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Der ADAC

VW Polo im ADAC Test: Fast schon ein Golf

orangener VW Polo faehrt durch Stadt
Wie ein Kleinwagen wirkt der aktuelle VW Polo nicht mehr ∙ © Volkswagen

Der Kleinwagen-Klassiker der sechsten Generation punktet mit solidem Auftritt und aktueller Technik. Doch perfekt ist der kleine Bruder des Golf nicht. Testergebnisse der Benzin- und Erdgasversion, Daten, Crashtest-Video, Preise

  • Der VW Polo der sechsten Generation ist über vier Meter lang

  • Im Test: Die beiden Dreizylinder mit 95 und 115 PS

  • Hohe Preise, fünf Sterne im Crashtest

  • Saubere Erdgasversion mit fünf Sternen im ADAC Ecotest

Ein völlig klassenloses Auto zu sein – das hat man bisher immer dem Golf nachgesagt. Der VW Polo vertritt nun den gleichen Anspruch: Er soll es jedem recht machen ohne dabei beliebig zu wirken. Diese Gratwanderung hat VW schon immer ganz gut beherrscht.

Der jetzt 4,05 Meter lange Kleinwagen präsentiert sich deshalb optisch unaufgeregt und unter dem Blech ziemlich wandlungsfähig: Es gibt ihn als Basismodell mit 80 PS und Magerausstattung, als umweltfreundliche Erdgasvariante aber auch als 200 PS starken GTIIm ADAC Test: Der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 95 und 115 PS sowie die 90 PS starke CNG-Erdgasversion namens 1.0 TGI.

Der Dreizylinder-Benziner schneidet gut ab

Zunächst zur 95-PS-Version. Die goldene Mitte bei den Motoren erweist sich im Polo als sehr passend. Eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h sollte für einen Kleinwagen mehr als reichen und der Sprint von 0 auf 100 km/h geht mit 10,8 Sekunden in Ordnung. Typisch Dreizylinder: Der kernige Motorklang, der stets präsent ist. Zu laut ist der Polo allerdings nicht. Bei 130 km/h herrschen gemessene 68,4 dB (A) – für ein Auto dieser Größe geht das in Ordnung.

Das Ansprechverhalten des kleinen Dreizylinders mag jedoch nicht überzeugen. Aus dem Drehzahlkeller heraus zeigt sich der VW träge, was auch die Beschleunigungsmessung beweist. Im zweiten Gang braucht der Polo rund 3,3 Sekunden, um von 15 auf 30 km/h zu beschleunigen – das ist für einen Kleinwagen, der wohl meist in der Stadt bewegt wird, ungünstig.

Beim Verbrauch hält sich der Polo 1.0 zurück, kann aber keine neuen Rekorde aufstellen: 5,4 Liter Super haben die Testingenieure im ADAC Ecotest ermittelt. Sehr erfreulich ist das Thema Abgase. Sie fallen insgesamt recht niedrig aus, und selbst bei unseren RDE-Messungen im realen Betrieb auf der Straße konnte der Polo unter Beweis stellen, dass er sauber fährt.

Der Polo mit 115 PS ist recht sportlich

Die 115-PS-Variante des 1,0-Liter-Motors kann natürlich einiges besser und ist all jenen zu empfehlen, die auch mal flotter unterwegs sein wollen. Die Fahrleistungen sind für alle Lebenslagen mehr als  ausreichend, es kommt sogar ein kleines bisschen GTI-Feeling auf. Die Beschleunigung von 60 auf 100 km/ ist in 6,5 Sekunden erledigt, der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt in guten 9,5 Sekunden.

Nachteil: Der Verbrauch fällt mit 6,3 Litern Super auf 100 Kilometer deutlich höher aus als bei der 95-PS-Version. Bei den Abgaswerten kann aber auch die stärkere Version des Polo glänzen und liegt in allen Bereichen deutlich unter den Grenzwerten.

Mittlerweile (Stand Oktober 2020) hat VW die Leistung übrigens um fünf auf 110 PS reduziert. Der Hersteller verspricht das identische Drehmoment. Die Werte für die Beschleunigung von null auf 100 km/h (jetzt 10,4 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit (jetzt 195 km/h) haben sich verschlechtert.

Erdgasversion 1.0 TGI verbraucht nur 3,9 kg CNG/100 km

Die dritte vom ADAC getestete Version ist das Erdgasmodell 1.0 TGI. Auch er hat den Dreizylindermotor unter der Haube, allerdings mit nur 90 PS Leistung. Wegen der Erdgastanks entfällt der doppelte Kofferraum-Ladeboden, so dass die CNG-Version des Polo 35 Liter weniger fasst. Die Erdgastanks fassen 13,8 Kilogramm, zusätzlich steht noch ein rund 9 Liter fassender Not-Benzintank zur Verfügung, falls mal keine der noch immer spärlich gesäten CNG-Tankstellen in der Nähe ist. 

