Volvo EX30: Tolles Elektro-SUV zum kleinen Preis

Das neue Volvo SUV EX 30 in weiss, während der Fahrt durch die Landschaft
Kompakt und stark: Neuer Volvo EX30 mit 200 kW/272 PS oder 315 kW/428 PS© Volvo

Warum der neue Volvo EX30 ein top Preis-Leistungs-Verhältnis bietet – und was an ihm dennoch zu kritisieren ist. ADAC Test der Heckantriebsvariante mit 200 kW.

  • Volvo EX30: Schickes Design, praktisches Format

  • Heckantrieb mit 200 kW oder Allrad mit 315 kW

  • Basispreis ab 37.990 Euro

Volvo kann nicht nur groß und teuer – das beweist der Volvo EX30, der gemessen an den sonst üblichen Preisen bei Volvo für wenig Geld erhältlich ist. Und besser noch: Mit einem Einstiegspreis von 37.990 Euro reiht sich der rein elektrische Schwede preislich zwischen einem Elektro-Kleinwagen wie dem Opel Corsa-e und dem Jeep Avenger ein, bietet aber wesentlich mehr fürs Geld.

Kleines Elektro-SUV mit Power

Frontansicht des weissen SUV Volvo EX 30 während der Fahrt
Schon die günstigste Basisversion stellt 200 kW/272 PS Leistung bereit © Volvo

Vor allem beim Antrieb legt der Volvo EX30 die Messlatte hoch. Schon die Basisversion mit einem Motor an der Hinterachse ("Single Motor") hat stolze 200 kW/272 PS und einen wenigstens 51 kWh fassenden Akku im Unterboden zu bieten. Als Option gibt es einen Akku von 69 kWh Kapazität, der im ADAC-Testwagen installiert war. Die WLTP-Reichweiten betragen 337 und 476 Kilometer. Im deutlich praxisgerechter gestalteten Messverfahren des ADAC Ecotest (eingeschaltete Klimaanlage, 200 Kilo Zuladung, spezieller Autobahnzyklus) erreicht der Volvo EX30 angesichts des Durchschnittsverbrauchs von 19,5 kWh pro 100 Kilometer eine Reichweite von über 360 Kilometer, das ist für diese Klasse ein ordentlicher Wert.

Richtigen PS-Freaks verkauft Volvo eine "Performance"-Version. Dann sind zwei Motoren (Allrad) mit 315 kW/428 PS Gesamtleistung und enormen 543 Nm Drehmoment an Bord. Ein Antriebspaket, für das dann mindestens 49.990 Euro fällig werden. Der Allradantrieb macht dann Sinn, wenn das Fahrzeug in einer Region bewegt wird, wo Schnee und Eis gang und gäbe sind.

Doch unter Leistungsaspekten ist die Performance-Variante unnötig. Denn im öffentlichen Straßenverkehr wirkt schon der "nur" 200 kW starke Hecktriebler oft ein wenig übermotorisiert. Der Spurt aus dem Stand gelingt mit ihm in nur 5,3 Sekunden, auf der Autobahn schafft er immerhin 180 km/h. Vom Stand weg geht es zügig los, von 15 auf 30 km/h vergehen nur 0,8 Sekunden, das ist perfekt beim Abbiegen und Einfädeln in den fließenden Verkehr. Auch ein Überholmanöver ist schnell erledigt, knapp 2,7 Sekunden dauert die Beschleunigung von 60 auf 100 km/h. Von 80 auf 120 km/h geht es in zackigen 3,6 Sekunden.

Das Fahrwerk bügelt jede Straße glatt

Rückansicht des weissen SUV Volvo EX 30 während der Fahrt
Passt zum Charakter: Das Fahrwerk des EX30 ist Richtung Komfort ausgelegt© Volvo

Auch die Fahrdynamik des Volvo EX30 kann sich sehen lassen. Beim Durchfahren des Pylonenkurses mit maximal möglicher Geschwindigkeit erreicht der Volvo beachtliche Durchfahrtsgeschwindigkeiten. Kleiner Wermutstropfen: In Kurvenfahrt wankt der Aufbau etwas über die Hochachse, das Auto bleibt dabei aber immer fahrstabil.

