VW Polo im ADAC Test: Fast schon ein Golf

orangener VW Polo faehrt durch Stadt
Wie ein Kleinwagen wirkt der aktuelle VW Polo nicht mehr ∙ © Volkswagen

Der Kleinwagen punktet in der sechsten Generation mit solidem Auftritt und aktueller Technik. Doch perfekt ist der kleine Bruder des Golf nicht. Testergebnisse der Benzin- und Erdgasversion, Daten, Crashtest-Video, Preise und Infos zum 2021er-Facelift

Ein völlig klassenloses Auto zu sein – das hat man bisher immer dem Golf nachgesagt. Der VW Polo vertritt nun den gleichen Anspruch: Er soll es jedem recht machen, ohne dabei beliebig zu wirken. Diese Gratwanderung hat VW schon immer ganz gut beherrscht.

Der jetzt 4,05 Meter lange Kleinwagen präsentiert sich deshalb optisch unaufgeregt und ab Herbst 2021 um zwei Zentimeter gewachsen und mit ein bisschen mehr glänzenden Design-Details. Unter dem Blech ist er ziemlich wandlungsfähig: Es gibt ihn als Basismodell mit 80 PS und Magerausstattung, die im Zuge des Facelifts aufgewertet wird (s. unten), als umweltfreundliche Erdgasvariante, später im Jahr auch wieder als 200 PS starken GTIIm ADAC Test: Der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 95 und 115 PS sowie die 90 PS starke CNG-Erdgasversion namens 1.0 TGI.

Der Dreizylinder-Benziner schneidet gut ab

Rueckansicht eines orangenen VW Polo
Den VW Polo gibt es nur noch mit fünf Türen ∙ © ADAC

Zunächst zur 95-PS-Version. Die goldene Mitte bei den Motoren erweist sich im Polo als sehr passend. Eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h sollte für einen Kleinwagen mehr als reichen und der Sprint von 0 auf 100 km/h geht mit 10,8 Sekunden in Ordnung. Typisch Dreizylinder: Der kernige Motorklang, der stets präsent ist. Zu laut ist der Polo allerdings nicht. Bei 130 km/h herrschen gemessene 68,4 dB(A) – für ein Auto dieser Größe geht das in Ordnung.

Das Ansprechverhalten des kleinen Dreizylinders mag jedoch nicht überzeugen. Aus dem Drehzahlkeller heraus zeigt sich der VW träge, was auch die Beschleunigungsmessung beweist. Im zweiten Gang braucht der Polo rund 3,3 Sekunden, um von 15 auf 30 km/h zu beschleunigen – das ist für einen Kleinwagen, der wohl meist in der Stadt bewegt wird, ungünstig.

Beim Verbrauch hält sich der Polo 1.0 zurück, kann aber keine neuen Rekorde aufstellen: 5,4 Liter Super haben die Testingenieure im ADAC Ecotest ermittelt. Sehr erfreulich ist das Thema Abgase. Sie fallen insgesamt recht niedrig aus, und selbst bei unseren RDE-Messungen im realen Betrieb auf der Straße konnte der Polo unter Beweis stellen, dass er sauber fährt.

Der Polo mit 115 PS ist recht sportlich

Die 115-PS-Variante des 1,0-Liter-Motors kann natürlich einiges besser und ist all jenen zu empfehlen, die auch mal flotter unterwegs sein wollen. Die Fahrleistungen sind für alle Lebenslagen mehr als ausreichend, es kommt sogar ein kleines bisschen GTI-Feeling auf. Die Beschleunigung von 60 auf 100 km/ ist in 6,5 Sekunden erledigt, der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt in guten 9,5 Sekunden.

Nachteil: Der Verbrauch fällt mit 6,3 Litern Super auf 100 Kilometer deutlich höher aus als bei der 95-PS-Version. Bei den Abgaswerten kann aber auch die stärkere Version des Polo glänzen und liegt in allen Bereichen deutlich unter den Grenzwerten.

Im Herbst 2020 hat VW die Leistung übrigens um fünf auf 110 PS reduziert. Der Hersteller verspricht das identische Drehmoment. Die Werte für die Beschleunigung von null auf 100 km/h (jetzt 10,4 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit (jetzt 195 km/h) haben sich aber verschlechtert.

Erdgasversion 1.0 TGI verbraucht nur 3,9 kg CNG/100 km

VW Polo TGI beim Tanken
Polo TGI: Alle 350 Kilometer muss Erdgas nachgetankt werden ∙ © Volkswagen

Die dritte vom ADAC getestete Version ist das Erdgasmodell 1.0 TGI. Auch das hat den Dreizylindermotor unter der Haube, allerdings mit nur 90 PS Leistung. Wegen der Erdgastanks entfällt der doppelte Kofferraum-Ladeboden, so dass die CNG-Version des Polo 35 Liter weniger fasst. Die Erdgastanks nehmen 13,8 Kilogramm auf, zusätzlich steht noch ein rund 9 Liter fassender Not-Benzintank zur Verfügung, falls mal keine der noch immer spärlich gesäten CNG-Tankstellen in der Nähe ist. 

