Hyosung GV 125 S Aquila: Korea-Bobber

Dreiviertelansicht einer stehenden Hyosung GV 125 S Aquila
Erinnert an eine klassische Harley: Die neue Hyosung GV 125 S Aquila ∙ © Johannes Zrenner

Die Hyosung GV 125 könnte ein Mini-Me einer klassischen Harley sein, ist aber ein richtiges, eigenständiges Motorrad aus Korea. Allerdings mit einem kleinen Motor, der in seiner Klasse einzigartig ist. Fahrbericht, Daten, Bilder, Preis.

  • Cooles Retrodesign

  • Nicht einfach im Handling

  • Sehr preiswert

Der koreanische Hersteller Hyosung bringt eine besondere Spielart des Leichtkraftrads an den Start: die GV 125 S Aquila im originalgetreuen Bobber-Stil mit fetten Reifen und einem einzigartigen V2-Motor. Bei der ersten Kontaktaufnahme fordert das Bike nach erfolgtem Selbstcheck mit einem "Get ready!" im kleinen LCD-Instrument zur Abfahrt auf. Diese Einladung leistet man gerne Folge und drückt auf den Anlasser.

Hyousung GV 125: Sieht aus wie ein Bobber

Seitenansicht einer stehenden Hyosung GV 125 S Aquila
Authentische Retro-Optik: Die Harley-Davidson Forty-Eight könnte eine nahe Verwandte sein ∙ © Hyosung

Sofort springt der Achtellitermotor an und bemüht sich um ein erwachsenes Klangbild, das dem viel verheißenden optischen Eindruck gerecht wird. Denn dieses Motorrad kommt mit einem waschechten V2-Motor, der seine beiden Zylinder im 60-Grad-Winkel spreizt, dem einzigen der gesamten 125er-Welt. Rundherum haben die Koreaner ein stimmiges Aussehen kreiert, das eindeutig an die großen Vorbilder aus Milwaukee erinnert: Vorn und hinten rollen fette Gummis auf filigranen Gussfelgen, die Telegabel schützen klassische Faltenbälge, hinten stützt sich die Stahlschwinge über zwei Federbeine am Schleifenrahmen ab.

Hier finden Sie Infos, wie Autoführerschein-Inhaber ganz einfach zu einer 125er-Fahrerlaubnis kommen.

Dazu gibt’s einen etwas aufgeplusterten Tropfentank sowie eine durchgehende, aber stark gestufte Sitzbank. Die authentische Retro-Optik kulminiert im markanten Luftfiltergehäuse, das ebenfalls nach Harley-Davidson ausschaut.

In komfortabler Sitzposition ergibt sich ein erfreulich integrierendes Gefühl – von wegen "laid back", hier heißt es eher "let’s go". Die Sitzhöhe von 71 Zentimetern garantiert jeder Körperstatur einen guten Bodenkontakt. Bei aufrechtem Oberkörper und noch akzeptablen Kniewinkeln greifen die Hände an die etwas mehr als schulterbreite Lenkstange und haben das Bike im Nu im Griff.

Kein ABS, suboptimal im Handling

Seitenansicht einer stehenden Hyosung GV 125 S Aquila
Das 125er-Triebwerk entfaltet seine Maximalleistung erst bei 10.250 Touren ∙ © Johannes Zrenner

Eine aktive Fahrweise in Innenstädten wie Kurven ist auf dem Bobber problemlos möglich, dank guter Schräglagenfreiheit und hinreichend genauer Lenkpräzision, die die dicken Gummiwalzen nicht allzu sehr verwässern. Dafür verlangen diese etwas mehr Kraftaufwand beim Steuern. Unhandlich ist die Aquila jedoch keineswegs, und beim Fahrkomfort hält sie locker mit den Ami-Eisen mit: Die Gabel spricht sogar recht sensibel an, während die beiden Federbeine im Heck etwas derb über Unebenheiten holpern.

Zwar nimmt der V2 schon im niedrigen Drehzahlbereich ohne lästige Verschlucker Gas an, doch es hilft alles nichts: Will man mit dem Verkehr mitschwimmen, braucht das Aggregat Drehzahlen oberhalb der 6000er-Markierung. Ein Blick auf die technischen Daten erklärt die ungewöhnliche Drehzahlgier: Trotz langhubiger Auslegung entfaltet das 125er-Triebwerk seine Maximalleistung erst bei 10.250 Touren, den Drehmomentgipfel erklimmt die Korea-Harley bei 9250 U/min. Das legt einen flinken Schaltfuß für das akkurat rastende Fünfganggetriebe nahe, allerdings erschwert der stark nach oben gebogene Schalthebel den Gangwechsel.

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Preis der Hyosung Aquila: 3800 Euro

Das Cockpit blendet leider bei Sonneneinstrahlung, die Warnleuchten sind nur schlecht erkennbar. Statt ABS vertraut der Bobber einem Integral-Bremssystem, bei dem der Dreikolbensattel im Vorderrad den hinteren Zweikolben-Festsattel mit betätigt. Die Verzögerungswirkung ist allemal ausreichend, allerdings muss der Fahrer die Bremskraft zum Schutz vor Radblockaden selbst modulieren.

Im Auslieferungszustand kommt die Hyosung mit einer gestuften Zweier-Sitzbank, als Individualisierungsmöglichkeit gibt es eine kurze Sitzbank optional im Zubehörprogramm. Das sorgt für eine Solositz-Attitüde, die noch besser zum waagerechten Auspufftopf passt.

Fazit: Famoser 125er-Bobber

Auch ohne zusätzliche Beigaben ist das Hyosung-Leichtkraftrad als famoser Bobber bereits ein Unikat, allein wegen des originalgetreuen 60-Grad-V-Motors und der überzeugenden Interpretation des US-amerikanischen Vorbilds. Dass die Aquila in einem sehr manierlichen Verarbeitungszustand schon für schmale 3800 Euro zu haben ist, dürfte ihrer Beliebtheit ebenfalls zuträglich sein.

Technische Daten Hyosung GV 125

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter 60-Grad-V-Zweizylindermotor, 125 ccm Hubraum, 9,9 kW/13,5 PS bei 10.250 U/min, 10,2 Nm bei 9250/min; drei Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, Fünfganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahl-Einschleifenrahmen mit doppelten Unterzügen; Telegabel vorne, nicht einstellbar, Federweg 1630 mm; Stahl-Zweiarmschwinge hinten, zwei Federbeine Vorspannung fünffach einstellbar, Federweg 670 mm; Leichtmetallgussräder; Reifen 120/80-16 (vorne) und 150/80-15 (hinten). 270 mm Einscheibenbremse vorne, 250 mm Einscheibenbremse hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1428 mm, Sitzhöhe 710 mm, Gewicht fahrfertig 165 kg, Zuladung 165 kg, Tankinhalt 12 l

Fahrleistungen und Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit 98 km/h, 2,7 l/100 km

Preis

3800 Euro

Text: Thilo Kozik/SP-X

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