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Yamaha MT-07: Ist der Bestseller noch besser geworden?

Yamaha MT 07 fahrend auf der Straße
Yamaha MT-07: Von Anfang an ein Verkaufsschlager ∙ © Yamaha

Die neue Generation der Yamaha MT-07 muss bei unserer Testfahrt beweisen, ob sie sich gegenüber dem Vorgänger verbessert hat. Technische Daten, Bilder, Preis. Fahrbericht aus MOTORRAD 07/2018.

  • Einfach im Handling, überzeugende Fahrleistungen

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Die MT-07 ist eine Erfolgsgeschichte. Über 120.400 Stück haben die Japaner davon weltweit seit 2014 produziert, 2017 wurden mehr als 17.000 allein in Europa abgesetzt.

Jetzt wurde das Mittelklasse-Bike optisch geschärft und funktional optimiert. Letzteres soll es für eine breitere Zielgruppe, vor allem für erfahrene Piloten, interessanter machen, ohne den gutmütigen, einsteigerfreundlichen Charakter zu verlieren.

Yamaha MT-07: Gefälligeres Design

Wie das funktioniert? Nun, äußerlich fügt sich der neue Scheinwerfer schon mal etwas gefälliger ins Bike als das platt gedrückte Pendant der Vorgängerin, und die seitlichen Lufthutzen stärken ab sofort die Familienverwandtschaft zur MT-09 und MT-10. Ein neuer, einteiliger vorderer Kotflügel und ein ebenfalls an die MT-09 angelehntes Rücklicht frischen das Design ordentlich auf. Sieht cool aus, die Neue! Den 14-Liter-Tank formte man neu, er fällt nun einen Zentimeter kürzer aus. Die länger und etwas breiter gestaltete Sitzbank füllt diesen Raum aus.

Dabei blieb die Sitzhöhe von 805 Millimetern unangetastet. Schwingt man das Bein über die Sitzbank, fühlt man sich auf dem Bestseller direkt gut untergebracht. Das spürbare Plus an Platz und Bewegungsfreiheit widerspricht der weiterhin kompakten Unterbringung überhaupt nicht. Der Lenker kommt einem auf den ersten Blick zwar etwas schmal vor, doch nach ein paar städtischen Kreisverkehren verflüchtigt sich dieser Eindruck.

Fein integriert, sportlich und lässig genug sitzt man mit 1,85 Metern Fahrergröße auf der Yamaha. Wer hoffte, dass der Sitz nun mehr Langstreckenkomfort bietet, wird allerdings enttäuscht. Nach etwa 100 Kilometern hockt man gefühlt mehr auf dem Unterbau als auf dem Polster. Aber nun ja: Gerade in diesem Bereich lässt sich schnell Abhilfe schaffen. Yamaha selbst bietet einen 28 Millimeter höheren Sportsitz an.

Einfaches Handling, gute Fahrleistungen

Haben die Änderungen an der MT-07 also nur wenig bewirkt? Im Gegenteil! Nach einem ganzen Tag Testfahrt durch andalusische Kurvenachterbahnen fällt es erfahrenen Piloten unglaublich schwer, etwas Gravierendes am Bestseller zu kritisieren. Okay, der unveränderte Zweizylinder spricht immer noch etwas ruppig auf Gasbefehle an, hängt dafür aber quicklebendig und mit astreiner Rückmeldung am Kabel. So gut sogar, dass es eine große Freude ist, auf Abschnitten mit etwas weniger Grip das Hinterrad an der Haftungsgrenze zu bewegen und leicht quer aus dem Knick zu feuern.

Zudem schiebt das Naked Bike wie bisher ab 2500 Umdrehungen druckvoll und kultiviert vorwärts, und man wundert sich immer wieder aufs Neue, wie frech der Twin gemessen an seinem Hubraum losprescht.

Ab 4000 Touren spannt er ordentlich die Kette, bei 6000 schaufelt er kräftig Kohlen nach. Geschaltet werden muss sogar erst im fünfstelligen Bereich. Die Elastizität des Zweizylinders ist schlicht phänomenal. Selbst im dritten Gang bolzt man lässig aus engen Kehren heraus. Das Sechsganggetriebe schaltet sich dabei exakt, wenn auch etwas knochig. Der in der Griffweite nicht einstellbare Kupplungshebel benötigt nur wenig Handkraft. Alles gut also?

