Harley-Davidson Pan America: Auf großer Tour

Eine Harley-Davidson Pan America Specialin der Seitenansicht
Große Freiheit: Das Fahren abseits des Asphalts gehört zur Harley-DNA ∙ © Harley-Davidson

Die neue Harley-Davidson Pan America ist ein technischer Leckerbissen in gewöhnungsbedürftiger Schale und tritt gegen einen Bestseller aus Deutschland an. Was kann die Neue im Segment der großen Reiseenduros? Daten, Bilder, Preise.

  • Absolutes Hightech-Bike

  • Durchzugsstarker Motor

  • Ab Juni 2021 beim Händler

Harley-Davidson geht mit seinem komplett neuen Modell Pan America auf Konfrontationskurs: Unausgesprochenes Ziel der Amerikaner ist es, dem Weltbestseller BMW R 1250 GS Paroli zu bieten.

Dazu haben sie schwere Geschütze aufgefahren: Die Technik der Pan America ist von vorne bis hinten topmodern, die Ausstattung füllig, die Optik markant und sicherlich gewöhnungsbedürftig. Der Einfallsreichtum der Ingenieure war groß – sie haben sich sogar eine automatische Absenkung des Fahrzeugs im Stand einfallen lassen, eine Weltneuheit. Dank ihr können auch kleinere Fahrer mit ihren Füßen sicher den Boden erreichen.

Die Pan America gibt es voraussichtlich ab Juni in zwei Versionen: Das Basismodell kostet ab 15.995 Euro, die Special-Version, unter anderem mit semiaktivem Fahrwerk, ab 17.995 Euro.

152-PS-Motor und viele Assistenzsysteme

Seitenansicht der Harley Davidson Pan America
Herzstück der Pan America: Der komplett neue Revolution-Max-V2 ∙ © Harley-Davidson

Die Eckdaten der Pan America zeigen, wohin für Harley-Davidson die Reise gehen soll: über Straßen, Wege und Routen aller Art. Und zwar mit bis zu 220 km/h. Das neu konstruierte V2-Triebwerk mit 1252 ccm Hubraum, Vierventilköpfen und je zwei Nockenwellen pro Zylinder bietet mit 112 kW/152 PS bei 8750 U/min eine konkurrenzfähige Spitzenleistung. Das maximale Drehmoment beträgt 128 Nm bei 6750 U/min, erst bei 9500 Touren wird der Drehzahlbegrenzer tätig. Die sehr guten Leistungswerte resultieren nicht zuletzt aus der variablen Ventilsteuerung, mit der der wassergekühlte 60°-V2 ausgerüstet ist.

Die Fahrwerkskonstruktion beruht auf der mittragenden Konzeption des Motors. Der Leichtmetallrahmen selbst ist dreiteilig und besteht aus Rohr-, Guss- und Formteilen. Auch die Zweiarmschwinge ist aus Leichtmetall gearbeitet, der Antrieb erfolgt über eine Kette. Dank leichter Materialen kommt die Pan America in Basisversion auf ein fahrfertiges Leergewicht von 245 Kilogramm.

Die 47-er USD-Telegabel von Showa ist voll einstellbar, das Zentralfederbein ebenfalls, wobei die Vorspannung hydraulisch justiert wird. Der Federweg ist mit gut 19 Zentimetern ausreichend groß fürs Fahren abseits des Asphalts, die Aluminiumguss-Räder messen im Durchmesser 19 bzw. 17 Zoll.

Das Bremssystem mit Doppelscheibe vorne und Einzelscheibe hinten ist eine Neuentwicklung von Brembo. Es bietet unter anderem eine kurvenoptimierte elektronische Bremskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad. Je stärker der Fahrer bremst, desto stärker wird die Kombinationswirkung, wobei der Schräglagenwinkel in die Berechnungen einfließt. Fast überflüssig zu sagen, dass ein Sechsachsen-Sensor (IMU) montiert ist, der die nötigen Daten für dieses System und auch das Kurven-ABS, die Traktionskontrolle und vieles mehr bereitstellt.