Die Lenkung des EX30 ist ganz klar unter einer Prämisse abgestimmt: müheloses Manövrieren. Die Lenkungsunterstützung lässt sich in den Stufen "leicht", "mittel" und "schwer" einstellen. Allerdings liefert sie grundsätzlich zu wenig Rückmeldung, fühlt sich synthetisch und indifferent an. In anderen Worten: Man spürt nicht, was die Vorderräder tatsächlich machen.

Die Bedienwelt des EX30 kann überfordern

Das Display im neuen Volvo EX 30 SUV
Die Karte von Google Earth versteht jeder sofort, zum Verständnis der gesamten Daten- und Bedienwelt bräuchte es ein Seminar© ADAC/Wolfgang Rudschies

Mit der Bedienung des EX30 sollte man sich vor der Fahrt eingehend vertraut machen. Die Steuerung erfolgt über das 12,3-Zoll große zentrale Touchdisplay, zwei Hebel am Lenkstock und zwei Tastenfelder am Lenkrad. Zusätzlich befinden sich in der Überkopfbedieneinheit zwei weitere Tasten, eine für den Warnblinker, die zweite für die Frontscheibenbelüftung. Allerdings: Diese beiden Tasten sind Dubletten der Touchfelder auf dem Zentralmonitor, denn auch hier lassen sich die beiden Funktionen steuern.

Als ob es noch nicht genügend Möglichkeiten gäbe, die Frontscheibenbelüftung zu aktivieren, erscheint ein weiteres Touchfeld in der sich dynamisch anpassenden Schnellwahlleiste, die je nach Betriebszustand die passenden Funktionen anbieten möchte. Statt Erleichterung bewirkt sie das Gegenteil: Das Bereitstellen von wichtigen Funktionen an mehreren Orten, teils veränderlich, verzögert die Gewöhnung.

Bildergalerie: Der Volvo EX30 im Detail

Problematisch: Fahrerdisplay oder Head-up-Display gibt es nicht. Beides ist dem Spardiktat des EX30 zum Opfer gefallen. Das führt dazu, dass der Fahrer gar keine Information mehr im Blickfeld hat. Ob Geschwindigkeit, Tempolimit oder Navigationspfeil: Egal, was der Fahrer im Moment wissen will, er muss den Blick von der Straße abwenden und nach rechts zum Mittendisplay gucken. Diese erzwungene Ablenkung von der Straße passt so gar nicht zum sonst gepflegten Sicherheitsanspruch von Volvo. Zudem setzt es regelmäßig Ermahnungen durch die Aufmerksamkeits-Erkennung.

Wie sehr man sich Tesla hinsichtlich der Bedienung zum (falschen) Vorbild genommen hat, wird beispielhaft bei der Verstellung der Außenspiegel deutlich. Die Funktion ist in einem Untermenü versteckt, die Feinjustierung der Spiegel erfolgt über – in den Vorserienautos zudem schlecht reagierende – Drückfelder am Lenkrad. Während der Fahrt gelingt das Einstellen überhaupt nicht, ist viel zu umständlich. Man ist gezwungen, dafür anzuhalten. Das kann's nicht sein.

Darüber, wie der Volvo EX30 mit Daten und Apps umgeht, könnte man ein Buch schreiben. Gut: Die für onlinebasierte Dienste (allen voran Google) sowie Apps erforderliche Internetverbindung ist im Lieferumfang bereits enthalten – inklusive Datenvolumen für vier Jahre. Spotify, Amazon Prime Video und Youtube sind mittels App an Bord. Das Telematikmodul mit SIM-Chip ist nicht nur 4G-fähig, sondern schon auf die Highspeed-Datenübertragung mit 5G vorbereitet. Over-the-Air-Updates sind selbstverständlich.

