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Sommer 516: Diesel-Motorrad im Fahrbericht

Nahaufnahme Lenker Sommer 516 Motorrad
Die Sommer Diesel 516 wird im mittelfränkischen Geyern gebaut ∙ © Andrea Sommer

Ein nagelndes Diesel-Zweirad mit lächerlichen 12 PS – was soll das? Der Fahrbericht unserer Test-Redaktion verrät den Reiz des kuriosen Bikes. Plus: Bilder, technische Daten und Preis.

  • Die Firma Sommer in Mittelfranken baut weniger als 50 Diesel-Bikes pro Jahr

  • Selten steckte ein Motorrad so voller Überraschungen

  • Wer Entschleunigung auf zwei Rädern sucht, ist hier richtig

Wacker stampfend nagelt der Einzylinder vor sich hin. Ich spüre jede einzelne Zündung des grobschlächtig wirkenden Dieselmotors. Man könnte meinen, dass sowas im Rahmen eines Motorrads nichts verloren hat. Doch weit gefehlt: Nach nur wenigen Kilometern Eingewöhnung finde ich immer mehr Gefallen am nagelnden Motorradfahren. Das Schalten mit dem rechten Fuß ist ebenso gewöhnungsbedürftig, wie der Klang des Industriemotors, der sonst eher stationär und gut versteckt seine Dienste verrichtet.

Leistung 12 PS, Höchstgeschwindigkeit 105 km/h

Hat man sich erst einmal mit der ungewohnten Art des Gangwechsels und der Klangkulisse abgefunden, schmeichelt sich die Sommer Diesel 516 zunehmend ein. Tapfer tuckernd trägt sie ihren Fahrer durch die Gegend, wuchtet niedertourig und unaufdringlich ihre Kraft aufs Hinterrad. Das ist pures Fahren. Zum Verzögern der 165 kg schweren und maximal 105 km/h schnellen Maschine genügen eine Scheibe vorn und eine Trommelbremse hinten völlig.

27,5 Nm Drehmoment bei 2000/min. – die Sommer entwickelt sehr früh ihre maximale Schubkraft. Schalten ist eigentlich unnötig. Wer gemütlich (anders will man das gar nicht) über die Landstraßen zuckelt, tut dies ebenso im vierten Gang, wie bei der Fahrt durch eine Ortschaft. Und schaltet man trotzdem mal in den dritten zurück, ist schon bei 2500/min wieder die Vier angesagt. Motorradwandern nennt Hersteller Jochen Sommer das.

Der Antrieb heißt 1B50 und stammt von der Firma Hatz aus dem niederbayerischen Ruhstorf an der Rott. Der unscheinbare Dampfhammer – entwickelt ursprünglich für nautische und stationäre Zwecke – hat's in sich. Wer den Motor technisch verstehen möchte, muss neue Vokabeln lernen. Dazu gehören Begriffe wie "Gebläsekühlung" (auf dem Schwungrad), "Plungertype-Einspritzpumpe" und "Doppelwirbelbrennkammer" oder auch "Wechselstromalternator" und "Zugfederregler".

Sommer Diesel 516: Langlebig und elektronikfrei

Hinter der genialen Verbindung des Hatz-Diesels mit einem Motorrad steckt Jochen Sommer aus dem mittelfränkischen Geyern. Hier zwischen Ingolstadt und Nürnberg kreierte er das nach ihm benannte Diesel-Bike. Wer den sympathischen Kopf hinter dem Sommer-Dieselmotorrad kennenlernt, glaubt seiner Versprechung sofort: "Die 516 ist ein langlebiges, elektronikfreies Motorrad, das keinen kurzzeitigen Modeschwankungen unterliegt. Es gibt sie nur in einer Ausführung, was für uns und unsere Kunden die Ersatzteilversorgung einfach hält." 

Vorläufer des heutigen Modells war ab 2001 die Sommer Diesel 462. Mit dem Jahrgang 2010 hatte jedoch die Verwendung eines Royal Enfield-Fahrgestells ein Ende, weil die Inder ihre klassischen Modelle Bullet 350 und 500 einstellten. Jochen Sommer: "Mit der Testfahrt des neuen Diesel-Motorrads im Februar 2011 begann für uns eine neue Zeitrechnung."

Seither entsteht der Rahmen unter seiner Regie mit optimierter Geometrie bei Welte Rohrbiegetechnik in Neu-Ulm. "Die verarbeiten nahtloses Stahlrohr zu wunderschönen Rahmenteilen. Und Düllmann & Battke aus Krefeld schweißt das Ganz zu einem Kunstwerk zusammen," schwärmt Sommer, der übrigens seine Diplomarbeit unter anderem über den berühmten Schweizer Tuner Egli schrieb.

Schlichtes Design, 600 km Reichweite

Kein Wunder, dass man beim Fahren der neuen Sommer Diesel keine böse Überraschung erlebt. Für die mögliche Dynamik ist das Fahrwerk des mittelfränkischen Kleinserienmotorrads offenbar genau richtig. Das gilt auch für lange Reisen, bei denen die Sommer mit kaum mehr als 2,0 l/100 km Praxisverbrauch und gut 600 km Reichweite besticht. Die Ergonomie stimmt, und auch nach längerer Fahrt fühlt man sich wohl auf dem nagelnden Entschleuniger.

9950 Euro kostet das Bike aus der Manufaktur. Wem das zu teuer erscheint – Gebrauchte sind kaum zu bekommen. So reagiert Jochen Sommer auch ganz selbstbewusst: "Wer heute eine Sommer Diesel besitzt, gibt sie nicht wieder her. Vielleicht liegt das daran, dass wir auch für Sonderwünsche unserer Kunden ein Gefühl haben." Die werden mit reichlich Zubehör, darunter eine Windschutzscheibe, Packtaschen oder Heizgriffe, aber auch mit individuellen Lackierungen ohne Aufpreis erfüllt.

Ein Kritikpunkt bleibt: Es gibt kein ABS für die handgefertigten Bikes. Sommer: "Es ist schlichtweg nicht bezahlbar in der Kleinserie." Auch 2020 können Dieselmotorräder ohne ABS gekauft und zugelassen werden. Sie wurden bereits nach der bisherigen Betriebserlaubnis freigegeben, erfüllen jetzt aber die Abgasnorm Euro 4.

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Technische Daten

Sommer Diesel 516

Motor

Gebläse- und luftgekühlter Einzylinder-Viertakt-Dieselmotor, zwei Ventile (durch Stoßstangen und Kipphebel betätigt), Hubraum 516 ccm, max. Leistung 8,5 kW/12 PS bei 3500 U/min, max. Drehmoment 27,5 Nm bei 2000 U/min, klauengeschaltetes Vierganggetriebe (Schaltung rechts), Zahnriemen

Fahrwerk

Einschleifen-Stahlrohrrahmen mit geschlossenen Unterzügen, Teleskopgabel, Hinterradschwinge mit zwei Federbeinen

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 105 km/h

Bremsen

Vorn Einzelscheibenbremse 280 mm mit Zwei-Kolben-Schwimmsattel, hinten Bremstrommel 152,4 mm, kein ABS

Reifen

Vorn 3.25-19, hinten 3.50-19

Maße / Gewichte

Radstand 1410 mm, Tankinhalt 13,5 Liter, Sitzhöhe 760 mm, Leergewicht 165 kg, zul. Gesamtgewicht 350 kg

Verbrauch

kombiniert 1,8 l/100 km, CO₂-Ausstoß 47 g/km

Preis

9950 Euro

Herstellerangaben

Text: Ralf Schütze