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Der ADAC

Im Škoda Enyaq auf Testfahrt: Voll unter Strom

Skodas Elektro-SUV   Enyaq iV Modell 2020
Der elektrische Škoda Enyaq ist mit dem VW ID.4 verwandt ∙ © Skoda

Anfang 2021 kommt der Elektro-SUV Škoda Enyaq zu den Händlern. Er wird mit drei Batteriegrößen angeboten. Reichweite: Zwischen 340 und 510 Kilometer. Erste Testfahrt im Prototypen, offizielle Bilder, Daten, Preis.

  • Der Škoda Enyaq ist der erste Elektro-SUV der Marke

  • Batteriegrößen: rund 50, 60 und 80 kWh für 340 bis 510 km Reichweite

  • Die 80er Version ist bereits vorbestellbar

  • Preise: von 33.800 Euro (50er Akku) bis 43.950 Euro (80er Akku)

Diesmal hat VW der Tochter Škoda den Vortritt gelassen. Während der VW ID.4 als erster vollelektrischer SUV der Hauptmarke erst Ende September 2020 seine Hüllen fallen lässt, durfte Škoda sein technisch weitgehend baugleiches Pendant mit dem Namen Enyaq bereits jetzt zeigen. Nach dem VW ID.3 ist er das zweite Fahrzeug auf Basis des modularen Elektrobaukastens, kurz MEB.

Der neue Stromer orientiert sich stark an der Studie Vision iV von 2019 und ist mit 4,65 Metern Länge, 1,88 Metern Breite und 1,62 Metern Höhe als SUV eine ganze Nummer größer als der VW ID.3. Optisch hat der Enyaq allerdings kaum Ähnlichkeit mit seinem VW-Pendant, sondern fügt sich nahtlos in die Design-Philosophie der aktuellen Modellpalette von Škoda ein: Ihm wurden ähnliche Sicken ins Blech geschneidert wie dem aktuellen Octavia oder dem Mini-SUV Kamiq und auch das Heck kommt im typischen Škoda-Stil daher.

Der elektrische Škoda Enyaq will auffallen

Nur die sehr extrovertierte Front fällt ein wenig aus dem Rahmen: Der Grill wirkt ziemlich groß und lässt den Elektrowagen ziemlich mächtig wirken. Gegen Aufpreis lässt sich die Front sogar beleuchten ("Crystal Face"). 130 LEDs beleuchten dabei das Gesicht und sollen eine animierte Coming/Leaving Home-Funktion ermöglichen. Ganz schön viel Show.

Die Version 80, mit einer Batteriegröße von 77,1 KWh Nettokapazität ist bereits konfigurier- und vorbestellbar. Der Grundpreis beträgt 43.950 Euro, die Extra-Optionen halten sich erfreulich in Grenzen. Mit ersten Auslieferungen ist nicht vor dem zweiten Quartal 2021 zu rechnen.

Eine auf 1895 Exemplare limitierte "Founders Edition" – eine Reminiszenz an das Gründungsjahr von Škoda – wird im Laufe des Jahres 2021 nachgeschoben. Sie wird sich vor allem mit einer attraktiven Ausstattung unterscheiden.

Harmonische Beschleunigung, kleiner Wendekreis

Mit einem Prototypen war der ADAC schon vor einigen Monaten auf Testfahrt. Beim Fahren ist der Enyaq einem Škoda Kodiaq näher als den meisten Elektroautos der ersten Stunde – nämlich authentisch statt synthetisch. Die Sitzposition ist erhaben, ohne dass man sich auf einem Thron aus Akkus wähnt, die Lenkung ist direkt, die Beschleunigung harmonisch, das Bremsen mit der Rekuperation und den Trommelbremsen hinten gelingt feinfühlig. Und dass der Wagen rund zwei Tonnen wiegt, federt er schon in der Vorserie tapfer weg.

