Im Škoda Enyaq auf Testfahrt: Voll unter Strom

Der Skoda Enyaq fahrend auf einer Strasse von vorne aufgenommen
Der elektrische Škoda Enyaq ist mit dem VW ID.4 verwandt ∙ © Skoda

Ab sofort steht der Elektro-SUV Škoda Enyaq bei den Händlern. Er wird mit drei Batteriegrößen angeboten. Reichweite: Zwischen 350 und 520 Kilometer. Erste Testfahrt mit Bildern, Daten, Preisen.

  • Drei Batteriegrößen (52, 58, 77 kWh) und Heckantrieb

  • Allradversionen mit zwei Motoren Mitte 2021

  • Preise: von 33.800 Euro bis 43.950 Euro

Während der VW ID.4 als erster vollelektrischer SUV des VW-Konzerns bereits Ende März 2021 an die ersten Kunden ausgeliefert wurde, durfte sich Škoda etwas mehr Zeit lassen und schickt sein technisch weitgehend baugleiches Pendant mit dem Namen Enyaq erst Ende April zu seinen Händlern. Doch dann soll es für potentielle Kunden schnell gehen: Die Škoda-Verantwortlichen versprechen "übliche" Lieferzeiten von wenigen Monaten.

Der elektrische Škoda Enyaq will auffallen

Der Skoda Enyaq fahrend auf einer Strasse von hinten aufgenommen
Die optional elektrische Heckklappe trägt den Škoda-Schriftzug ∙ © Skoda

Der neue Stromer auf Basis des modularen Elektrobaukastens, kurz MEB, hat mit 4,65 Metern Länge, 1,88 Metern Breite und 1,62 Metern Höhe als SUV in etwa das Format des Škoda Kodiaq und orientiert sich stark an der Studie Vision iV von 2019. Optisch hat der Enyaq deshalb kaum Ähnlichkeit mit seinem VW-Pendant ID.4, sondern fügt sich nahtlos in die Design-Philosophie der aktuellen Modellpalette von Škoda ein: Ihm wurden ähnliche Sicken ins Blech geschneidert wie dem aktuellen Octavia oder dem Mini-SUV Kamiq und auch das Heck kommt im typischen Škoda-Stil daher.

Nur die sehr extrovertierte Front fällt ein wenig aus dem Rahmen: Der Grill wirkt ziemlich groß und lässt den Elektrowagen ziemlich mächtig wirken. Gegen Aufpreis lässt sich die Front sogar beleuchten ("Crystal Face"). 131 LEDs beleuchten dabei das Gesicht und erzeugen zusammen mit der Tagfahrlichtleiste und den LED-Modulen der Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer für Abblend- und Fernlicht eine animierte Coming/Leaving Home-Funktion. Ganz schön viel Show.

Die Seitenansicht des Enyaq ist geprägt von einer langgezogenen und sanft nach hinten abfallenden Dachlinie, die in einen mattschwarzen Dachspoiler übergeht, den unteren Abschluss bildet eine Heckschürze mit grauem Diffusor. Die Dachreling ist wie die Scheibenrahmen in Schwarz oder Chrom gehalten.

Harmonische Beschleunigung, kleiner Wendekreis

Der Skoda Enyaq fährt auf einer Strasse, von der Seite aufgenommen
Charakteristisch: Die abfallende Dachlinie ∙ © Skoda

Wir konnten den neuen Enyaq – sein Name leitet sich übrigens vom irischen Mädchennamen "Enya" ab und bedeutet im Altkeltischen "Quell des Lebens" – schon testen. Der erste Eindruck: Beim Fahren ähnelt der Enyaq einem Škoda Kodiaq viel mehr als den meisten Elektroautos der ersten Stunde. Die Sitzposition ist erhaben, ohne dass man sich auf einem Thron aus Akkus wähnt, die gefühlvolle Lenkung ist direkt, die Beschleunigung harmonisch, das Bremsen mit der Rekuperation und den Trommelbremsen hinten etwas gewöhnungsbedürftig, gelingt aber bald feinfühlig.

