Mittelklasse-SUVs im ADAC Test

2.10.2017

Der SUV-Boom scheint kein Ende zu nehmen: Die Abenteurer werden immer beliebter. Wir haben vier Allradler zu Preisen zwischen 40.000 und 50.000 Euro getestet: Alle Daten und Fakten zu Audi Q5, Škoda Kodiaq, Renault Koleos und Ford Edge

Mittelklasse-SUVs im ADAC Test: Audi Q5, Ford Edge, Renault Koleos und Škoda Kodiaq

In der Werbung hört sich alles ganz toll an: „Verlassen Sie ausgetretene Pfade“ ist beim Renault Koleos zu lesen, und mit dem Škoda Kodiaq soll man „neues Terrain entdecken“. Was passiert aber, wenn man die Hersteller beim Wort nimmt und mit den auf Lifestyle getrimmten SUVs (Sport Utility Vehicles) ins Gelände geht? 

Keine gute Idee: Mit den SUVs in schwieriges Gelände
Das haben wir ausprobiert und sind in einen abgesperrten Offroad-Parcours bei Ingolstadt gefahren. Die Nacht zuvor hatte es durchgeregnet, und bereits nach zehn Minuten in dem glitschig-matschigen Gelände war klar: Mit dieser Idee haben wir uns keinen großen Gefallen getan. Im Nu bildete sich um die hübschen Straßenreifen eine zentimeterdicke Lehmschicht. Vom Profil war schnell nichts mehr zu sehen. Grip? Fehlanzeige. Richtungsänderungen waren nur noch grob möglich – wenn überhaupt. Am Hang ging es schlitternd nach unten, und bei tiefen Furchen konnten sich die SUVs mit vier wühlenden Rädern nur durch ihren Allradantrieb aus dem Schlamassel ziehen. Erkenntnis: mit Straßenreifen ins anspruchsvolle Gelände bringt nichts, egal mit welchem SUV.

Zweite Erkenntnis: Hänge und Kuppen lassen sich nur mit genügend Bodenfreiheit und kurzen Überhängen an Front und Heck bewältigen. Der Audi Q5 kommt noch am weitesten, weil er sich mittels Luftfederung anheben kann. Doch der Ford Edge setzt mit nur 15 Zentimetern Bodenfreiheit genauso schnell auf wie Renault und Škoda, die sich leicht ihr Näschen anschrammen. Also: Besser auf die Straße mit dem Quartett – dafür sind die bis zu zwei Tonnen schweren SUVs eher gemacht.

Luftfederung verschafft dem Audi Q5 Bodenfreiheit

Bodenfreiheit

Mit Luftfederung (1950 €) lässt sich der Audi Q5 per Knopfdruck hochpumpen

Innenraum des Audi Q5 mit virtuellem Cockpit

Audi innovativ

Das „virtuelle Cockpit“ des Q5 (Display statt Zeiger für 500 €) kann individuell konfiguriert werden

Wasserfest: der Audi Q5 im Gelände

Wasser marsch

Durch 30 Zentimeter tiefes Hochwasser fährt der Audi Q5 ohne Probleme

Üppige Maße: der Ford Edge

Groß, größer, Ford

Im Gelände wirkt der 4,81 Meter lange Edge ziemlich sperrig

Blick ins Cockpit des Ford Edge

Edge konfus

Typisches Ford-Cockpit mit vielen kleinen Tasten und unübersichtlichen Anzeigen

Platzwunder mit großem Kofferraum: Heckansicht des Ford Edge

Platzwunder

Das sehr eigenständig gestaltete Heck des Ford Edge beherbergt einen riesigen Kofferraum

Renault Koleos im Gelände

Offroad mit Glaskinn

Im Gelände sind beim Renault Koleos durch den langen Überhang vorne Schrammen programmiert

Wohnzimmeratmosphäre im Innenraum des Renault Koleos

Edles Ambiente

Weiche Oberflächen sorgen im Renault Koleos für Wohnzimmeratmosphäre

Mächtige Schnauze: der Koleos ist das neue SUV-Flaggschiff von Renault

Koleos Wasserbad

Mächtige Schnauze im aktuellen Stil der Schwestermodelle: Das SUV ist das Flaggschiff von Renault

Der Škoda Kodiaq überrragt sogar die Länge des Audi Q5

Der Schein trügt

Sieht länger aus, als er ist: Der Škoda Kodiaq überragt den Audi Q5 nur um vier Zentimeter

Das Cockpit des Škoda Kodiaq wirkt aufgeräumt und intuitiv bedienbar

Kodiaq akkurat

Der Škoda wirkt innen ziemlich aufgeräumt und lasst sich leicht bedienen

Wühlt sich durch: der Škoda Kodiaq mit Allradantrieb

4x4 in Serie

Wühlt sich durch: Bei der getesteten Version des Škoda Kodiaq ist Allradantrieb serienmäßig

Audi Q5: Der edle Kilometerfresser

Der Audi Q5 etwa kommt im feinen Business-Outfit, das seinem Vorgänger stark ähnelt, toller Verarbeitung und reichlich Zusatzausstattung (z. B. mit digitalen statt analogen Anzeigen für 500 Euro). Mit dem niedrigsten Geräuschniveau im Vergleich und ausgezeichnetem Federungskomfort gibt er den edlen Kilometerfresser. Und mit der großen Anhängelast von 2,4 Tonnen sind auch Boots- oder Pferdeanhänger kein Problem. Viele nutzen SUVs schließlich als Zugfahrzeuge. Zum Vergleich: Der Renault Koleos zieht nur 1,6 Tonnen.

