Testfahrt Kia Sportage: Kompakt-SUV mit Kurs auf Wolfsburg

Frontansicht eines fahrenden Kia Sportage
Der Kia Sportage tritt mit Mildhybrid-Technik an ∙ © Kia

Dieses SUV aus Korea könnte selbst eingefleischte Tiguan-Fahrer überzeugen: Der neue Kia Sportage gibt sich bei der ersten Testfahrt keine Blöße. Was er besonders gut macht, alle Daten, Fakten und Bilder.

  • Neuer Kia Sportage ab Januar 2022 zu haben

  • Motoren: ein Diesel, zwei Benziner, ab April ein Plug-in-Hybrid

  • Preise: nur eine Version unter 30.000 Euro

Können Sie sich noch an das Jahr 1994 erinnern? Bundeskanzler war Helmuth Kohl, wir bezahlten noch mit D-Mark, und der FC Bayern – wie soll es anders sein – wurde Deutscher Meister. Und: Kia hat die erste Generation des Sportage auf den Markt gebracht.

Das staksige, kleine SUV hat man 28 Jahre später zwar (zu Recht) längst wieder vergessen. Doch seine Nachfolger wurden immer besser, größer, ausgereifter. Und was uns Kia mit der gerade vorgestellten, fünften in Europa entwickelten und in der Slowakei gebauten Generation kredenzt: alle Achtung!

Schon optisch sieht das neue Kompakt-SUV moderner aus als etwa ein Ford Kuga oder VW Tiguan, wirkt ähnlich extravagant wie das Schwestermodell Hyundai Tucson, hat aber seinen eigenen Stil. Die Kia-typische „Tigernase“ an der Front wurde weiterentwickelt und kommt nun mit auffälligen Tagfahrleuchten, die wie eckige Klammern aussehen. Und der flotte Knick im Heck hat auch was. Erster Eindruck: sehr gelungen.

Kia Sportage lässt sich gut bedienen

Cockpit eines Kia Sportage
Sehr modern und gut zu bedienen: Kia Sportage Cockpit ∙ © Kia

Innen zeigt sich, wie gut die Koreaner die Bedürfnisse der Kunden verstanden haben. An der hohen Materialqualität mit soften Flächen kann sich VW mittlerweile eine Scheibe abschneiden. Das Cockpit wirkt hochwertig, man fühlt sich sofort wohl. Dass die rein digitalen Anzeigen in einer stehenden und schmal bauenden Einheit untergebracht sind, ist zwar keine neue Idee und gerade schwer in Mode. Man kennt das schicke „Tablet im Großformat“ mit optisch verbundenen Bildschirmen in ähnlicher Form bereits von der Mercedes A-Klasse, dem VW Golf, dem Opel Mokka oder dem neuen Astra. Doch so große und deutlich dargestellte Anzeigen wie im Kia sieht man heutzutage nicht so häufig – da kann die Lesebrille zu Hause bleiben.

Auch die Bedienung erschließt sich recht schnell: Ein praktischer Drehknopf für das Automatikgetriebe (2000 Euro extra), noch ein paar feste Tasten auf der Mittelkonsole und eine Bedienleiste mit Direktwahltasten für Navi, Radio etc. und zwei festen Drehknöpfen – das dürfte die wenigsten überfordern. Der Clou: Die Bedienleiste ist wandlungsfähig. Per Knopfdruck wird sie zur Kontrolleinheit für Heizung und Klimaanlage und aus dem Laut/Leiser-Knopf der Drehregler für die Temperatur. Genial gelöst.

Taschenhaken und in den Kopfstützen integrierte Kleiderbügel erhöhen den Nutzwert, genau wie die Möglichkeit, das Smartphone induktiv zu laden und über Apple CarPlay und Android Auto geschmeidig mit dem Fahrzeug verbinden zu können.

Gutes Platzangebot im neuen Kia Sportage

Was das Platzangebot angeht, gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Nicht nur vorn, auch hinten sitzt man geräumig. Bein- und Kopffreiheit fallen so üppig aus, wie man es von einem 4,52 Meter langen SUV erwarten kann. Das gilt auch für den Kofferraum, der im Vergleich zum Vorgänger größer geworden ist und nun 591 Liter bei der Basisversion fasst. Die Benziner mit 48-Volt-Technik können wegen der Batterie im Unterboden etwas weniger mitnehmen (562 Liter) und der 48-Volt-Diesel mit 526 Liter Fassungsvermögen am wenigsten. Doch auch das ist für die Fahrzeuggröße noch passabel.

Umklappen lassen sich die Rücksitze im Verhältnis 20 zu 40 zu 20, deren Lehnen können in der Neigung verstellt werden. Eine verschiebbare Rückbank wie der VW Tiguan hat der Sportage aber nicht. Weniger schön ist, dass die Radkästen im Kofferraum die Nutzbarkeit etwas einschränken und noch dazu aus billigem, nicht kratzfestem Plastik gefertigt sind. Das passt nicht zum ansonsten hochwertigen Auftritt des Sportage.