Der Gaser zeigt sich noch etwas träger bei Beschleunigung und Durchzug als seine Basis (siehe oben) – für flottes Vorankommen braucht es mittlere bis höhere Drehzahlen. Von 60 auf 100 km/h im fünften Gang? Hier braucht der Wolfsburger lange 23,9 Sekunden. Den Sprint auf 100 km/ schafft er in 11,9 Sekunden – und ist damit merklich langsamer als der Benziner. Vom Phlegma früherer Erdgasautos ist der Polo aber dennoch weit entfernt.

Fünf Ecotest-Sterne für den Erdgas-Polo

Doch bei einem Erdgasmodell kommt es in erster Linie auf den Verbrauch an. Und hier ist der Polo top. Im ADAC Ecotest gemessene 3,9 Kilogramm CNG auf 100 Kilometer sind sehr sparsam. Bei einem angenommenen Kilopreis von 1,10 Euro kosten 100 Kilometer so nicht einmal 4,50 Euro! Zudem ist die Gasversion mit sehr sauberen Abgasen und geringem CO₂-Ausstoß sehr umweltfreundlich: Das macht volle fünf Sterne in der ADAC Umweltwertung.

Einziger Haken: Nach 350 Kilometern ist der Gastank leer, was längere Reisen auf der ständigen Suche nach Erdgastankstellen unentspannt macht.

Facelift ab September 2021: Das ist neu

VW Polo TGI Armaturenbrett
Der Polo kann mit "virtuellem Cockpit" (Display hinter dem Lenkrad) geordert werden ∙ © Volkswagen AG

Schon bisher konnte der Polo mit "virtuellem Cockpit" geordert werden, ab Herbst 2021 ist es Standard. Statt klassischer Zeiger für Drehzahlmesser und Tacho liegt es am Fahrer, wie er das Display hinter dem Lenkrad konfiguriert. Hier können zum Beispiel die Landkarte dargestellt werden oder ganz reduziert die Daten des Bordcomputers. Ebenfalls Serienstandard wird ein neu gestaltetes Multifunktionslenkrad, dazu kommen Infotainmentsysteme der neuesten Generation. Ist die optionale Klimaautomatik an Bord, erhält der Polo erstmals eine über Touchflächen gesteuerte Bedienung.

Die Konnektivität wird durch die Modellpflege in mehreren Stufen, je nach Ausführung, auf den aktuellen Stand gebracht, diverse Online-Dienste und -Funktionen inklusive. Bei den Assistenzsystemen macht der Polo einen Schritt in Richtung Autonomes Fahren. Dazu muss allerdings der IQ.Drive Travel Assist bestellt werden. Er kombiniert unter anderem das neue ACC (automatische Distanzregelung) und den Spurhalteassistenten Lane Assist zu einem neuen Assistenzsystem und ermöglicht so das assistierte Fahren bis 210 km/h.

Basis ab September mit LED-Scheinwerfern

Das Fahrzeug gibt es ab September 2021 in neuen Ausstattungslinien, die die bisherigen Design- und Komfort-Pakete ablösen. Der Konfigurator startet jetzt mit der Basisversion namens Polo, weiter geht es mit Life, Style und R-Line. Außer den schon erwähnten Zutaten umfasst schon die Basis LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, neu ist zudem der Center-Airbag. Er befindet sich auf der Fahrerseite seitlich in der Rücksitzlehne. Er öffnet sich im Fall der Fälle zur Mitte hin und schützt Fahrer- und Beifahrer so bei einem Crash davor, aneinanderzustoßen und sich dadurch zu verletzten.

Preis: ab knapp 17.000 Euro

Ein paar neue Farben gibt es zusätzlich und manche davon können mit einem schwarzen Dach kombiniert werden ("Roof Pack"). Die Preisliste für den modellgepflegten Polo beginnt bei 16.795 Euro für die Basisversion mit 80 PS-Benziner und reicht zunächst bis zum 110 PS starken Polo R-Line mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG für 26.355 Euro.

VW T-Cross: Der Mini-SUV auf Polo-Basis

Der VW T-Cross gilt als Vertreter der Mini-SUV-Klasse – und ist unterhalb des T-Roc angesiedelt. Basis für den Crossover ist der VW Polo. Im ADAC Test musste sich der T-Cross als TSI und TDI mit jeweils 95 PS beweisen.

ADAC Test und alle Infos zum VW T-Cross

Etwas mehr Platz im Innenraum

Bemerkenswert schon vor dem Facelift: der insgesamt erwachsene Auftritt des Polo. Die Türen fallen satt ins Schloss, der Federungskomfort dürfte auf langen Autobahnstrecken Maßstäbe im Segment setzen. Nur bei niedrigeren Geschwindigkeiten spricht die Federung ein wenig trocken an. Das können andere besser.

