Royal Enfield Classic 500: Infos, Daten, Bilder

Die Lackierung ”Squadron Blue“ der Royal Enfield Classic 500 stammt vom Militär
Die Lackierung ”Squadron Blue“ der Royal Enfield Classic 500 stammt vom Militär© Ralf Schütze

Die Royal Enfield Classic 500 ist ein indisches Bike im britischen Design. Die Produktion wurde 2020 eingestellt, es ist nur noch gebraucht erhältlich. Hier können Sie aber noch den Fahrbericht unserer Testredaktion von 2018 lesen.

  • Die Classic 500 EFI erfüllt nur die Euro4-Norm

  • Der Neupreis lag bei 6000 Euro

  • 130 km/h Spitze sind mit Geduld und viel Anlauf drin

Die Classic 500 im Fahrbericht von 2018

Die Classic lässt sich dank langhubiger Auslegung schaltfaul und entspannt bewegen © Ralf Schütze

Bernhard Peintner von ”Iwan-Bikes“ in Pfaffenhofen ist ein erfahrener Royal Enfield-Händler. Er weiß, welche Spezies Motorradfahrer auf ein Bike wie die Classic 500 abfährt: ”Es sind meist junge Männer Mitte 20. Die Enfield ist ihr einziges Motorrad. Sie genießen den Kultstatus der Marke. Manchmal ist sogar schon der Opa Royal Enfield gefahren. Man muss aber nicht erblich bedingt verblendet sein, um die Produkte des klassisch-englischen, inzwischen jedoch rein indischen Herstellers zu mögen.

Wir nehmen Platz auf dem 800 mm hohen Schwingsattel einer zweisitzigen Royal Enfield Classic 500 EFI Squadron Blue. Das seidig matte Blau steht der klassischen Schönheit mit ihren vielen Chromteilen richtig gut. Zum Anlassen haben wir die Wahl zwischen E- und Kick-Starter. Und siehe da: Überschaubare 27,2 PS und 41,3 Nm Drehmoment können tatsächlich Spaß machen.

Puristisches Analog-Cockpit

Analoge Schlichtheit statt Digitalisierung © Ralf Schütze

Man muss sich allerdings darauf einlassen. Im ersten Moment verwirrt so einiges am indischen Retro-Bike. Beispiel: Das äußerst simple, voll-analoge Cockpit. Es wirkt auf den modernen, Connectivity-verwöhnten Motorradfahrer erschreckend schlicht – mit wenigen Kontrollleuchten, die bei Tageslicht kaum erahnen lassen, ob sie nun brennen oder nicht. Oder das Anfahren: Zwar mit leichtgängiger Kupplung, jedoch auch mit teigiger Fünfgangschaltung.

Und dann der Einzylinder: Dessen Langhubigkeit, eigentlich eine Garantie für Kraft im Drehzahlkeller, ändert nichts daran, dass sich die 195 kg schwere Fuhre nur gemächlich in Bewegung setzt. Allerdings lässt sie sich dann recht schaltfaul bewegen, während sonores Knattern die nostalgische Fahrt untermalt.

Die Classic 500 im Detail

Royal Enfield: Geschichte einer Motorrad-Legende

Royal Enfield wurde 1901 gegründet und ist die älteste durchgehend produzierende Motorradmarke der Welt. Die Produktion in England endete 1970 mit einer Pleite. Seither entstehen die Traditions-Bikes beim ehemaligen Importeur Madras in Indien, der bereits seit 1953 Maschinen montiert.

Seit 1994 firmiert "Enfield India" wieder als "Royal Enfield" und exportiert Motorräder in alle Welt. Neben den klassischen Einzylinder-Bikes wie der Classic 350 gehören heute unter anderem die Zweizylinder-Bikes Interceptor und Continental GT 650 zur Modellpalette.

Höchstgeschwindigkeit ca. 130 km/h

Faszinierend, wie viel Fahrspaß man mit nur 27 PS haben kann © Ralf Schütze

Schon nach wenigen Kilometern macht sich mehr und mehr innere Ruhe breit. Ein erhabenes ”cooles“ Gefühl übermannt einen. Jedem PS-hungrigen Zweifler möchtest man nun breit grinsend zuflüstern: ”Wem jagst Du da hinterher?“ Dem Royal-Enfield-Fahrer genügt das Hier und Jetzt auf dieser Maschine, die ihn mit viel Anlauf mit bis zu knapp 130 km/h über die Straße tragen kann.

Die Verzögerungswerte sind zwar so, dass man wirklich vorausschauend bremsen sollte – aber genau diese Art der entschleunigten Fortbewegung ergibt sich auf der Royal Enfield Classic 500 EFI wie von selbst. Auch wenn ihr ein paar PS mehr vielleicht ganz gut stehen würden, ohne ihren Charme zu schmälern. Aber hier begnügen wir uns mal mit 27,2 PS bei 5250 U/min.

Einfaches Konzept mit wenig Elektrik

Klassisch: Starr montierte Fußrasten und die großflächige Fußbremse © Ralf Schütze

Royal Enfield gilt als älteste produzierende Motorradmarke der Welt. Seit 2009 werkelt in der Classic 500 ein neuer luftgekühlter Einzylinder, der seit 2017 die Euro-4-Norm erfüllt. Trotz moderner Komponenten wie der Einspritzung von Keihin gönnt sich der Motor jahrzehntelang bewährte Details wie eine untenliegende Nockenwelle und eine Ventilsteuerung via Stoßstangen und Kipphebel. Das Konzept des gesamten Motorrads ist überzeugend simpel. So beherbergt der linke Seitenkasten nicht nur die überschaubare Elektrik, sondern auch ein Bordwerkzeug samt Reifenmontierhebel.

Große Reichweite und geringer Verbrauch

Am Wohlfühl-Faktor, den die Royal Enfield Classic ausstrahlt, ändern auch kleine Ausrutscher nichts. Dazu gehört  der manchmal ungut schwingende Sattel mit seinem nicht gerade rutschfesten Bezug. Oder die etwas eigenwillige Sitzposition mit weit vorne liegenden Fußrasten und einem ganz schön breiten Tank. Der schluckt trotz seiner ausladenden Dimension nicht mehr als 13,5 Liter. Aber 2,9 l/100 km Herstellerangabe erweisen sich als realistisch, und so kommt man mit einer Füllung immerhin rund 450 km weit.

Geteilte Freude ist oft doppelte Freude: Wer sich mit der 500 EFI durch die Straßen bewegt, erntet häufig bewundernde oder zumindest freundliche Blicke – auch von den Autofahrern, an denen er sich gerade vorbeischlängelt.

Technische Daten Royal Enfield Classic 500

Herstellerangaben

Royal Enfield Classic 500 EFI


Motor

Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder-Motor, Hubraum 499 ccm, Leistung 20,3 kW/27,2 PS bei 5950 U/min, max. Drehmoment 41,3 Nm bei 4000 U/min, Fünfganggetriebe

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 128 km/h, 0–100 km/h k.A.

Fahrwerk

Einschleifen-Stahlrohrrahmen, Teleskopgabel vorne Ø 35 mm, hinten Stahlschwinge mit zwei Gasdruck-Federbeinen

Bremsen

Vorn Einscheibenbremse Ø 280 mm, hinten Einscheibenbremse Ø 240 mm, ABS

Reifen

Vorn 90/90-19, hinten 110/80-18

Maße/Gewicht

Tankinhalt 13,5 Liter, Sitzhöhe 800 mm; fahrfertig 195 kg, zulässiges Gesamtgewicht 365 kg

Text: Ralf Schütze

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