Über Wippen am Lenkrad kann der Fahrer den Grad der Rekuperation und damit der Bremsunterstützung jederzeit manuell anpassen. Ist die Rekuperation stark genug ist, kann der bei vielen E-Fahrern so beliebte One-Pedal-Betrieb die mechanische Bremse zu ersetzen.

Mit seinem tiefen Fahrzeugschwerpunkt durch die im Unterboden platzierte Batterie verfügt der Enyaq über ein sehr sicheres Fahrverhalten und gute Handling-Eigenschaften. Die Federung schluckt dabei auch grobe Unebenheiten kommentarlos.

Sehr gut funktioniert auch die als Option erhältliche adaptive Fahrwerksregelung DCC, die permanent die Fahrsituation bewertet und entsprechend reagiert, indem es Dämpfung und Lenkung anpasst. Über die Fahrprofilauswahl Driving Mode Select sind die Grundeinstellungen Eco, Comfort, Normal und Sport wählbar, in der Einstellung Individual lassen sich über einen Slider noch feinere Abstufungen in insgesamt 15 Schritten vornehmen.

Nur in einem Punkt unterscheidet sich der Enyaq dramatisch von konventionell angetriebenen SUV à la Kodiaq, Seat Tarraco & Co.: Weil es vorne weder Motor noch Antriebswelle gibt, können die Räder deutlich weiter einschlagen – und der Wendekreis schrumpft um 2,3 auf lediglich 9,3 Meter. Selbst ein Škoda Scala wirkt im Vergleich ziemlich sperrig – und das Rangieren mit dem elektrischen Riesen wird auch ganz ohne Kameraüberwachung und Einpark-Assistent zum Kinderspiel.

Škoda Enyaq: Kürzer als ein Octavia, aber mehr Platz

Der Kofferraum des Skoda Enyaq
Simply clever: Diverse Verstaumöglichkeiten im Kofferraum-Unterboden ∙ © Skoda

Wo sich der Enyaq in der ersten Reihe anfühlt wie ein gut ausgestatteter Kodiaq, profitieren die Hinterbänkler deutlich von der elektrischen Architektur mit den Akkus im Wagenboden und den kleinen Motoren an der Hinterachse. Obwohl vier Zentimeter kürzer als ein Octavia, bietet der Enyaq bei 2,77 Metern Radstand im Fond fünf Zentimeter mehr Knieraum und üppiger Kopf- und Schulterfreiheit. Ein kleiner Kritikpunkt wären die verwendeten Materialen im Fondanteil: Hier wurde mit viel Plastik doch etwas gespart.

Keine Kritik ernten die Platzverhältnisse im Kofferraum, der mit 585 bis 1710 Litern sogar größer als bei einem Superb und dank niedriger Ladekante auch bestens beladbar ist. Für das Fach unter dem doppelten Ladeboden des Kofferraums hat Škoda eine weitere neue Simply Clever Idee entwickelt: Ein spezieller Einsatz mit verschiedenen Fächern sorgt dafür, dass dort abgelegte Teile bei der Fahrt nicht umherrutschen.

"Simply clever"-Lösungen, die den Alltag erleichtern, gibt es noch mehr. Mit einem Kabelreiniger lässt sich das Ladekabel nach Gebrauch säubern. Das Kabel selbst hat seinen angestammten Platz in einem Fach unter dem Kofferraumboden. Via Smartphone-App lässt sich der Enyaq in eine enge Parklücke zirkeln, auch wenn der Fahrer nicht im Auto sitzt. Das gab es bislang nur bei teuren Oberklassemodellen.

Wie bei den anderen Modellen gibt es auch wieder einen Regenschirm in der Fahrertür sowie einen Profiltiefenmesser und einen griffbereiten Eiskratzer, allerdings nicht wie bei Octavia und Co. in der Tankklappe, sondern an der Heckklappeninnenseite. Zwei USB-C-Anschlüsse und 230V-Steckdose hinten sowie ausklappbare Tischchen im Fond sind ebenfalls zu haben.

