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VW ID.4: VW zeigt sein Elektro-SUV – erste Testfahrt

VW ID.4 fahrend auf der Straße
VW ID.4: Der Elektro-SUV wirkt gefällig und nicht zu futuristisch ∙ © Volkswagen

Nach dem ID.3 kommt jetzt der ID.4 als geräumiger Elektro-SUV in der Größe eines Tiguan. Reichweite: Bis zu 520 Kilometer. Erste Testfahrt, Infos zu Batterie und Reichweite, Bilder, Daten.

  • Der VW ID.4 ist ab sofort bestellbar; Marktstart Ende 2020

  • So geräumig wie ein VW Tiguan

  • Der Elektro-SUV ist 4,58 Meter lang und 1,63 Meter hoch

  • Reichweite: Rund 520 Kilometer mit der größten Batterie

Dass VW neben dem Kompaktwagen ID.3 eine ganze Elektrofamilie auf die Räder stellen will, haben die Wolfsburger schon lange angekündigt. Der ID. Buzz soll den legendären Bulli in die Neuzeit führen, der ID. Roomzz als Familien-Van fungieren und der ID. Space Vizzion den Part des elektrischen Kombis übernehmen.

Vorher kommt allerdings ein SUV: der VW ID.4. Und der soll die ganze Welt erobern. Wo der ID.3 in der Größe des VW Golf eher in Europa punkten kann, dürfte der ID.4 für weltweite Stückzahlen sorgen. Das Segment der überschaubar großen SUVs boomt schließlich überall. Die Produktion ist ebenfalls eine globale: Der ID.4 wird im Werk Zwickau produziert, in zwei Fabriken in China und auch in den USA. Bis 2025 will VW 500.000 ID.4 gebaut haben.

Preise ab rund 37.000 Euro

Das Basismodell des ID.4 wird es ab rund 37.000 Euro abzüglich der aktuellen Förderung für Elektroautos geben. Dafür bekommt man einen rund 4,60 Meter langen Fünfsitzer mit stimmigen Proportionen, der bei identischem Radstand von 2,77 Metern deutlich mehr Platz bietet als der ohnehin schon geräumige ID.3. Nicht nur der deutlich längere Tiguan Allspace kann sich vor allem von der Beinfreiheit im Fond etwas abschneiden und bei den 543 bis 1575 Litern Kofferraumvolumen des ID.4 nur mühsam ein paar Punkte machen.

Auch das Tesla Model Y sieht plötzlich nicht mehr ganz so gut aus: Es mag neben dem für VW ungewöhnlich modisch gezeichneten ID.4 zwar lean und clean wirken. Doch obwohl noch eine Handbreit länger als der ID.4 und sogar als Siebensitzer angekündigt, fehlen den Amerikanern zum VW innen sechs Zentimeter, sagen die Entwickler des ID.4 stolz.

Und wo beim ID.3 die Materialauswahl vor allem im Fond recht knauserig wirkt, hat VW beim ID.4 kräftig nachgelegt, mehr Softtouch-Oberflächen verwendet und reichlich Zierrat installiert.

Allerdings muss sich der ID.4 in den eigenen Reihen an Platz zwei einsortieren. So durfte die Tochter Škoda ihren ID.4-Ableger, den Enyaq iV schon enthüllen, während VW das Tuch erst Ende September 2020 lüftet. Doch noch wichtiger: Skoda hat auf der gleichen Plattform auch mal wieder das größere und günstigere Auto gebaut. Und: Der Škoda Enyaq ist bereits ab 33.800 Euro zu haben, sieht sogar noch etwas frischer aus als der ID.4.

Das Cockpit sieht dem des ID.3 sehr ähnlich

Doch VW war mit der Optik bewusst sehr vorsichtig. Denn die Niedersachsen müssen Masse machen und deshalb viele Kunden aus der alten Welt in die neue Zeit holen. Und die sind bei VW etwas konservativer als anderswo. Da kann das digitalisierte Interieur mit dem winzigen Bildschirm hinter dem Lenkrad, dem großen Touchscreen daneben und dem Gangknubbel dazwischen für manchen Kunden schon genug an Ungewohntem sein.

ID.3-Fahrer hätten keine Umstiegsprobleme: Bildschirme und Bedieneinheiten sind bis auf wenige Details identisch. Ein 10,2 Zoll großer Touchscreen auf der Mittelkonsole ersetzt die meisten Knöpfe und Schalter, und hinter dem Lenkrad gibt es nur noch sehr reduzierte Digitalanzeigen. Auch eine Sprachsteuerung ist selbstverständlich an Bord. Die lichte Innenraumgestaltung mit reduzierten Bedienelementen nennt VW wie schon beim ID.3 "Open Space".

