BMW iX: Erste Ausfahrt mit dem Elektro-Flaggschiff

Der erste BMW iX in schwarz, während der Fahrt auf einer Landstraße
Der neue BMW iX bei der ersten Testfahrt ∙ © BMW

Der BMW iX ist ein fast perfektes Luxus-Elektroauto – aber eben nur: fast. Erster Fahrbericht mit dem neuen Technik-Flaggschiff. Plus alle Infos über Reichweiten und Preise.

  • Zwei Versionen mit unterschiedlicher Leistung und Akkugröße

  • Viel Platz, viel Luxus, viel Fahrfreude

  • Bei automatisierten Fahrfunktionen eingebremst

Vorschusslorbeeren hat das neue Elektro-Flaggschiff von BMW mit dem Namenskürzel iX mehr als genug bekommen. Nun muss sich der technologische Vorreiter bei einer ersten Testfahrt beweisen. Wir starten am Flughafen München, es geht in Richtung Berchtesgadener Land. Die Sonne strahlt, die Außentemperaturen sind angenehm: Der über 100 kWh fassende, schwere Akku im Unterboden des iX xDrive50 in Bestausstattung sollte sich (wie sein Fahrer) absolut wohlfühlen.

Kann ein schweres Elektro-SUV effizient sein?

Allradantrieb mit Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, über 500 PS Systemleistung und ein Drehmoment aus dem Stand von bis zu 765 Newtonmeter: Da reicht ein sanftes Streicheln des Gaspedals – und der iX stürmt los. Trotz der fast fünf Meter langen und rund 2,6 Tonnen schweren Karosse wäre das Dickschiff laut BMW in der Lage, in unter fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen.

Aber wer macht das? Kommt es bei einem Elektroauto doch eher darauf an, mit der zur Verfügung stehenden Energie behutsam umzugehen, anstatt sie bei spritzigen Ampelstarts zu vernichten. Es geht um Effizienz – und das könnte ein Problem für den BMW iX sein. Denn gegen die Effizienz des kräftigen Bajuwaren sprechen die riesigen Abmessungen und das enorme Gewicht.

Doch wie lautet das Credo der Automobilhersteller? Je schwieriger die Probleme, desto mehr wachsen die Konstrukteure über sich hinaus. Bleibt die Frage, ob das auch im Fall des BMW iX gelungen ist. Wir probieren es aus.

Der BMW iX und seine technischen Details

Praxis-Verbrauch von 20 kWh erscheint realistisch

Der Bordcomputer des Testfahrzeugs prognostiziert bei Fahrtbeginn eine mögliche Streckenlänge von über 600 Kilometern – offenbar mit einem sehr moderaten Verbrauch berechnet. Unterwegs pendelt sich der Verbrauch laut Bordcomputer zwischen 19 und 20 kWh pro 100 Kilometer ein. Werte, die sich in Relation zur Größe und Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs durchaus sehen lassen können.

Intelligente Rekuperation: Die iX-Bremsautomatik

Dabei dürfte die Art und Weise, wie der BMW iX durch Rekuperation Energie zurückgewinnt, eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Mithilfe der Navigationsdaten und der Sensorik am Auto, insbesondere der Abstandsmessung zum Vorausfahrzeug, bremst und rekuperiert der iX ganz von allein.

Konkret vollziehen sich die Eingriffe so: Ist der Wagen vor einer Kurve zu schnell, bremst er entsprechend der Überschussgeschwindigkeit. Gleiches gilt vor einer nahenden Kreuzung, einem Kreisverkehr oder wenn der iX auf ein langsameres Fahrzeug vor ihm aufläuft. Ist das erlaubte oder situativ gewünschte Tempo erreicht, beginnt das Fahrzeug auf freier Strecke antriebslos zu segeln, wenn der Fahrer den Fuß vom "Gas" nimmt. Segeln ist grundsätzlich die effizienteste Art der Fortbewegung. Eine Erkenntnis, die beim seinerzeit revolutionär konstruierten BMW i3 noch nicht vorhanden war.

Der Fahrer bemerkt die elektronischen Eingriffe, aber sie sind so sanft und lassen sich im Zweifel auch so leicht überstimmen, dass sie dem Fahrer nicht auf die Nerven gehen. Im Gegenteil: Er fühlt sich durch die Bremsautomatik im besten Sinne unterstützt.

Der BMW iX im Video

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © BMW

Hochwertiger und durchdachter Innenraum

Beim Karosserie-Design des BMW iX dürften die Meinungen auseinandergehen. Vor allem wegen der Front-Gestaltung mit der prominenten Niere, doch möglicherweise kommt die Formgebung in Fernost besser an als bei uns. Mit dem eigenwilligen Dekor der D-Säule erinnert der iX bewusst an den i3, reiht sich mit seinen stattlichen Maßen aber bei den großen SUVs der Marke ein.

Innen geht es im iX weitgehend hochwertig und durchdacht zu. Viele Funktionen lassen sich per Sprachbedienung oder per Tasten am Lenkrad anwählen. Das iDrive Controller genannte Bedienungsrädchen auf der Mittelkonsole ist weiterhin vorhanden, um durch die Menüs zu navigieren. Das neue große Display ist angenehmerweise zum Fahrer hingebogen. Allerdings kann einem angesichts der Fülle an Funktionen und Einstellmöglichkeiten schon ein bisschen schwindelig werden: Eine neue Form der Reizüberflutung zieht ins Cockpit ein – und das ist sicher nicht jedermanns Sache.

