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Suzuki GSX-S 750: Testfahrt, Daten, Preis

Suzuki GSX S 750 fahrend
Mittelklasse-Naked-Nachwuchs: Die neue Suzuki GSX-S 750 ∙ © Suzuki

Nachwuchs in der Mittelklasse: Suzuki evolutioniert ihr Naked Bike aus der Dreiviertel-Liter-Klasse zu einem frechen Kurvenwetzer. Fahrbericht aus MOTORRAD 04/2017.

  • Gelungenes Design

  • Gute Preis-Leistung

  • Geeignet für Einsteiger und Fortgeschrittene

Mit mehr Leistung, Feinschliff, Ausstattung und Charakter als bisher will man die Konkurrenz die Schräglage lehren. Gute Motorräder zu bauen, ist mittlerweile kein Garant mehr für einen reißenden Absatz.

Neben Preis und Leistung zählen heute mehr denn je Glaubwürdigkeit und Charakter. Ob es einem gefällt oder nicht: Das ist der Zeitgeist. Und an diesem orientiert sich auch Suzuki und verpasst dem Mittelklasse-Naked-Nachwuchs selbstbewusst den Beinamen "The Apex Predator". Eine mutige Ansage! Ob sie auch zutrifft?

Suzuki GSX-S 750: Design mit Wow-Faktor

Von ihrer zahmen Vorgängerin, der GSR 750, will man sich auf jeden Fall deutlich distanzieren. Nicht, weil sie schlecht war oder eine absolute Standuhr, sondern weil sie bisweilen ein Leben als Underdog führte. Als rundum gutes Mittelklasse-Bike vierzylinderte sie artig durch die Botanik, bot respektable Umgangsformen und Alltagsqualitäten und war für Einsteiger wie Fortgeschrittene eine echte Empfehlung.

Doch eines fehlte ihr: der Wow-Faktor, die Ecken und Kanten, der Biss. Ihre Nachfolgerin tritt nun an, um diese heile Welt in Schräglage zu versetzen. Mit zackigen Linien und kantigen Konturen lehnt sie sich äußerlich nun an das Design der großen Schwester GSX-S 1000 an, manifestiert dabei nicht nur die Familienzugehörigkeit, sondern auch den sportlichen, fast schon aggressiven Charakter.

Elegant und sehr gefällig verdeckt der neue Bugspoiler die überarbeitete Euro 4-konforme Auspuffanlage. Ein Teil des neu gestalteten, nun 16 anstatt 17,5 Liter fassenden Benzinbunkers, wird von detailreichen Seitenverkleidungen bedeckt.

Richtig cool lugen die stylischen Zehnspeichen-Aluguss-Felgen hinter den überarbeiteten, nun konisch zulaufenden Schwingarmen und den neuen Vierkolben-Radialbremssätteln hervor.

Besohlt sind die Felgen mit Bridgestones Supersport-Reifen S21 in der Sonderkennung G. Wer erwartet, dass es sich hierbei um ein günstiges Derivat des Gummis handelt, irrt. Der Pneu wurde in Zusammenarbeit mit Bridgestone für dieses Motorrad optimiert. Sowohl Karkasse als auch Form und Mischung wurden angepasst. Warum? Nun, weil das 213 Kilogramm schwere Bike schön leichtfüßig ins Eck fallen soll.

Geschmeidig durch die Kurven

Drei Gänge runtergesteppt und hinein ins Wechselkurvenbad des spanischen Hinterlandes. Leichtfüßig zwirbelt man die Suzi (auch dank der runderen Kontur der S21-G-Reifen) ins Eck, schön geschmeidig und über den gesamten Schräglagenbereich neutral dirigiert man den Nackedei durchs Kurvendickicht. Erst in schnellen Kurvenfolgen muss man am konifizierten Lenker kräftig zu Werke gehen, um die Masse flott von links nach rechts umzulegen.

Rasch merkt man, dass ein runder Fahrstil ohne hartes Beschleunigen und spätes Bremsen am besten zum Neuzugang passt. Gelungen abgestimmt präsentieren sich dabei die optimierte 41-Millimeter-Upside-down-Gabel von Kayaba und das Federbein. Beide sind lediglich in der Federbasis einstellbar, bringen für die flotte Fahrt aber ausreichend Reserven mit, ohne dass sie es an Komfort vermissen lassen.

Dazu passen die fein dosierbaren und kräftig zupackenden Bremsen, das geringe Aufstellmoment der Reifen und die überaus kommode, aber keinesfalls passive Sitzposition. Die Knie winkeln bei einer Größe von 1,78 Metern lässig ab, lediglich der Tank hätte eine Spur schmaler werden können, um die Beine etwas weniger zu spreizen.

Gelungene Evolution zum konkurrenzfähigen Preis

Hier wagt Suzuki einen Schritt, der sie klar von der Konkurrenz unterscheidet. Anstatt dem bereits aus der GSX-R 750 von 2005 stammenden Vierzylinder mehr Punch bei mittleren Drehzahlen zu verpassen, haben die Japaner die Leistungscharakteristik zugunsten einer höheren Maximalleistung spitzer ausgelegt. Unten nichts, oben alles? Nun, wer auf Attacke umschaltet, sollte die Drehzahl zumindest nicht unter 6000 Umdrehungen fallen lassen.

Wer das Messer zwischen den Zähnen hat, visiert sogar besser noch 1000 Touren mehr an. Von hier aus dreht der Vierling dafür herrlich befreit, ohne spürbaren Leistungsknick oder fiese Vibrationen bis zu seiner Maximaldrehzahl von 11.500 Umdrehungen hoch, tönt dabei heiser-kreischend aus dem großen Endschalldämpfer und erwärmt die Herzen aller Vierzylinder-Freaks.

Was dem Bike im unteren und mittleren Drehzahlbereich an Druck fehlt, versucht es, mit der soundoptimierten Airbox wiedergutzumachen. Mit kernig-schlürfendem Ansauggeräusch lässt es in diesem Bereich nicht an Charakter mangeln. Ohne Frage, die GSX-S 750 hat viele Ecken und Kanten dazubekommen. Sie taugt dabei weiterhin für (Wieder-)Einsteiger und Fortgeschrittene, ist eine gelungene Evolution ihrer Vorgängerin.

Den Beinamen "Apex Predator" wird sich die Suzuki aber erst noch im Vergleich mit der Konkurrenz verdienen müssen. Absolut konkurrenzfähig ist mit 8890 Euro der Preis.

Technische Daten Suzuki GSX-S 750

Herstellerangaben

Motor

Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 4 x Ø 32 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 400 W, Batterie 12 V/10 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette, Sekundärübersetzung 43 : 17

Bohrung x Hub 72,0 x 46,0 mm
Hubraum 749 cm³
Verdichtungsverhältnis12,3 : 1
Nennleistung 84,0 kW (114 PS) bei 10.500/min , Max. Drehmoment 81 Nm bei 9000/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel, Traktionskontrolle, ABS

Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte

Radstand 1455 mm, Lenkkopfwinkel 64,7 Grad, Nachlauf 104 mm, Federweg v/h 120/138 mm, Sitzhöhe 820 mm, Leergewicht 213 kg, zulässiges Gesamtgewicht 400 kg, Tankinhalt 16,0 Liter

Garantie und Preis

Garantie zwei Jahre
Farben: Blau, Schwarz, Rot, Weiß
Preis ab 8890 Euro**


Copyright: MOTORRAD*, Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG


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** Die Preise können sich inzwischen geändert haben.