Audi Q4 e-tron: Kompakt, dynamisch, elektrisch

Große Schnauze, Batterie dahinter: Audi Q4 e-tron ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Audi

Die erste Testfahrt mit dem kompakten Audi Q4 e-tron, der als SUV oder coupéhafter Sportback angeboten wird. In puncto Fahrspaß überzeugen beide Karosserievarianten. Mit allen Infos, Daten, Bildern, Preisen.

  • Zwei Batteriegrößen: 52 und 77 kWh bis 534 Kilometer Reichweite

  • Auch als Quattro mit Allrad und 220-kW-Systemleistung

  • Basispreis: 41.900 Euro – minus 9000 Euro Netto-Prämie

Audi wird elektrisch: Bis 2025 sollen 20 reine Elektroautos zum Portfolio der Ingolstädter zählen. Den Anfang machten bereits Audi e-tron quattro, dessen Schrägheckableger e-tron quattro Sportback und der sportliche e-tron GT.

Ab Juni 2021 steht noch ein weiteres Modell bei den Audi-Händlern: Der Kompakt-SUV Q4 e-tron, den es auch in der Schrägheckvariante Q4 Sportback e-tron gibt. Mit 4,59 Metern Länge (Sportback 4,60 Meter), 1,87 Breite und 1,63 Metern Höhe (Sportback 1,61 Meter) liegt der immer vollelektrische Q4 damit genau zwischen den Verbrennermodellen Audi Q3 (4,48 Meter Länge) und Q5 (4,66 Meter).

Konzernbezogen ist der Q4 e-tron das Schwestermodell von VW ID.4 und Škoda Enyaq. Und die ersten Testfahrten zeigen: Audi will sein Elektroauto fahraktiver und dynamischer positionieren.

Audi Q4 e-tron: Fahrerorientiertes Cockpit

Cockpit des Audi Q4
Fahrerorientiertes Cockpit mit abgeflachtem Lenkrad ∙ © Audi

Der größte Unterschied wird schon beim ersten Einsteigen erlebbar: Der Innenraum des Audi wirkt weit und luftig, die Instrumententafel ist SUV-untypisch extrem zum Fahrer hin orientiert. Sie ist in separate Bereiche aufgeteilt und integriert zwei fast gleich große 10-Zoll-Displays, die beide zum Beispiel Navikarten zeigen können, während VW und Skoda im kleinen Fahrerdisplay ja nur noch über das Nötigste informieren. Eine separate horizontale freischwebende Bedieninsel trägt den "Shifter" für die Wahl der Gangstufen, für die Klimatisierung gibt es zum Glück Extratasten, und die Lautstärke wird nicht mit unbeleuchteten "Slidern" wie bei Golf und ID.3 eingestellt, sondern problemlos mit einen Touch-Dreher, den man noch von früheren iPods kennt.

Viele praktische Ablagen im Audi Q4 e-tron

Auch die Materialanmutung wirkt mit einem zeitgemäß hohen Recycling-Anteil qualitätvoller, die bequemen Sitze bieten einen sehr guten Seitenhalt, und Stauraum für allerlei Kleinkram gibt es reichlich: Insgesamt haben die Fächer ein Volumen von 24,8 Liter (inkl. Handschuhfach), das zwischen den vorderen Sitzen ist allein 4,4 Liter groß. In allen Türverkleidungen gibt es oben im Bereich der Armauflage praktische Einschübe für 1-Liter-Flaschen.

Wer sich für das knapp 3000 Euro teure Ausstattungspaket MMI Navigation pro entscheidet, bekommt zusätzlich ein Head-up-Display, das mit einer Augmented-Reality-Funktion ausgerüstet ist. Das System kann zum Beispiel Richtungspfeile vom Navi in den Straßenverlauf einspiegeln – so als würde eine Drohne vor dem Auto schweben und den Weg weisen. Funktioniert prinzipiell gut, hat aber in Richtung eindeutige Fahrerunterstützung sicher noch Entwicklungspotenzial.

Futuristisch und eher nach Formel 1 sieht auch das oben und unten abgeflachte Lenkrad aus, das tatsächlich gut zu greifen ist, mit Schaltwippen für eine dreistufige Rekuperation aber 300 Euro Aufpreis kostet.

Schon serienmäßig sind die Scheinwerfer komplett mit LEDs ausgestattet. Doch auf Wunsch (und gegen eine Gebühr von 1130 Euro) bietet Audi dafür auch die Matrix-Technologie. Eine Besonderheit für Designfreaks: Mit ihr kann der Fahrer vier unterschiedliche Tagfahrlichtsignaturen auswählen.