Der Gaser zeigt sich noch etwas träger bei Beschleunigung und Durchzug als seine Basis (siehe oben) – für flottes Vorankommen braucht es mittlere bis höhere Drehzahlen. Von 60 auf 100 km/h im fünften Gang? Hier braucht der Wolfsburger lange 23,9 Sekunden. Den Sprint auf 100 km/ schafft er in 11,9 Sekunden – und ist damit merklich langsamer als der Benziner. Vom Phlegma früherer Erdgasautos ist der Polo aber dennoch weit entfernt.

Doch bei einem Erdgasmodell kommt es in erster Linie auf den Verbrauch an. Und hier ist der Polo top. Im ADAC Ecotest gemessene 3,9 Kilogramm CNG auf 100 Kilometer sind sehr sparsam. Bei einem angenommenen Kilopreis von 1,10 Euro kosten 100 Kilometer so nicht einmal 4,50 Euro! Zudem ist die Gasversion mit sehr sauberen Abgasen und geringem CO₂-Ausstoß sehr umweltfreundlich: Das macht volle fünf Sterne in der ADAC Umweltwertung.

Einziger Haken: Nach 350 Kilometern ist der Gastank leer, was längere Reisen auf der ständigen Suche nach Erdgastankstellen unentspannt macht.

"Virtuelles Cockpit" gegen Aufpreis

Dem Trend zu Individualisierungen aller Art folgt auch der VW Polo – und damit sind nicht nur die 14 Außenlackierungen, acht Armaturenbrett-Farben von mausgrau bis strahlend orange oder das Beats-Modell mit 300-Watt-Anlage und peppiger Inneneinrichtung gemeint. Als erster Kleinwagen kann der Polo mit "virtuellem Cockpit" geordert werden. Statt klassischer Zeiger für Drehzahlmesser und Tacho liegt es am Fahrer, wie er das Display hinter dem Lenkrad konfiguriert. Hier können zum Beispiel die Landkarte dargestellt werden oder ganz reduziert die Daten des Bordcomputers.

Gut: In der Mittelkonsole lässt sich das Smartphone kabellos aufladen. Erweitert werden kann der Polo zudem um ein Navigationssystem, Apple CarPlay und Android Auto sowie Mirror-Link und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Dank Car-Net sind auch Online-Dienste wie Informationen zum Verkehrsaufkommen möglich, dafür benötigt man aber eine Datenverbindung – hierfür kann man das System beispielsweise via WLAN mit dem Mobiltelefon verbinden.

Solides Cockpit mit Touchscreen

Das Cockpit des Polo wird im Testwagen vom weit oben positionierten und zum Fahrer hin geneigten acht Zoll großen Touchdisplay dominiert. Praktisch: Das System verfügt neben den berührungssensitiven Schaltflächen auch noch über einen Drehregler für die Lautstärke und einen zweiten, mit dem man sich durch die Menüs nach unten arbeiten oder in der Navigationskarte zoomen kann. Ein Nachteil des neuen Multimedia-Bildschirms: Die Hochglanz-Oberfläche präsentiert jeden Fingerabdruck unübersehbar.

VW T-Cross: Der Mini-SUV auf Polo-Basis

Der VW T-Cross gilt als Vertreter der Mini-SUV-Klasse – und ist unterhalb des T-Roc angesiedelt. Basis für den Crossover ist der VW Polo. Im ADAC Test musste sich der T-Cross als TSI und TDI mit jeweils 95 PS beweisen.

ADAC Test und alle Infos zum VW T-Cross

Besonders stolz ist VW auf die immense Anzahl von Assistenzsystemen. Eine City-Notbremsfunktion ist Serie, alles andere – von der Müdigkeitswarnung bis hin zum Ausparkassistenten, der beim Rückwärtsfahren aus der Lücke Querverkehr registriert – kostet Aufpreis. Wer fleißig in den Listen ankreuzt, kann einen profanen Kleinwagen so zum High-End-Gerät aufrüsten. Das ist teuer – und inzwischen auch typisch für VW. Wenigstens entfällt der Aufpreis für den Fünftürer: Die dreitürige Version wurde gestrichen.

Etwas mehr Platz im Innenraum

Bemerkenswert ist der insgesamt erwachsene Auftritt des Polo. Die Türen fallen satt ins Schloss, der Federungskomfort dürfte auf langen Autobahnstrecken Maßstäbe im Segment setzen. Nur bei niedrigeren Geschwindigkeiten spricht die Federung ein wenig trocken an. Das können andere besser.

