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Husqvarna Vitpilen 701: Testfahrt, Daten, Preis

Husqvarna Vitpilen 701 fahrend auf der Straße
Die Husqvarna Vitpilen 701 vereint skandinavisches Design mit österreichischer Technik ∙ © Husqvarna/R. Schedl

Mit der Vitpilen 701 macht Husqvarna, eine der ältesten Motorradmarken der Welt, von sich reden: Technik von KTM trifft auf schwedisch-puristisches Design. Fahrbericht unserer Test-Redaktion, Bilder, technische Daten, Preise.

  • Basis ist die KTM 690 Duke

  • Außergewöhnlich: Leistungsgewicht 2,2 kg/PS

  • Stolzer Preis

Die Husqvarna Vitpilen 701 ist ein Multikulti-Produkt: Der Franzose Maxime Thourenin verpasste der österreichischen Technik ein außergewöhnliches Design, um der schwedischen Traditionsmarke Husqvarna einen modernen Auftritt zu ermöglichen.

Ihr Aussehen: Extrem puristisch und schnörkellos, mit klaren, fast strengen Linien – wie man es von skandinavischer Formgebung her gewohnt ist. Und nicht nur das: Die Vitpilen ("weißer Pfeil" auf Schwedisch) fährt sich auch so. Doch das ungewöhnliche Einzylinder-Motorrad hat seinen Preis: 9495 Euro – weit mehr als etwa für die gleich starke KTM 690 Duke, die den Motor gespendet hat. Ist die Vitpilen so viel Geld wert?

Vitpilen 701: 75 PS aus nur 0,7 Liter Hubraum

Das Herz von Husqvarnas Straßenmotorrad schlägt wuchtig polternd im Single-Takt: Der Serien-Einzylinder hat nur knapp 0,7 Liter Hubraum, verblüfft aber mit 75 PS Leistung und 72 Nm Drehmoment. Die müssen mit der federgewichtigen Maschine nur 166 Kilogramm vorantreiben – und das geschieht mit aller Wucht. Vorausgesetzt, die Drehzahl stimmt.

Denn die maximalen PS liegen erst bei 8500 U/min an, die maximale Schubkraft bei 6750 U/min und somit nur unwesentlich früher. Unterhalb von 3000 Touren wirkt der Antrieb der Vitpilen 701 mürrisch und lustlos, um dann förmlich zu explodieren. 

Beim Versuch, die Husqvarna Vitpilen 701 deutlich von ihrem Technikspender KTM 690 Duke abzugrenzen, ist ein sehr eigenwilliges Motorrad entstanden – eine Mischung aus Allrounder, Streetfighter und Café Racer. Der Fahrer sitzt 83 cm hoch über dem Asphalt, fast wie bei einer Enduro. Dennoch ist der Kniewinkel recht eng. Und um zum Lenker zu greifen, muss man sich weit nach vorne beugen.

Die Husqvarna hat eine Reichweite von 300 km

Der Hersteller nennt die Vitpilen eine "urbane Ikone". Tatsächlich ist sie wie geschaffen fürs städtische Gesehenwerden. Doch dank Technik aus dem KTM-Regal eignet sie sich auch für die Kurvenhatz auf Landstraßen sehr gut. 4,0 l/100 km WMTC-Verbrauch (unser Testverbrauch lag lediglich 0,4 l darüber) sorgen dafür, dass man trotz des 12 l kleinen Spritvorrats mit einer Tankfüllung rund 300 km weit kommt – für ein derartiges Bike mehr als genug. Verwirrend während der Fahrt: Der Kupplungshebel ist ziemlich kurz geraten.

Das schmale und hyperagile Motorrad legt sich wie von selbst in Kurven oder geht in der Stadt fast von allein ums Eck. Die mögliche Schräglage wird nicht wie sonst von aufsetzenden Fußrasten bestimmt. Bei der Vitpilen 701 setzt alleine die Haftungsgrenze der Serienbereifung die Grenze, und die soll laut Zulieferer Bridgestone bei enormen 60 Grad liegen. Dass durchschnittliche Motorradfahrer dies nie ausschöpfen werden, wird spätestens klar, wenn man weiß, dass selbst in der MotoGP die Schräglage der Rennmaschinen derzeit bei 68 Grad liegt.  

Auch der Beifahrer sitzt bequem

Überraschend: Der knapp dimensionierte Beifahrer-Platz bietet mehr Komfort als gedacht. Aber den größten Fahrspaß genießt der Fahrer im Solobetrieb. Dabei kommen die Stärken der schwedisch-österreichischen Fahrmaschine zum Vorschein, vor allem das Leistungsgewicht von nur 2,21 kg pro PS. Zum Vergleich: Die als sehr spritzig geltende BMW F 800 R hat zwar mit 90 PS deutlich mehr Leistung, aber mit 202 kg auch erheblich mehr anzutreiben – und daher mit 2,24 kg/PS ein schlechteres Leistungsgewicht als der "weiße Pfeil". 

Wegen ihres recht stolzen Preises muss sich die Husqvarna den Vergleich mit gleich zwei Konzernschwestern von KTM gefallen lassen. Und zwar nicht nur mit der gleich starken und günstigeren 690 Duke. Sondern auch mit der Zweizylinder-Mittelklasse der Österreicher. Allerdings stellt die progressive Husqvarna Vitpilen 701 auch ein sehr prägnantes Statement dar – und Lifestyle hat nun mal seinen Preis

Technische Daten Husqvarna Vitpilen 701

Herstellerangaben

Motor

Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylinder-Motor, vier Ventile, zwei Ausgleichswellen, Hubraum 693 ccm, Leistung 55 kW/75 PS bei 8500 U/min, max. Drehmoment 72 Nm bei 6750 U/min, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahl-Gitterohrrahmen, vorn Upside-Down-Gabel mit 43 mm Tauchrohrdurchmesser, Zug- und Druckstufendämpfung verstellbar, hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, Federbasis und Zugstufendämpfung verstellbar, vorn Doppelscheibenbremse, Durchmesser 320 mm, Vier-Kolben-Festsattel, hinten Einscheibenbremse, Durchmesser 240 mm, Ein-Kolben Schwimmsattel, Traktionskontrolle, Bosch-ABS. Reifen vorn 120/70 ZR17, hinten 160/60 ZR17

Maße und Gewichte

Radstand 1434 mm, Tankinhalt 12 Liter, Sitzhöhe 830 mm, Gewicht fahrfertig 166 kg, zul. Gesamtgewicht: 350 kg

Messwerte

Höchstgeschwindigkeit ca. 200 km/h, 0-100 km/h k.A., WMTC-Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,0 l/100 km

Preis

9495 Euro*


* Der Preis kann sich inzwischen geändert haben.

Text: Ralf Schütze