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Im Škoda Enyaq auf Testfahrt: Voll unter Strom

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Skoda

Anfang 2021 kommt der Elektro-SUV Škoda Enyaq zu den Händlern. Er wird mit drei Batteriegrößen angeboten. Reichweite: Zwischen 340 und 500 Kilometer. Erste Testfahrt im Prototypen, Bilder, Video, Preis.

  • Der Škoda Enyaq ist der erste Elektro-SUV der Marke

  • Batteriegrößen: 55, 62 und 82 kWh für 340 bis 500 km Reichweite

  • Preis: Unter 35.000 Euro in der Basisversion

Während sich der VW-Konzern so langsam auf den Start des VW ID.3 vorbereitet, lassen auch die Töchter die ersten Autos auf Basis des modularen Elektrobaukastens, kurz MEB, von der Leine. Den Anfang macht Škoda mit dem Enyaq. Der neue Stromer orientiert sich stark an der Studie Vision iV von 2019 und ist mit 4,66 Metern als SUV eine ganze Nummer größer als der VW ID.3. Das SUV-Schwestermodell von VW wird auf den Namen ID.4 hören.

Das ungetarnte Design will Škoda im Sommer 2020 enthüllen, bestellen lässt sich der Enyaq im Frühherbst. Doch bis das Elektroauto dann tatsächlich ausgeliefert wird, dürfte es wohl Anfang 2021 werden. Die Prototypen rückten die Tschechen allerdings jetzt schon ins Rampenlicht und baten zur ersten Testfahrt.

Harmonische Beschleunigung, kleiner Wendekreis

Wie sich herausstellt, ist der Enyaq in puncto Form und auch beim Fahren einem Škoda Kodiaq näher als den meisten Elektroautos der ersten Stunde – nämlich authentisch statt synthetisch. Die Sitzposition ist erhaben, ohne dass man sich auf einem Thron aus Akkus wähnt, die Lenkung ist direkt, die Beschleunigung harmonisch, das Bremsen mit der Rekuperation und den Trommelbremsen hinten gelingt feinfühlig. Und dass der Wagen rund zwei Tonnen wiegt, federt er schon in der Vorserie tapfer weg.

Nur in einem Punkt unterscheidet sich der Enyaq dramatisch von konventionell angetriebenen SUV à la Kodiaq, Seat Tarraco & Co.: Weil es vorne weder Motor noch Antriebswelle gibt, können die Räder deutlich weiter einschlagen – und der Wendekreis schrumpft um rund zwei auf kaum mehr als zehn Meter. Selbst ein Škoda Scala wirkt im Vergleich ziemlich sperrig – und das Rangieren mit dem elektrischen Riesen wird auch ganz ohne Kameraüberwachung und Einpark-Assistent zum Kinderspiel. Sein Name leitet sich übrigens vom irischen Mädchennamen "Enya" ab und bedeutet im Altkeltischen "Quell des Lebens".

 Škoda Enyaq: Kürzer als ein Octavia, aber mehr Platz

Die Nähe zum konventionellen Auto heißt aber auch, dass man nach manchen elektrischen Eigenheiten im Enyaq vergeblich sucht. Den bei vielen E-Fahrern so beliebten One-Pedal-Betrieb, bei dem die Rekuperation stark genug ist, um die mechanische Bremse zu ersetzen, müssen die Entwickler erst noch programmieren – und auch dann wird diese Funktion eher im untersten Menüpunkt versteckt.

Und noch ein Spezifikum der Stromer sparen sich die Tschechen: Den Freiraum für die Füße in der ersten Reihe. Weil Entwicklungschef Christian Strube eine große Ablage im Alltag wichtig war, hat der Enyaq einen hohen, wenngleich luftigen Mitteltunnel. "Anders hätten wir kaum 48 Liter zusätzlichen Stauraum in der Kabine schaffen können", sagt der Vorstand.

Wo sich der Enyaq, abgesehen vom ungewöhnlich kleinen digitalen Cockpit und dem dafür um so größeren Touchscreen, in der ersten Reihe anfühlt wie ein Kodiaq, profitieren die Hinterbänkler deutlich von der elektrischen Architektur mit den Akkus im Wagenboden und den kleinen Motoren an der Hinterachse. Obwohl vier Zentimeter kürzer als ein Octavia, bietet der Enyaq bei 2,77 Metern Radstand im Fond fünf Zentimeter mehr Knieraum und der Kofferraum ist sogar größer als bei einem Superb.

Basisversion: 55-kWh-Akku, 340 km Reichweite

Um die Modellpalette möglichst weit zu spreizen, variiert Škoda kräftig bei Batteriegröße und Motorleistung. In der Basis fährt der Enyaq mit einem 55 kWh-Akku für maximal 340 Kilometer sowie einem Heckmotor von 109 kW/148 PS. Der verbaute Onboard-Lader weist lediglich eine Ladeleistung von 7 kW auf, so dass dem Fahrer die Zeit an der Wallbox schnell ziemlich lang wird. 11 kW gibt es nur gegen Aufpreis, und wer wirklich schnell laden will, der muss an die Autobahn und bekommt bei 125 kW den Hub von zehn auf 80 Prozent in 40 Minuten.

Bei den Batterien bietet Škoda alternativ 62 kWh für eine Normreichweite von 390 Kilometer oder 82 kWh für über 500 Kilometer Aktionsradius an. Der Motor leistet auf Wunsch 132 kW oder 150 kW. Wem das nicht reicht, der kann weitere 75 kW für die Vorderachse dazu bestellen – und so auch auf Allradantrieb bauen und entsprechend sportlich fahren. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Enyaq dann in 6,2 Sekunden, und erst bei 180 km/h ziehen die Tschechen den Stecker.

Grundpreis unter 35.000 Euro

Der neue Elektro-SUV hat das alltagstaugliche Format für ein Familien-Erstauto und bietet Fahrleistungen ohne nennenswerte Einschränkungen. Und als Vorstandschef Bernhard Maier voller Stolz schon mal kurz das Tuch lüftet, da sieht der Enyaq für ein Elektroauto auch noch verdammt gut aus – selbst wenn man sich an den komplett beleuchteten Kühlergrill erst noch gewöhnen muss.

Doch ob der elektrische Hoffnungsträger ein Erfolg wird, hängt zu allererst vom Preis ab. Das weiß auch Maier und tut sich deshalb mit der Abschätzung ein halbes Jahr vor Verkaufsbeginn noch ein bisschen schwer. Die 30.000 Euro, die VW für den deutlich kleineren ID.3 aufruft, wird er sicher nicht schaffen. Aber mit den rund 35.000 Euro, die ihm seine Buchhalter ins Manuskript geschrieben haben, ist er auch nicht so recht zufrieden und will noch ein bisschen feilen, damit der Enyaq auch in dieser Hinsicht zu einem typischen Škoda wird.

Text: Thomas Geiger