Andererseits sind manche hochwertigen technischen Details auch geschickt versteckt: "Shy-Tech" nennt BMW das Konzept, mit dem die Lautsprecher und der Projektor des Head-up-Displays sowie die Türgriffe, die Rückfahrkamera oder der Einfüllstutzen fürs Wischwasser nahezu unsichtbar werden. Insgesamt bleibt trotzdem festzuhalten, dass das Serienauto weit hinter der Studie zurückbleibt, die aufsehenerregende Technikfeatures an Bord hatte, wie beispielsweise Berührungssensoren in den Sitzbezügen.

Eines Luxus-BMW geradezu unwürdig sind das winzige Handschuhfach, das im riesigen Armaturenträger etwas verloren wirkt, sowie die Klapprigkeit des Klapptischchens für die Hintensitzenden. Was zeigt, dass auch ein 100.000-Euro-Auto nicht in allen Details perfekt ist.

BMW iX: Ein himmlisches Fahrvergnügen

Der erste BMW iX in schwarz parkend, von der Seite vor einer Berglandschaft
Sehr groß, sehr schwer und trotzdem sehr dynamisch: BMW iX ∙ © BMW

Beim Antrieb greift der iX in einen neuen Baukasten mit Batterien von hoher Energiedichte und einem intelligenten Karosserie-Leichtbau. So besteht die Struktur der Dachsäulen zum Beispiel aus leichtem, aber extrem robustem Carbon. Neben hochfesten Stählen wird außerdem viel Aluminium verbaut. Der iX xDrive 50 glänzt mit enormer Kraftentfaltung, das Fahrwerk verwöhnt mit einer geschmeidigen Luftfederung, die Lenkung arbeitet sehr präzise. Und weil die Hinterräder beim Einlenken mit einschlagen, überrascht die Handlichkeit des iX. Positiv fällt auch auf, dass der Geräuschpegel im Auto extrem niedrig ist. Kurzum: Der BMW iX beschert dem Kunden ein himmlisches Fahrvergnügen.

Auch platzmäßig bleiben bei den Insassen kaum Wünsche offen. Vor allem die Fondpassagiere genießen die großzügige Beinfreiheit auf der Rückbank. Der Kofferraum (auf eine dritte Sitzbank hat BMW bewusst verzichtet) ist mit einem Volumen von 500 und bis maximal 1750 Litern ordentlich groß. Die Rücksitzlehnen lassen sich, auch während man hinten am Kofferraum mit Einladen beschäftigt ist, per Knopfdruck kinderleicht umklappen. Ein ganz besonderes Talent des iX sieht man erst mal nicht: Der BMW iX ist aktuell das einzige Elektroauto, das einen Anhänger bis zu einem Gewicht von zu 2,5 Tonnen ziehen darf.

In puncto ökologische Gesamtbilanz legt BMW Wert auf die Feststellung, dass die Batterien im Werk Dingolfing mit 100 Prozent Grünstrom gefertigt werden und das verwendete Aluminium ausschließlich mit Sonnenergie hergestellt wird. BMW kontrolliert auch, ob die Gewinnung von Kobalt und Lithium nachhaltig geschehen ist. Die verwendeten Materialien nutzen möglichst Stoffe aus der Wiederverwertung.

Der Weg in die Zukunft läuft untertourig

Ladeanschluss des BMW iX
Starker Energiefluss: Der iX kann mit bis zu 200 kW laden ∙ © BMW

BMW sieht im iX den "Wegweiser in die Zukunft der Mobilität." Doch die einstige Ankündigung, mit diesem Auto erstmals autonomes Fahren möglich zu machen, musste kassiert werden. Jetzt heißt es im Pressetext, dass "mittelfristig auf Level 3" operiert werde. Mit anderen Worten: Der BMW iX war ursprünglich noch viel zukunftsweisender gedacht.
Trotzdem mangelt es nicht an innovativer Technik. Der Wagen hat eine Mobilfunkanbindung mit 5G-Geschwindigkeit an Bord. Auch bei den Fahrerassistenzsystemen spielt der iX in der Topliga mit: Der Frontkollisionswarner erfasst zum Beispiel frühzeitig Linksabbieger im Gegenverkehr sowie Radfahrer und Fußgänger, wenn der iX rechts abbiegt. An einer geeigneten Schnellladesäule nimmt sich der iX Strom mit einer Ladeleistung von immerhin bis zu 200 kW. Und sozusagen als Zukunftsausblick ist die Niere so konstruiert, dass sich leichte Blessuren selbst heilen: Durch eine zusätzliche Beschichtung aus Polyurethan sollen leichte Kratzer bei Raumtemperatur innerhalb von 24 Stunden verschwinden.

BMW iX: Daten, Reichweiten, Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

BMW iX xDrive40

BMW iX xDrive50

Motorart

Elektro

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

240

370

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

326

503

Drehmoment (Systemleistung)

630 Nm

765 Nm

Antriebsart

Allrad

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,1 s

4,6 s

Höchstgeschwindigkeit

200 km/h

200 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

425 km

630 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

19,4 kWh/100km

19,8 kWh/100km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

76,6

111,5

Batteriekapazität (Netto) in kWh

71,0

105,2

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:150,0

AC:11,0 DC:195,0

Kofferraumvolumen normal

500 l

500 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.750 l

1.750 l

Leergewicht (EU)

2.440 kg

2.585 kg

Zuladung

570 kg

560 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

2.500 kg

2.500 kg

Garantie (Fahrzeug)

Keine

Keine

Grundpreis

77.300 Euro

98.000 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.953 mm x 1.967 mm x 1.695 mm

4.953 mm x 1.967 mm x 1.696 mm

Anmerkung zur Garantie: BMW gewährt grundsätzlich keine Fahrzeuggarantie, aber 3 Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre hinsichtlich Durchrostung. Akku-Garantie für 8 Jahre oder 160.000 Kilometer

Text: Thomas Geiger, Wolfgang Rudschies

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