Zero SR/S: Neuer Elektro-Sporttourer im Fahrbericht

Das Motorrad Zero SR/S fährt auf einer Strasse durch eine Kurve
Klassischer Sporttourer mit E-Antrieb: Die neue Zero SR/S ∙ © Zero

Der Elektromotorad-Pionier Zero hat seine SR-Baureihe um einen vollverkleideten Strom-Sporttourer erweitert. Mit einem drehmomentstarken Motor und hohem Fahrkomfort kann das E-Bike auf der Straße überzeugen. Fahrbericht, Daten und Preis.

  • Beeindruckende Motorleistung

  • Passable Reichweite

  • Günstige Ladekosten

Seit 14 Jahren ist das US-amerikanische Unternehmen Zero auf elektrische Motorräder spezialisiert – bekanntestes Modell bei uns ist die Zero SR/F. Jetzt versucht das Start-up aus dem kalifornischen Santa Cruz, ein bislang von Elektromotorrädern nicht abgedecktes Segment zu erobern: Die neue SR/S markiert einen Sporttourer klassischer Prägung, nur eben mit E-Motor.

TFT-Display, fünf Fahrmodi

Zero SR/S App auf dem Handy
Typisch für Elektromotorräder: Via App lässt sich das Maß der Rekuperation bestimmen ∙ © RKM

Die Zero kommt mit Vollverkleidung und zweigeteilter Sitzbank, die dem Fahrer tatsächlich ein tourentaugliches Ambiente anbietet. Niedrige 80,5 Zentimeter Höhe sorgen für entspannte Kniewinkel und einen erstaunlich hohen Lenker, zu dem sich der Pilot über die etwas zu lang geratene Tankattrappe strecken muss. Wie bei einem normalen Motorrad wird der Zündschlüssel gedreht, das bunte TFT-Display leuchtet auf, und schon beim ersten Dreh am Gasgriff geht’s richtig ab. Deshalb sollte man zunächst den Fahrmodus "Rain" einlegen, um sich an die direkte Kraftentfaltung zu gewöhnen.

Über die linke Lenkerarmatur stehen vier werksseitig vorgegebene und ein im Stand über eine kostenlose App frei konfigurierbarer Fahrmodus zur Verfügung, die Geschwindigkeit, Leistung, Drehmoment und den Grad der Rekuperation sowie die Traktionskontrolle kombinieren.

Motor: 110 PS maximale Leistung

Das Motorrad Zero SR/S stehend von der Seite
Viel Power: Die Zero liefert ein Drehmoment von 190 Newtonmeter ∙ © RKM

Aus dem Stand begeistert die Zero mit gleichmäßigem Druck in allen Fahrsituationen. Ohne Getriebe zoomt sich die Zero mächtig und nicht von Gangwechseln unterbrochen vorwärts. Das technische Datenblatt weist für den Sporttourer maximal 110 PS Leistung aus, im Fahrzeugschein steht bei Elektrofahrzeugen die Dauerleistung, die über 30 Minuten erbracht werden kann – bei der SR/S schafft der quer eingebaute bürstenlose Synchronmotor 40 kW/ 54 PS. Ausgefahren stehen kurzfristig 196 km/h an, bei Gefahr von Überhitzung durch viel Vollgas reduziert die Zero den luftgekühlten Motor und lässt maximal autobahntaugliche 173 km/h zu.

Ihr großes Pfund ist das gewaltige Drehmoment von 190 Newtonmeter, das die Zero zusammen mit dem fehlenden Getriebe konkurrenzlos durchzugsstark macht. Beim Beschleunigen von 50 auf 120 km/h vergehen bei ihr gerade mal 4,2 Sekunden, eine 165 PS starke BMW S 1000 R benötigt im letzten Gang dafür 5,9 Sekunden.

Via App lässt sich, wie bei anderen Elektromotorrädern auch, das Maß der Rekuperation bestimmen – also die Energierückgewinnung durch den vom Schub angetriebenen E-Motor, der als Generator arbeitet und die Batterie lädt. Im Fahrbetrieb wirkt das wie eine Motorbremse. Dazu setzt die Elektronik Schubbefehle gut regulierbar und nur mit minimaler Verzögerung exakt um.

