ADAC Unfallforschung: Untersuchen, fordern, Leben retten

PKW startet Überholmanöver eines LKWs bei Nebel und Gegenverkehr
Ein wichtiges Feld der ADAC Unfallforschung: Gefahrensituationen beim Überholen auf der Landstraße ∙ © ADAC/Sebastian Arlt

Seit 2005 analysiert die ADAC Unfallforschung schwere Verkehrsunfälle, erforscht Ursachen und erarbeitet Empfehlungen, wie Unfälle verhindert oder deren Folgen reduziert werden können. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

  • Die ADAC Unfallforschung wertet typische Unfallhergänge und Gefahrenstellen aus

  • Enge Zusammenarbeit mit ADAC Luftrettung und ADAC Technikzentrum

  • Studien ermöglichen besseren Schutz vor Unfällen

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Martin Hangen

Dank einer effektiven Zusammenarbeit gelangt die ADAC Unfallforschung zu Erkenntnissen, die Leben retten. Mit mehr als 4000 Einsätzen pro Jahr hat die ADAC Luftrettung einen genauen Überblick über häufige Unfallszenarien und typische Unfallorte. Das ADAC Technikzentrum wertet diese Protokolle und Daten anonymisiert aus. Zusätzlich kann die ADAC Unfallforschung auf Informationen von Polizei, Feuerwehr oder Sachverständigen zurückgreifen.

Regelmäßig veröffentlichte Studien dienen einem Ziel: mehr Unfallschutz, weniger Schwerverletzte und weniger Unfalltote.

Überholunfälle auf Landstraßen verhindern

Ein silberner Opel überholt einen silbernen BMW Kombi auf einer Landstraße
Nur ausscheren, wenn der Überholvorgang sicher zum Ende kommt ∙ © ADAC/Wolfgang Groeger-Meier

Nirgendwo passieren in Deutschland mehr schwere Unfälle als auf Landstraßen. Unfälle gehen dort häufig mit Verletzungen und Todesfällen einher. Die ADAC Unfallforschung fand heraus: Crashs beim Überholen kommen zwar relativ selten vor, haben aber besonders schwerwiegende Folgen. Sie sind für sechs Prozent der Unfalltoten verantwortlich.

Die meisten Überholunfälle (41 Prozent) passieren, weil Pkw-Fahrer sich verschätzen. Fehlendes Bewusstsein, welche Sichtweite für einen sicheren Überholvorgang nötig ist, führt zu gefährlichen Situationen und Unfällen. In vielen Fällen braucht es mehr als 700 Meter überschaubare freie Strecke, um sicher überholen zu können.

Die Straßensicherheit könnte verbessert werden, wenn es mehr dreispurige Landstraßen mit abwechselnden Überholstrecken gäbe. Assistenzsysteme für Überholmanöver könnten fahrzeugseitig für Verbesserung sorgen. Vor allem aber sollten Autofahrer die erforderliche Sichtweite für Überholvorgänge kennen. Hier würde eine bessere Schulung bei der Führerscheinausbildung helfen.

Ausführlicher Bericht der ADAC Unfallforschung zu Unfällen auf Landstraßen

Junge Fahrer unterstützen

Junge Frau sitz mit Handy im  Auto nach einem Unfall
Junge Autofahrer verfügen über wenig Erfahrung im Straßenverkehr ∙ © Shutterstock/Halfpoint

Sehr oft sind junge Leute in schwere oder tödliche Verkehrsunfälle verwickelt – mehr als doppelt so oft wie Autofahrer über 25 Jahre. Die Gründe sind vielfältig: wenig Erfahrung, Selbstüberschätzung, vergleichsweise alte Fahrzeuge mit veralteter Sicherheitsausstattung.

Was kann man dagegen tun? Die ADAC Unfallforschung hat die Unfälle junger Fahrer untersucht und analysiert.