Gutes Fahrverhalten, starker Elektromotor

Das Fahrverhalten unterscheidet sich nicht groß von einem konventionellen SUV. Klar ist der ID.4 mit seinen Akkus im Unterboden schwerer als der Tiguan. Doch dafür hat er auch den spontanen Antrieb des E-Motors. Und was ihm in Kurven an Elan fehlen mag, machen die Progessivlenkung und das adaptive Fahrwerk locker wett. Ganz entspannt durch die Stadt oder ein bisschen engagierter auf einer Landpartie: Genau wie der Tiguan kann auch der ID.4 beides. Mit 21 Zentimetern Bodenfreiheit dürfte auch leichtes Gelände für den ID.4 kein Problem sein.

Umstellen müssen sich dagegen versierte E-Fahrer: Beim Rekuperieren hält sich der ID.4 deutlich zurück und bremst nicht so stark ab wie etwa ein BMW i3, wenn man vom Gas geht.

Basisversion mit 350 Kilometer Reichweite

Zwar gewinnt der ID.4 deshalb nicht ganz so viel Energie zurück, doch die Reichweite passt auch so. Schließlich stecken im Bauch vergleichsweise große Batterien. Schon das Einstiegsmodell fährt mit nutzbaren 52 kWh (brutto 55) und kommt so auf eine WLTP-Reichweite von 350 Kilometern. Wer weiter oben zuschlägt in der Modellhierarchie, der bekommt 77 kWh (brutto 82) und kann im Bestfall mit knapp 520 Kilometern kalkulieren.

Geladen wird dabei je nach Batterie mit bis zu 100 oder 125 kW an DC-Schnellladesäulen, so dass die ersten 80 Prozent des Akkus im günstigsten Fall in weniger als 45 Minuten wieder befüllt sind. Von der mittleren Batterie mit 62 kWh (netto 58) spricht VW derzeit noch nicht. Doch auch sie wird wohl im ID.4 wie auch im Skoda Enyaq zu haben sein.

Bis 306 PS Leistung und 180 km/h Spitze

Beim Antrieb überrascht VW mit viel Auswahl: Zum Start gibt’s den ID.4 mit einem Motor im Heck, der in vier Leistungsstufen zwischen 109 und 150 kW zu haben ist. Bei der stärksten Version reicht das für einen Sprint von 0 auf 100 in 8,5 Sekunden und bei allen Varianten für ein Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. 2021 folgt noch ein Top-Modell mit einer zweiten Maschine mit 75 kW im Bug, der dann wahrscheinlich sogar ein "R"-Logo tragen darf. Dann klettert die Systemleistung auf 225 kW (306 PS), es gibt Allradantrieb und das Spitzentempo wird auf 180 km/h angehoben.

ID.4 kommt bilanziell CO-neutral zum Kunden

Wie bereits der ID.3 soll auch das größere Modell "bilanziell" CO₂-neutral zum Kunden kommen. VW versucht also, den CO₂-Ausstoß in Produktion und Lieferkette durch den Einsatz von grünem Strom möglichst gering zu halten und unvermeidbare Emissionen durch CO₂-Zertifikate auszugleichen.

Also alles gut? Nicht ganz. Zwar wirkt der ID.4 in vielerlei Hinsicht gut gemacht, doch ein Problem hat VW noch nicht gelöst: Genau wie beim ID.3 ist die Software zur Markteinführung nicht vollständig, und ein paar Funktionen wie die Augmented Reality fürs Head-up-Display gibt es erst später als kostenloses Update.

Zunächst mit 77-kWh-Batterie konfigurierbar

Momentan ist der ID.4 nur mit der großen 77-kWh-Batterie in drei Versionen konfigurierbar: Als Basismodell Pro ab 43.329 Euro, in der mittleren Ausstattung 1st ab 48.691 Euro und in der Top-Version 1st Max ab 58.439 Euro. Die Basisausstattung umfasst zwar DAB-Radio, Keyless-Go, Klimaanlage, Notbremsassistenten, Sprachbedienung, Verkehrszeichen- und Müdigkeitserkennung, muss aber mit profanen Stahlfelgen auskommen.

VW ID.4: technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben) VW ID.4 Pro Performance 77 kWh

Motor/Antrieb

1-Stufen-Elektromotor, Heckantrieb, 150 kW/204 PS, 310 Nm

Fahrleistungen

8,5 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

Batteriekapazität

77 kWh (netto nutzbar)

Verbrauch (WLTP)

17,2 kWh/100 km, 0g CO₂/km

Reichweite (nach WLTP)

522 km ("kundennahe" Spanne: 360 bis 520 km)

Maße

L 4,58 / B 1,85 / H 1,63 m

Kofferraum

543 – 1575 l

Leergewicht / Zuladung

2124 / 451 – 611 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 1200 kg

Wendekreis

10,2 m

Preis

ab 43.329 €*

* abzüglich der aktuellen Elektroauto-Kaufprämie

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler