Fahrbericht: Ducati Scrambler 1100

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Ducati

Die Allrounder Ducati Scrambler 1100 tritt gegen Retro-Rivalen wie BMW R nineT oder Triumph Thruxton an. Fahrbericht, technische Daten, Bilder, Preise.

  • Komfortables Retro-Bike

  • Sehr wertige Materialien

  • Technik auf hohem Niveau

Freude bei Liebhabern des Retro-Styles: Endlich eine ”große“ 1100er Ducati Scrambler mit 86 PS. Zwischen 1962 und 1978 waren Ducatis Einzylinder-Scrambler beliebt und erfolgreich. 2015 dann die Rückkehr. Höhergelegter Auspuff, längere Federwege, Stollenreifen und ein bequemer breiter Lenker: Die typischen Scrambler-Zutaten sind weitgehend geblieben. Damit ist die große Scrambler 1100 zwar weniger agil als die 800er, sie ist aber auch das deutlich erwachsenere Bike: Längerer Radstand, mehr Sitzhöhe und -breite und eine größere Fahrzeugbreite.

Guter Komfort auf Lang-und Kurzstrecken

Ducati Scrambler 1100 stehend von der Seite
Typisch Scrambler: Breiter Lenker, Stollenreifen, höher gelegter Auspuff ∙ © Ducati

Knapp14.400 Euro sind aber ein stolzer Preis für ein 86 PS-Bike. Als klassische Retro-Beauty muss es die Italienerin mit Großkalibern wie BMW R nineT (109 PS, 15.900 Euro) oder Triumph Thruxton R (97 PS, 14.850 Euro) aufnehmen. Trotz der relativ schwachen Papierform: Unterm Strich schlägt sie sich sehr gut. Natürlich ist es auch eine Frage des Geschmacks, ob der Nostalgie-Biker eher in Richtung Italien, Deutschland oder England tendiert.

Die von uns gefahrene Ducati Scrambler 1100 Special zeichnet sich aus durch schwarze Speichenräder, Chrom-Auspuff, Aluminium-Schutzbleche, gebürstete Schwingen, goldene Gabelrohre, einen etwas niedrigeren Lenker und eine braune Sitzbank. Die bietet mit ihren Dimensionen und angenehmer Härte guten Komfort sowohl auf Kurzstrecke als auch bei stundenlangem Cruisen.

Drei Fahrmodi, hohe Qualität

Blick auf den runden Tacho der Ducati Scrambler 1100
Retro-Look mit neuer Technik: Die Angaben werden digital angezeigt ∙ © Ducati

Ein klassisches Rundinstrument beschränkt sich auf die digitale Anzeige der wichtigsten Infos – darunter Tempo, Gang, Drehzahl, Tankfüllstand und die drei Fahrmodi: "Active" lässt den V2 heftig ans Gas gehen, "Journey" ist am harmonischsten, "City" ist zum Beispiel für zeitweiligen Regen geeignet. Dabei reduziert sich die Leistung auf 75 PS. Auf nasser Fahrbahn offenbart sich allerdings ein Nachteil des coolen Looks mit kurzen Schutzblechen: Helm und Rücken werden nass und schmutzig.

Nur fünf wesentliche Teile an der Scrambler 1100 sind aus Kunststoff, wie Ducati stolz vermeldet: Die Airbox, der Sitz-Unterbau, das Elektronikgehäuse und (bei der Standard-Version) das vordere und hintere Schutzblech – ansonsten verströmen überall Alu und Co. den Eindruck von Hochwertigkeit. Das überzeugt optisch und hält auch dem haptischen Test Stand, wenn man zum Beispiel die aufwendig geformten Schalen am 15-Liter-Tank als fein eloxierte Alu-Teile identifiziert. Schön auch: die Zahnriemen-Abdeckung aus gefrästem Leichtmetall oder das gebürstete Finish der Zweiarmschwinge.

