Fiat 600e: Testfahrt in Fiats Familien-Elektroauto

Im Video: Motorjournalist Lars Hönkhaus war für den ADAC im Fiat 600e unterwegs ∙ Bild: © news to do GmbH + ADAC/David Klein, Video: © ADAC e.V.

Mit dem Fiat 600e wird der Markt um ein knuffiges Elektroauto bereichert: Kürzer als ein VW Golf, mit Platz für fünf und 400 Kilometer Reichweite soll er die Riege der Mini-Elektro-SUV aufmischen. Was kann der Fiat 600e? Testfahrt, Bilder, Preise.

  • Fiat 600e mit 4,17 Meter Länge parkfreundlich

  • 54-kWh-Batterie für rund 400 Kilometer Reichweite

  • Preis: ab 36.490 Euro

  • Neu ab Januar 2024: Fiat 600 als Hybrid-Benziner

Der Fiat 600e bringt Farbe ins Spiel

Neuvorstellung des Fiat 600e
Der elektrische Fiat 600e ist nicht nur optisch interessant© Fiat

Fröhlich, frisch und modern: Der neue Fiat 600e bringt Farbe ins Spiel der Elektroautos. Und das ist wörtlich gemeint. Fiat-Chef Olivier François hatte sich im Sommer 2023 werbewirksam mit dem neuen 600e in einen überdimensionalen Farbtopf (Video auf Youtube*) tauchen lassen und verkündet, die Farbe Grau aus dem Fiat-Portfolio zu streichen. Schließlich gehe es in Italien bunt und gutgelaunt zu, mausgraue Autos überlasse man lieber den Deutschen und den Franzosen.

In der Tat findet sich in der Farbpalette des 600e kein klassisches Grau oder Silber, und ehrlich gesagt stehen dem 600e peppige Farben ohnehin viel besser. Also ruhig mal mutig sein und Orange, Rot oder ein strahlendes Blau ankreuzen. Das ist übrigens neben den beiden Ausstattungslinien "Red" (Basis) und "La Prima" die einzige Wahl, die der Kunde noch treffen muss. Fiat macht es einem hier leicht.

Die Optik des neuen Elektro-Modells ist ein gekonnter Mix aus dem elektrischen Fiat 500 und dem kleinen SUV Fiat 500X mit Verbrennungsmotor und dürfte alle jenen auf Anhieb gefallen, die das knuffige Fiat-500-Design ohnehin bereits in ihr Herz geschlossen haben. Den 500X lässt Fiat übrigens noch eine Weile parallel im Modellprogramm weiterlaufen. Und zusätzlich wird seit Januar 2024 vom neuen 600er auch noch eine Hybridversion mit 100 PS starkem Benziner angeboten zu Preisen ab 24.990 Euro.

Fiat 600e: Kleines Elektro-SUV

Neuvorstellung des Fiat 600e
Der Fiat 600e sieht aus wie die Weiterentwicklung des 500X© Fiat

Doch zurück zur Elektro-Version. Anders als der elektrische 500er ist der 600e ein Auto, mit dem auch junge Familien gut klarkommen könnten. Er bietet fünf Sitzplätze, fünf Türen, Getränkehalter, USB-Anschlüsse auch für den Fond, praktische Ablagen – eine besonders große befindet sich unter dem Mitteltunnel mit einem Klappdeckel wie bei einer iPad-Hülle – und einen Kofferraum mit 360 Liter Fassungsvermögen. Zumindest, wenn man den doppelten Boden mitzählt, in dem man aber am besten das Ladekabel verstaut. Einen Frunk unter der Fronthaube hat der 600e nämlich nicht zu bieten. Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 40 zu 60 geteilt umklappen.

