Nissan Qashqai: Ein grundsolider SUV

Nissan Qashqai: Die Tagfahrlichter ziehen sich bis in den Kotflügel ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Der Nissan Qashqai gehört zu Deutschlands beliebtesten SUVs. Nun ist die dritte Generation zu haben. Sie wird ausschließlich mit hybridisierten Motoren angeboten. Der 158-PS-Benziner mit Automatik im ADAC Test. 

  • Karosserie im Vergleich zum Vorgänger nur leicht gewachsen

  • Keine Dieselmotoren mehr, ausschließlich Hybridbenziner

  • Gute Noten im ADAC Test

Es gibt Autos, die erkennt man sofort. Einen Golf etwa oder einen Fiat 500. Auch beim neuen Nissan Qashqai ist das so. Denn obwohl die dritte Generation technisch nichts mit dem alten zu tun hat und auch ein anderes, viel moderneres Blechkleid bekommen hat, sieht man auf den ersten Blick: Das ist ein Qashqai. Eigentlich hätte sich Nissan den Schriftzug am Heck sparen können. Vorn sorgen zumindest die zweigeteilten Scheinwerfer für einen Extra-Hingucker.

Dass seine Optik nicht mit der des Vorgängers bricht, hat einen Grund: Der Kompakt-SUV in der Klasse von VW Tiguan und Ford Kuga ist ein Bestseller und in Deutschland sogar das mit Abstand meistverkaufte Modell der Marke. Für Nissan ist der Qashqai damit genauso wichtig wie der Golf für VW. Allzu gewagte Experimente kann sich der Hersteller da nicht erlauben. Und: Der Qashqai muss sich auch vom neuen Nissan Ariya abgrenzen. Der kommt Ende 2021 als rein elektrischer und wesentlich mutiger gestalteter SUV auf den Markt und hat in etwa die gleiche Größe wie der Bestseller.

Der Nissan Qashqai wächst nur moderat

Mit 4,43 Metern Länge zählt der Nissan Qashqai zu den Kompakt-SUVs © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Bei den Karosseriemaßen ist bei Qashqai Nummer drei ein moderates Wachstum zu verzeichnen. In der Länge ist der Qashqai im Vergleich zum alten Modell um 35 Millimeter auf 4,43 Meter, in der Breite um 32 Millimeter auf 1,84 Meter und in der Höhe um 10 Millimeter auf 1,63 Meter gewachsen. Kompakt und parkfreundlich ist er damit aber immer noch. Weil auch die Räder um 20 Millimeter weiter auseinanderstehen, hat sich das Platzangebot beim neuen Modell verbessert. Nissan spricht von 28 Millimetern mehr Beinfreiheit und 15 Millimetern mehr Platz über dem Kopf für die Fondpassagiere.

Merken kann man das freilich nur, wenn man vom alten Modell in das neue umsteigt - oder nachmisst, wie es der ADAC tut. Vorn reicht das Platzangebot für knapp zwei Meter große Personen. Hinten gibt es zumindest genügend Platz für die Beine (bis 1,95 Meter Körpergröße), besonders große Mitfahrer dürften sich aber an der nicht allzu üppigen Kopffreiheit stören. Hier ist bei 1,90 Meter Schluss.

Der Kofferraum nimmt bei stehender Rückbank laut Werk zwischen 436 und 504 Liter bis zur Kofferraumabdeckung auf, nach ADAC Messung sind es 385. Wer das Maximum ausnutzen möchte, sollte den doppelten Ladeboden herausnehmen, der zwar eine ebene Fläche schafft, aber auch deutlich an der Ladehöhe knapst.

Bessere Rundumsicht im neuen Qashqai

Nissan hat die Rundumsicht zwar etwas verbessert. Schlankere A-Säulen vorn, eine größere Windschutzscheibe und an der Tür statt im Dreieck zwischen Tür und Fenster montierte Außenspiegel verschaffen einen etwas besseren Überblick nach vorn und zur Seite. Zwar gibt es zudem ein zusätzliches Guckloch an der C-Säule – doch die ist nach wie vor noch so massiv, dass der Schulterblick beim Abbiegen gar nicht sorgfältig genug ausfallen kann.

360-Grad-Blick in den Qashqai: Es gibt noch Knöpfe

Außer den voll digitalen Instrumenten (erst ab den mittleren Aussstattungsstufen) gibt es im Cockpit keine großen Überraschungen. Natürlich thront ganz zeitgemäß ein großer Bildschirm auf der Mittelkonsole, der sich via Android Auto und Apple Car Play auch ganz prima mit dem Smartphone koppeln lässt. Doch den Krieg mit den Knöpfen, den andere Hersteller gerade auf die Spitze treiben, macht Nissan offensichtlich nicht mit. So lässt sich etwa die Heizung noch über klassische Knöpfe und Drehregler bedienen und am Fuß des Bildschirms gibt es noch "normale" Tasten. Das mag weniger stylish aussehen als bei anderen Modellen – dafür ist es intuitiv zu bedienen.

Technik-Freaks kommen dennoch auf ihre Kosten, denn nicht nur ein gut gemachte Head-up-Display mit großen Anzeigen ist zu haben, das relevante Infos direkt auf die Windschutzscheibe projiziert. Auch Google Assistant und Amazon Alexa lassen sich in das Nissan-System einbinden und wie zu Hause nutzen. Die Navi-Karte kann nun „Over the air“ aktualisiert werden, es stehen Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung, und via App lassen sich bestimmte Funktionen fernsteuern, etwa ein Navi-Ziel vom Wohnzimmer aus eingeben.

Selbstredend sind auch alle modernen Assistenzsysteme an Bord. Der Japaner kommt mit einem Stauassistenten, er erkennt Querverkehr und nutzt im Tempomat-Modus Kartendaten, um etwa vor einer Kurve selbsttätig abzubremsen.

Ganz normal fahren kann der Qashqai auch – und das im positiven Sinn. Die Federung verrichtet ihre Arbeit im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr so ungelenk, sondern recht ordentlich, besonders auf der Autobahn. Bei niedrigem Stadttempo agiert das Fahrwerk aber immer noch etwas steifbeinig. Tipp: Bei den Rädern lieber eine Nummer kleiner wählen, das kommt dem Komfort zugute. Und die Lenkung wurde merklich direkter ausgelegt, so dass sich der Qashqai in der Kurve nun handlicher anfühlt.

Motoren: Drei Benziner für den SUV

Mit gut 4,40 Metern Länge hat der Qashqai noch immer parkfreundliche Maße © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Beim Antrieb ist der Qashqai in der Jetztzeit angekommen. Dieselmotoren werden nicht mehr angeboten. Zur Wahl stehen nur noch Benziner. Die sind jedoch allesamt elektrifiziert: Die Basis bildet ein 1,3-Liter-Vierzylinder, den es wahlweise mit 140 und mit 158 PS gibt. Bei beiden Versionen ermöglicht ein integrierter Startergenerator eine leichte Hybridisierung – rein elektrisch fahren kann der Qashqai damit zwar nicht, aber beim Beschleunigen bekommt der Benziner zumindest elektrische Unterstützung.

Der Basisbenziner mit 140 PS reicht im Grunde aus

Der leichte Elektro-Schub macht sich insofern bemerkbar, dass das Turboloch bei niedrigen Drehzahlen weitgehend ausgeglichen wird und der 1,3-Liter bereits bei 1500 Umdrehungen ordentlich durchzieht, sieht man von einem etwas verzögerten Ansprechverhalten einmal ab. Schon die Basisversion mit 140 PS wirkt kräftig genug und sorgt für flottes Vorankommen, so dass man sich die 1240 Euro Aufpreis für die 158-PS-Variante eigentlich sparen könnte. 9,5 statt 10,2 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h sind kein allzu großer Unterschied, 206 statt 196 km/h Spitze ohnehin nicht.

Im ADAC Test: Der 158-PS-Benziner mit Automatik

Zur stärkeren Variante greifen muss allerdings, wer ein Automatikgetriebe oder Allradantrieb haben möchte. Das X-Tronic genannte ist zwar an sich ein stufenloses Getriebe, doch künstliche Schaltstufen verhindert das sonst für diese Getriebeart so typische Aufheulen des Motors beim kräftigen Tritt aufs Gas: Der Qashqai mit X-Tronic bleibt ruhig und gelassen, erst bei betont sportlicher Fahrweise kommt etwas Hektik in die sieben künstlichen Schaltstufen. Das Anfahrverhalten mit der harmonisch einsetzenden Kriechfunktion gefällt.

