Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

BMW R 1250 GS: Fahrbericht, Bilder, Daten, Preise

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Die BMW R 1250 GS hat jetzt mehr Power, mehr Ausstattung, aber ein kaum verändertes Design. Reicht das, um die Nummer eins der Reiseenduros zu bleiben? Fahrbericht unserer Test-Redaktion, technische Daten, Bilder und Preise

  • Der Motorrad-Bestseller von BMW hat jetzt 136 statt bisher 125 PS

  • Die R 1250 bietet jetzt mehr Ausstattung und Konnektivität

  • Die Preise der Enduro starten ab 16.150 Euro 

Kurzer Schockmoment beim "Tracking", der Parallelfahrt von Motorrad und Kamera-Auto für dynamische Fotos: Ein erster kräftigere Dreh am Gasgriff – und die neue BMW R 1250 GS macht aus 60 km/h im zweiten Gang einen unerwarteten Bocksprung. Nach einem kurzen Schreck, kommt die Freude: Die neue GS hat Temperament. Auch vorher war der legendäre Zweizylinder-Boxer keineswegs schwach auf der Brust. Doch soviel impulsive Schubkraft kannte man von einer GS bislang nicht.

Genau darum ging es beim Schritt von der R 1200 GS (125 PS) zur 1250er (136 PS): Leistungsmäßig sollte sie zu den weit davongeeilten Rivalen wie KTM 1290 Super Adventure S (160 PS) und Ducati Multistrada 1260 (158 PS) wenigstens ein bisschen aufschließen.

GS steht für "Gelände" und "Straße"

Jetzt steht also die große Reiseenduro, bislang mit luft-/flüssigkeitsgekühltem 1,2-Liter-Boxer-Motor unangefochtener Motorrad-Bestseller in Deutschland, beim Händler – mit 84 ccm mehr Hubraum, zahlreichen Neuerungen und mehr Ausstattung. Allerdings: Auf den ersten Blick ist die Neue nur schwer zu erkennen. Wenigstens der Modellname verrät sofort: Der Hubraum stieg auf 1250 oder exakt 1254 ccm und macht den Leistungssprung von elf PS möglich. 
Seit 1980 ist die GS – gestartet als R 80 G/S – ein Phänomen. Die beiden Buchstaben standen für "Gelände" und "Straße" und sollten die Vielseitigkeit des neuartigen Bikes signalisieren. Schnell galt die Allzweck-BMW als "Eierlegende Wollmilchsau" unter den Motorrädern. Ihre Stärken: Robustheit und Vielseitigkeit. 

Wie die BMW R 1200 GS – nur besser

Die GS beherrscht dynamisches Kurvensurfen ebenso wie komfortable Fernreisen oder nicht allzu extreme Offroad-Abenteuer. Im Laufe von sieben Generationen und mehr als 700.000 verkauften Exemplaren kletterte der Preis zuletzt für die R 1200 GS auf deutlich über 15.000 Euro. Dennoch ist sie nach wie vor nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit das meistverkaufte Motorrad. Doch auch bei den großen Reiseenduros gilt: Die Konkurrenz schläft nicht. Zu den direkten Herausforderern der GS gehören Kaliber wie die erwähnten Bikes aus dem Hause KTM oder Ducati. Mit den 11 Zusatz-PS schließt die neue GS zu diesen zwar nicht auf, doch das ist ohnehin eine akademische und überflüssige Diskussion. Die 1250er lässt keine Wünsche in Sachen Power und Performance offen. 143 statt bisher 125 Nm Drehmoment bringen Schubkraft und Druck in allen Lebenslagen.

Boxermotor mit "Shift Cam"

Das geht in erster Linie auf eine Weltneuheit zurück: Die variable Ventilsteuerung "Shift Cam" bewirkt, dass sich die beiden Einlassventile je nach Voll- oder Teillast sowie je nach Drehzahl unterschiedlich öffnen und schließen. Folge: Effizientere und dadurch sauberere Verbrennung und um vier Prozent weniger Verbrauch: 4,75 statt der bisherigen 4,96 l/100 km. Der Schriftzug "Shift Cam" steht deutlich lesbar auf den Ventildeckeln des Boxermotors – noch ein sehr dezentes Erkennungsmerkmal der neuen GS.

Unsere ersten Testfahrten zeigten: Der Motor leitet seine spontane, impulsive Kraft sehr geschmeidig aufs kardangetriebene Hinterrad. Beim Gasgeben reißt die GS zwar heftig an. Nimmt man Gas weg, bricht der Vortrieb aber nicht abrupt ab, sondern lässt sanft nach – das Vorderrad nickt nicht ein. Absolut souverän meistert die GS auch grobe Schotterpassagen oder ruppige Fahrwege, fühlt sich dabei leichter an als sie ist.

Hier finden Sie weitere Motorrad-Fahrberichte

Ducati Scrambler 1100: Erster Fahrbericht der Allrounder-Maschine.

Harley-Davidson Sport Glide: Cruiser zwischen zwei Welten.

Royal Enfield Classic 500: Testfahrt mit dem Retro-Bike. 

BMW F 750 GS und F 850 GS: Erfolgs-Enduros runderneuert

KTM 790 Duke 2018: Erste Testfahrt der rasanten Rennmaschine

Sommer 516: Kurioses Diesel-Bike mit Charme.

LED-Scheinwerfer und Connectivity

Ebenfalls positiv: Die Serienausstattung fällt umfangreicher aus als bisher. Dazu gehören ein LED-Scheinwerfer oder das 6,5 Zoll große Farb-TFT-Display samt wichtigen Connectivity-Funktionen. Die Verbindung von Motorrad und Smartphone läuft sehr bedienungsfreundlich und lenkt kaum vom eigentlichen Fahren ab. Und die serienmäßige Berganfahrhilfe "Hill Start Control" ist in der Praxis wertvoller, als man zunächst glauben mag – vor allem, wenn man mit viel Gepäck und zu zweit unterwegs ist.

Deutlicher Kritikpunkt: Das Design hat sich kaum weiterentwickelt. Dass die GS ihren legendären "Entenschnabel" (die markante Verlängerung der Front über dem Schutzblech) beibehalten würde, war zu erwarten. Aber dass sie ihrer Vorgängerin wie eine Blaupause ähnelt, erscheint doch arg mutlos.

Dank der wesentlich besseren Performance ist die neue R 1250 GS den Mehrpreis von 850 Euro aber wert. Außerdem ist das nahezu unveränderte Design ist ein Trost für GS-Fahrer, die sich 16.150 Euro nicht leisten wollen oder können: Sie haben mit ihrer "alten" 1200er kein "Alteisen" in der Garage stehen…

Die BMW R 1250 GS und ihre wichtigsten Rivalen

ModellLeistungDrehmomentGewicht (fahrbereit)Preis

BMW R 1250 GS

136 PS

143 Nm

249 kg

16.150 €

KTM 1290 Super Adventure S

160 PS

140 Nm

238 kg

17.199 €

Ducati Multistrada 1260

158 PS

130 Nm

232 kg

16.990 €

Honda VFR 1200 X Crosstourer

129 PS

126 Nm

277 kg

15.425 €

Triumph Tiger 1200 XR

141 PS

122 Nm

263 kg

14.700 €

Technische DatenBMW R 1250 GS

Motor

Luft-/Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Boxermotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und variabler Einlass-Nockenwellensteuerung "Shift Cam", Hubraum 1.254 ccm, max. Leistung 100 kW (136 PS) bei 7.750 U/min, max. Drehmoment 143 Nm bei 6.250 U/min, Sechsganggetriebe, Kardan

Fahrleistungen

Spitze über 200 km/h; 3,6 s von 0-100 km/h

Fahrwerk

Zweiteiliges Rahmenkonzept mit Haupt- und Heckrahmen, Motor mittragend, vorn Telelever mit Zentralfederbein, hinten Aluminium-Einarmschwinge (Paralever) mit Zentralfederbein (einstellbar)

Bremsen

vorn Doppelscheibe 305 mm mit Vier-Kolben-Radialsattel, hinten Einscheibenbremse 276 mm mit Zwei-Kolben-Schwimmsattel, BMW Motorrad-Integral ABS (teilintegral und abschaltbar)

Reifen

vorn 120/70 R19, hinten 170/60 R17

Maße/Gewichte

Radstand 1525 mm, Tankinhalt 20 Liter, Sitzhöhe 850/870 mm, Gewicht fahrbereit 249 kg, zulässiges Gesamtgewicht 465 kg

Verbrauch

(WMTC) kombiniert 4,75 l/100 km (WMTC) kombiniert

Preis

ab 16.150 Euro (zzgl. Nebenkosten)

Hier finden Sie viele weitere Motorrad-Fahrberichte.

Text: Ralf Schütze