Nur in einem Punkt unterscheidet sich der Enyaq dramatisch von konventionell angetriebenen SUV à la Kodiaq, Seat Tarraco & Co.: Weil es vorne weder Motor noch Antriebswelle gibt, können die Räder deutlich weiter einschlagen – und der Wendekreis schrumpft um rund zwei auf kaum mehr als zehn Meter. Selbst ein Škoda Scala wirkt im Vergleich ziemlich sperrig – und das Rangieren mit dem elektrischen Riesen wird auch ganz ohne Kameraüberwachung und Einpark-Assistent zum Kinderspiel. Sein Name leitet sich übrigens vom irischen Mädchennamen "Enya" ab und bedeutet im Altkeltischen "Quell des Lebens".

 Škoda Enyaq: Kürzer als ein Octavia, aber mehr Platz

Die Nähe zum konventionellen Auto heißt aber auch, dass man nach manchen elektrischen Eigenheiten im Enyaq vergeblich sucht. Den bei vielen E-Fahrern so beliebten One-Pedal-Betrieb, bei dem die Rekuperation stark genug ist, um die mechanische Bremse zu ersetzen, müssen die Entwickler erst noch programmieren – und auch dann wird diese Funktion eher im untersten Menüpunkt versteckt.

Und noch ein Spezifikum der Stromer sparen sich die Tschechen: Den Freiraum für die Füße in der ersten Reihe. Weil Entwicklungschef Christian Strube eine große Ablage im Alltag wichtig war, hat der Enyaq einen hohen, wenngleich luftigen Mitteltunnel. "Anders hätten wir kaum 48 Liter zusätzlichen Stauraum in der Kabine schaffen können", sagt der Vorstand. Die Tschechen wollen eben genauso pragmatisch bleiben wie bei den anderen Modellen.

Cockpit mit großem Bildschirm

"Simply clever"-Lösungen, die den Alltag erleichtern, gibt es ebenfalls. Mit einem Kabelreiniger lässt sich das Ladekabel nach Gebrauch säubern. Das Kabel selbst hat seinen angestammten Platz in einem Fach unter dem Kofferraumboden. Via Smartphone-App lässt sich der Enyaq in eine enge Parklücke zirkeln, auch wenn der Fahrer nicht im Auto sitzt. Das gab es bislang nur bei teuren Oberklassemodellen.

Wie bei den anderen Modellen gibt es auch wieder einen Regenschirm in der Fahrertür sowie einen Profiltiefenmesser und einen griffbereiten Eiskratzer, allerdings nicht wie bei Octavia und Co. in der Tankklappe, sondern an der Heckklappeninnenseite. Zwei USB-C-Anschlüsse und 230V-Steckdose hinten sowie ausklappbare Tischchen im Fond sind ebenfalls zu haben.

Wo sich der Enyaq, abgesehen vom ungewöhnlich kleinen digitalen Cockpit und dem dafür um so größeren Touchscreen, in der ersten Reihe anfühlt wie ein Kodiaq, profitieren die Hinterbänkler deutlich von der elektrischen Architektur mit den Akkus im Wagenboden und den kleinen Motoren an der Hinterachse. Obwohl vier Zentimeter kürzer als ein Octavia, bietet der Enyaq bei 2,77 Metern Radstand im Fond fünf Zentimeter mehr Knieraum und der Kofferraum ist sogar größer als bei einem Superb.

Drei Akkugrößen, fünf Leistungsstufen

Um die Modellpalette möglichst weit zu spreizen, variiert Škoda kräftig bei Batteriegröße und Motorleistung. In der Basis fährt der Enyaq mit einem 55 kWh-Akku (netto nutzbar sind 52 kWh) für maximal 340 Kilometer sowie einem Heckmotor von 109 kW/148 PS. Der verbaute Onboard-Lader weist lediglich eine Ladeleistung von 7 kW auf, so dass dem Fahrer die Zeit an der Wallbox schnell ziemlich lang wird. 11 kW gibt es nur gegen Aufpreis.

