Malaguti Mission 125: Neuer Roller mit Schwächen

Der Roller Malaguti Mission 125 mit einem Fahrer steht in einer Halle
Neuer Sportscooter aus Bologna: Der Malaguti Mission 125© Malaguti

Klein, aber sportlich: Der kompakte Roller Malaguti Mission 125 präsentiert sich dynamisch und mit aggressivem Look, hat aber einige Schwächen. Fahrbericht, Daten, Preis.

  • Ungewöhnlich lauter Motor

  • Einfach im Handling

  • Minimale Ausstattung

Sportliche Rollermodelle waren in den Neunzigern Trend, danach verschwanden sie fast komplett. Jetzt scheint sich ein Comeback anzubahnen: Auf der EICMA in Mailand gab es im November 2021 gleich mehrere Exemplare aus dem 125er-Segment zu sehen. Diese Roller-Klasse boomt nach wie vor, weil auch Auto-Führerscheininhaber mit wenig Aufwand entsprechende Modelle fahren können.

Malaguti bietet nun als einer der ersten Hersteller seine Neuerscheinung, den Mission 125, auf dem deutschen Markt an.

Lautstarker 12-PS-Motor, hoher Verbrauch

Der Roller Malaguti Mission 125 von der Seite
Sportlich, aber leider laut: Der Malaguti Mission gehört zum 125er-Segment © Malaguti

Der Leichtkraftroller macht einen erwachsenen, nichtsdestotrotz kompakten Eindruck. Dank breit bereifter, extrem schicker 13-Zoll-Alufelgen und einem steil ansteigenden kurzen Heck steht der neue Malaguti muskulös und selbstbewusst da. Ein zierliches Windschild oberhalb des Cockpits hat leider eher optische Effekte denn eine praktische Wirkung. Etwas unpassend fallen die enorme Sitzhöhe von 90 Zentimetern und die große Bodenfreiheit aus.

Spätestens beim Antrieb beweisen die Italiener jedoch, dass man es mit "Sport" ernst meint: Der Triebsatz ist mit einem sehr kurzhubigen Bohrung-/Hub-Verhältnis versehen, weshalb die Maximalleistung von 12,2 PS erst bei 9500 U/min zur Verfügung steht, das maximale Drehmoment von knapp 11 Nm bei 7750 Touren.

Bildergalerie: Malaguti Mission im Detail

12 PS Leistung, 95 km/h Spitze

Entsprechend drehzahlintensiv geht der Mission-Antrieb in der Praxis zu Werke. Schon zum sanften Losfahren benötigt die Fliehkraftkupplung Drehzahlen um 7000, also knapp unter dem maximalen Drehmoment. Bei Vollgas strebt die Nadel dem 9000er-Gipfel zu, so dass ruckzuck Tempo 80 auf der Uhr steht. Kurz danach hat er sein Spitzentempo 95 km/h erreicht. Fahrdynamisch macht der Mission seine Sache also gut, das hohe Drehzahlniveau und die damit verbundene Geräuschkulisse muss man indes mögen.

Genauso wie den vergleichsweise hohen Durchschnittskonsum von 3,9 Litern pro 100 Kilometer. Bei nur sieben Litern Tankinhalt muss der Mission im Schnitt spätestens nach 179 Kilometern zum Benzinstopp. Mit einem Dreh am Zündschloss springt die Tankklappe auf. Vorsicht ist beim Einfüllen angesagt: Überschüssiger Sprit spritzt zielgerichtet auf den linken Oberschenkel.

Angenehmes Handling, gute Fahrdynamik

Der Roller Malaguti Mission 125 von vorne
Der Malaguti Mission bietet eine Sitzhöhe von 90 Zentimetern und große Bodenfreiheit © Malaguti

Die sportliche Auslegung des neuen Malaguti Scooters zeigt sich auch bei der Fahrdynamik. Die kompakte, leicht gebeugte Sitzhaltung zum breiten Lenker gefällt auf Anhieb, die hohe Position des Trittbretts irritiert dagegen. Fahrende bis 1,70 Meter mögen die perfekte Haltung finden, Größere müssen die Knie doch sehr stark anwinkeln. Belohnt wird man durch ein sehr ausgewogenes, stabiles Fahrverhalten. Weder die verhältnismäßig kleinen 13-Zoll-Räder noch die modische, Superbike-ähnliche Lenkstange bringen Nervosität in den Fahrbetrieb.

Auch das für einen 125er überraschend satte Gewicht von 153 Kilo dürfte zur Souveränität beitragen: Kursstabil biegt der Malaguti um Ecken jeglicher Art. Ungeachtet der sportlichen Attitüde überrascht der Mission mit der Funktion von Telegabel und schräg angelenktem Solo-Federbein: Das Fahrgefühl ist deutlich komfortabler, als die Optik vermuten lässt.

Die knappen Federwege kann der Malaguti zwar nicht wegdiskutieren, doch die Abstimmung von Federung und Dämpfung sind insgesamt gelungen. Auch die Bremsen machen einen guten Eindruck. Beide Scheiben sind prima dosierbar und verzögern die Fuhre bei festem Zupacken ordentlich. Schade nur, dass Malaguti dem Mission keine einstellbaren Handhebel spendiert hat.

Technische Daten Malaguti Mission 125

Herstellerangaben


Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 124 ccm Hubraum, 9 kW/12,2 PS bei 9500 U/min, 10,5 Nm bei 7750 U/min; vier Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraft-Trockenkupplung, Riemen-Sekundärantrieb

Fahrleistungen und Verbrauch

Höchstgeschwindigkeit 95 km/h, 3,9 l/100 km

Fahrwerk

Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen; 35 mm Telegabel vorne (nicht einstellbar),100 mm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, ein Federbein (Vorspannung einstellbar), 73 mm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70-13 (vorne) und 130/70-13 (hinten). 267 mm Einscheibenbremse vorne, 220 mm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme

ABS

Maße und Gewichte

Radstand 1450 mm, Sitzhöhe 900 mm, Gewicht fahrfertig 154 kg, Zuladung 155 kg; Tankinhalt 7,0 l

Preis

3599 Euro

Fazit: Roller mit deutlichen Schwächen

Die Ausstattung des Malaguti Mission 125 beschränkt sich auf das Wesentliche. Bei einem modernen Sportler darf man heutzutage ein spannender aufbereitetes Cockpit oder auch formschöne LED-Leuchteinheiten für Blinker, Rück- und Fahrlicht erwarten. Und ins große Staufach unter der Sitzbank passt kein Integralhelm hinein. Gut hingegen gefällt die Sicht in den rautenförmigen Rückspiegeln mit relativ langen Auslegern. Zu haben ist der durchaus gelungene Sportroller für rund 3600 Euro.

Text: Thilo Kozik/SP-X

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