Die Elektronik-Ausstattung der Pan America ist reichlich. Vermisst wird ein Quickshifter zum kupplungslosen Schalten, und auch radarbasierte Assistenzsysteme sind nicht im Angebot. Ansonsten ist alles vorhanden. So gibt es mehrere, teils individualisierbare Fahrmodi für Straße und Gelände, Berganfahrhilfe, Tempomat, selbstrückstellende Blinker, schlüsselloses Startsystem, Reifendruckkontrolle sowie ein farbiges 6,8 Zoll-Touchscreen-Display mit mehreren unterschiedlichen Anzeigemodi, Infotainment- und Navigationssystem.

Dafür ist eine App auf dem Fahrer-Smartphone erforderlich. Lange Touren sollten kein Problem sein: Der Tank fasst 21,2 Liter Sprit, der Verbrauch wird mit 5,5 Liter/100 km angegeben. Eher kurz erscheinen dagegen die Wartungsintervalle von 8000 Kilometern. Die Garantie ist mit vier Jahren dagegen üppig.

Special-Version mit semiaktivem Fahrwerkssystem

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Die Harley-Davidson Pan America Special bietet noch mehr Elektronik ∙ © Harley-Davidson

Zusätzlich zur Basisversion gibt es die Pan America Special. Sie ist besser ausgestattet und mit 258 Kilogramm 13 Kilo schwerer. Wichtigster Unterschied ist das semiaktive Showa-Fahrwerkssystem. Es umfasst verschiedene Modi für die Federungs- und Dämpfungsfunktion sowie eine automatische Nivellierung des Motorrads unter Berücksichtigung der Beladung. Die Sitzhöhe ist auch bei ihr zweistufig einstellbar, allerdings generell zwei Zentimeter geringer als bei der Basisversion (89,4/86,9 cm). Für 700 Euro Aufpreis ist eine automatische Fahrwerksabsenkung erhältlich.

Sie könnte den Kreis der möglichen Kunden deutlich ausweiten, denn damit reduziert sich die Sitzhöhe weiter auf 85,5 bzw. 83 Zentimeter. Die Fahrwerksabsenkung ermöglicht damit eine minimale Sitzhöhe bei beladenem Fahrzeug im Stand von rund 78 Zentimetern. Beim Losfahren liftet sich das Bike automatisch, so dass Federweg, Schräglagenfreiheit, Bodenfreiheit und Fahrkomfort unbeeinflusst sind. Vier Einstellmodi ermöglichen zudem individuelle Freiheit beim Absenk-Tempo.

LED-Beleuchtung und jede Menge Komfort

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Superlative: Die topmoderne Technik der Pan America und die üppige Ausstattung ∙ © Harley-Davidson

Bei der Special-Version ebenfalls serienmäßig sind die Kurvenlichtfunktion des waagerecht angeordneten LED-Rechteckscheinwerfers, Reifendruckkontrolle, einstellbares Bremspedal, Hauptständer, Leichtmetall-Motorschutz, Schutzbügel, Handschützer, dreistufige Griffheizung und Lenkungsdämpfer. Kreuzspeichenräder, auf denen schlauchlose Reifen montiert werden können, kosten 500 Euro Aufpreis. Für die serienmäßig auf speziellen Michelin-Enduroreifen rollende Pan America hat Harley-Davidson drei Gepäcksysteme für unterschiedliche Anforderungen entwickelt. Sie sind als Zubehör erhältlich.

Zu den geplanten Folgemodellen auf der Pan America-Plattform zählt ein 1250-er Custom Cruiser, der schon bald erscheinen soll. Zudem soll eine Motorversion mit reduziertem Hubraum in der Pipeline sein.

Text: Ulf Böhringer/SP-X

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