Testfahrt Dacia Duster (2024): Schicker, moderner, sicherer

Video: Fahrbericht zum Dacia Duster mit Lars Hönkhaus ∙ Bild: © news to do GmbH + ADAC/David Klein, Video: © ADAC e.V.

Der Dacia Duster lockt seit 2010 als kostengünstigstes Kompakt-SUV. Die Neuauflage macht nun einen kräftigen Sprung: Sie ist wertiger und sicherer. Allerdings auch teurer. Fahrbericht, Bilder, Infos.

  • Dritte Auflage ab Sommer 2024 beim Händler

  • Endlich wichtige Assistenzsysteme an Bord

  • Preise ab 18.950 Euro für LPG-/Benzin-Basisversion

Als der erste Dacia Duster 2010 auf den Markt kam, galt der Renault-Spross noch als das hässliche Entlein unter den SUVs. Schon ganz okay, aber wirklich schön war er nicht. Mit dem Wechsel zum neuen Markenauftritt Ende 2022 konnte er dieses Image endlich ablegen. Das Design der dritten und ganz neuen Modellgeneration ist nun ein noch größerer Schritt nach vorn.

Der Duster III wirkt noch erwachsener, noch wertiger und wie aus einem Guss, ohne typische Details wie den Rundum-Schutzstreifen oder den "Schnorchel" in den Vordertüren dem Fortschritt zu opfern. Und auch beim Fahren zeigt sich: Der neue Duster macht alles andere als einen billigen Eindruck.

Dacia Duster 2024 in Bildern 

Beim detaillierten Blick auf den Duster III werden Assoziationen zu aktuellen Land-Rover- und Volvo-Modellen ausgelöst – und das ist in der Dacia-Preisklasse als dickes Kompliment zu werten. Die Frontlampen in Form von liegenden Ypsilons schaffen optische Präsenz und suggerieren mehr Breite als in Wahrheit geboten. Der neue Dacia sieht zwar größer aus als sein Vorgänger, die Karosserie ist tatsächlich aber gleich lang (4,34 Meter), dazu um drei Zentimeter niedriger (1,66 Meter) und in der Breite praktisch identisch (1,81 Meter).

Duster III: Im Innenraum alles neu

Aufnahme des Cockpit des Dacia Duster Hybrid
Von wegen Billigheimer: Der Innenraum ist weitgehend hübsch eingerichtet© Dacia

Den Innenraum hat Dacia ziemlich umgekrempelt. Die bisher sehr üppige Kopffreiheit ist jetzt aber nur noch üppig. Dafür wuchsen die Ellenbogenfreiheit auf allen Plätzen und die Beinfreiheit in Reihe zwei um ein paar Zentimeter.

Einen Tick mehr Raum wurde auch dem Kofferraum spendiert: Laut Dacia passen jetzt bei voller Bestuhlung 472 statt bisher 445 Liter ins Heckabteil. Dazu gibt es einen zusätzlichen Ladeboden, mit dem sich die relativ hohe Stufe ins Wageninnere und der damit verbundene Kraftaufwand beim Entladen vermeiden lassen.

Einen guten Eindruck machen das erstmals bei einem Dacia eingesetzte 7-Zoll-Kombiinstrument hinter dem Lenkrad und das leicht nach links geneigte 10,1-Zoll-Zentraldisplay. Sie sind serienmäßig in den Versionen Expression, Journey und Extreme installiert. Für Letztere lässt sich noch das im Journey serienmäßige "Media Live Nav"-Paket mit vernetztem Navigationssystem und Arkamys-Soundsystem mit sechs Lautsprechern ordern.

Ein multimediales Erweckungserlebnis sollte man aber definitiv nicht erwarten, das Design der Menüs ist, höflich gesagt, zweckmäßig, und das System braucht teils eine ganze Weile, bis es nach dem Starten hochgefahren ist. Dafür funktioniert Apple CarPlay kabellos, und auch wegen der Schlichtheit der Gestaltung findet man sich bei der Bedienung schnell zurecht.

Wer die Basisversion namens Essentiel bestellt, bekommt analoge Instrumente mit einem 3,5-Zoll-Display, dazu eine zentral angeordnete Handy-Halterung. Das Radio und diverse andere Funktionen laufen hier über das Smartphone des Fahrenden, die Bedienung erfolgt übers Lenkrad.