Wer wirklich schnell laden will, der muss an die Autobahn und bekommt bei 125 kW via CCS-Stecker den Hub von fünf auf 80 Prozent in rund 40 Minuten. Die Basis-Batterie ist allerdings serienmäßig nur bis 50 kW schnellladefähig.

Optional ist eine Wärmepumpe zu haben, die die Reichweite im Winter bei minus 25 Grad laut Hersteller um rund 30 Prozent erhöhen soll.

Reichweite: 340, 390 und 510 Kilometer

Bei den Batterien bietet Škoda alternativ 62 kWh (netto nutzbar 58 kWh) für eine Normreichweite von 390 Kilometer oder 82 kWh (netto 77 kWh) für 510 Kilometer Aktionsradius an. Der Motor leistet auf Wunsch 132 kW oder 150 kW.

Wem das nicht reicht, der kann einen weiteren Motor für die Vorderachse dazu bestellen – und so auch auf Allradantrieb bauen und mit wahlweise 195 oder 225 kW (Enyaq RS) entsprechend sportlich fahren. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Enyaq dann in 6,2 Sekunden, und erst bei 180 km/h ziehen die Tschechen im Sportlichen RS-Ableger den Stecker. Bei den zivilen Versionen ist die Spitze auf 160 km/h begrenzt.

Grundpreis: 33.800 Euro

Der neue Elektro-SUV hat das alltagstaugliche Format für ein Familien-Erstauto und bietet Fahrleistungen ohne nennenswerte Einschränkungen. Als eines der wenigen Elektroautos bietet der Enyaq zum Beispiel eine Anhängelast: Bei zwölf Prozent Steigung darf er 1200 Kilogramm an den Haken nehmen.

Doch ob der elektrische Hoffnungsträger ein Erfolg wird, hängt zu allererst vom Preis ab. Und der sieht gar nicht so schlecht aus: 33.800 Euro rufen die Tschechen für die Basisversion Enyaq iV 50 (inkl. 19% MwSt.) noch vor Abzug der aktuellen Förderprämie auf: Unter dem Strich gibt es den Enyaq also für unter 25.000 Euro.

Und auch die weiteren Versionen wirken zunächst für Elektroauto-Verhältnisse nicht überteuert. Der Enyaq iV 60 mit mittlerer Batterie steht ab 38.850 Euro in der Liste, der Enyaq iV 80 kommt auf 43.950 Euro.

Bereits die Basisausstattung beinhaltet eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Multifunktions-Lederlenkrad, Keyless-Go, digitalen DAB-Radioempfang, SmartLink.Technologie für die Smartphone-Integration und LED-Scheinwerfer.

Technische Daten Škoda Enyaq

ModellŠkoda Enyaq iV 50Škoda Enyaq iV 60Škoda Enyaq iV 80Škoda Enyaq iV 80xŠkoda Enyaq iV RS

Antrieb

Elektromotor, Heckantrieb, 109 kW/148 PS, 220 Nm Drehmoment

Elektromotor, Heckantrieb, 132 kW/180 PS, 310 Nm Drehmoment

Elektromotor, Heckantrieb, 150 kW/204 PS, 310 Nm Drehmoment

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 195 kW/265 PS, 425 Nm Drehmoment

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 225 kW/306 PS, 460 Nm Drehmoment

Batteriekapazität

55 kWh (netto nutzbar 52)

62 kWh (netto 58)

82 kWh (netto 77)

82 kWh (netto 77)

82 kWh (netto 77)

Fahrleistungen

0-100 km/h in 11,4 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 8,7 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 8,5 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 6,9 s, Spitze 160 km/h

0-100 km/h in 6,2 s, Spitze 180 km/h

Reichweite (WLTP)

340 km

390 km

510 km

460 km

460 km

Maße L / B / H

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

4,65 / 1,88 / 1,62 m

Preis

ab 33.800 €

ab 38.850 €

ab 43.950 €

k. A.

k. A.

Vorläufige Daten

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler