 250 Kilometer sind mit einer Tankfüllung also immer drin.

Kymco Grand Dink 300i: Ausreichend Stauraum

Ordentliches Volumen bietet der Laderaum unterm Sitz; dank Gasdruckfeder springt die große Sitzbank quasi automatisch auf, wenn der Schlüssel im Kombischloss (Zündung, Starten, Sperren, Sitzbank) gedreht wird. Ein Integralhelm findet im LED-beleuchteten Stauraum gut Platz, dazu etwas Kleinzeug. Zudem gibt es im Cockpit ein Ablagefach mit Deckel; außerdem steht je ein Stromspender vom Typ 12 V und USB zur Verfügung. 

Weil auch der große, günstig geformte Windschild überzeugt und das Halogenlicht nachts für eine zufriedenstellende Ausleuchtung der Fahrbahn sorgt, ist alles Nötige da, um sich wohlzufühlen. Zumindest fast: Ein Topcase, das der etwas teurere Haus-Konkurrent People GT 300i serienmäßig mitbringt, hat der Grand Dink ab Werk nicht montiert.

Technische Daten

Kymco Grand Dink 300i

Motor

Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, SOHC, zwei Ventile, Hubraum 271 cm³, 16,4 kW/22,3 PS bei 7750 U/min., Drehmoment 22,6 Nm bei 6250 U/min; Variomatik, Fliehkraftkupplung, Riemenantrieb

Fahrwerk und Bremsen

Stahlrohrrahmen; vorne Telegabel Ø 3,5 cm mit 9,5 cm Federweg; hinten Triebsatzschwinge mit zwei Federbeinen, Vorspannung einstellbar, 9 cm Federweg; Einscheibenbremse vorne Ø 24 cm, Einscheibenbremse hinten Ø 20 cm, Zweikreis-ABS

Maße und Gewichte

Radstand 1,46 m, Sitzhöhe 76 cm, Leergewicht vollgetankt ca. 183 kg, Zuladung 165 kg; Tankinhalt ca. 9,5 l

Fahrleistungen, Verbrauch

Verbrauch lt. WMTC-Norm 3,8 l/100 km, Testverbrauch 3,1 bis 3,7 l/100 km; Spitze 122 km/h

Preis/Farben

ab 4680 Euro/ Rot glänzend, Silber matt

Herstellerangaben

Text: Ulf Böhringer/SP-X