Mit 4,17 Meter Länge ist der Italiener kürzer als ein VW Golf und zählt zu den Mini-SUVs in der Größe eines VW T-Cross, Ford Puma, Volvo EX30, Opel Mokka oder auch Jeep Avenger. Mit den beiden Letzteren ist der 600e technisch verwandt, schließlich gehört Fiat ebenfalls zum Stellantis-Konzern und kann auf Konzerntechnik zugreifen.

Dass auf der kompakten Länge keine Raumwunder zu erwarten sind, dürfte jedem bewusst sein. Dennoch kneift es auch hinten überraschenderweise nicht, zumindest bei Mitfahrern, die nicht außergewöhnlich groß gewachsen sind. Was vorn rechts stört: Die Füße des Beifahrers oder der Beifahrerin stehen recht schräg auf der Spritzwand, was auf langen Strecken unangenehm ist. Als Abhilfe lässt sich der Sitz zwar zurückschieben, doch das geht zu Lasten des Knieraums dahinter.

Bilder: Der Fiat 600e 2023 im Detail

Viel Hartplastik, leichte Bedienung

Das Cockpit des 600e kommt im reduziert edlen Design daher, doch besonders hochwertig gemacht ist es nicht. Hartplastik dominiert, nur an den Armauflagen vorn findet sich weich unterschäumtes Material.

Die Bedienung gelingt indes erfreulich einfach. Am Armaturenbrett finden sich Drucktasten für die Automatik, darüber eine selbsterklärende Tastenleiste für die Steuerung der Klimaanlage (Serie), und es gibt auch noch einen praktischen Drehknopf für das Radio. Alles andere ist in den nicht überdimensionierten Touchscreen gepackt worden, wo sich wie üblich Einstellungen aller Art finden, diese sind aber wohl sortiert und schnell zu durchblicken.

Auch hinter dem Lenkrad hat sich Fiat um Klarheit bemüht und das Display nicht mit zu vielen Informationen überfrachtet. Kilometerstand, Reichweite, Tacho, Bordcomputer – alles da, was man braucht und ohne Chichi. Per Knopfdruck lässt sich zudem die Navigation direkt ins Blickfeld holen.

Fiat 600e: Reichweite von 400 Kilometern

Beim Fiat 600e kommt die gleiche Antriebsbatterie mit 54 kWh (netto nutzbar 50 kWh) Kapazität zum Einsatz wie im Jeep Avenger und Opel Astra Electric. Die soll für 400 Kilometer Reichweite nach WLTP ausreichen, was nach den ersten Testfahrten nicht unrealistisch klingt. Je nach Fahrweise ließ sich ein Verbrauch zwischen 12 (Stadt und Landstraße) und 18 kWh (Autobahn) am Bordcomputer ablesen. Was der 600e im standardisierten ADAC Ecotest verbraucht, muss allerdings erst noch ein ausführlicher Test klären. Als erster Eindruck bleibt zumindest schon mal hängen, dass der 600er kein Stromfresser ist.

Der Elektro-Fiat fährt sehr leise

Hinteransicht des neuen Fiat 600e
Komfortabel gefedert: Der Fiat 600e© Simona Alampi

Als Antrieb dient ein Elektromotor mit 115 kW/156 PS Leistung, der den Fiat auf maximal 150 km/h bringt und in 9,0 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Keine raketenähnlichen Werte, mit denen E-Autos heute wuchern, aber auch hier zeigt sich eben, dass Fiat am Boden geblieben ist. Das macht den 600er einmal mehr sympathisch, zumal die gebotenen Fahrleistungen völlig ausreichen und sich kräftig genug anfühlen. E-Auto-typisch setzt sich der 600e ohne Umschweife in Bewegung und zieht gleichmäßig und willig durch. Dass sich nur eine Rekuperationsstufe einstellen lässt – geschenkt.

Dafür fällt die gute Geräuschdämmung sehr positiv auf. Der E-Motor ist so gut wie gar nicht zu hören, und auch Abroll- oder Windgeräusche machen sich rar. Schön auch, wie sich die Fahrmodi Eco, Normal und Sport merklich voneinander unterscheiden und die Beschleunigung dabei je nach Geschmack von betulich bis sportiv variiert.

