Vespa GTS 300 hpe: Fahrbericht, Modelle, Daten, Preise

Vespa 300 fahrend in der Kurve
Dynamisch und flink zu fahren: Die Vespa GTS 300 hpe ∙ © Vespa/Rudy Carezzevoli

Die Vespa GTS 300 ist der große, kraftvolle Roller der Italiener. Wie viel man davon auf der Straße spürt, klärt der Fahrbericht unserer Testredaktion. Dazu: Technische Daten, Fakten, Preise.

  • Eine Vespa ist und bleibt eine Vespa: Die Optik ist fast unverändert  

  • Der Einzylindermotor ist drehfreudiger, stärker und elastischer

  • Ab 6599 Euro erhältlich

Zweiräder können nicht fliegen. Eines aber ist trotzdem seit Jahren auf einem Höhenflug: Die Vespa GTS 300, die stärkste aller Wespen. Jubelte der Piaggio-Konzern 2013 noch über 2600 in Deutschland abgesetzte 300er, so ist diese Zahl jetzt kaum noch ein Achselzucken wert. Stolze 5700 Exemplare der GTS 300 wurden 2018 in Deutschland verkauft – und das, obwohl durchgesickert war, dass es ab 2019 eine neue Vespa geben würde. Wie gut die neue Modellreihe ist, klärt der Fahrbericht.

Die wichtigsten Neuerungen sind unsichtbar

Vespa 300 fährt durch eine Stadt
Innerorts ist die Vespa GTS 300 hpe wendig und agil ∙ © Vespa/Rudy Carezzevoli

Schaut man sich die GTS an, bedarf es schon eines geschulten Auges, um die Unterschiede zur Vorgängerin zu erkennen. Die Linie, die Anmutung der Vespa GTS, ist gleich geblieben. Zum Glück, wird die Vespa-Gemeinde sagen.

Doch in Details zeigen sich Sorgfalt und Raffinesse der Designer im Umgang mit der Scooter-Ikone: Das seitliche Kühlergitter trägt ein wertigeres Wabenmuster, die "Krawatte" an der Vorderseite des Beinschilds ist ein wenig breiter und prägnanter. Auch das Rücklicht, wie der weiterhin kreisrunde Scheinwerfer von LEDs befeuert, ist schicker als beim Vormodell (siehe Bildergalerie unten).

Die handfesten Neuigkeiten der GTS 300 stecken unterm Blech. Der unverändert 278 Kubikzentimeter große Einzylindermotor wurde durch eine Vielzahl von Änderungen leistungsfähiger, geschmeidiger und sauberer gemacht. Er trägt jetzt das Kürzel hpe für "High Performance Engine". So wurde der Zylinderkopf neu gestaltet, was höhere Drehzahlen ermöglicht. Lieferte der bisherige Motor seine 21,5 PS bei 7500 Umdrehungen, schwingt sich das neue Triebwerk zu knapp 24 PS bei 8250 U/min auf. Macht zwölf Prozent mehr Leistung.

Feinschliff am Motor und der stufenlosen Automatik  

Vespa 300 fahrend von vorne
Komfort, Sitzposition, Bedienung – alles sehr gelungen ∙ © Vespa/Rudy Carezzevoli

Sogar um 18 Prozent erhöht sich das maximale Drehmoment auf jetzt 26 Nm. Weil auch die stufenlose Variomatik überarbeitet wurde, lässt sich die 300er nochmals ein ganzes Stück feiner fahren: Vibrationen sind kaum mehr zu spüren, der Antritt ist spontaner, der Motor dreht leichter hoch und beschleunigt den 160 Kilogramm wiegenden Roller – zumindest gefühlt – schneller, obwohl die Spitze lediglich um zwei auf 120 km/h gestiegen ist. Auf die Abgasnorm Euro 5 ist das Aggregat vorbereitet.

Dass die Vespa GTS 300 ein Kilogramm weniger wiegt als die Vorgängerin, ist keine Folge teuren Leichtbaus. Die Entwickler haben den Tank auf 8,5 Liter verkleinert und zudem das Werkzeug um zwei Teile reduziert, weil (O-Ton) "an einer Vespa ohnehin nichts kaputtgeht". Man wird sehen... 

Immerhin gibt es noch den für die Federbeinverstellung nötigen Hakenschlüssel und einen Greifer, um gegebenenfalls eine defekte Sicherung aus dem Sicherungsträger im Handschuhfach entfernen zu können. Unterhalb davon findet sich eine nützliche USB-Buchse, sodass Smartphones bei Laune gehalten werden können. Fahrer oder Fahrerin werden ihre gute Laune unterwegs kaum verlieren: Sitzposition, Sitzkomfort und Bedienung der neuesten Vespa sind bestens gelungen.

Mit 12-Zoll-Rädern ist der Komfort begrenzt

Bei der ausführlichen Testfahrt gibt sich die GTS ebenso leicht beherrschbar wie das Vorgängermodell, zeigt aber auch das gleiche Manko: Die Federung spricht auf schlechten Strecken nur zufriedenstellend an, weil die 12-Zoll-Räder und der beschränkte Federweg nicht mehr Komfort zulassen. Die Fahrstabilität leidet darunter aber nicht. Auch kurvige Strecken lassen sich zügig absolvieren.

Die Bremse – vorn und hinten je eine Scheibe – ist defensiv ausgelegt, fordert für kräftiges Verzögern also zupackende Hände. Insofern ist der Regelbereich des ABS gar nicht so leicht erreichbar. Die serienmäßige Antischlupfregelung ASR ist ein weiteres Sicherheits-Feature, das freilich nur bei sehr geringem Grip eingreift.

Touring-Variante mit Windschild und Gepäckträger

Vespa 300 stehend von der Seite
Rundscheinwerfer, "Krawatte" darunter – eine typische Vespa ∙ © Vespa/Rudy Carezzevoli

Sechs Versionen bietet Hersteller Piaggio von der Vespa GTS 300. Die Basisversion kostet (mit Euro 5) 6599 Euro. Für 6699 Euro gibt es die optisch geringfügig veränderte "Super". 6899 Euro kostet die nochmals farbiger auftretende "Supersport". Für 6570 Euro bekommt man die "Touring" mit Plexi-Windschild sowie verchromtem Heck-Gepäckträger. Topmodell ist die "GTS Supertech" für 7099 Euro (nach Euro-5-Abgasnorm). Im Nostalgie-Look mit goldenen Rädern kommt die "GTS Super Racing Sixties" daher. Diese Variante mit Euro-5-Norm kostet 6899 Euro.

Steckbrief Vespa GTS 300 hpe

Technische Daten

Vespa GTS 300 HPE ABS ASR

Motor

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 278 cm³ Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, 17,5 kW/23,8 PS bei 8250 U/min, 26 Nm bei 5250 U/min, Einspritzung, Fliehkraftkupplung, CVT-Variomatik, Antischlupfregelung

Fahrwerk

Selbsttragende Stahlblechkarosserie, gezogene Vorderradschwinge mit Mono-Federbein, zwei Federbeine (Vorspannung 4-fach einstellbar) hinten, Alu-Gussräder, Reifen 120/70 – 12 (vorn) bzw. 130/70 – 12 (hinten), 22 cm Einscheibenbremse vorn unten hinten, ABS

Maße und Gewichte

Radstand 137,5 cm, Sitzhöhe 79 cm, Gewicht fahrfertig 160 kg, Zuladung 180 kg, Verbrauch lt. WMTC-Zyklus 3,2 l/100 km, Tankinhalt 8,5 l, Spitze 120 km/h

Preis

ab 6599 Euro

Text: Ulf Böhringer

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