Das Platzangebot ist trotz des Längenwachstums um acht Zentimeter kleinwagentypisch geblieben, auch wenn die ADAC Messungen bescheinigen, dass insbesondere vorn auch große Personen gut klarkommen. Der Fahrersitz lässt sich zum Beispiel auch für zwei Meter große Menschen zurückschieben

Der Kofferraum fasst bis zur Abdeckung lediglich 250 Liter, selbst wenn sich der variable Kofferraumboden in der unteren Position befindet. Baut man die Kofferraumabdeckung aus, lassen sich 340 Liter oder sechs handelsübliche Getränkekisten bis unter das Dach stapeln. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen passen bis zur Fensterkante 635 Liter (aus Sicherheitsgründen empfohlen) und bis unter das Dach 1055 Liter hinein.

Was nicht so ganz zum hochwertigen Anspruch mit weichen Oberflächen am Armaturenbrett und guter Verarbeitung passt, sind die Türverkleidungen aus billigem Hartplastik. Weggespart hat man außerdem die Haltegriffe am Dachhimmel. Gerade ältere Leute nutzen die Griffe gern beim Ein- und Aussteigen. Ein Thema für das nächste Facelift.

Der VW Polo im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Beim ADAC Ausweichtest nicht souverän

Im ADAC Ausweichtest zeigt der Polo kein souveränes Fahrverhalten. Das Heck drängt bereits beim ersten Anlenken stark nach außen – das ESP verhindert zwar ein Schleudern, das Fahrverhalten ist aber dennoch anspruchsvoll, vor allem für ungeübte Fahrer. Das ESP sollte insgesamt etwas früher und beherzter eingreifen. Und auch die gemessenen Bremswerte sind – zumindest bei der 95-PS-Version – ausbaufähig: 37,6 Meter braucht der Polo 1.0 bei einer Vollbremsung aus 100 km/h. Die 115-PS-Variante stand bei unseren Messungen bereits nach 34,5 Metern.

Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Comfortline (95 PS) als PDF herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TSI Highline DSG (115 PS) als PDF herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test zum VW Polo 1.0 TGI Highline (90 PS, Erdgas) als PDF herunterladen
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VW Polo: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)VW Polo 1.0 TSI Comfortline (95 PS)Polo 1.0 TSI Highline DSG (115 PS)Polo 1.0 TGI Highline (90 PS, CNG)

Motor

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 85 kW/115 PS, 200 Nm bei 2000 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 66 kW/90 PS, 160 Nm bei 1800 U/min

Fahrleistungen

10,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 187 km/h

9,5 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 200 km/h

11,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 183 km/h

Verbrauch (WLTP)

5,4 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 124 g/km

5,3 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 107 g/km

3,8 l CNG/100 km, CO₂-Ausstoß: 105 g/km

Maße

L 4,05 / B 1,75/ H 1,46

L 4,05 / B 1,75/ H 1,46

L 4,05 / B 1,75/ H 1,45

Kofferraum

351 – 1125 l

351 – 1125 l

251 – 1025 l

Preis

18.511,25 €, Baureihe ab 15.138,49 €

21.255,27 € (aktuelle 110 PS-Version)

21.547,72 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)1.0 TSI (95 PS)1.0 TSI DSG (115 PS)1.0 TGI (90 PS)

Überholvorgang 60-100 km/h

6,4 s

6,5 s

7,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

37,6 m

34,5 m

34,0 m

Wendekreis

10,7 m

10,7 m

10,7 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest

5,4 l Super/100 km, 148 g CO₂/km (well-to-wheel)

6,3 l Super/100 km, 172 g CO₂/km (well-to-wheel)

3,9 kg CNG/100 km, 114 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

740 km

635 km

350 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,4 dB(A)

68,9 dB(A)

69,3 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1140 / 470 kg

1195 / 465 kg

1255 / 425 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

250 / 635 / 1055 l

215 / 600 / 1020 l (m. Beats-Soundsystem)

215 / 600 / 1020 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis95 PS115 PS DSGTGI (90 PS)

Karosserie/Kofferraum

3,0

2,9

2,9

Innenraum

2,4

2,4

2,3

Komfort

3,0

2,9

2,9

Motor/Antrieb

2,8

2,2

2,7

Fahreigenschaften

2,8

2,3

2,1

Sicherheit

2,0

2,0

2,0

Umwelt/EcoTest

2,4

2,3

1,3

Gesamtnote

2,5

2,4

2,2

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Viele Assistenzsysteme erhältlich. Präzise Lenkung.        

Das hat uns nicht gefallen: Mäßiges Halogenlicht. Schwächen beim Ausweichtest. 

Der Polo schneidet im Crashtest gut ab

Der Polo erreicht  5 Sterne im NCAP Test. Die Tests versprachen guten Schutz der Knie und Beckenpartien bei Fahrer und Beifahrer.

Auch beim besonders kritischen Pfahltest schaffte der Polo die höchste Punktzahl. Die Kopfstützen schützen auch auf den Rücksitzen gut gegen Schleudertraumata, verursacht durch Auffahrunfälle am Heck.

Alle getesten Kindersitze waren problemlos zu installieren.

Der Polo hat serienmäßig Notbremssysteme.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

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