Harley-Davidson Breakout 117: Das neue Power-Bike

Front und Seitenansicht der fahrenden Harley-Davidson Breakout 117
Hingucker: Die neue Harley Breakout fällt auf© Harley-Davidson

Die gründlich überarbeitete Harley-Davidson Breakout 117 ist ein bildschöner, bärenstarker Cruiser. Einige Detailschwächen hat er aber. Fahrbericht, Bilder, Daten, Preis.

  • Beeindruckende Motorleistungen

  • Anspruchsvoll im Handling

  • Optionale Antischlupfregelung

Die Harley-Davidson Breakout war einige Jahre in Deutschland das beliebteste Harley-Modell. Jetzt gibt es den bildschönen Cruiser in einer überarbeiteten Version. Geblieben ist eines: Auch das neue Modell kann man getrost als Show-Großtalent bezeichnen: Denn die Harley-Davidson Breakout 117 mit dem kryptischen Modellkürzel FXBRS hat im Grunde keinerlei Nutzwert – außer den, aufzufallen. Ob sie bei den Fahrleistungen auch punkten kann, konnten wir bei ausgiebigen Testfahrten in Kalifornien klären.

Im Test: 103-PS-Motor

Seiten- und Motordetail der Harley-Davidson Breakout 117
Die Breakout 117 hat den stärksten Motor der Marke bekommen© Harley-Davidson

Mit ihrer Lackierung in "Baja Orange", viel Chrom, gefrästen und polierten 26-Speichen-Alurädern und dem peniblen Finish aller Teile ist sie ein echter Hingucker. Die Silhouette ist elegant und der neue 19-Liter-Tank sowie die Ziffern 1-1-7 auf dem sich frei in den Fahrtwind reckenden Heavy-Breather-Luftfilter fügen sich harmonisch ins Gesamtbild. Der größte Serienmotor der Amis ist zudem eine Skulptur für sich: Polierte Zylinderrippen, verchromte Stößelstangenhülsen, das Kult-V der beiden mächtigen Pötte …

Auch wenn die Breakout 117 eher ein Kunstwerk für ca. 30.000 Euro denn ein profanes Motorrad darstellt, erfüllt sie anspruchsvolle Erwartungen. Insbesondere gilt das für die Disziplin der Längsbeschleunigung: 168 Newtonmeter Drehmoment bei 3500 U/min katapultieren den Fahrer pfeilschnell in jede gewünschte Umlaufbahn.

Suboptimaler Bremshebel

Dabei dreht der 1923 Kubikzentimeter große V2-Motor des Typs Milwaukee Eight dermaßen eilig durch das bis etwa 5500 U/min reichende Drehzahlband, dass sich die Pupillen des Piloten anfangs auf ungeahnte Dimensionen weiten. Zur Beruhigung: Die Scheibenbremsanlage fängt die schnelle Maschine trotz nur einer Scheibe im schicken, mit 21 Zoll extrem großen Vorderrad sicher wieder ein; allerdings darf der Fahrer für kernige Bremsmanöver kein Hänfling sein.

Die längst weltweit genutzte Technik, die Handhebel eines Motorrads weitenverstellbar auszulegen, hat sich offenbar noch nicht bis zu den Entwicklern im US-Staat Wisconsin herumgesprochen. Deshalb sind Fahrer mit Pranken wie Grizzlys deutlich im Vorteil, können sie doch den Handbremshebel mit der Rechten bestens umschließen, was Normalos, wie etwa dem Autor, nicht möglich ist. Entsprechend weit muss unsereiner vorausschauen, weil er große Teile der technisch vorhandenen Bremskraft wegen zu kleiner Hände nicht nutzen kann.

Bilder: Harley-Davidson Breakout im Detail

Das Schalten fordert "Kleinfüssler"

Die Sitzposition auf der Breakout ist für kurze Ausbruchsversuche bestens gelungen, wird auf längeren Ausfahrten allerdings als anstrengend empfunden. Der Fahrer sitzt nur 66,5 Zentimeter oberhalb des Asphalts, ergreift leicht vorn über gebeugt den recht weit vorne montierten Drag-Style-Lenker und muss zugleich die Beine kräftig nach vorne recken, um die Rasten zu erreichen.

