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Piaggio Medley 125: Neuer Klassenprimus

Piaggio Medley 125 fahrend auf der Straße
Vorteilhaft auf Landstraßen: Das Spitzentempo liegt jetzt bei 99 km/h ∙ © Piaggio

Piaggio präsentiert die zweite Generation des Großrad-Rollers Medley 125 und erhöht den Druck auf den Honda SH 125. Hinsichtlich Motorleistung und Stauraum stellt der Italiener jetzt das Maß der Dinge dar. Fahrbericht, Daten, Preis.

  • Stärkerer und sparsamer Motor, mehr Stauraum

  • Reichweite ca. 200 km

  • Perfekter, günstiger Großstadt-Roller

Vier Jahre ist es her, dass Piaggio mit dem Medley 125 in das Segment der Großrad-Scooter vorgestoßen ist. Der Hersteller mit Sitz in Pontedera agierte geschickt – und hatte Erfolg: Die deutsche Zulassungsstatistik 2019 weist für den bisherigen Medley 125 ein Jahresergebnis von 530 Fahrzeugen aus, für den bislang unangefochtenen Platzhirschen aus Japan, den Honda SH 125, werden 529 Stück genannt.

Um endgültig zur Nummer eins in dieser Klasse zu werden, haben die italienischen Ingenieure dem Medley der zweiten Generation viel Feinschliff zukommen lassen. Vor dem Honda liegt er nun in zwei Disziplinen: Der Motor ist deutlich stärker und der Stauraum unterm Sitz spürbar größer.

Leistungsstarker 15-PS-Motor, Spitzentempo 99 km/h

Mit 11 kW/15 PS schöpft der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder das Leistungslimit für Leichtkraftfahrzeuge vollständig aus. Bislang waren nur 9 kW/12 PS geboten. Der Kraftzuwachs ist beim Fahren deutlich spürbar. Die Medley zieht kräftig an und das Spitzentempo liegt jetzt bei landstraßentauglichen 99 km/h. Beim Blitzstart an der Ampel wird nicht einmal das serienmäßige Start-Stopp-System zum Spielverderber: Der Motor springt schon bei einem geringen Dreh am Gasgriff wieder an, und zwar erstaunlich leise.

Grund dafür ist eine Piaggio-Neuentwicklung, die den herkömmlichen Startermotor ersetzt. Das neue System punktet zudem mit einem reduzierten Treibstoffverbrauch: 2,5 bis drei Liter genügen für 100 Kilometer, womit die Reichweite gut 200 Kilometer beträgt. Dass der Scooter bereits alle Erfordernisse der Emissionsnorm Euro 5 erfüllt, versteht sich von selbst. Homologiert ist er dieses Jahr noch nach Euro 4, was aber keinen Nachteil darstellt.

Bei der Testfahrt im dichten Verkehr in und um Genua erweist sich die zweite Medley-Generation als perfekter Roller für Stadtbewohner. Seine Fahrstabilität ist dank der großen Räder vorbildlich, ohne dass die Wendigkeit darunter nennenswert leiden würde. Wobei die Änderungen am Fahrwerk gegenüber dem Vormodell marginal sind: Die Federwege sind identisch, das Ansprechverhalten der Federung erscheint nochmals feinfühliger.

Geringfügig gewachsen ist der Hinterreifen: Er ist jetzt zwölf Zentimeter breit, vorher waren es nur elf. Sehr gut gelungen sind Sitzposition sowie die Ausformung der Sitzbank. Dass das Fahrzeuggewicht von 140 auf 144 Kilogramm gestiegen ist, fällt weder beim Fahren noch beim Rangieren negativ auf.

Sehr viel Stauraum, LED-Scheinwerfer, LCD-Display

Ein großer Unterschied zwischen den Generationen eins und zwei offenbart sich beim Blick unter die Sitzbank: Der Stauraum ist nochmals gewachsen, so dass dort jetzt zwei Integralhelme Platz finden. 36 Liter Stauvolumen gibt Piaggio an, das ist Klassen-Bestwert. Einen weiteren Schritt nach vorne macht der Medley 125 auch durch die Ausrüstung mit einem LED-Scheinwerfer sowie durch das neu gestaltete und gut ablesbare LCD-Display im Cockpit.

Wer die 100 Euro Aufpreis erfordernde S-Version des Großrad-Scooters wählt, bekommt neben roten Federn und ein paar hübsch anzuschauenden roten Applikationen an den Verkleidungsteilen die Konnektivität des MIA-Systems geliefert; damit lässt sich das Smartphone integrieren. Eine USB-Buchse im Frontfach ist selbstverständlich vorhanden. Auf großen Parkflächen ist der bei der S-Version integrierte Bike-Finder ein Vorteil.

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Die Medley ist ein günstiger, funktionaler Roller

In der Praxis zeigt sich der neue Medley 125 mit einem Basispreis von 3800 Euro als rundum gelungen. Weder am Aufbocken auf den Hauptständer noch am gut zugänglichen Seitenständer gibt es etwas zu mäkeln, auch Spiegel und der Haltegriff für Passagiere funktionieren tadellos. Ausgezeichnet abgestimmt sind die Bremsen mit je einer Scheibe vorne und hinten sowie einem ABS fürs Vorder- und Hinterrad.

Den Piaggio-Entwicklern ist mit dem neuen Medley 125 – es gibt ihn auch als geringfügig stärkere 150 Kubik-Version – ein optisch überzeugender, vor allem aber hochfunktionaler Leichtkraftroller gelungen. Damit dürfte das Rennen um die Käufergunst zwischen dem etablierten Honda SH 125 und dem Herausforderer Piaggio Medley 125 künftig noch spannender werden.

Technische Daten Piaggio Medley 125

Herstellerangaben

Motor

Flüssigkeitsgekühlter Einzylindermotor, 124,7 ccm Hubraum, 11 kW/15 PS bei 9000 U/min., 12 Nm bei 6500 U/min.; vier Ventile/Zylinder, sohc, Einspritzung, radiale Fliehkraftkupplung, CVT-Riemengetriebe

Fahrwerk

Stahlrohrrahmen, Antriebseinheit mittragend; Telegabel vorne, 8,8 cm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, zwei Federbeine, Vorspannung manuell einstellbar, 7,6 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 100/80-16 (vorne) und 120/70-14 (hinten). 26 cm Einscheibenbremse vorne, 24 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme

ABS

Maße und Gewichte

Stahlrohrrahmen, Antriebseinheit mittragend; Telegabel vorne, 8,8 cm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, zwei Federbeine, Vorspannung manuell einstellbar, 7,6 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 100/80-16 (vorne) und 120/70-14 (hinten). 26 cm Einscheibenbremse vorne, 24 cm Einscheibenbremse hinten

Preis

ab 3800 Euro

Hier finden Sie übrigens eine umfangreiche Marktübersicht über alle 125-er-Motorräder.

Ulf Böhringer/SP-X