Von dieser hohen Qualität weichen leider einige Details ab: Die modernen Schalter an den Lenkerenden wollen so gar nicht zum Retro-Flair passen. Oder die recht lieblose Gabelbrücke, die ständig im Blickfeld des Fahrers liegt. Und schließlich die geradezu tollkühn verlegte vordere Bremsleitung: Sie verläuft in hohem Bogen über dem Zentralinstrument. Das soll offenbar nostalgisch an die Gaszüge früherer Modelle erinnern, kommt aber bei vielen Betrachtern nicht so gut an.

Design von gestern, Technik von heute

der Scheinwerfer der Ducati Scrambler 1100
Rundscheinwerfer mit metallenem X hinter dem Glas ∙ © Ducati

So erwachsen und muskulös, wie die 1100 aussieht, so fühlt sie sich insgesamt an. Der 1,1-Liter-V2 meldet sich sofort kräftig, aber unaufdringlich zum Dienst. Er brabbelt und pladdert, wie es Fans des klassischen L-Twin aus Borgo Panigale so mögen. Druckvoll genug und doch angenehm weich geht der Motor stets zu Werke.

Dank modernster Elektronik (Kurven-ABS, Traktionskontrolle) kommt die Kraft jederzeit berechenbar auf die Straße. Das Zusammenspiel mit dem klaglos agierenden Getriebe funktioniert vorbildlich. Das Profil der ab Werk aufgezogenen Pirelli MT 60 RS ist nicht mehr ganz jung, doch die moderne Gummi-Mischung passt zur Scrambler 1100.

Die Standardeinstellung des Fahrwerks fühlt sich zumindest für leichtere Menschen sehr straff an: Kurze Wellen in Kurven sind da ziemlich unangenehm. Doch die Upside-Down-Gabel ist voll, das hintere Federbein in Vorspannung und Zugstufen-Dämpfung einstellbar. Die Brembo-Bremsen der Ducati packen beherzt zu, da darf man vorne nicht allzu viel von der Straffheit wegregulieren. Der Kniewinkel ist für Menschen über 1,90 m recht eng, der Rest passt auch für sie. Und der breite Lenker: Er fühlt sich an wie ein Präzisionswerkzeug, mit dem man Feinstarbeit leisten kann.

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Fazit: Überzeugender Retro-Allrounder

Am Ende bleibt die Frage: Rechtfertigen 13 Extra-PS bei gleichzeitigem Mehrgewicht den Preissprung zwischen Scrambler 800 und 1100? Wer sich auf der kleineren Scrambler wohl fühlt und vor allem Wert auf wieselflinke Agilität legt, kann sich die deutlich höhere Investition wohl sparen. Wer aber ein maskulineres und größeres Motorrad sucht, wird bei der Ducati Scrambler 1100 fündig: ein überzeugender Retro-Allrounder, der noch dazu charmant die Ehre des unvergleichlich klingenden Zweiventil-V2 hochhält.

Technische Daten Ducati Scrambler 1100

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Luftgekühlter Viertakt-V2-Motor im 90 Grad-Winkel, Leistung 63 kW/86 PS bei 7500 U/min, max. Drehmoment 88 Nm bei 4.750 U/min, alternativ für Führerscheinklasse A2 ab Werk mit 35 kW/48 PS, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahl-Gitterrohrrahmen, vorn voll einstellbare Upside-Down-Telegabel von Marzocchi mit 45 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Kayaba-Zentralfederbein verstellbar in Vorspannung und Zugstufendämpfung

Maße und Gewichte

Radstand 1514 mm, Tankinhalt 15 Liter, Gewicht fahrfertig 211 kg

Bremsen

Vorn Doppel-Scheibenbremse 320 mm mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln, hinten eine Scheibenbremse gelocht 245 mm, Bosch Kurven-ABS, Reifen vorn 120/80 ZR18, hinten 180/55 ZR17 (Pirelli MT 60 RS)

Verbrauch

Normverbrauch kombiniert: 5,0 l/100 km

Preis

14.390 Euro

Alle technischen Daten zu diesem und vielen weiteren Motorradmodellen finden Sie im ADAC Motorradkatalog.

Text: Ralf Schütze