Auch das stärkere Aggregat spricht verzögert an und legt erst dann richtig los, wenn der Ladedruck des Turboladers aufgebaut ist. Bei Bedarf ist der Nissan flott unterwegs, den Überholvorgang von 60 auf 100 km/h erledigt er in gemessenen 6,1 Sekunden, von 80 auf 120 km/h geht es in 7,8 Sekunden. Der Turbobenziner zieht druckvoll durch und erweist sich damit als passende Motorisierung mit gemessenen 6,8 Litern Durchschnittsverbrauch. Ein Sparwunder ist der Qashqai damit nicht.

SUV: Gefahren und bewertet

Der ADAC hat noch viele weitere SUVs und Geländewagen unter die Lupe genommen:

Voll-Hybrid "E-Power" als Besonderheit

Die dritte Motorisierung kommt erst im zweiten Quartal 2022 und stellt eine Besonderheit dar. Sie ist die Voll-Hybridversion des Qashqai und firmiert unter dem Namen "E-Power". Dabei wird ein 1,5-Liter-Benziner mit einer Leistung von 154 PS mit einem ungewöhnlich starken Elektromotor mit 140 kW gekoppelt. Für den Antrieb an der Vorderachse sorgt dabei ausschließlich der Elektromotor – während der Benziner zwar mitläuft, aber nur für die Stromerzeugung zuständig ist.

Das hat zwei Vorteile: Der Benziner kann immer im optimalen Bereich laufen, und es geht weniger Energie verloren. Und beim Gasgeben soll der Qashqai wie ein Elektroauto reagieren, also völlig verzögerungsfrei beschleunigen. Ein ähnliches Prinzip verfolgt Honda beim CR-V und beim neuen Jazz. Wie sich das im Verbrauch niederschlägt, muss ein kommender ADAC Test beweisen.

Preis: 26.390 Euro für die Basisversion

"Bodenständig und solide": Redakteur Jochen Wieler über den neuen Qashqai © Nissan/Wolfgang Groeger-Meier

Die Basisversion steht mit 26.390 Euro in der Liste. Das klingt erst einmal günstig, doch der "Visia" hat kaum Komfort-Extras zu bieten und lässt sich auch nicht gegen Aufpreis um weitere Extras aufrüsten. Sie ist daher eher als Blickfang für die Preisliste und Marketing-Trick zu sehen und dürfte kaum Beachtung finden. Die bessere Acenta-Ausstattung liegt dann bereits bei 30.890 Euro und der 158-PS-Benziner startet bei 32.130 Euro. Das getestete Modell liegt bei gut 43.000 Euro - wenig ist das dann nicht mehr.

Für sein Geld bekommt man aber ein grundsolides Fahrzeug ohne Starallüren. Anders als 2007, als der erste Qashqai auf den Markt kam, tummeln sich mittlerweile rund 30 Konkurrenten in der Klasse der Kompakt-SUV. So leicht wie früher wird es der Japaner daher nicht haben.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Nissan Qashqai 1.3 DIG-T MHEV Tekna+ Xtronic als PDF herunterladen
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Nissan Qashqai Test: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T MHEV Tekna+ Xtronic (ab 07/21)

Motorart

Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.332 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

116

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

158

Drehmoment (Systemleistung)

270 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

9,2 s

Höchstgeschwindigkeit

199 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

141 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

6,2 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

5,5 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

504 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.447 l

Leergewicht (EU)

1.468 kg

Zuladung

517 kg

Anhängelast ungebremst

725 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.425 mm x 1.835 mm x 1.625 mm

Grundpreis

45.470 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T MHEV Tekna+ Xtronic

Überholvorgang 60 – 100 km/h

6,1 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,0 m

Wendekreis

11,7 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,8 l Super/100 km, 186 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

805 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,1 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1531 / 454 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

385 / 830 / 1355 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T MHEV Tekna+ Xtronic

Karosserie/Kofferraum

2,6

Innenraum

2,2

Komfort

2,4

Motor/Antrieb

1,9

Fahreigenschaften

2,4

Sicherheit

1,7

Umwelt/Ecotest

2,5

Gesamtnote

2,2

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

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