Auch für Camper taugt der Duster

Wenig überraschend ist, dass im Innenraum aus Kostengründen großflächig harter Kunststoff verwendet wird. Der aber passt zum dezent rauen Charme des in Rumänien gebauten Fahrzeugs. Und speziell in den feineren Versionen Journey und Extreme haben es die Designer geschafft, den Sparzwang sympathisch zu verpacken. Billig fühlt sich das Interieur deshalb nie an, vielmehr angenehm robust.

Besonders praktisch ist YouClip, ein Befestigungssystem für Taschenhalter, Smartphones, Tablets oder Taschenlampen, bei dem die dafür nötigen Halterungen in den Autos schon installiert sind. Attraktiv für Camping-Begeisterte könnte das "Sleep Pack" sein, aus dem sich ein Bett für zwei Personen inklusive Stauraum und Ablagetisch basteln lässt.

Motoren: Autogas und 4x4-Antrieb

Aufnahme fahrenden des Dacia Duster Hybrid
Dacia Duster III ist gleich lang und gleich breit, aber drei Zentimeter niedriger als Duster Nummer II© Dacia

Und was hat sich beim Thema Antrieb getan? Der bisher angebotene 115-PS-Diesel wurde ersatzlos gestrichen, eine Tatsache, die nicht alle Duster-Fans begeistern dürfte. Die Motorenpalette besteht zukünftig aus dem bekannten Autogas-Aggregat namens Eco-G 100, für das Dacia angesichts des jeweils 50 Liter fassenden Benzin- und Gastanks Gesamtreichweiten von bis zu 1300 Kilometern verspricht.

Erstmals kommt beim Duster der per 48-Volt-Startergenerator mild hybridisierte Tce 130 zum Einsatz, ein turbobeflügelter Dreizylinder mit 1,2 Litern Hubraum. Ihn gibt es mit Allrad- und Zweiradantrieb. 5,5 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer peilt Dacia damit an.

Vollhybrid: Runder und sparsamer Antrieb

Die höchste Leistung liefert der Hybrid 140 mit ebenso viel PS, der schon im Jogger verbaut ist. Er besteht aus einem 1,6-Liter-Sauger, einem E-Motor (49 PS) und einem Hochspannungs-Startergenerator. Wie bei einem Vollhybrid üblich, ist somit elektrisches und fossiles Vorankommen möglich: Bei Geschwindigkeiten etwas unter 60 km/h und leichtem Gasfuß läuft vornehmlich der E-Motor und bringt das Fahrzeug gerade in der Stadt geräuschlos und emissionsfrei voran. Beschleunigt man stärker, leistet der Verbrenner die Hauptarbeit.

Aufnahme des fahrenden Dacia Duster Hybrid
Der Dacia pirscht sich an die teure Konkurrenz heran© Dacia

Diese Technik, wie sie etwa auch beim Honda CR-V zum Einsatz kommt, ist nicht ganz einfach in der Abstimmung, denn der Wechsel zwischen den Antriebsarten muss auch bei schnelleren Tempowechseln reibungslos ablaufen. Dacia hat den Hybrid 140 schon im neuen Jogger ins Programm genommen, nun läuft er auch beim Duster auffällig gut. Das Motorengeräusch ist relativ leise, gibt man Gas, beschleunigt das SUV recht kraftvoll. Der Rumäne kann folglich auch mit seinem vorgeblich verbrauchärmsten (4,8 – 4,7 l/100 km) Motor problemlos mit der höherpreisigen Konkurrenz mithalten.

Anspruchsvolles Gelände soll das neue Dacia-SUV wie gehabt mit dem optionalen 4x4-Antrieb meistern. Der bietet die fünf Fahrmodi Auto, Snow, Mud/Sand, Off-Road und Eco. Auf dem neuen "All Road Info"-System lassen sich die Daten zu Steigung, Gefälle oder Seitenneigung anzeigen, die Bergabfahrhilfe sorgt per Knopfdruck für das gewünschte Abwärts-Tempo.

