Yamaha Ténéré 700: Die leichte Enduro im Fahrbericht
Die Yamaha Ténéré kommt als pures Fahrgerät für Straße und Gelände und verzichtet weitgehend auf Hightech-Features. Testfahrt, technische Daten, Bilder, Preis, Elektronik-Update 2023.
Leichter als aktuelle Groß-Enduros
Gutes Fahrwerk für Straßen und Gelände bei 73/46 PS
Modelljahr 2023: Elektronik-Neuheiten
Es ist ein ungewohntes Gefühl, sich mit einer 205 Kilogramm leichten Reiseenduro durch unwegsame Gegenden zu bewegen. Die meisten Sports-Adventure-Bikes wiegen mindestens einen Zentner mehr. Zudem leistet der wassergekühlte Zweizylinder-Reihenmotor der Yamaha Ténéré 700 nicht über 100, sondern nur 73 PS.
Elektronik-Update 2023
Und es gibt weder elektronisch wählbare Fahrmodi noch eine Traktionskontrolle und auch sonst wenig elektronische Helfer. Immerhin spendiert Yamaha der 2023er Generation einige Fahrzeugelektronik-Updates. Zu den bestehenden zwei ABS-Modi kommt ein Offroad-Modus dazu, das Cockpit hat ein 5-Zoll-TFT-Display und Smartphone-Konnektivität bekommen. Außerdem ist das Adventure-Bike jetzt für eine Quickshifter-Nachrüstung (optionales Zubehör) vorbereitet.
Das Adventure-Bike setzte Maßstäbe
Mitte der 80er begann Yamaha, ihre bei der Rallye Paris-Dakar eingefahrenen Siege im Serienmotorradbau zu vermarkten. Die Ténéré von 1983 entwickelte sich bis in die frühen 1990er Jahren zu einer Macht im damals kleinen Fernreise- und Abenteuerbike-Segment. Einfach zu handhaben war sie, zuverlässig und anspruchslos. Doch wie auch Honda mit seiner erfolgreichen Africa Twin schaffte es Yamaha nicht, die Ténéré-DNA so zu kultivieren, dass sie über die Jahrzehnte zur "japanischen GS" hätte reifen können.
Nach langer Abstinenz vom einst dominierten Marktsegment begann man 2015 eine neue "echte" Ténéré auf die Räder zu stellen. Das Herz dafür – der sehr gute Zweizylinder-Reihenmotor der Yamaha MT-07 – war vorhanden, alles andere musste neu entwickelt werden. 2019 war die neue Ténéré fertig, seit 2023 ist sie aufgefrischt unterwegs.
Überzeugend abgestimmtes Fahrwerk
Anders als BMW, Honda, KTM oder Triumph geht Yamaha weiter das Wagnis ein, sich vom Hightech-Trend in der Reiseenduro-Szene abzukoppeln. "Zugunsten von weniger Gewicht, einem niedrigeren Preis und leichter Handhabung", wie die Verantwortlichen sagen. Trotzdem bietet die Ténéré eine Menge: mindestens 24 Zentimeter Bodenfreiheit, ausgezeichnet abgestimmte Feder- und Dämpfungselemente sowie eine ordentliche Reichweite von an die 350 Kilometer. Nicht ganz konfliktfrei ist die Sitzhöhe von 87,5 Zentimetern.
Zwar überzeugt die Ergonomie sitzend wie stehend, doch 1,80 Meter groß sollte man als Fahrer oder Fahrerin idealerweise schon sein. Ein angebotener Tieferlegungs-Kit spart vier Zentimeter ein, beeinträchtigt allerdings die Bodenfreiheit.
Nicht ausgeschlossen, dass Yamaha in diesem Punkt gegenüber anderen Marken wertvolle Punkte und damit Stückzahlen verliert. Vielleicht auch beim Tankvolumen, denn 16 Liter klingen nicht nach großem Aktionsradius. Der Verbrauchs-Normwert liegt jedoch bei bescheidenen 4,2 l/100 km – und er scheint erreichbar zu sein, wenn man die Gashand zügelt.
Bilder: Yamaha Ténéré 700
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Im Test: Kräftiger, drehfreudiger Motor
In Fahrt gibt sich die Siebenhunderter souverän: Das Fahrwerk mit 21-Zoll-Vorder- und 18-Zoll-Hinterrad glänzt mit Präzision und schluckt Unebenheiten ohne jede Schaukel-Tendenz. Dazu tragen auch die sinnvoll gewählten Reifenformate und der Reifentyp bei: Der Pirelli Scorpion Rally STR glänzt auf Asphalt und gefällt auch offroad gut. Der gegenüber der MT-07 in Details überarbeitete Motor kann sich dank reduzierter Endübersetzung bestens in Szene setzen, zieht bullig von unten raus und dreht willig hoch.
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TFT-Display und viel Zubehör
Seit dem 2023er Modell gibt es ein Fünf-Zoll-TFT im Cockpit. Es hat zwei Anzeigemodi und bietet Smartphone-Konnektivität. Das Update wird durch einen günstiger geformten Handbremshebel, vierfach LED-Scheinwerfer und LED-Leuchten rundum sowie eine USB-Buchse im Cockpit abgerundet. Neu ist auch, dass die Basisversion zusätzlich als A2-Modell mit 35 kW/48 PS zu haben ist.
Viel Wert haben die Entwickler aufs Zubehör gelegt: Es gibt ein sehr stabiles, sauber passendes Gepäckträgersystem mit exakt zu fixierenden Alu-Boxen, zudem weiteres Zubehör, das lange Reisen in unwirtliche Gegenden angenehmer machen kann.
Serienmäßig sind lange Wartungsintervalle, gute Zugänglichkeit für kleine Servicetätigkeiten wie beispielsweise das Reinigen des Luftfilters und allerlei mehr, so dass die Yamaha Ténéré 700 ausgesprochen praxistauglich wirkt.
Hinweis: Hier lesen Sie den Fahrbericht über das komfortablere und reichweitenstärkere Schwestermodell Yamaha Ténéré 700 World Raid.
Technische Daten Yamaha Ténéré 700
Herstellerangaben | |
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Motor | Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, 8 Ventile, DOHC, 689 ccm Hubraum, 54 kW/73 PS bei 9000 U/min, 68 Nm bei 6500 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kettenantrieb |
Fahrleistungen und Verbrauch | Vmax: 186 km/h, Normverbrauch: 4,2 l/100 km |
Fahrwerk | Stahl-Brückenrahmen; vorne USD-Telegabel ø 43 mm (voll einstellbar), 210 mm Federweg; Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein (voll einstellbar), 200 mm Federweg; Aluminiumfelgen mit Stahlspeichen; Schlauchreifen Pirelli Scorpion Rally STR 90/90-21 (vorne) und 150/70-18 (hinten). 282 mm Doppelscheibenbremse vorne, 245 mm Einscheibenbremse hinten |
Assistenzsysteme | ABS |
Maße und Gewichte | Radstand 1590 mm, Sitzhöhe 875 mm, Bodenfreiheit 240 mm, Gewicht fahrfertig 205 kg, Zuladung 190 kg; Tankinhalt 16 Liter (davon: 4,1 l Reserve) |
Preis | 11.374 Euro inkl. NK |
Text: Ulf Böhringer/SP-X