Entsprechen die Stiefel nicht mindestens der Größe 45, ist der linke Fuß zum Schalten extraweit nach vorne zu strecken und zugleich in kurzen Abständen zu heben, um einen Gang höher schalten zu können. Angesichts des gewaltigen Beschleunigungsvermögens der Breakout ist in diesem Fall eine besonders ausgeprägte Koordinationsfähigkeit von Händen, Armen, Beinen und Fußgelenken von Vorteil.

Chopper-typische, sportliche Federung

Seitenansicht einer stehenden Harley-Davidson Breakout 117
Die Breakout ist gar nicht so unbequem, wie sie aussieht© Harley-Davidson

Der Sitz ist gut gepolstert, und er gibt dem verlängerten Rücken bei den fast unvermeidlichen Beschleunigungsorgien guten Halt. Dass die Federung eher – nennen wir es – sportlich ausfällt, darf bei diesem bildschönen Cruiser nicht verwundern. Aber keine Sorge: Auch wenn das Starrrahmen-Design das Fehlen einer Hinterradfederung vermuten lässt – es gibt eine. Sie hat eben nur einen Arbeitsbereich von 8,6 Zentimetern. Damit lassen sich Fahrbahnunebenheiten über fünf Millimeter natürlich nur beschränkt eliminieren. Die Telegabel macht ihre Sache im Rahmen der 13 Zentimeter Federweg dagegen gut.

Auch mit der Schräglagenfreiheit kann man zufrieden sein; ein Cruiser ist nun mal kein Sportbike – auch wenn die brutale Power – neben dem Drehmoment gilt es ja auch noch 76 kW/103 PS Leistung bei 5020/min – es mitunter anderes suggeriert. Die Höchstgeschwindigkeit der 310-Kilo-Kurzstreckenrakete von immerhin 190 km/h werden wegen des enormen Winddrucks auf Helm und Oberkörper vermutlich nur wenige auskosten.

Motorrad und Roller: Neuheiten, Tests, Fahrberichte

Markenzeichen: Cooler Sound

Frontansicht eines fahrenden Harley-Davidson Breakout 117
Die Breakout macht auch von vorne was her© 2023 Harley-Davidson Motor Company. Usage: Unlimited Worldwide

Gerne schaut man dagegen auf das stylische Anzeigedisplay am Lenker: Der serienmäßige Tempomat, das installierte Keyless-System und die Antischlupfkontrolle überzeugen. Auch wenn Harley-Davidson mit der Livewire bereits 2019 ein Elektromotorrad vorgestellt hat, so ist für die Amerikaner das Brumm-brumm-Zeitalter keineswegs vorbei. Ganz im Gegenteil: Der für Harleys unverzichtbare Sound ist bei der Breakout 117 auf einem Spitzenniveau angekommen. Das bedeutet nicht maximale Lautstärke, sondern eine besonders gelungene Akustik. Ein kurzer Dreh am Gasgriff genügt, um die Aufmerksamkeit so gut wie aller Umstehenden zu wecken und auf die chrom-orangefarbene Diva blicken zu lassen. Deren Besitzer werden das genießen.

Harley-Davidson Breakout 117: Technische Daten, Preis

Herstellerangaben


Motor

2 Zylinder, V-Motor (45°), 1923 ccm Hubraum, 76,0 kW bei 5020/min, max. Drehmoment 168,0 bei 3500 U/min, 4 Ventile/Zylinder, Einspritzanlage, Luft-/Flüssigkeitskühlung

Fahrleistungen/Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit ca. 190 km/h, Verbrauch 5,6 l/100 km

Fahrwerk/Bremsen

Doppelschleifenrohrrahmen/Stahl; 49 mm Teleskopgabel, 130 mm Federweg; Dreieckschwinge hinten, 86 mm Federweg;

Bremsen einzeln betätigt, vorne Scheibe, 300 mm, hinten Scheibe, 292 mm

Assistenzsysteme

ABS, Cruise Control, Traktionskontrolle optional

Maße und Gewichte

Leergewicht ca. 310 kg, zul. Gesamtgewicht 533 kg; Länge/Breite/Höhe 2370 / 950 / 1065 mm, Sitzhöhe 665 mm; Tankinhalt 18,9 l

Preis

28.195 Euro

Text: Ulf Böhringer/SP-X