Kawasaki Z900: Der Topseller im Fahrbericht

die Kawasaki Z900 bei einer Fahrt in der Nacht
Einfaches Handling ohne Kraftaufwand: Kurvenfahrten mit der Z900 ∙ © Kawasaki

Böse sieht sie immer noch aus, aber die Kawasaki Z900 ist vergleichsweise brav, wenn man richtig mit ihr umgeht. Das Naked Bike im Fahrbericht. Plus: Bilder, Daten und Preis.

  • Starker, durstiger Motor

  • Gutes Handling

  • Einstiegspreis unter 10.000 Euro

Kawasaki hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Ein Paradebeispiel dafür ist der Landstraßenfeger Z900, der seit drei Jahren die Zulassungshitliste aufmischt: Die 900er landete bei uns 2019 auf Platz drei. Und doch haben die Entwickler noch ein wenig Raum für Verbesserungen gefunden – auf den ersten Blick nichts Gravierendes, aber sinnvoll im Detail und allen Ecken und Enden.

Z900: Unkompliziertes Bike, aggressiver Auftritt

An der grundlegenden Konzeption wurde nicht gerüttelt, die Z900 des Jahrgangs 2020 ist nach wie vor ein stabiles, flinkes und unkompliziertes Motorrad mit verlässlichen Bremsen und ziemlich aggressivem Auftritt. Ihr grüner Gitterrohrrahmen im Verbund mit der angsteinflößenden Lampenmaske und nach hinten ansteigender Linie verleiht der Z schon im Stand pure Dynamik, unterstützt von rundum moderner LED-Beleuchtung.

Aufgesessen in neuerdings 82 Zentimetern Sitzhöhe findet nahezu jeder guten Bodenkontakt bei gleichzeitig entspanntem Kniewinkel. Insgesamt sitzt es sich auf der Kawasaki sportlich, mit leicht zum Lenker nach vorn gebeugtem Oberkörper.

125-PS-Motor und vier Fahrmodi

Motor der Kawasaki Z900
Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Reihenvierzylinder ∙ © Kawasaki

Das Vierzylindertriebwerk mit 946 Kubikzentimeter Hubraum galt bisher schon als eines der besten seiner Klasse. Jetzt bietet es elektronische Helfer in Form unterschiedlicher Mappings, die von einem Schalter links am Lenker anwählbar sind und die Leistungsentfaltung sowie den Eingriff der neuen Traktionskontrolle bestimmen. In den Stufen Sport und Road gibt’s die volle Leistung von 92 kW/125 PS, bei Sport mit progressivem und Road mit linearem Leistungsanstieg.

Rain reduziert die Kraft auf 69 PS, und im Rider-Modus kann der Fahrer selbst Leistungsabgabe und den Eingriff der Traktionskontrolle einstellen. Mit der Integration der Fahrmodi ging ein Update der Motorsteuerung einher, was den Reihenmotor sehr sensibel auf Gasbefehle reagieren lässt.

Noch beeindruckender stellt sich die Breitbandigkeit des Aggregats dar: Im sechsten Gang und bei knapp 2000 Touren scharwenzelt die Z durchs Dorf, nur um am Ortsende im gleichen Gang formidabel und gleichmäßig bis an den roten Bereich zu beschleunigen. Insofern genügt auf der Landstraße zumeist der Road-Modus, denn Leistung ist in jedem Drehzahlbereich mehr als genügend vorhanden.

Von der einstigen Rauheit der Kawa-Vierzylinder ist hier nichts mehr zu spüren. Kultiviert und weitgehend vibrationsfrei erledigt der Antrieb seiner Arbeit, bei 5,9 Liter Durchschnittsverbrauch vielleicht eine Spur zu durstig. Das exakt bedienbare Getriebe und die leichtgängiger gewordene Kupplung mit Anti-Hopping-Funktion komplettieren den tadellosen Antriebsjob.

Zum Fahrgenuss gehört ein passendes Fahrwerk. Schon bei der alten Z900 gab es hier kaum Kritik, jetzt machen eine Verstärkung an der Schwingenaufnahme und neue Dunlop Sportmax RoadSport 2-Pneus das Bike noch etwas agiler als bisher. Ob weite oder enge Kurven, Wechselschräglagen oder Kehren, die Kawa klappt fast wie von selbst in Schräglage und durcheilt die diversen Radien unbeirrbar. Beste Kontrolle und ein Vertrauen erweckendes Feedback sorgen für ein ausgewogenes Fahrverhalten.

Diesem Kurvenspaß angepasst zeigen sich die Federelemente, die nun neben der Vorspannung auch in der Zugstufendämpfung justierbar sind. Mit ihrem guten Ansprechverhalten bieten sie einen gelungenen Abstimmungskompromiss aus sportlich-straff und ausreichend Komfort. Beim Bremsen arbeitet die Doppelscheibe vorn gut dosierbar und effektiv, jedoch alles andere als giftig.

Zum Mehr der Z900 gehört auch ein etwas umständlich zu bedienendes TFT-Display als Informationszentrale. Neben der größeren Info-Vielfalt bietet es eine Anbindung ans Smartphone via Bluetooth. Mithilfe der Kawasaki-App Rideology kann man ein Fahrtenbuch führen, das Display informiert über eingehende Anrufe und E-Mails. Ein komplettes Angebot und breites Einsatzspektrum also, das Kawasaki mit seiner Z900 für vergleichsweise schlanke 9495 Euro macht.

Technische Daten Kawasaki Z900

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter Reihen-Vierzylindermotor, 946 ccm Hubraum, 92,2 kW/125 PS bei 9500 U/min, 98,6 Nm bei 7700 U/min; vier Ventile/Zylinder, dohc, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahl-Gitterrohrrahmen; 4,1 cm USD-Telegabel vorne (Vorspannungund Zugstufendämpfung einstellbar), 12 cm Federweg; Aluminiumguss-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein (Vorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar), 14 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70 ZR17 (vorne) und 180/55 ZR17 (hinten). 3 cm Zweischeibenbremse vorne, 25 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme

ABS, vier Fahrmodi, dreistufige, abschaltbare Traktionskontrolle

Maße und Gewichte

Radstand 1,455 m, Sitzhöhe 82 cm, Gewicht fahrfertig 212 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt 17 l

Fahrleistungen und Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit: k.A.,Verbrauch: 5,7 l/100 km, CO₂: 132 g/km

Preis

10.045 Euro (inkl. Überführung)

Text: Thilo Kozik/SP-X

Redaktion
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?