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Nee, noch besser: Denn die bisherige Kritik an einer zu komfortorientierten Abstimmung der Kayaba-Federelemente hat sich Yamaha offenbar ganz oben ins Lastenheft geschrieben. Begeisterte das 182-Kilo-Leichtgewicht schon bisher mit tollem Handling, unkapriziösem Lenkverhalten und für diese Leistungsklasse guten Fahrleistungen, überzeugt nun auch – gerade mit Blick auf den Preis von 6799 Euro – das Fahrwerk bei sportlicher Fahrweise.

Die 41-Millimeter-Telegabel erhielt eine sechs Prozent höhere Federrate, die Zugstufendämpfung steigerte man um 16 Prozent. Der nun nicht nur in der Federbasis, sondern auch in der Zugstufendämpfung einstellbare hintere Monoshock bekam eine noch stärkere Straffungskur verordnet: 11 Prozent höhere Federrate, 27 Prozent angehobene Highspeed-Zugstufen- und eine gar um 40 Prozent gesteigerte Highspeed-Druckstufen-Dämpfung.

Natürlich sprechen die Federelemente damit auf harten Querfugen nicht so sämig an wie Highend-Premium-Produkte, doch halten sie die MT selbst bei schlimmsten Verwerfungen absolut stabil auf Kurs.

Ausreichend Schräglagenfreiheit, gute Bremsen

Neigte vor allem das Federbein der Vorgängerin bei flotter Fahrt rasch zum Pumpen, liegt die überarbeitete Yamaha (bei einer bis auf eine halbe Umdrehung geschlossenen Zugstufendämpfung) satt auf dem Asphalt, lässt sich auch beim Überfahren von heftigen Bodenwellen nicht aus der Ruhe bringen. So dübelt man mit der wieselflinken MT engagiert durchs Geläuf, vermisst auf diesem mit ausreichender Schräglagenfreiheit versehenen Allrounder weder Leistung noch Ausstattung. Auch wenn es die Japaner hier bei einem ABS und dem schlichten LC-Display belassen.

Und die Bremsen? Die bleiben wie die gesamte MT-07 ein sehr verlässlicher Partner. Der initiale Biss fällt manchem Sportfahrer zu verhalten aus, Ungeübten dürfte das aber durchaus entgegenkommen. Erhöht man den Bremsdruck am einstellbaren Bremshebel jedoch, kneifen die Festbremssättel kräftig in die Doppelscheibe und verzögern die Yamaha unter Mithilfe des ABS stets sicher.

Langsam lugt die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor, der Regen verzieht sich Richtung Meer, die Straßen trocknen stellenweise wieder ab. Und mit zurück kehrendem Grip, befindet man jetzt, mit diesem Bestseller von Yamaha zu fahren macht schlicht glücklich und vertreibt die Winterdepression. Vor allem, weil sie es mit wenigen Maßnahmen geschafft haben, das Gute noch besser zu machen. Chapeau!

Technische Daten Yamaha MT-07

Herstellerangaben

Motor/Getriebe

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle,
zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder,
Tassenstößel,Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 2 x Ø 38 mm, geregelter Katalysator,
Lichtmaschine 410 W, Batterie 12 V/9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung,
Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2688
Bohrung x Hub 80,0 x 68,6 mm
Hubraum 690 cm³
Verdichtungsverhältnis 11,5:1
Nennleistung 55,0 kW (75 PS) bei 9000/min
Max. Drehmoment 68 Nm bei 6500/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl,

Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung,

Doppelscheibenbremse vorn, Ø 282 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten,

Ø 245 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS

Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17

Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte

Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 90 mm, Federweg vorn/hinten 130/130 mm, Sitzhöhe 805 mm, Leergewicht 182 kg, zulässiges Gesamtgewicht 355 kg, Tankinhalt 17 Liter

Farben/Preis

Schwarz, Schwarz/Neon, Schwarz/Blau
Preis 6799 Euro*


Copyright: MOTORRAD*, Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG


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