Škoda Kodiaq: Der Pragmatiker für wenig Geld

Mit sehr ähnlichen Eigenschaften wie der Audi punktet der Škoda Kodiaq – kein Wunder, schließlich sind die beiden technisch verwandt. Der Verbrauch von 6,4 Litern Diesel fällt bei beiden identisch aus; trotz gleichem 190-PS-Diesel fährt sich der Kodiaq aber behäbiger. Sein Vorteil: Er ist deutlich günstiger, lässt sich intuitiver bedienen und kann mit einem wesentlich besseren Platzangebot aufwarten. Hier reisen auch Langbeinige hinten first class. So viel Hightech wie im Audi gibt es zwar nicht, dafür gegen Aufpreis eine dritte Sitzreihe – das bietet sonst keiner der Kontrahenten.

Ford Edge: Der komfortable Riese aus USA 

Dass der Ford Edge eigentlich ein US-Modell ist, das nun in Europa verkauft wird, sieht man ihm nicht nur an, man merkt es auch an den üppigen Maßen: 4,81 Meter Länge und 1,93 Meter Breite. Wo der knapp geschnittene Audi noch mit einer optional verschiebbaren Rückbank entweder den Fondinsassen mehr Beinfreiheit oder Reisenden einen größeren Kofferraum herbeitrickst, hat man im Edge einfach immer Platz. Umgeklappt fasst sein Kofferraum sogar 1730 Liter – deutlich mehr als alle anderen. Mit toller Serienausstattung (u. a. Navi, beheizbares Lenkrad) hat er sich dem Komfort verschrieben, obwohl er etwas feinfühliger federn dürfte. Fahrdynamik ist nicht sein Thema: Alles an ihm wirkt schwer, er liegt bräsig und satt auf der Straße und erzieht den Fahrer so zur gemütlichen Gangart – auch wegen seines relativ hohen Verbrauchs von 7,1 Litern Diesel im ADAC EcoTest.

Renault Koleos: Der gut ausgestattete Franzose 

Mit im Schnitt 7,7 Litern verbraucht der Renault Koleos nochmals mehr. Sein 177-PS-Motor hat die geringste Leistung und muss sich deshalb merklich mehr anstrengen als die Konkurrenz. Der Franzose probt mit edlem Interieur und reichlich Chrom den feinen Auftritt. Das Platzangebot ist relativ gut, die Ausstattung mit elektrisch einstellbaren Sitzen, Notbremssystem oder Verkehrszeichenerkennung recht üppig.

Schlechte Abgaswerte bei Renault und Ford 
Düster sieht es bei den Abgasen aus. Weil dem Renault ein SCR-Kat mit AdBlue-Abgasreinigung fehlt, stößt er im realitätsnahen ADAC EcoTest knapp 500 mg Stickoxid je Kilometer aus – das ist schlicht inakzeptabel. Der offizielle Prüfstandsgrenzwert liegt bei 80 mg. Auch der Ford muss ohne die Technik auskommen und ist mit 380 mg/km entsprechend schmutzig. Besser, aber noch ausbaufähig: Audi und Škoda mit SCR-Kats und 131 bzw. 172 mg/km. Um den Diesel kommt man bei Renault und Ford nicht herum: Sie werden ausschließlich damit angeboten. Daher der dringende Appell an die Hersteller: Macht sie sauber!


ADAC Urteil / ADAC EcoTest (max. 5 Sterne)  Bewertung

Platz 1

Audi Q5 2.0 TDI quattro s tronic

2,3 / *** + Gute Verarbeitung. Kurzer Bremsweg. Gute Sicherheitsausstattung (Option).

− Verbrauch. Kleiner AdBlue-Tank. Bedienung

Platz 2

Škoda Kodiaq 2.0 TDI SCR Style 4x4 DSG

2,5 / **  + Bequemer Ein- und Ausstieg. Viel Platz. Hoher Fahrkomfort.

− Verbrauch. Sicht nach hinten. Trotz SCR-Kat und AdBlue erhöhtes NOx. 

Platz 3

Ford Edge 2.0 TDCi 4x4 Powershift

3,0 /   + Gute Verarbeitung. Viel Platz. Gute Ausstattung. Gutes optionales Licht. 

− Hoher Verbrauch. Hoher NOx-Ausstoß. Träge Reaktion beim Ausweichtest. 

Platz 4

Renault Koleos dCi 175 4WD X-tronic

3,3 / 

+ Viel Platz. Gute Serienausstattung. Viele Assistenzsysteme.

− Sehr hoher Verbrauch. Schlechte Abgaswerte. Langer Bremsweg.


Detaillierte Tabelle: SUV-Vergleichstest (PDF-Download885,13 KB)

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: Lena Willgalis. (acfo)

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