Die Bodenfreiheit wuchs zugunsten eines leichteren Ein- und Ausstiegs sowie der Offroad-Fähigkeiten um einige Zentimeter. So macht der Duster auch im Gelände eine gute Figur, im Test auf der buckligen und ausgefahrenen Waldpiste fühlt sich das SUV ganz heimisch. Dacia gelingt damit der Nachweis, dass die Bezeichnung "Sport Utility Vehicle" durchaus nicht nur Marketing ist.

Günstiger Preis: Ab 18.950 Euro

Heckaufnahme des Dacia Duster Hybrid
Dacia Duster: Auch im Gelände kompetent© Dacia

Erfreulicherweise ist für den Duster III das Angebot an Assistenzsystemen auf das aktuell übliche Maß erweitert worden. Dazu zählen ein City-Notbremsassistent, der Autos, Fußgänger und Fußgängerinnen, Fahr- und Motorräder erkennen kann; eine Verkehrszeichenerkennung, ein Geschwindigkeitswarner, Einparkhilfe hinten, adaptives Bremslicht, Spurhalteassistent und Müdigkeitserkennung.

Dass der Basispreis des Vorgängers von 17.400 Euro nicht zu halten sein würde, war zu vermuten. Das neue Modell ist in der Tat teurer geworden, bleibt mit einem Basispreis von 18.950 Euro aber nach wie vor der Preisbrecher unter den SUVs. Dafür gibt es die Basisversion Essential, die bereits als Benzin- und Autogasversion ausgeführt ist. Im Benzinmodus leistet sie 91 PS und im LPG-Modus 101 PS. Das andere Ende der Fahnenstange markiert der 140-PS-Hybrid-Motor in Top-Ausstattung Journey für 27.350 Euro. Zudem wird der Duster noch in der Ausstattung Expression und Extreme angeboten.

Im Juni 2024 soll der Duster bei den Händlern stehen und ausgeliefert werden.

Dacia Duster 2024: Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Dacia Duster ECO-G 100 Essential (Autogasbetrieb) (ab 06/24)

Dacia Duster TCe 130 Expression (ab 06/24)

Dacia Duster TCe 130 Expression 4x4 (ab 06/24)

Dacia Duster Hybrid 140 Expression (ab 06/24)

Motorart

Gas
Otto (Mild-Hybrid)
Otto (Mild-Hybrid)
Voll-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

999 ccm
1.199 ccm
1.199 ccm
1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

74
96
96
104

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

101
130
130
140

Drehmoment (Systemleistung)

170 Nm
230 Nm
230 Nm
n.b.

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.600 U/min
4.500 U/min
4.500 U/min
5.600 U/min

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad
Allrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

13,2 s
9,9 s
11,0 s
10,1 s

Höchstgeschwindigkeit

168 km/h
180 km/h
180 km/h
160 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

126 g/km
123 g/km
135 g/km
113 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

8,0 l/100 km
5,5 l/100 km
6,0 l/100 km
5,0 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
-
-
1,2

Batteriekapazität (Netto) in kWh

-
-
-
0,6

Kofferraumvolumen normal

453 l
517 l
456 l
430 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.545 l
1.609 l
1.548 l
1.545 l

Leergewicht (EU)

1.351 kg
1.379 kg
1.465 kg
1.455 kg

Zuladung

414 kg
421 kg
430 kg
415 kg

Anhängelast ungebremst

675 kg
685 kg
730 kg
725 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.200 kg
1.500 kg
1.500 kg
750 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.343 mm x 1.813 mm x 1.656 mm
4.343 mm x 1.813 mm x 1.656 mm
4.343 mm x 1.813 mm x 1.661 mm
4.343 mm x 1.813 mm x 1.656 mm

Grundpreis

18.950 Euro
22.150 Euro
24.650 Euro
25.850 Euro

Der Dacia Duster II im Test

Wer sich noch für den Duster der zweiten Generation interessiert, kann in den PDFs nachlesen, wie er sich im ADAC Autotest geschlagen hat. Wobei die ADAC Ingenieure auf einen grundsätzlichen Malus hinweisen: Der bisher weitgehende Verzicht auf Assistenzsysteme und die nachlässige oder durch den Rotstift beschnittene Ingenieursleistung in Sachen Crashsicherheit sind "eine sehr dunkle Kehrseite der Medaille".

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.

Text: Rudolf Huber/SP-X, Gabriel Kroher