Auf der Rückbank wird's unbequem

Die hellgrauen Sitze im kleinen SUV Volvo EX 30
Auf der tiefen Rückbank sitzen Erwachsene unbequem© Volvo

Kommen wir wieder zu den handfesten Dingen zurück: Mit einer Karosserie von nur 4,23 Meter Länge darf man natürlich keine überzogenen Wünsche an die Platzverhältnisse im EX30 hegen. Der Wagen ist mal gerade so der Kompaktklasse zuzuordnen. Nicht wegen der Abmessungen, denn die reichen dafür nicht, eher wegen des Niveaus bei Antrieb, Komfort und Preis.
Sein Kofferraum fasst laut ADAC Messmethode 320 bis 1115 Liter. Das ist ordentlich. Der variable Einlegeboden entpuppt sich als äußerst praktisch. Nicht nur weil der je nach Bedarf höher oder tiefer gesetzt werden kann, sondern auch, weil das Prozedere dafür mit einer Hand möglich ist. Man hat nach dem Einkauf ja doch immer mal etwas in der Hand, was man auf die Schnelle nicht ablegen kann oder will.

In der oberen Stellung ergibt sich nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen eine ebene Fläche – top zum Beladen mit großen und schweren Gegenständen. In den Frunk vorne passt leider kaum mehr als das für das AC-Laden in der Stadt notwendige Kabel hinein.

An den Platzverhältnissen für Fahrer und Beifahrer gibt es nichts zu mäkeln. Der Fahrersitz lässt sich für bis zu 1,95 Meter große Fahrer zurückfahren. Ist er auf eine 1,85 Meter große Person eingestellt, findet dahinter noch ein Fond-Passagier mit maximal 1,80 Metern Größe Platz, wobei dann noch eine großzügige Kopffreiheit gegeben ist. Der Sitzkomfort vorne ist Volvo-typisch spitze. Was man leider für die Rückbank ganz und gar nicht behaupten kann. Hier sitzen Erwachsene wegen einer extrem tiefen Rückbank mit hoch aufragenden Knien. Auf langen Strecken wird das furchtbar unbequem.

Extrem stylish und modern muten die metallenen Türöffner in den Türen an. Das Armaturenbrett wirkt sehr aufgeräumt, quasi von jeglichen optischen Ablenkungen befreit. Auch an den Innenraum-Materialien gibt es optisch nichts auszusetzen.

Bei der Haptik hapert es jedoch an der einen und anderen Stelle. Per Klopfprobe wird reichlich schnödes Hartplastik entlarvt. Der Kritikpunkt mag sich allerdings dadurch relativieren, dass es sich dabei (zum Beispiel) um recycelte PVC-Fensterrahmen handelt. Stoffkreisläufe wie diese sollen Autos insgesamt nachhaltiger machen. Daran arbeiten aktuell sämtliche Autohersteller mit großem Aufwand. Und das ist auch richtig so.

Bis zu 157 kW Ladeleistung an DC-Säulen

Ladekabel im Stauraum im SUV Volvo EX 30
Das Kabel für AC-Laden findet im Frunk vorne Platz © ADAC/Wolfgang Rudschies

Und wie steht es um die Ladefähigkeiten des vollelektrischen Volvo EX30? AC-Laden gelingt bei der Einstiegsversion des EX30 mit 11 kW, die teureren Modelle laden mit 22 kW. An der DC-Schnellladesäule soll die Top-Variante mit bis zu 153 kW laden können, die günstigeren Modelle schaffen bis zu 134 kW. Im ADAC Test dauerte die Akku-Ladung von 10 auf 80 Prozent 29 Minuten bei einer maximalen Ladeladeleistung von 157 kW und einem Durchschnitt von 111 kW (s. Ladekurve im Test-PDF).

Die Routennavigation des EX30 bezieht bei längeren Strecken eine Ladeplanung automatisch mit ein. Dabei wird die Batterie temperaturseitig vorkonditioniert, sofern ein Naviziel zur Ladestation gesetzt ist. Eine manuelle Vorkonditionierung (ohne Navigationsziel) gibt es leider nicht. Auch für das Thema Vehicle-to-Grid-Laden, an dem Volvo seit einiger Zeit schon arbeitet, langt es beim EX30 noch nicht. Dies bleibt wohl zunächst dem Volvo EX90 vorbehalten.