Die Lenkung ist leider ein wenig gefühllos und dermaßen leichtgängig geraten, dass man am Steuer anfangs ziemlich irritiert am Volant rudert. Doch auch daran kann man sich gewöhnen. Schneller schätzen lernt man dagegen die gute Federung.

Durchschnitt: 100 kW maximale Ladeleistung

Ein Fiat 600e hängt zum Laden an einer Ladesäule
An AC-Ladesäulen in der Stadt zieht der Fiat maximal 11 kW© Fiat

Und kann der 600e auf langen Strecken auch schnell wieder nachgeladen werden? Eine maximale Ladeleistung von 100 kW setzt keine Maßstäbe bei Elektroautos, im Segment der Kleinwagen-SUV ist das aber durchaus noch okay. In gut 30 Minuten soll die Batterie an CCS-Schnellladesäulen zu 80 Prozent nachgeladen sein. An der heimischen Wallbox oder an einer öffentlichen AC-Ladesäule sind maximal 11 kW drin. Rein rechnerisch ist eine komplett leere Batterie dann in fünf Stunden wieder voll.

Ein Knackpunkt dürfte für viele die fehlende Anhängerkupplung sein. Die bietet Fiat erst mal nicht an. Ob sich daran etwas ändern wird, kann der Importeur noch nicht sagen. Schade, denn eine Anhängelast bieten immer mehr Elektroautos. Zumindest eine Lösung für einen Fahrradträger sollten sich die Turiner schnell überlegen.

Preis für den Fiat 600e: Ab 36.490 Euro

Neuvorstellung des Fiat 600e
Den Fiat 600e La Prima gibt es ab rund 43.000 Euro, die Basis ab 37.000© Fiat

Bestellt werden kann der Fiat 600e zu Preisen ab 36.490 Euro für die Basis-Version "Red" und 42.490 Euro für den 600e "La Prima", der mit sehr guter Ausstattung vom Hof rollt. Elektrische Heckklappe, Alufelgen oder elektrisch verstell- und beheizbare Kunstledersitze sind dann an Bord, ein Navigationssystem sowie ein Abstandstempomat ebenfalls.

Nicht ganz so opulent, aber alles andere als karg kommt der "Red" daher. Auch er hat bereits LED-Scheinwerfer, Keyless-Go, Klimaautomatik, Android Auto und Apple Carplay, Tempomat, 6 Airbags und die üblichen Assistenzsysteme wie Müdigkeitserkennung und Spurhalteassistent an Bord. Völlig ausreichend und erheblich günstiger als der "La Prima" und daher die eigentliche Empfehlung. Wenn nicht die Farben wären: Der Red ist nur in Rot (ohne Aufpreis), Weiß und Schwarz (je 600 Euro extra) zu haben. Farbenfroh wird's leider nur mit dem teuren "La Prima".

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Fiat 600e: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Fiat 600e RED (ab 09/23)

Fiat 600e La Prima (ab 09/23)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

115
115

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

156
156

Drehmoment (Systemleistung)

260 Nm
260 Nm

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

9,0 s
9,0 s

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h
150 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

409 km
409 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,1 kWh/100 km
15,1 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

54,0
54,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

51,0
51,0

Ladeleistung (kW)

AC:1,8-11,0 DC:100,0
AC:1,8-11,0 DC:100,0

Kofferraumvolumen normal

360 l
360 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.231 l
1.231 l

Leergewicht (EU)

1.595 kg
1.595 kg

Zuladung

430 kg
430 kg

Anhängelast ungebremst

n.b.
n.b.

Anhängelast gebremst 12%

n.b.
n.b.

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.171 mm x 1.781 mm x 1.523 mm
4.171 mm x 1.781 mm x 1.523 mm

Grundpreis

36.490 Euro
42.490 Euro

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