Aufgeräumter Innenraum mit viel Platz

Rückbank des Audi Q4
Ohne Mitteltunnel: Viel Platz für die Fondpassagiere ∙ © Audi

Trotz seiner kompakten Abmessungen ist das Platzangebot im elektrischen Q4 konzeptbedingt vorn wie hinten großzügig. Die Türen öffnen weit, und die Sitze sind angenehm hoch positioniert. Doch obwohl die Sitze in Reihe zwei sogar noch fast sieben Zentimeter höher liegen als vorne, bleibt viel Kopfraum – und die Kniefreiheit ist geradezu luxuriös. Kompaktklasse – wie man sie bei den Verbrennern kennt – ist das eigentlich nicht mehr.

Im Kofferraum des Q4 e-tron mit der serienmäßig elektrischen Gepäckraumklappe kommen 520 Liter Gepäck unter. Durch Umklappen der geteilten Lehnen entsteht eine nahezu ebene Fläche, für eine dachhohe Beladung stehen damit 1490 Liter zur Verfügung. Beim etwas längeren Sportback fasst das hintere Abteil 535 bzw. 1460 Liter.

Unter dem Ladeboden lassen sich die Ladekabel verstauen. Der Nachteil: Bei voll beladenem Kofferraum kommt man dann nicht mehr gut an die Kabel heran. Hier sind Elektroautos mit "Frunk", also einem zusätzlichen Stauraum unter der Fronthaube, praktischer.

Mit der optionalen Anhängerkupplung können die kompakten Elektro-SUVs mit Heckantrieb 1000 Kilogramm Gewicht ziehen, die Quattro-Modelle sogar 1200 – beide mit 75 Kilo Stützlast. Der Wendekreis misst bei den Varianten mit Heckantrieb nur 10,2 Meter.

Audi Q4: Sportliche Fahrleistungen

Heckansicht eines fahrenden Audi Q4
Dynamisch unterwegs – hier mit der SUV-Variante ∙ © Audi

Als Antrieb stellt Audi zwei Batteriegrößen und drei Motorisierungen zur Wahl. In der Basis fährt der Q4 35 e-tron mit einem 55-kWh-Akku (netto nutzbar sind 52 kWh) etwa 350 Kilometer weit (nach WLTP), sein Heckmotor leistet bei einem maximalen Drehmoment von 310 Nm immerhin maximal 125 kW/170 PS. Zum Vergleich: Die Schwestermodelle von VW und Škoda starten ihre Basismodelle bei gleicher Batteriegröße mit einer Leistung von "nur" 109 kW/148 PS.

Wir konnten ausgiebig den später wohl meistverkauften Q4 40 e-tron fahren. Hier kommt die große 82 kWh-Batterie zum Einsatz, die netto 77 kWh Energie vorhält und bei einem Stromverbrauch von 19,3 kWh/100 km (WLTP) für etwa 530 Kilometer Reichweite gut ist. Der Elektromotor leistet 150 kW/204 PS bei 310 Newtonmetern. Und das funktioniert prima: Die Beschleunigung fühlt sich bei jeder Umdrehung kraftvoll und harmonisch an, die gefühlvolle Lenkung ist direkt, und das Bremsen mit der Rekuperation etwas gewöhnungsbedürftig, gelingt aber bald feinfühlig.

Apropos Rekuperation. Wenn der Audi Q4 e-tron in der Stufe D (Drive) unterwegs ist und der Fahrer das Fahrpedal freigibt, wechselt der Antrieb in den effizienten Segelmodus. Soll bevorzugt energiesparend rekuperiert werden, kann man die Fahrstufe B (Brake) anwählen. Oder überlässt die Entscheidung dem Prädiktiven Effizienzassistenten, der Navigationsdaten und Verkehrszeichen auswertet: Wenn sich das Auto einer Zone nähert, die langsames Tempo erzwingt, steuert das System das Segeln und Rekuperieren, ohne dass der Fahrende eingreifen muss. Funktioniert in der Praxis tatsächlich prima!

Q4 e-tron quattro mit Font- und Heckmotor

Seitenansicht eines fahrenden Audi Q4
Den Q4 gibt's auf Wunsch auch mit 21-Zoll-Rädern ∙ © Audi

Mit seinem tiefen Fahrzeugschwerpunkt durch die im Unterboden platzierte Batterie verfügt der Q4 prinzipiell über ein sehr sicheres Fahrverhalten und gute Handling-Eigenschaften. Die Federung schluckt dabei auch grobe Unebenheiten kommentarlos. Ob der Q4 e-tron mit seinem hohen Leergewicht von knapp 2,1 Tonnen wie der VW ID.4 im ADAC Test auch beim Ausweichtest an der ESP-Abstimmung scheitert, muss demnächst der erste ADAC Test zeigen.

Sehr gut funktioniert auch die als Option erhältliche adaptive Fahrwerksregelung drive select (400 Euro, Serie Sportback), die permanent die Fahrsituation bewertet und entsprechend reagiert, indem es Dämpfung und Lenkung anpasst. Über die Fahrprofilauswahl sind die Grundeinstellungen Komfort, Eco, Dynamisch oder Individuell wählbar.