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Nur noch ein Fingertipp fürs Parken nötig

Detailaufnahme des Cockpit des Volvo EX30
Reduziertes Design mit stehendem "Tablet" zur Bedienung. Auch ein Parkpilot ist dabei © Volvo

An Sicherheitssystemen ist im EX30 serienmäßig alles an Bord, was man sich vorstellen kann. Unter anderem: automatisches Notbremssystem mit Fahrzeug-, Fußgänger-, Fahrradfahrer- und Motorradfahrer-Erkennung, Notbremsassistent für Kreuzungen, aktiver Spurhalteassistent, "Oncoming Lane Mitigation" mit aktivem Lenkeingriff, wenn man auf die Gegenfahrbahn kommt, "Door Opening Alert", der beim Öffnen der Türen vor möglichen Kollisionen warnt, sowie ein Fahrer-Assistenzsystem mit einem Spurwechselassistenten.

Damit nicht genug. Eine neue Generation des Parkpiloten erleichtert das Einparken: Das System meistert nun auch schräge Parklücken. Sobald ein freier Parkplatz erkannt wurde, muss der Fahrer oder die Fahrerin lediglich die entsprechende Stelle in der 3-D-Darstellung auf dem Bildschirm antippen – und schon soll der kleine Volvo in die Lücke rollen.

Überhaupt ist der Volvo EX30 serienmäßig umfangreich ausgestattet. Das kennt man eher nicht von einem Fahrzeug aus der Premium-Welt. Eine Wärmepumpe gibt es für die Versionen mit dem größeren Akku ebenfalls immer ab Werk. Aufpreis kosten die 20-Zoll-Felgen, die Metallic-Lacke, spezielle Design-Ausstattungen, das Winterpaket mit Heizung für Sitze und Lenkrad sowie die Anhängerkupplung. Die zulässige Anhängelast für den Volvo EX30 mit großem Akku beträgt 1400 Kilogramm (kleiner Akku 1000 kg). Das Allradmodell mit Twin Motor darf sogar 1600 Kilo ziehen.

Volvo EX30: Technische Daten, Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Volvo EX30 Single Motor Core (ab 01/24)

Volvo EX30 Single Motor Extended Range Core (ab 01/24)

Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra (ab 01/24)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

200
200
200

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

272
272
272

Drehmoment (Systemleistung)

343 Nm
343 Nm
343 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Hinterrad
Hinterrad

Beschleunigung 0-100km/h

5,7 s
5,3 s
5,3 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h
180 km/h
180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

337 km
476 km
476 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

17,1 kWh/100 km
16,9 kWh/100 km
16,9 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

51,0
69,0
69,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

49,0
64,0
64,0

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-11,0 DC:50,0-150,0
AC:2,3-11,0 DC:50,0-175,0
AC:2,3-22,0 DC:50,0-175,0

Kofferraumvolumen normal

318 l
318 l
318 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

904 l
904 l
904 l

Leergewicht (EU)

1.840 kg
1.850 kg
1.850 kg

Zuladung

370 kg
390 kg
390 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.400 kg
1.400 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre
3 Jahre
3 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.233 mm x 1.837 mm x 1.549 mm
4.233 mm x 1.837 mm x 1.549 mm
4.233 mm x 1.837 mm x 1.549 mm

Grundpreis

37.990 Euro
43.290 Euro
50.490 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,4 m

Wendekreis

11,2 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

19,5 kWh/100 km, 98 g CO₂/km (well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

360 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,5 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1800 / 440 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

320 / 685 / 1115 l

ADAC Testurteil

ADAC Testergebnis

Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra (ab 01/24)

Karosserie/Kofferraum

2,7

Innenraum

3,2

Komfort

2,5

Motor/Antrieb

0,9

Fahreigenschaften

3,1

Sicherheit

1,4

Umwelt/EcoTest

1,4

Gesamtnote

2,0
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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