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Ohne Fahrgeräusche besteht die Gefahr, zu schnell in die nächste Kurve einzubiegen. Dann hilft die gute Dosierbarkeit der Zero-Bremsen, die zwar nicht vehement zubeißen, dafür aber ein sehr gutes Gefühl für die Verzögerung ermöglichen. Wendig flitzt die 234 Kilo schwere SR/S über kleine Asphaltbänder und zischt mit sauberer Linienwahl akkurat und ohne Stabilitätsprobleme durch schnelle Kurven.

Die geringeren bewegten Massen im Motorinneren im Vergleich zum Verbrenner machen die Fahrt leicht und genussvoll. Dazu agiert die schräglagengesteuerte Traktionskontrolle sehr sensibel und zähmt den Vortrieb nur behutsam. Hochwertige, voll einstellbare Showa-Federelemente erlauben eine Justage nach Gusto. In der Grundabstimmung sprechen sie gut auf Bodenunebenheiten an und stellen mit progressiver Dämpfung eine satte Straßenlage sicher.

Reichweite: 180 Kilometer, Aufladen ca. 5 Euro

Nahaufnahme von der Elektro-Ladebuchse des Motorrads Zero SR/S
Bei längeren Touren ein Muss: Etappenziele mit Ladestopps ∙ © RKM

Kein Elektrotest kommt ohne einen Blick auf die Knackpunkte Reichweite, Ladezeit und Kosten aus. Bei gemischter und dynamischer Fahrweise reicht der voll geladene 14,4-kWh-Akku der Zero für rund 180 Kilometer Reichweite. Weil bei knappem Akku-Stand die Leistung gekappt wird, sind in der Praxis sogar mehr als 200 Kilometer drin. Die Ladezeit ist eine Frage der Ausstattung: Die Premium-Version (23.740 Euro) bietet für 2200 Euro mehr als die Standardversion (21.540 Euro) Heizgriffe, Alu-Lenkerenden und ein schnelles Sechs-kW-Ladesystem statt drei kW.

Über ein optionales Typ2-Ladekabel (300 Euro) zieht die Zero an einer Schnellladesäule – die es auf dem Land allerdings kaum gibt – gut fünf Kilowatt, bis zur Vollladung vergehen etwa zweieinhalb Stunden. An der Haushaltssteckdose fließen 2,7 kW in die Batterie, das bedeutet fünf Stunden und 20 Minuten Ladezeit. Bei einem Energiepreis von 30 Cent je kWh kostet eine Akkuladung weniger als fünf Euro – umgelegt auf knapp 200 Kilometer Fahrstrecke ist das ziemlich günstig.

Doch die Zero SR/S ist weit mehr als bloß ein gutes Elektro-Mobil mit praktischen Features wie dem Staufach in der Tankattrappe. Sie kann als grundsolides Motorrad überzeugen – Fahrwerk, Platzangebot und Tourentauglichkeit liegen auf konkurrenzfähigem Niveau. Ihr Elektroantrieb steuert reichlich, jederzeit beherrschbaren Schub bei, die Reichweite erlaubt immer noch keine Urlaubsreisen. Preislich nähern sich vollausgestattete Verbrenner langsam an. Die Zero ist sicher noch nicht massenkompatibel – ein faszinierendes Fahrerlebnis bietet sie trotzdem.

Technische Daten Zero SR/S

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Luftgekühlter bürstenloser Synchronmotor, max. Leistung 82 kW/110 PS bei 5000 U/min, Dauerleistung 40 kW/ 54 PS bei 5000 U/min, 190 Nm, kupplungsfreier Direktantrieb, Zahnriemen

Batterie

Lithium-Ionen-Akku, 14,4 kWh

Assistenzsysteme

Kurven-ABS, fünf Fahrmodi, dreistufige schräglagenabhängige Traktionskontrolle

Fahrwerk

Stahl-Gitterrohrrahmen; 4,3 cm USD-Telegabel vorne (Vorspannung, Druck-, Zugstufendämpfung einstellbar), 12 cm Federweg; Aluminiumguss-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein (Vorspannung, Druck- und Zugstufendämpfung einstellbar), 14 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70 ZR17 (vorne) und 180/55 ZR17 (hinten). 32 cm Zweischeibenbremse vorne, 24 cm Einscheibenbremse hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1,450 m, Sitzhöhe 78,7 cm, Gewicht fahrfertig 229 kg, Zuladung 225 kg

Preis

ab 21.540 Euro (Premium: 23.740 Euro)

Text: Thilo Kozik/SP-X

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