Das vorläufige Topmodell Q4 50 e-tron nutzt auch die 82-kWh-Batterie, hat aber einen elektrischen Allradantrieb und eine deutlich höhere Motorsystemleistung von 220 kW/299 PS. In den meisten Fällen bemüht aber auch der Allrad-Q4 ausschließlich seine E-Maschine im Heck. Nur wenn mehr Kraft und Traktion gefragt sind, schaltet sich der Frontmotor hinzu. Damit der Frontmotor keinen Strom verbraucht, arbeitet vorn eine ASM-Maschine, die auch frei laufen kann. An der Hinterachse hat Audi eine PSM-Maschine verbaut.

Die Topversion kann so in sportlichen 6,3 Sekunden auf Tempo 100 sprinten, die Spitze wird bei 180 km/h abgeregelt. Die beiden anderen Versionen sind bei 160 km/h begrenzt.

Mehr Reichweite durch hohe Ladeleistung

Ein Audi Q4 steht an einer Ladesäule
Der Audi Q4 lädt mit maximal 125 kW Leistung ∙ © Audi

Alle Modell- und Motorisierungsvarianten haben einen CCS-Ladeanschluss an Bord, mit dem sie Wechselstrom (AC) und Gleichstrom (DC) laden können. Allerding weist der verbaute AC-Onboard-Lader am Q4 35 e-tron nur eine Ladeleistung von 7 kW auf, sodass dem Fahrer die Zeit an der Wallbox schnell ziemlich lang wird. Für viele könnte das beim Kauf zum Killerkriterium werden, denn alle anderen Q4-Modelle können Wechselstrom mit 11 kW zapfen.

An den schnellen HPC-Säulen (DC), die vor allem an den Autobahnen zu finden sind, laden die Elektro-SUVs von Audi mit bis zu 100 kW Leistung (Q4 35 e-tron) beziehungsweise maximal 125 kW Leistung (die anderen Modelle). Unter idealen Bedingungen ist man so in der Lage, in rund zehn Minuten Strom für zirka 130 Kilometer Strecke (WLTP) nachzuladen.

Für die Temperierung des Batteriesystems sorgt ein ausgeklügeltes Thermomanagement, das auch den Kühler nutzt, der je nach Bedarf durch ein verstecktes Rollo geöffnet oder geschlossen wird. Gegen Aufpreis ist eine Wärmepumpe zu haben, die die Energieverluste durch Heizung und Klimatisierung minimiert.

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Ab 41.900 Euro, Sportback 2000 Euro mehr

Heckansicht eines fahrenden Audi Q4
Auffällig beim Q4 Sportback: Die durch den Spoiler unterbrochene Heckscheibe ∙ © Audi

Die Basisversion 35 e-tron ist ab 41.900 Euro zu haben. Der coupéhafte Sportback kostet jeweils rund 2000 Euro mehr. Wobei freilich die E-Auto-Förderung noch abgezogen werden kann. Aber mit ein paar Extras entfernt sich der Q4 schnell vom Basispreis. Verlockungen wie das LED-Matrixlicht, die Wärmepumpe sowie Design-Schmankerl gibt es mehr als genug.
Die stärkste Konkurrenz hat der Audi wohl im eigenen Haus. Der VW ID.4 und der Škoda Enyaq sind ebenfalls attraktive Elektroautos und zudem in der Einstiegsvariante etwa 5000 bzw. 8000 Euro günstiger. Aber dass ein Audi immer einen Tick teurer ist, war ja schon immer Konzernpolitik.

Audi Q4 e-tron: Daten, Reichweite, Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

35 e-tron

40 e-tron

50 e-tron quattro

Motor/Antrieb

Elektromotor mit 125 kW/170 PS Leistung, 310 Nm, Heckantrieb

Elektromotor mit 150 kW/204 PS Leistung, 310 Nm, Heckantrieb

2 Elektromotoren mit max. 220 kW/290 PS Leistung, 460 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen

9,0 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

8,5 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

6,2 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

Batteriekapazität (netto / brutto)

52 / 55 kWh

77 / 82 kWh

77 / 82 kWh

Verbrauch (WLTP)

19,1 - 17,0 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

19,3 - 17,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

20,0 - 17,9 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Reichweite (WLTP)

bis 341 km

bis 520 km

bis 488 km

AC-Laden / DC-Laden

7,2 kW /100 kW

11 kW /125 kW

11 kW /125 kW

Maße

L 4,59 / B 1,87 / H 1,63 m

L 4,59 / B 1,87 / H 1,63 m

L 4,59 / B 1,87 / H 1,63 m

Kofferraum

520 - 1490 l

520 - 1490 l

520 - 1490 l

Leergewicht (mit Fahrer)

1955 kg

2125 kg

2210 kg

Anhängelast (gebremst)

1000 kg

1000 kg

1200 kg

Preis

ab 41.900 €

ab 47.500 €

ab 53.600 €

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