Moto Guzzi V7: Zurück auf Los

Moto Guzzi V7 Special und Moto Guzzi V7 Stone fahrend auf einer Straße
Gewohnter, sympathischer Sound und mehr Leistung: Die neue Moto Guzzi V7 ∙ © Moto Guzzi

Die neue Moto Guzzi V7 wurde fein überarbeitet und kann mit Motor, Fahrwerk und Design überzeugen. Das perfekte Geschenk zum 100. Geburtstag der Italiener. Fahrbericht, Bilder, Daten, Preis.

  • Hochwertige Verarbeitung

  • Zwei Modellversionen: Special und Stone

  • Stimmiges Gesamtkonzept

Niemand hätte sich gewundert, wenn die frisch renovierte Moto Guzzi V7 unter der Modellbezeichnung V7 IV auf den Markt gekommen wäre, entsprechend dem zuletzt gebauten Modell V7 III. Doch am Firmensitz in Mandello del Lario am Comer See lautete die Losung: "Wir stellen die Uhren zurück und fangen wieder von vorne an."

Und so trägt die jetzt mit einem um 110 Kubikzentimeter größeren V2-Motor ausgerüstete Maschine die schlichte Typbezeichnung V7. Ab 10.100 Euro ist sie in der Version V7 Special zu haben, die Version V7 Stone, matt lackiert und etwas zeitgeistiger als die klassisch aussehende Schwester, kostet 9100 Euro.

Deutlich größerer 65-PS-Motor

Detailaufnahme des Motors einer Moto Guzzi V7 Stone Centenario
Ideal für Bergtouren: 80 Prozent der Kraft stehen schon bei 3000 U/min zur Verfügung ∙ © Moto Guzzi

Der neue Motor ist vom Triebwerk der Reiseenduro V85 TT abgeleitet. Man hat dem luftgekühlten Zweiventil-V2 die Schärfe von 80 PS genommen und die Leistung auf 48 kW/65 PS reduziert – für Fahrwerk und Bremsen der V7 wäre der stärkere Antrieb möglicherweise zu viel gewesen. Doch auch mit 65 PS bei 6800 Touren ist die verfügbare Leistung um 25 Prozent höher als bei der Vorgängerin. Das maximale Drehmoment beträgt nun 73 Nm und liegt bei 5000 U/min an.

Der neue Antrieb ist ein echter Fortschritt: Insbesondere an Steigungen, aber auch mit Sozius ist man weitaus entspannter, weil souveräner unterwegs. Das für einen Zweiventiler prächtige Drehvermögen des V2 – der Begrenzer wird erst bei 7200 U/min tätig – nutzt man in der Praxis bei weitem nicht aus, denn am wohlsten fühlen sich Motor und Fahrer zwischen 3000 und 5000 Touren.

Für Zufriedenheit sorgen auch weitere Änderungen. So findet sich am Fahrwerk eine neue Leichtmetallschwinge, der Rahmen wurde zwecks mehr Stabilität verstärkt und die hinteren Stoßdämpfer neu am Chassis angelenkt. Deutlich mehr Federweg, nämlich zwölf statt nur neun Zentimeter, bieten sie obendrein. Das sorgt für mehr Fahrkomfort auf unebenem Straßenbelag.

Guzzi montiert zudem eine neue ABS-Generation von Conti, die feinfühlig regelt, wenn es denn mal sein muss. Die beiden Scheibenbremsen, je eine vorne und hinten, machen ihre Sache gut und wären noch besser zu bedienen, wenn man sich nicht eine Griffweitenverstellung gespart hätte. Mindestens drei Finger am Hebel benötigt die Frontbremse aber in jedem Fall, wenn hart verzögert werden muss. Vorteilhaft wären auch ein einstellbarer Kupplungshebel und eine Warnblinkanlage sowie selbstrückstellende Blinker.

Am besten zur V7 passt ein entspannt-souverän-zügiger Fahrstil. Eine Sportlerin war diese Italienerin nie, und sie wird auch nie eine sein. Genug Kraft fürs Fahren in hohen Gängen ist jetzt aber vorhanden. Viel Schalten ist nicht nötig, wobei das Getriebe leichtgängig und präzise arbeitet. Mit dem schon in der historischen V7 Sport eingebauten 21-Liter-Tank kommt man mindestens 350 Kilometer weit.

Fahrkomfort und Ergonomie sind insgesamt stimmig. Man sitzt entspannt, die Vibrationen in den Füßen sind dank neuer Fußrasten praktisch verschwunden. Einen Windschutz gibt es nicht, die Lenkstange ist kommod geformt, der Kniewinkel passt für alle zwischen 1,65 und 1,95 Meter. Der neue Sitz ist optisch ansprechend und fein gepolstert. Die Fahrstabilität ist in Ordnung, auch die Rückmeldung in Kurven ist gut. Der zwei Zentimeter breitere Hinterreifen bringt fühlbares Wohlbefinden in Schräglage.

Zwei Versionen: V7 Special und V7 Stone

Seitenansicht einer Moto Guzzi V7 Stone
Moderne trifft Klassik: Die neue V7 Stone verkörpert die Grundwerte der Marke Moto Guzzi ∙ © Moto Guzzi

Als Special spricht die Moto Guzzi V7 primär jene Fahrerinnen und Fahrer an, die Freude an klassischen Motorrädern haben. Ihr Lack glänzt, ihre neue Auspuffanlage ist verchromt, auch die gut nutzbaren Rückspiegel und der stabile Sozius-Haltegriff blinken. Die beiden analogen Rundarmaturen im Cockpit sind ausgesprochen schön gestaltet, das kleine, dezente LC-Display bringt eine Menge Information. Das leicht gelbliche, wenig auffällige Scheinwerferlicht entstammt einer Halogen-Glühbirne.

Die matt lackierte V7 Stone kommt zeitgemäßer daher. Chrom ist Fehlanzeige, Schwarz dominiert. Umso heller strahlt das LED-Licht aus dem runden Scheinwerfer, in dem sogar ein Tagfahrlicht in Form der Guzzi-Adlerschwingen integriert ist. Weitere Merkmale der Stone sind ein nicht besonders gut ablesbares, rundes LC-Display im Cockpit und Gummi-Faltenbälge an der Gabel.

Außerdem ist diese Modellversion für den Einbau der Moto Guzzi Konnektivitäts-Plattform namens MIA vorgesehen. Nur dieses Jahr gibt es die in der Sonderlackierung silber-grün mit braunem Sitz gehaltene Stone Centennario. Sie kostet 200 Euro mehr als die Basis-Variante.

Technische Daten Moto Guzzi V7

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Luftgekühlter 90°-V2 Motor, quer eingebaut, 853 ccm Hubraum, zwei Ventile pro Zylinder, 48 kW/65 PS bei 6800 U/min., 73 Nm bei 5000 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kardan

Fahrwerk

Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, 4 cm Telegabel vorne, 13 cm Federweg; Aluminium-Zweiarmschwinge hinten, zwei Federbeine, Vorspannung einstellbar, 12 cm Federweg; Drahtspeichenräder (Leichtmetallgussräder); Reifen vorne 110/90 – 18, hinten 150/70 – 17; 32 cm Einscheibenbremse vorne, 26,5 cm Einscheibenbremse hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1,521 m, Sitzhöhe 78 cm, Gewicht fahrfertig 223 (218) kg, Tankinhalt 21 l

Assistenzsysteme

ABS, Antischlupfkontrolle

Normverbrauch

4,9 l/100 km

Preis

ab 10.100 (9100) Euro

Die Moto Guzzi V7 Baujahr 2021 passt perfekt in die Historie des Hauses: Sie wirkt stilsicher, gepflegt und insgesamt wertig. Allerdings sitzen die beiden Lambdasonden arg unglücklich, weil bestens sichtbar auf den sonst so schönen Auspuffkrümmern.

Wichtiger aber ist, dass das Fahren und Hören – der Sound der neuen Schalldämpferanlage ist dezent bassig – den Fahrer unmittelbar in den Gute-Laune-Modus versetzen. Und dass dem Auge viel Charakteristisches geboten wird. So macht sich Moto Guzzi mit der neuen V7 ein schönes Geschenk zum hundertsten Geburtstag!

Text: Ulf Böhringer/SP-X

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