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Aprilia RS 660: Sportives Mittelklasse-Bike im Fahrbericht

Mann fährt mit Aprilia RS 660 auf der Straße
Die neue Aprilia RS 660 kostet 10.700 Euro ∙ © Aprilia

Aprilia legt mit der RS 660 ein sportives Mittelklasse-Motorrad auf, dem die Konkurrenz in Sachen Motor, Ergonomie und Fahrwerk wenig entgegenzusetzen hat. Fahrbericht, Daten, Preis.

  • Neuer, begeisternder Motor

  • Viele Assistenzsysteme

  • Seit Oktober 2020 beim Händler

Jahrelang ging es bei den Motorradherstellern nur nach oben. Frei nach dem olympischen Motto "Schneller, höher, stärker" kam eine Granate nach der anderen auf den Markt. Aktuelle Top-Bikes reißen mit über 210 PS am Hinterrad und beschleunigen derart vehement, dass sie keine acht Sekunden für den stehenden Start brauchen – auf 200 km/h. Auch Aprilia hat solche Modelle im Programm, und mit der RS 660 jetzt zudem ein feines Angebot eine Stufe unterhalb der ultrastarken V4-Motoren.

Leistungsstarker 100-PS-Motor

Motor der Aprilia RS 660
Völlig neu konstruiert: Der Reihen-Zweizylinder der RS 660 ∙ © Aprilia

Einen solchen Elfhunderter halbierten die Ingenieure aus Kostengründen, gaben ihm aber 11,7 Millimeter mehr Hub mit auf den Weg. Dazu ein Hubzapfenversatz von 270 Grad, schon fühlt sich dieser Motor wie ein charakterstarker V2 an. Manche Bauteile teilt sich der 660er mit dem V4, beispielsweise Drosselklappen, Kolbenringe und Ventile. Aus 660 Kubikzentimetern Hubraum kitzelt Aprilia 74 kW/100 PS und 67 Nm Drehmoment, gepaart mit einem ansprechenden Drehzahlband. Besonders stolz sind die Italiener darauf, dass 80 Prozent des maximalen Drehmoments bereits bei 4000 U/min anliegen und 90 Prozent ab 6250 U/min. Erst bei 11.500 Touren setzt der Drehzahlbegrenzer ein.

Aprilia startet seine neue Mittelklasse-Linie mit dem Sportbike RS 660, die nackte Tuono 660 und die geländetaugliche Tuareg 660 stehen kurz vor der Fertigstellung. Kommen diese drei Modelle wie geplant im Laufe des Jahres 2021, steht Aprilia an vorderster Front mit attraktiven Midsize-Maschinen und könnte insbesondere den japanischen Herstellern eine lange Nase drehen.

Freilich nur, wenn die Motorräder was taugen. In drei Testkriterien begeistert die neue RS 660: Motor, Ergonomie und Fahrwerk. Der Twin lässt sich zivil bewegen, nimmt sauber Gas an, selbst die Seilzug-Kupplung funktioniert leichtgängig. Sobald man den elektronischen Gasgriff aufreißt und die Drehzahl über 7000 Umdrehungen schnalzt, stiebt das Bike ungestüm nach vorn.

Beim Rauf- und Runterschalten ist keine Kupplungshand vonnöten, Aprilia liefert den Quickshifter in Serie. Das funktioniert im kurvigen Geläuf einwandfrei, sogar wenn es in Haarnadelkurven zurück in den Ersten geht.

Beeindruckend: Ergonomie und Fahrwerk

Aprilia RS 660 stehend von der Seite
Kompakt, leicht und quirlig: Die Aprilia RS 660 ∙ © Aprilia

Überhaupt fahren die Italiener das volle Elektronikprogramm auf: Kurven-ABS, Traktions- und Wheelie-Kontrolle, alle feinfühlig im glasklaren TFT-Cockpit einstellbar. Selbst das Motorbremsmoment kann man seinen Wünschen anpassen. Auch die Ergonomie spricht für Aprilias Neue. Die RS 660 ist nicht allzu hoch, selbst kleine Fahrer kommen mit ihren Füßen sicher auf den Boden, großgewachsene loben den Kniewinkel. Der schmale Rahmen erlaubt es, die Fußrasten eng und tief anzubringen, ohne dass sie in Kurven schleifen.

Oldschool wie in den 90er-Jahren sind die halbhoch angebrachten Lenkerstummel. Ausgedehnte Tagestouren gelingen mit der RS 660 ohne Muskelkater. Soll ein Beifahrer mit, muss man den aufpreispflichtigen Soziussitz anstelle des schnittigen Solisten-Heckteils montieren.

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Beim Thema Fahrwerk glänzt Aprilia, wie es sich für 54 Weltmeistertitel ziemt. Es gibt nur wenige Motorräder, die auf Anhieb so viel Vertrauen vermitteln. Es ist der 660er ganz egal, ob man sie durch Kreisverkehre prügelt, voll zusammenstaucht, über enge Passstraßen feuert – stets bleibt sie präzise und gelassen.

Auf Holperstrecken teilt das hintere Federbein aus, hier hat man die Volleinstellung samt Umlenkung eingespart. Aber es ist nachvollziehbar, dass bei 10.700 Euro Kaufpreis nicht alle Teile exquisit sein können.

Sportlich und sehr alltagstauglich

Drei Personen fahren auf drei Aprilia RS 660 hintereinander auf der Straße
Klug konzipiert: Kurvenfahrten ohne schleifende Fußrasten ∙ © Aprilia

Aprilia verspricht, das mit dem Start der Serienauslieferung einige Kritikpunkte abgestellt sein werden: Die rechte Schwingenseite bekommt einen Schutz, damit der Fahrerstiefel nicht mehr reibt. Der Fernlichtschalter wird gekürzt, damit man ihn nicht mehr versehentlich betätigt, die Logos werden überlackiert. Doch Kritik ist in diesem Fall Jammern auf hohem Niveau, denn die praktischen Dinge überwiegen. Wie die fein einstellbaren Schalt- und Bremshebel, der leicht erreichbare Seitenständer oder der herrlich kleine Wendekreis. Und das geringe Gewicht von 183 Kilogramm begeistert. Unterm Strich überzeugt die neue Aprilia RS 660 und hat in der Mittelklasse kaum Konkurrenz zu fürchten.

Technische Daten Aprilia RS 660

Herstellerangaben

Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter Parallel-Zweizylinder-Viertaktmotor, 659 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, DOHC, 73,5 kW/100 PS bei 10.500 U/min., 67 Nm bei 8500 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette

Assistenzsysteme

Kurven-ABS, dyn. Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, Motorbremse, Tempomat, fünf Ridingmodes, Quickshifter

Fahrwerk

Aluminium-Brückenrahmen; 4,1 cm Upside-down-Telegabel (Kayaba) vorne, Zug- und Druckstufendämpfung sowie Vorspannung einstellbar, 12 cm Federweg; Aluminium-Zweiarmschwinge hinten, Gasdruck-Zentralfederbein, Vorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar, 13 cm Federweg; Leichtmetallgussräder; Reifen vorne 120/70 ZR 17, hinten 180/55 ZR 17. 32 cm

Maße und Gewichte

Radstand 1,518 m, Sitzhöhe 82 cm, Gewicht fahrfertig 183 kg, Tankinhalt 15 l

Bremsen

Doppelscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten

Verbrauch

Normverbrauch 4,9 l/100 km

Preis

Ab 10.700 Euro

Ulf Böhringer/SP-X