360-Grad-Blick: Digitales Cockpit und 13-Zoll-Display

Der Škoda Enyaq iV verfügt über zwei digitale Bildschirme in neuen Formaten. Das Digital Cockpit zeigt auf einem 5,3 Zoll großen Display übersichtlich die wichtigsten Informationen zu Geschwindigkeit, Fahrdaten, Navigation und Assistenzsystemen an. Über das Multifunktionslenkrad steuert der Fahrer zahlreiche Fahrzeugfunktionen und Assistenzsysteme sowie den Wechsel zwischen den vier verschiedenen Ansichten im Digital Cockpit. Das optionale Head-up-Display projiziert weitere Informationen direkt ins Sichtfeld des Fahrers.

Die Bildschirmansichten des mittigen 13-Zoll-Displays (ab iV 60) lassen sich personalisieren und die Bedienung gelingt per Touchfunktion sowie über einen Touch-Schieberegler, mit Multi-Touch-Gesten, per Gestensteuerung oder über die digitale Sprachassistentin Laura. Sie soll sogar Anweisungen in 15 Sprachen verstehen, doch erste Probe-Befehle zeigten mal wieder, dass die herstellereignen Sprachsysteme mit Alexa oder Siri noch lange nicht mithalten können. Doch dafür lässt sich ja ein Smartphone drahtlos mit SmartLink, Android Auto, Apple CarPlay oder MirrorLink in das System einbinden und per "Phone Box" induktiv aufladen.

Dank einer integrierten eSIM verfügt der Škoda Enyaq iV über eine permanente Internetverbindung und erlaubt daher neben Aktualisierungen von Navigationskarten oder der Systemsoftware „over the air“ auch die Nutzung zahlreicher online unterstützter Funktionen. So greifen die Verkehrsinformationen ebenso auf Echtzeit-Daten aus dem Internet zu wie die Routenplanung der optionalen Navigationsfunktion. Und wer die Gleichstrom-Ladeleistung (via CCS-Stecker) der Batterie von 50 kW auf 100 kW bzw. 125 kW erhöhen will, kann das ebenfalls bequem online buchen.

Reichweite: 350, 400 und 520 Kilometer

Skodas Elektro-SUV   Enyaq iV Modell 2020
Maximal 11 kW zieht der Basis-Enyaq an "normalen" Ladesäulen ∙ © Skoda

Um die Modellpalette möglichst weit zu spreizen, variiert Škoda kräftig bei Batteriegröße und Motorleistung. In der Basis fährt der Enyaq mit einem 55 kWh-Akku (netto nutzbar sind 52 kWh) für etwa 350 Kilometer sowie einem Heckmotor von 109 kW/148 PS. Der verbaute Onboard-Lader weist lediglich eine Ladeleistung von 7 kW auf, so dass dem Fahrer die Zeit an der Wallbox schnell ziemlich lang wird. 11 kW gibt es nur gegen Aufpreis.

Wer wirklich schnell laden will, der muss an die Autobahn und bekommt bei 125 kW via CCS-Stecker den Hub von fünf auf 80 Prozent in rund 40 Minuten. Die Basis-Batterie ist allerdings serienmäßig nur bis 50 kW schnellladefähig. Optional ist eine Wärmepumpe zu haben, die die Reichweite im Winter bei minus 25 Grad laut Hersteller um rund 30 Prozent erhöhen soll.

Bei den Batterien bietet Škoda alternativ 62 kWh (netto nutzbar 58 kWh) für eine Normreichweite von über 400 Kilometer oder 82 kWh (netto 77 kWh) für über 520 Kilometer Aktionsradius an. Der Motor leistet 132 kW bzw. 150 kW.

Wem das nicht reicht, der kann einen weiteren Motor für die Vorderachse dazu bestellen – und so auch auf Allradantrieb bauen und mit wahlweise 195 oder 225 kW (Enyaq RS) entsprechend sportlich fahren. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Enyaq dann in 6,2 Sekunden, und erst bei 180 km/h ziehen die Tschechen im Sportlichen RS-Ableger den Stecker. Bei den zivilen Versionen ist die Spitze auf 160 km/h begrenzt.

Grundpreis: 33.800 Euro

Der neue Elektro-SUV hat das alltagstaugliche Format für ein Familien-Erstauto und bietet Fahrleistungen ohne nennenswerte Einschränkungen. Als eines der wenigen Elektroautos bietet der Enyaq zum Beispiel eine Anhängelast: Bei zwölf Prozent Steigung darf er bis zu 1400 Kilogramm an den Haken nehmen.

Doch ob der elektrische Hoffnungsträger ein Erfolg wird, hängt vor allem vom Preis ab. Und der sieht gar nicht so schlecht aus: 33.800 Euro rufen die Tschechen für die Basisversion Enyaq iV 50 noch vor Abzug der aktuellen Förderprämie auf: Unter dem Strich gibt es den Enyaq also ab 24.230 Euro.

Und auch die weiteren Versionen wirken zunächst für Elektroauto-Verhältnisse nicht überteuert. Der Enyaq iV 60 mit mittlerer Batterie steht ab 38.850 Euro in der Liste, der Enyaq iV 80 kommt auf 43.950 Euro.

Bereits die Basisausstattung beinhaltet eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Multifunktions-Lederlenkrad, Keyless-Go, digitalen DAB-Radioempfang, SmartLink.Technologie für die Smartphone-Integration und LED-Scheinwerfer.

Škoda Enyaq: 5 Sterne beim Euro NCAP Crashtest

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Test und Technik

Beim neuen, 2020 verschärften Euro NCAP Crashtest wurde der Škoda Enyaq in den vier Kategorien Insassenschutz, Kindersicherheit, Fußgängerschutz/ungeschützte Verkehrsteilnehmer und aktive Sicherheit, überprüft. In allen Teilkategorien schnitt der neue Škoda Enyaq als vollelektrischer SUV so gut ab, dass er insgesamt die Höchstwertung von 5 Sternen erreichen konnte.

Hier können Sie die ausführlichen Crashtest-Ergebnisse des Škoda Enyaq nachlesen.

Technische Daten Škoda Enyaq

Modell

Škoda Enyaq iV 50

Škoda Enyaq iV 60

Škoda Enyaq iV 80

Škoda Enyaq iV 80x

Škoda Enyaq iV RS

Antrieb

Elektromotor, Heckantrieb, 109 kW/148 PS, 220 Nm Drehmoment

Elektromotor, Heckantrieb, 132 kW/180 PS, 310 Nm Drehmoment

Elektromotor, Heckantrieb, 150 kW/204 PS, 310 Nm Drehmoment

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 195 kW/265 PS, 425 Nm Drehmoment

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 225 kW/306 PS, 460 Nm Drehmoment

Batteriekapazität

55 kWh (netto nutzbar 52)

62 kWh (netto 58)

82 kWh (netto 77)

82 kWh (netto 77)

82 kWh (netto 77)

Fahrleistungen

0-100 km/h in 11,3 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 8,7 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 8,6 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 6,9 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 6,2 s, Spitze 180 km/h

Verbrauch kWh/100 km (WLTP)

15,2-20,9

14,6-17,6

15,2-21,6

k.A.

k.A.

Reichweite (WLTP)

über 350 km

über 400 km

über 520 km

über 500 km

über 460 km

Maße L / B / H

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

Preis*

ab 33.800 €

ab 38.850 €

ab 43.950 €

k. A.

k. A.

*abzüglich der aktuellen Förderprämie für Elektroautos

Text: Thomas Kroher, Thomas Geiger