Detaillierte Ergebnisse und Empfehlungen des ADAC zum Unfallgeschehen junger Fahrer sowie eine Liste günstiger, aber sicher ausgestatteter Gebrauchtfahrzeuge

Motorradfahrer schützen

Motorrad und Helm liegen nach einem Unfall mit einem Auto auf der Straße
Nur in 30 Prozent der Fälle ist der Motorradfahrer schuld ∙ © Shutterstock/Photographee.eu

Wenn Motorradfahrer in Unfälle verwickelt sind, ist ihr Risiko, dabei verletzt oder getötet zu werden, viermal so hoch wie das von Autoinsassen. Unfallgegner von Bikern ist in acht von zehn Fällen ein Pkw, aber nur in 30 Prozent der Fälle sind die Motorradfahrer die Schuldigen. Die Todesopfer eines solchen Crashs sind wiederum zu 90 Prozent die Zweiradfahrer.

Angesichts dieser Zahlen hat der ADAC die Ursachen solcher Unfälle und Schutzmaßnahmen für Motorradfahrer untersucht. Dabei geht es nicht nur um die Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer für die Belange der Motorradfahrer, um das "Übersehen" von Bikern im Straßenverkehr zu verhindern. Auch die richtige Bekleidung von Motorradfahrern, Schutzsysteme auf der Straße (z.B. geeignete Leitplanken) und die Sicherheitsausstattung der Motorräder (z.B. ABS, LED-Tagfahrlicht) spielt eine Rolle.

Ausführlicher Bericht zur Auswertung von Motorradunfällen

Assistenzsysteme für Fahrzeuge

ABS, Verkehrszeichenerkennung oder Spurverlassenswarner sind nur einige Fahrerassistenten.

Weitere Infos und Funktionsweisen von Assistenzsystemen im Auto

Kreuzungsunfälle vermeiden

Ein weisses und silbernes Auto mit Blechschäden nach einem Unfall, Blechteile liegen am Boden
Häufig wird der andere Verkehrsteilnehmer übersehen ∙ © Shutterstock/mhp

Fast jeder vierte Verkehrsunfall in Deutschland passiert beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen. Aufgrund der Verkehrssituation wird bei diesen Unfällen oft die Fahrzeugseite beschädigt, was zu schweren Verletzungen führen kann. Zweiradfahrer sind dabei besonders gefährdet.

Die ADAC Unfallforschung hat Unfälle beim Abbiegen, Einbiegen und Kreuzen von Kreuzungen näher untersucht. Häufig führt das Übersehen des anderen Verkehrsteilnehmers zum Unfall, daher treten Fahrerinnen und Fahrer ab 65 Jahren im Vergleich zum Gesamtunfallgeschehen stärker als Verursacher in Erscheinung.

Ein weiteres Unfallrisiko stellen die wegen der hohen Crash-Anforderungen heute stabiler und dicker ausgeführten A-Säulen am Pkw dar. Sie schränken das Sichtfeld des Fahrers ein und können ein herannahendes Fahrzeug leichter verdecken als frühere, schmaler konstruierte A-Säulen. Abhilfe können sowohl Optimierungen am Fahrzeugdesign für eine bessere Rundumsicht als auch die verkehrssichere Gestaltung von Einmündungen und Kreuzungen schaffen. Auch die Weiterentwicklung von Assistenzsystemen in den Fahrzeugen kann dazu dienen, die Gefahr von Unfällen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen zu minimieren.

Der vielleicht entscheidendste Sicherheitsfaktor zur Vermeidung von Kreuzungsunfällen sitzt jedoch am Steuer. Wer seinen Sitz optimal einstellt und sich schon beim Heranfahren an eine Kreuzung einen Überblick zur aktuellen Verkehrssituation verschafft, kann maßgeblich dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Das regelmäßige Überprüfen der eigenen Sehfähigkeit sollte darüber hinaus selbstverständlich sein.

Ausführlicher Bericht der ADAC Unfallforschung zu Kreuzungsunfällen

Abkommen auf den Seitenstreifen

Ein blaues Auto ist auf den Seitenstreifen geraten und bremst
Tipp: Erst bei deutlich reduzierter Geschwindigkeit zurücklenken ∙ © ADAC/Theo Klein

Auf Landstraßen in Deutschland verunglücken jährlich mehr als 2000 Menschen tödlich. Häufige Unfallursache ist ein unbeabsichtigtes Abkommen auf den Seitenstreifen. Die bauliche Beschaffenheit der Straßen sollte daher selbsterklärend für die Verkehrsteilnehmer sein und kleinere Fahrfehler verzeihen können.

Assistenzsysteme, die den Fahrer dabei unterstützen, die Spur zu halten, sollten stetig verbessert werden und in allen Fahrzeugklassen erhältlich sein.

Was kann der Fahrer tun, wenn er dennoch unbeabsichtigt auf den Seitenstreifen gerät? Wenn möglich, sollte das Fahrzeug im Bankett gehalten und moderat heruntergebremst werden. Erst bei deutlich reduzierter Geschwindigkeit wieder auf die Fahrbahn lenken, um ein Schleudern oder Ausbrechen des Pkw zu vermeiden.

Ausführlicher Bericht zu Abkommensunfällen auf Landstraßen

Tipp: Die ADAC Rettungskarte

Laut ADAC Unfallforschung kommt es bei jeder fünften Rettung zu Problemen mit eingeklemmten Personen. Auf der Rettungskarte, die hinter die Fahrersonnenblende geklemmt wird, finden Einsatzkräfte alle Informationen, um nach einem schweren Autounfall das Fahrzeugwrack an der richtigen Stelle aufzuschneiden und die Insassen schnellstmöglich zu retten.

Inzwischen bieten alle Autohersteller für ihre Modelle die Karte an, zunehmend nutzen die Feuerwehren auch die online abrufbare Rettungskarte. 2011 wurde die vom ADAC entwickelte Rettungskarte von der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" ausgezeichnet.

Die ADAC Rettungskarte zum Download

Rettung aus Elektrofahrzeugen

Nach einem schweren Verkehrsunfall ist es enorm wichtig, verletzte Personen möglichst schnell in ein Krankenhaus zu bringen. Nur: Die Bergung der Verletzten aus einem Unfallwagen kann je nach Unfallgeschehen und Bauart der beteiligten Fahrzeuge sehr lang dauern.

Der ADAC hat in einem Forschungsprojekt untersucht, ob die Bergung aus einem Elektroauto wegen der dort verbauten Hochvolttechnik zu Verzögerungen führt. Das Ergebnis: Das ist nicht der Fall.

Ausführlicher Bericht zur Rettung aus Elektrofahrzeugen

Notbremssysteme für Lkw

Blick aus einem LKW auf ein Hindernis, während des Bremsassistenten-Tests.
Notbremsung aus Sicht des Fahrers ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Auch die Forderung nach einem Notbremsassistenten für Lkw ist eine Folge der Tests von ADAC Spezialisten. Wenn ein Lkw mit 70 km/h ungebremst auf ein Stauende prallt, haben die Insassen der vor ihm stehenden Pkw fast keine Überlebenschance. Die Fahrzeuge direkt vor dem Lkw werden dabei in Bruchteilen von Sekunden zermalmt. Das liegt an den großen Gewichtsunterschieden zwischen Lkw und Pkw. Unfallursache sind häufig Unaufmerksamkeit und zu geringe Sicherheitsabstände.

Mit einem automatischen Notbremsassistenzsystem im Lkw würde die Überlebensrate der Menschen in den Autos deutlich steigen. Der Gesetzgeber schreibt sie seit November 2015 vor, die Anforderungen an diese Systeme sind aber nicht sehr hoch. Anhand von drei Lkw-Modellen wurde untersucht, wie gut verschiedene Systeme funktionieren.

Ausführlicher Bericht zu Lkw-Notbremsassistenten

Weitere Berichte der ADAC Unfallforschung

Fachliche Beratung: ADAC Ressort Test und Technik

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