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Triumph Speed Twin: Das neue Retro-Bike im Fahrbericht

die Triumph Speed Twin fährt auf einer geraden Strasse
Reduktion auf das Wesentliche: Die Triumph Speed Twin ∙ © Triumph

Die Triumph Speed Twin verspricht Motorradfahren in Reinform. Wie gut sie das einlöst, verrät der Fahrbericht unserer Test-Redaktion. Plus: Technische Daten, Bilder, Verbrauch, Preis.

  • Die Speed Twin füllt die Lücke zwischen Thruxton und Bonneville T120

  • Der kultivierte und kräftige Reihen-Zweizylinder klingt markant wie ein V2

  • Technisch und beim Thema Sicherheit ist die Retro-Britin up to date

Die Speed Twin ist kein Streetfighter, Scrambler oder Cruiser, sondern ein klassischer Roadster: Nostalgisch gezeichnet, bestehend aus nicht viel mehr als Tank, Sitzbank, Motor und zwei Rädern. Kein modischer oder technologischer Schnickschnack, sondern die Reduktion aufs Wesentliche. Die neue Triumph Speed Twin verkörpert – zwar mit einigen zeitgemäßen Ergänzungen – Motorradfahren pur.

Alu und Stahl statt Plastik

Der Verzicht bringt in Summe Gewinn, denn alle Teile sind hochwertig und hinreißend schön verarbeitet und bestehen aus Materialien wie in guter alter Zeit: Alu und Stahl statt Kunststoff oder Carbon. Aber: Zu ungetrübter Nostalgie gehört heute unweigerlich ein Schuss Moderne, schon aus Sicherheitsgründen. Und deshalb gibt's in dieser Triumph Zutaten wie eine elektronische Drosselklappensteuerung (Ride-by-Wire), ABS sowie eine abschaltbare Traktionskontrolle, die drei Fahrmodi "Straße", "Regen" und "Sport", LED-Beleuchtung, ein digital angereichertes Doppelinstrument und eine USB-Ladebuchse. Weiteres Zubehör wie etwa ein Reifendruckkontrollsystem ist gegen Aufpreis erhältlich.

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Triumph Speed Twin: 97 PS-Motor

Beim Blick aufs Runduhren-Cockpit offenbart sich sofort die gelungene Mixtur aus Klassik und Moderne: Analoge Zeiger-Instrumente werden um digitale Infos ergänzt, so dass es an nichts fehlt. Wenn irgend möglich, geht nostalgische Gestaltung vor, so etwa beim grünen Lämpchen für den Leerlauf, das weitaus charmanter leuchtet, als ein ein digitales "N" in einem TFT-Display. Angenehm: Den Leerlauf findet man sehr leicht im geschmeidig und exakt zu schaltenden Sechsgang-Getriebe. Da verzeiht man sogar dem analogen Drehzahlzeiger, dass er im Leerlauf gerne ein bisschen auf und ab pendelt.

Der Motor ist ein guter Bekannter aus anderen "Modern Classic"-Modellen von Triumph. Zwei Zylinder ergeben zusammen 1197 ccm Hubraum; diese liefern 97 PS – genug, um das trocken 196 kg leichte Bike stets in Schwung zu halten. 112 Nm Drehmoment liegen zwar laut Datenblatt erst bei 4950/min an, doch übers gesamte Drehzahlband hinweg setzt sich der Twin mit imposanter Schubkraft in Szene.

Charakteristisch ist der unregelmäßig polternde und stets sonore Klang. Der rührt daher, dass 270 Grad Hubzapfenversatz einen V2-ähnlichen Sound erzeugen, ohne dass die Laufkultur des Zweizylinders darunter leidet.

Sitzposition auch für längere Strecken gut

Die Ergonomie der relativ kurzen Maschine überrascht: Man sitzt zwar zunächst gefühlt recht niedrig und hat nicht viel Abstand zum Lenker. Trotzdem geht es Fahrer(innen) bis 1,85 m dank ausreichend gepolstertem Sattel auch auf längeren Strecken gut. Erst bei noch größeren Piloten wird der Kniewinkel empfindlich eng. Beide Hebel sind gut angeordnet und sowohl für Kupplung als auch für Bremse verstellbar. Cool: Die an den Lenkerenden befestigten Außenspiegel bieten erstaunlich gute Sicht nach hinten, machen das Bike allerdings auch breiter. Die Blinkertaste ist etwas zu hoch angebracht. Wer dorthin drückt, wo er sie vermutet, hupt – zumindest am Anfang. 

Suboptimal: Seitenständer und Fahrwerk

Dauerhaft fummelig gestaltet sich leider die Suche nach dem winzigen und versteckt platzierten Ausleger des Seitenständers. Immer wieder tastet man mehrmals mit der Ferse herum, um ihn zu erwischen und so den Ständer herauszuklappen. Und wenn wir schon beim Nörgeln sind: Leider kann das Fahrwerk nicht ganz mit dem Motor mithalten, denn einstellbar sind nur die hinteren Federbeine.

Hier merkt man der Speed Twin ihr Kompromiss-Dasein zwischen Sport (Triumph Thruxton) und Komfort (Bonneville T120) an. Doch die Grundabstimmung passt, so dass man in der Stadt und auf nicht allzu schnell durchfahrenen Landstraßenkurven gut, sicher und zielgenau unterwegs ist.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Interessant ist ein Blick aufs Konkurrenzumfeld. Vergleichen kann man die Triumph Speed Twin am ehesten mit der 110 PS starken BMW R nineT Pure, die etwa 1000 Euro mehr kostet. Die hat zwar mit 97 PS etwas weniger Leistung als die BMW. Doch für den Fahrspaß kommt es ohnehin mehr aufs Drehmoment an, und da liegen Triumph (112 Nm) und BMW (116 Nm) nahezu gleichauf. Die Kawasaki Z 900 RS oder Hondas Nostalgie-Naked Bike CB 1100 EX sind weitere vergleichbare Mitstreiter. Im Hause Triumph ist die Speed Twin das günstigste Angebot aus der 1200er-Modern-Classics-Reihe. 

Apropos Kosten: Als Verbrauchswert gibt Triumph 4,8 l/100 km an. Diesen Wert erreichten wir mühelos. 300 Kilometer am Stück sind drin – schade deshalb, dass es von Triumph (bislang) außer einem Tankrucksack kein Gepäcksystem für längere Touren gibt. Zum Glück ist bereits der deutsche Zubehör-Spezialist Hepco & Becker in die Bresche gesprungen.

Technische Daten Triumph Speed Twin

Herstellerangaben

Motor

Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile, zwei Ausgleichswellen, 270° Hubzapfenversatz, Hubraum 1200 ccm, max. Leistung 72 kW/97 PS bei 6750 U/min, max. Drehmoment 112 Nm bei 4950 U/min, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahl-Doppelschleifenrahmen, Telegabel 41 mm mit 120 mm Federweg vorn, Aluminium-Zweiarmschwinge sowie zwei Federbeine mit verstellbarer Basis hinten, 120 mm Federweg

Bremsen

Vorn Doppelscheibenbremse 305 mm, hinten Einzelscheibenbremse 220 mm, ABS

Reifen

Vorn 120/70 ZR 17, hinten 160/60 ZR 17

Maße / Gewichte

Radstand 1430 mm, Tankinhalt 14,5 Liter, Sitzhöhe 807 mm, Trockengewicht 196 kg

Verbrauch

kombiniert 4,8 l/100 km, CO₂-Ausstoß 109 g/km

Preis

ab 12.250 €

Text: Ralf Schütze