Das Platzangebot ist trotz des Längenwachstums um acht Zentimeter kleinwagentypisch geblieben, auch wenn die ADAC Messungen bescheinigen, dass insbesondere vorn auch große Personen gut klarkommen. Der Fahrersitz lässt sich zum Beispiel auch für zwei Meter große Menschen zurückschieben

Der Kofferraum fasst bis zur Abdeckung lediglich 250 Liter, selbst wenn sich der variable Kofferraumboden in der unteren Position befindet. Baut man die Kofferraumabdeckung aus, lassen sich 340 Liter oder sechs handelsübliche Getränkekisten bis unter das Dach stapeln. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen passen bis zur Fensterkante 635 Liter (aus Sicherheitsgründen empfohlen) und bis unter das Dach 1055 Liter hinein.

Was nicht so ganz zum hochwertigen Anspruch mit weichen Oberflächen am Armaturenbrett und guter Verarbeitung passt, sind die Türverkleidungen aus billigem Hartplastik. Weggespart hat man außerdem die Haltegriffe am Dachhimmel. Gerade ältere Leute nutzen die Griffe gern beim Ein- und Aussteigen.

Der VW Polo im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Beim ADAC Ausweichtest nicht souverän

Im ADAC Ausweichtest zeigt der Polo kein souveränes Fahrverhalten. Das Heck drängt bereits beim ersten Anlenken stark nach außen – das ESP verhindert zwar ein Schleudern, das Fahrverhalten ist aber dennoch anspruchsvoll, vor allem für ungeübte Fahrer. Das ESP sollte insgesamt etwas früher und beherzter eingreifen. Und auch die gemessenen Bremswerte sind – zumindest bei der 95-PS-Version – ausbaufähig: 37,6 Meter braucht der Polo 1.0 bei einer Vollbremsung aus 100 km/h. Die 115-PS-Variante stand bei unseren Messungen bereits nach 34,5 Metern.

Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Comfortline (95 PS) als PDF herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Highline DSG (115 PS) als PDF herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TGI Highline (90 PS, Erdgas) als PDF herunterladen
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VW Polo: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Polo 1.0 TSI (95 PS)

Polo 1.0 TSI DSG (115 PS, jetzt 110 PS)

Polo 1.0 TGI (90 PS, CNG)

Motor

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 1600 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 85 kW/115 PS, 200 Nm bei 2000 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 66 kW/90 PS, 160 Nm bei 1800 U/min

Fahrleistungen

10,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 187 km/h

9,5 (jetzt 10,4) s von 0 auf 100 km/h, Spitze 200 (jetzt 195) km/h

12,3 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 183 km/h

Verbrauch (WLTP)

5,2 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 118 g/km

5,3 (jetzt 5,5) l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 125 g/km

3,7 kg CNG/100 km, CO₂-Ausstoß: 100 g/km

Maße

L 4,07 / B 1,75/ H 1,45

L 4,07 / B 1,75/ H 1,46

L 4,07 / B 1,75/ H 1,45

Kofferraum

351 – 1125 l

351 – 1125 l

251 – 1025 l

Preis

ab 20.175 €, Baureihe ab 16.795 €

ab 23.055 € (110 PS-Version ab Herbst 2021)

ab 22.345 € (Version ab Herbst 2021)

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

1.0 TSI (95 PS)

1.0 TSI DSG (115 PS)

1.0 TGI (90 PS)

Überholvorgang 60-100 km/h

6,4 s

6,5 s

7,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

37,6 m

34,5 m

34,0 m

Wendekreis

10,7 m

10,7 m

10,7 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest

5,4 l Super/100 km, 148 g CO₂/km (well-to-wheel)

6,3 l Super/100 km, 172 g CO₂/km (well-to-wheel)

3,9 kg CNG/100 km, 114 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

740 km

635 km

350 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,4 dB(A)

68,9 dB(A)

69,3 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1140 / 470 kg

1195 / 465 kg

1255 / 425 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

250 / 635 / 1055 l

215 / 600 / 1020 l (m. Beats-Soundsystem)

215 / 600 / 1020 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

95 PS

115 PS DSG

TGI (90 PS)

Karosserie/Kofferraum

3,0

2,9

2,9

Innenraum

2,4

2,4

2,3

Komfort

3,0

2,9

2,9

Motor/Antrieb

2,8

2,2

2,7

Fahreigenschaften

2,8

2,3

2,1

Sicherheit

2,0

2,0

2,0

Umwelt/EcoTest

2,4

2,3

1,3

Gesamtnote

2,5

2,4

2,2

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Viele Assistenzsysteme erhältlich. Präzise Lenkung.        

Das hat uns nicht gefallen: Mäßiges Halogenlicht. Schwächen beim Ausweichtest. 

Der Polo schneidet im Crashtest gut ab

Der Polo erreicht  5 Sterne im NCAP Test. Die Tests versprachen guten Schutz der Knie und Beckenpartien bei Fahrer und Beifahrer.

Auch beim besonders kritischen Pfahltest schaffte der Polo die höchste Punktzahl. Die Kopfstützen schützen auch auf den Rücksitzen gut gegen Schleudertraumata, verursacht durch Auffahrunfälle am Heck. Alle getesten Kindersitze waren problemlos zu installieren. Der Polo hat serienmäßig Notbremssysteme.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

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