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Vespa Elettrica 70: Erste Testfahrt

Vespa Elettrica stehend im Studio
Die Roller-Ikone steht unter Strom ∙ © Vespa

Mit der wachsenden Flut von E-Rollern aus Fernost kommt viel Mittelmaß auf die Straße. Die neue Vespa Elettrica ist ein wohltuender Gegenentwurf – mit schicker Optik und feiner Technik. Erster Fahrbericht, Infos, Daten, Preis.

  • Reichweite mindestens 70 Kilometer

  • Durchdachte, hochwertige Ausstattung

  • 3 Fahrmodi: Eco, Power, Reverse

Seit einigen Jahren kommen immer mehr neue E-Roller aus vor allem chinesischer Produktion in Deutschland auf dem Markt. Mit Piaggio stemmt sich ein traditioneller Roller-Hersteller aus Europa gegen die Flut aus Fernost – mit der charmanten Vespa Elettrica. Zum Modelljahr 2020 bieten die Italiener ihre emissionsfreie Roller-Ikone in einer neuen 70-km/h-Variante an.

Vespa E-Version: Drei Fahrmodi

Auch als E-Version ist die Vespa das, was sie immer schon war: ein echter Blickfang. Neben klassischen Kurven und Premium-Anmutung bietet die Elettrica feine Techniklösungen. Dazu gehört das große Farbdisplay im Cockpit, welches grafisch hübsch aufbereitet viele Informationen wie etwa die Außentemperatur zeigt. Eine kluge Menüführung erlaubt es dem Nutzer, sich über Schalter am Lenker durch Menüs zu bewegen und viele Einstellungen vorzunehmen.

Zunächst noch etwas kompliziert mutet der Startvorgang an: Nach dem Drehen des Zündschlüssels muss man im Display einen der drei Fahrmodi Eco, Power und Reverse anwählen und diesen nochmalig mit einem längeren Tastendruck bestätigen. Erst jetzt ist die Elettrica startklar.

Der Power-Modus erlaubt das Fahren mit Maximalgeschwindigkeit. Bei der Testfahrt blieb diese allerdings unerreicht. Der in der Spitze bis zu 4 kW/5,4 PS leistende E-Motor, der exklusiv von Piaggio stammt, hat mit den 120 Kilogramm Eigengewicht des Rollers plus Fahrer kein Problem. Spritzig, leise und geschmeidig stromert die Vespa los.

Jenseits der 50 geht es zügig weiter, so ab 60 km/h wird der Geschwindigkeitszuwachs allerdings zäh. Großes Lob hat des Ansprechverhalten des Motors verdient, der exakt so auf den Gasbefehl reagiert, wie man es erwartet. Es gibt keine Verzögerung, keinen unrunden Lauf bei hohem Tempo, keine unfeinen Lastwechselreaktionen.

Mindestens 70 Kilometer Reichweite

Einen ebenfalls souveränen Eindruck hat die – leider fest montierte – Batterie hinterlassen. Der Bordcomputer zeigte beim Start der Testfahrt die von Piaggio proklamierten 70 Kilometer Reichweite an, am Ende der Tour blieben 40 davon übrig. Und das im Stadtverkehr plus frischen 10 Grad Außentemperatur. Die 70 Kilometer Reichweite der Elettrica beziehen sich übrigens auf den Power-Modus. Im Eco-Modus, der maximal 45 km/h erlaubt, sollen mehr Kilometer drin sein.

Die großzügig dimensionierte Batterie mit LG-Zellen bietet damit ein für den urbanen Einsatz mehr als ausreichendes Reichweitenfenster. Darüber hinaus lässt sich der Akku schnell laden. Maximal vier Stunden soll das Nachzapfen an einer Haushaltssteckdose dauern. Dafür steckt unter der Sitzbank ein fest installiertes Korkenzieherkabel, welches einfach in eine Steckdose gestöpselt wird. Für Laternenparker könnte es allerdings ein Problem sein, die Elettrica nachts mit Strom zu füttern. Für solche Nutzer sind E-Roller mit mobilen Batterien attraktiver.

Die Elettrica 70 hat eine gute Ausstattung

Sehr praktisch: Unter der schick bezogenen Sitzbank befindet sich ein großes Staufach, in dem ein Jethelm Platz findet. Außerdem gibt es auf der Innenseite des Beinschilds ein abschließbares Zusatzfach mit Lademöglichkeit für Smartphones. Letzteres lässt sich auch mit dem Fahrzeug verbinden. Zur Ausstattung gehört zudem ein gut ausleuchtender LED-Scheinwerfer. Anders als bei vielen E-Rollern aus China stimmt die Ergonomie, die eine tadellose Sitzposition beschert.

Das hohe Niveau der Rollerbau-Kunst beweist Piaggio auch beim Fahrwerk. Beide Räder sind einarmig geführt, was schick aussieht und sich gut fährt. Die Elettrica bleibt stets stabil, präzise und selbst bei flotten Kurvenfahrten spielerisch beherrschbar. Das Fahren in Schräglage klappt vorzüglich. Lediglich bei Linkskurven touchiert der Hauptständer manches Mal überraschend früh die Fahrbahn.

Hohes Vertrauen vermitteln die Bremsen, die dank CBS-System stark und ohne Blockierstress verzögern. Gebremst wird auch per Rekuperation. Diese zweistufig einstellbare Motorbremse arbeitet allerdings dezent im Hintergrund.
Der im Vergleich zu vielen China-Rollern erfreulich hohe Perfektionsgrad der Vespa Elettrica hat mit 6700 Euro einen leider hohen Preis. Immerhin bekommt man dafür einen rundum charmanten Stromer, der sich anders als viele Mitbewerber keinen ernsten Patzer leistet.

Vespa Elettrica 70: Technische Daten

Vespa Elettrica 70

Motor

Radnaben-Elektromotor im Hinterrad; 3,5 kW/4,8 PS Dauerleistung; 4 kW/5,4 PS Spitzenleistung; Reichweite laut Hersteller: 70 km im Powermodus; Batteriekapazität: 86,4 Ah beziehungsweise 4,2 kWh; Ladezeit: 4 Stunden

Maße und Gewichte

Länge 1,87 m/ Höhe 1,15 m/ Breite 0,74 m; Gewicht mit einer Batterie 130 kg

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 70 km/h

Preis

ab 6690 Euro (zzgl. Nebenkosten)

Herstellerangaben

Text: Mario Hommen/SP-X