Nissan Qashqai: Mit cleverer Hybridpower

Nissan Qashqai: Die Tagfahrlichter ziehen sich bis in den Kotflügel ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Der Nissan Qashqai gehört zu Deutschlands beliebtesten SUVs. Nun ist die dritte Generation zu haben. Sie wird ausschließlich mit Hybridmotoren angeboten. Nissan setzt dabei auf eine besondere Technik. Testfahrt, Daten, Bilder. 

  • Die Karosserie ist nur leicht gewachsen

  • Keine Dieselmotoren mehr, ausschließlich Hybridbenziner

  • Verkaufsstart am 18.6.21 zu Preisen ab 25.790 Euro

Es gibt Autos, die erkennt man sofort. Einen Golf etwa oder einen Fiat 500. Auch beim neuen Nissan Qashqai ist das so. Denn obwohl die dritte Generation technisch nichts mit dem alten zu tun hat und auch ein anderes, viel moderneres Blechkleid bekommen hat, sieht man auf den ersten Blick: Das ist ein Qashqai. Eigentlich hätte sich Nissan den Schriftzug am Heck sparen können. Vorn sorgen zumindest die zweigeteilten Scheinwerfer für einen Extra-Hingucker.

Dass seine Optik nicht mit der des Vorgängers bricht, hat einen Grund: Der Kompakt-SUV in der Klasse von VW Tiguan und Ford Kuga ist ein Bestseller und in Deutschland sogar das mit Abstand meistverkaufte Modell der Marke. Für Nissan ist der Qashqai damit genauso wichtig wie der Golf für VW. Allzu gewagte Experimente kann sich der Hersteller da nicht erlauben. Und: Der Qashqai muss sich auch vom neuen Nissan Ariya abgrenzen. Der kommt Ende 2021 als rein elektrischer und wesentlich mutiger gestalteter SUV auf den Markt und hat in etwa die gleiche Größe wie der Bestseller.

Der Nissan Qashqai wächst nur moderat

Heckansicht eines fahrenden Nissan Qashqai
Mit 4,43 Metern Länge zählt der Nissan Qashqai zu den Kompakt-SUVs ∙ © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Bei den Karosseriemaßen ist bei Qashqai Nummer drei ein moderates Wachstum zu verzeichnen. In der Länge wächst der Qashqai um 35 Millimeter auf 4,43 Meter, in der Breite um 32 Millimeter auf 1,84 Meter und in der Höhe um 10 Millimeter auf 1,64 Meter. Kompakt und parkfreundlich ist er damit immer noch. Weil auch die Räder um 20 Millimeter weiter auseinanderstehen, hat sich das Platzangebot beim neuen Modell verbessert. Nissan spricht von 28 Millimetern mehr Beinfreiheit und 15 Millimetern mehr Platz über dem Kopf für die Fondpassagiere.

Merken kann man das freilich nur, wenn man vom alten Modell in das neue umsteigt. Hinten gibt es zumindest genügend Platz für die Beine, besonders große Mitfahrer dürften sich aber an der nicht allzu üppigen Kopffreiheit stören. Und wo wir schon beim Meckern sind: Wäre die Rückbank nicht ganz so flach montiert worden, würde man etwas bequemer sitzen.

Der Kofferraum nimmt bei stehender Rückbank zwischen 436 und 504 Liter bis zur Kofferraumabdeckung auf. Wer das Maximum ausnutzen möchte, sollte den doppelten Ladeboden herausnehmen, der zwar eine ebene Fläche schafft, aber auch deutlich an der Ladehöhe knapst.

Bessere Rundumsicht im neuen Qashqai

Gut: Nissan hat die Rundumsicht verbessert. Schlankere A-Säulen vorn, eine größere Windschutzscheibe und an der Tür statt im Dreieck zwischen Tür und Fenster montierte Außenspiegel verschaffen einen besseren Überblick nach vorn und zur Seite. Zwar gibt es zudem ein zusätzliches Guckloch an der C-Säule – doch die ist nach wie vor noch so massiv, dass der Schulterblick beim Abbiegen gar nicht sorgfältig genug ausfallen kann.

360-Grad-Blick in den Qashqai: Es gibt noch Knöpfe

Außer den voll digitalen Instrumenten (erst ab den mittleren Aussstattungsstufen) gibt es im Cockpit keine großen Überraschungen. Natürlich thront ganz zeitgemäß ein großer Bildschirm auf der Mittelkonsole, der sich via Android Auto und Apple Car Play auch ganz prima mit dem Smartphone koppeln lässt. Doch den Krieg mit den Knöpfen, den andere Hersteller gerade auf die Spitze treiben, macht Nissan offensichtlich nicht mit. So lässt sich etwa die Heizung noch über klassische Knöpfe und Drehregler bedienen und am Fuß des Bildschirms gibt es noch "normale" Tasten. Das mag weniger stylish aussehen als bei anderen Modellen – dafür ist es intuitiv zu bedienen.

Technik-Freaks kommen dennoch auf ihre Kosten, denn nicht nur ein gut gemachte Head-up-Display mit großen Anzeigen ist zu haben, das relevante Infos direkt auf die Windschutzscheibe projiziert. Auch Google Assistant und Amazon Alexa lassen sich in das Nissan-System einbinden und wie zu Hause nutzen. Die Navi-Karte kann nun „Over the air“ aktualisiert werden, es stehen Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung, und via App lassen sich bestimmte Funktionen fernsteuern, etwa ein Navi-Ziel vom Wohnzimmer aus eingeben.

Selbstredend sind auch alle modernen Assistenzsysteme an Bord. Der Japaner kommt mit einem Stauassistenten, er erkennt Querverkehr und nutzt im Tempomat-Modus Kartendaten, um etwa vor einer Kurve selbsttätig abzubremsen.

Ganz normal fahren kann der Qashqai auch – und das im positiven Sinn. Die Federung verrichtet ihre Arbeit im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr so ungelenk, sondern recht ordentlich. Und die Lenkung wurde merklich direkter ausgelegt, so dass sich der Qashqai in der Kurve nun handlicher anfühlt.

Motoren: Drei Benziner für den SUV

Seitenansicht eines fahrenden Nissan Qashqai
Mit gut 4,40 Metern Länge hat der Qashqai noch immer parkfreundliche Maße ∙ © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Beim Antrieb ist der Qashqai in der Jetztzeit angekommen. Dieselmotoren werden nicht mehr angeboten, was besonders deutsche Kunden schmerzen dürfte. Bei SUVs ist der Dieselanteil hierzulande schließlich immer noch hoch. Zur Wahl stehen nur noch Benziner. Die sind jedoch allesamt elektrifiziert: Die Basis bildet ein 1,3-Liter-Vierzylinder, den es wahlweise mit 140 und mit 158 PS gibt. Bei beiden Versionen ermöglicht ein integrierter Startergenerator eine leichte Hybridisierung – rein elektrisch fahren kann der Qashqai damit zwar nicht, aber beim Beschleunigen bekommt der Benziner zumindest elektrische Unterstützung.

Der Basisbenziner mit 140 PS reicht aus

Der leichte Elektro-Schub macht sich insofern bemerkbar, dass das Turboloch bei niedrigen Drehzahlen weitgehend ausgeglichen wird und der 1,3-Liter bereits bei 1500 Umdrehungen ordentlich durchzieht. Schon die Basisversion mit 140 PS wirkt kräftig genug und sorgt für flottes Vorankommen, so dass man sich die 1240 Euro Aufpreis für die 158-PS-Variante eigentlich sparen könnte. 9,5 statt 10,2 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h sind kein allzu großer Unterschied, 206 statt 196 km/h Spitze ohnehin nicht.

Zur stärkeren Variante greifen muss allerdings, wer ein Automatikgetriebe oder Allradantrieb haben möchte. Das X-Tronic genannte ist zwar an sich ein stufenloses Getriebe, doch künstliche Schaltstufen verhindert das sonst für diese Getriebeart so typische Aufheulen des Motors beim kräftigen Tritt aufs Gas: Der Qashqai mit X-Tronic bleibt ruhig und gelassen.

SUV: Schon gefahren und bewertet

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Voll-Hybrid "E-Power" als Besonderheit

Die dritte Motorisierung kommt erst im zweiten Quartal 2022 und stellt eine Besonderheit dar. Sie ist die Voll-Hybridversion des Qashqai und firmiert unter dem Namen "E-Power". Dabei wird ein 1,5-Liter-Benziner mit einer Leistung von 154 PS mit einem ungewöhnlich starken Elektromotor mit 140 kW gekoppelt. Für den Antrieb an der Vorderachse sorgt dabei ausschließlich der Elektromotor – während der Benziner zwar mitläuft, aber nur für die Stromerzeugung zuständig ist.

Das hat zwei Vorteile: Der Benziner kann immer im optimalen Bereich laufen, und es geht weniger Energie verloren. Und beim Gasgeben soll der Qashqai wie ein Elektroauto reagieren, also völlig verzögerungsfrei beschleunigen. Ein ähnliches Prinzip verfolgt Honda beim CR-V und beim neuen Jazz. Wie sich das im Verbrauch niederschlägt, muss ein kommender ADAC Test beweisen.

Preis: 25.790 Euro für die Basisversion

ADAC Redakteur Jochen Wieler vor einem Nissan Qashqai
"Bodenständig und solide": Redakteur Jochen Wieler über den neuen Qashqai ∙ © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Die Basisversion steht mit 25.790 Euro in der Liste. Das klingt erst einmal günstig, doch der "Visia" hat kaum Komfort-Extras zu bieten und lässt sich auch nicht gegen Aufpreis um weitere Extras aufrüsten. Sie ist daher eher als Blickfang für die Preisliste und Marketing-Trick zu sehen und dürfte kaum Beachtung finden. Die bessere Acenta-Ausstattung liegt dann bereits bei 30.290 Euro und der 158-PS-Benziner startet bei 31.530 Euro.

Für sein Geld bekommt man aber ein grundsolides Fahrzeug ohne Starallüren. Anders als 2007, als der erste Qashqai auf den Markt kam, tummeln sich mittlerweile rund 30 Konkurrenten in der Klasse der Kompakt-SUV. So leicht wie früher wird es der Japaner daher nicht haben.

Nissan Qashqai: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mildybrid

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T Mildybrid

Motor/Antrieb

Vierzylinder-Turbobenziner, 1332 cm³, 103 kW/140 PS, 240 Nm bei 1650 U/min

Vierzylinder-Turbobenziner, 1332 cm³, 116 kW/158 PS, 260 Nm bei 1800 U/min

Fahrleistungen

10,2 s auf 100 km/h, 196 km/h Spitze

9,5 s auf 100 km/h, 206 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

6,3 l Super/100 km, 143 g CO₂/km

6,3 l Super/100 km, 143 g CO₂/km

Maße

L 4,43 / B 1,84 / H 1,63 m

L 4,43 / B 1,84 / H 1,63 m

Kofferraum

479 – 1447 l

436 – 1447 l

Leergewicht / Zuladung

ab 1405 / 401 - 530 kg

ab 1422 / 394 - 513 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

700 / 1400 kg

700 / 1650 kg

Garantie

3 Jahre / 100.000 km

3 Jahre / 100.000 km

Preis

ab 25.790 €

ab 31.530 €

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