Motoren: Der Plug-in-Hybrid kommt im April 2022

Heckansicht eines fahrenden Kia Sportage
Sieht auch von hinten schick aus: Neuer Kia Sportage ∙ © Kia

Bei den Antrieben hat der Kunde ab Januar 2022 die Wahl zwischen einem Diesel (136 PS) und zwei Benzinern (150 und 180 PS), Front- und Allradantrieb. Bis auf die wegen ihrer Magerausstattung ohnehin nicht zu empfehlende Basisversion (Benziner als „Edition 7“) haben alle Motoren eine leichte Hybridisierung (48 Volt) an Bord. Ein Startergenerator unterstützt dadurch den Verbrenner beim Beschleunigen, ganz elektrisch kann man mit dieser Technik im Gegensatz zu einem Vollhybriden aber nicht fahren. Der Verbrauch soll trotzdem leicht sinken, auch deshalb, weil das Fahrzeug wegen der Technik segeln kann, also beim Gaswegnehmen den Motor ausstellt und dahingleitet.

Gute Fahrleistungen mit 180-PS-Benziner

Das Segeln klappt vorzüglich, wie wir bei der ersten Testfahrt mit dem 180-PS-Benziner feststellen konnten. Nahezu unmerklich schaltet sich der Benziner ab und geht beim Gasgeben lautlos wieder an. Genügend Kraft hat der Motor ebenfalls und erfreut nicht nur durch gute Drehwilligkeit, sondern auch durch seinen ruhigen Lauf. 9,0 Sekunden gibt Kia für den Sprint von 0 auf 100 km/h an, das sollte reichen. Was das Temperament allerdings einbremst, ist das Doppelkupplungsgetriebe. Es arbeitet zwar an sich sehr geschmeidig, das Anfahren klappt ruck- und verzögerungsfrei, doch beim Herunterschalten lässt sich der Automat besonders im Ecomodus zu viel Zeit.

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Der prinzipbedingte Spareffekt der 48-Volt-Technik scheint wie schon beim Vorgänger-Sportage überschaubar zu sein. Rund 8,5 Liter Super wies der Bordcomputer nach unseren Testfahrten mit der Allradversion und Doppelkupplungsgetriebe aus. Mit leichtem Gasfuß lassen sich zwar auch 8 Liter erreichen (Werksangabe 7,0 Liter), ein neuer Rekordwert sieht aber anders aus.

Deutlich sparsamer dürfte die 265 PS starke (!) Plug-in-Hybridversion sein, die Kia für April 2022 angekündigt hat und mit ihrer 13,8-kWh-Batterie rund 50 Kilometer rein elektrische Reichweite schaffen sollte. Einen Vollhybriden gäbe es zwar prinzipiell auch für den Sportage, doch diese Variante wird wahrscheinlich nicht in Deutschland angeboten werden.

Preis: Nur eine Version unter 30.000 Euro zu haben

Front und Seitenansicht eines stehenden Kia Sportage
Warum immer grau? Das dezente Grün steht dem Sportage gut ∙ © Kia

Dass der Sportage mit Assistenzsystemen aller Art ausgerüstet ist – vom aktiven Spurhalteassistenten bis hin zur Verkehrszeichenerkennung –, ist für ein neu entwickeltes Auto fast schon selbstverständlich. Nicht aber, dass er auch beim Rückwärtsfahren vor Querverkehr warnt oder beim Blinken ein Kamerabild einblendet, um den toten Winkel des Außenspiegels auszugleichen. Und wer will, kann den Sportage auch von außen per Fernbedienung in eine enge Parklücke hinein oder aus einer solchen herausgleiten lassen – in dieser Fahrzeugklasse gehören solche Extras bislang noch nicht zum guten Ton.

Doch all die Technik hat ihren Preis. Die Basisversion ist ab rund 28.000 Euro zu haben, der gefahrene 180-PS-Motor mit Allradantrieb aber erst ab rund 38.000 Euro. Und selbst wer ihn in der besten Ausstattungslinie GT-Line wählt (rund 45.500 Euro), muss für das ein oder andere Gimmick noch extra bezahlen. Zumindest in diesem Punkt sehnt man sich nach 1994 zurück: Die erste Generation des Sportage war ab umgerechnet 16.500 Euro zu haben.

Das hat uns gefallen: Hochwertige Materialien, viel Platz, gute Bedienbarkeit, hoher Federungskomfort, gute Fahrleistungen, sieben Jahre Garantie

Das hat uns nicht gefallen: Nur durchschnittlicher Verbrauch beim 180-PS-Benziner, unverkleidete Radhäuser im Kofferraum, hohe Preise

Kia Sportage: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

KIA Sportage 1.6 GDI

KIA Sportage 1.6 T-GDI EcoDynamics+

KIA Sportage 1.6 T-GDI Plug-In Hybrid

KIA Sportage 1.6 CRDI EcoDynamics+

Motorart

Otto

Otto (Mild-Hybrid)

PlugIn-Hybrid

Diesel (Mild-Hybrid)

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

110

132

195

100

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

150

180

265

136

Drehmoment (Systemleistung)

250 Nm

265 Nm

350 Nm

280 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min

5.500 U/min

4.000 U/min

4.000 U/min

Antriebsart

Front

Allrad

Allrad

Front

Beschleunigung 0-100km/h

10,3 s

9,0 s

8,2 s

11,4 s

Höchstgeschwindigkeit

182 km/h

201 km/h

191 km/h

180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-

-

n.b.

-

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

159 g/km

163 g/km

-

139 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

7,0 l/100 km

7,2 l/100 km

-

5,3 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

6,3 l/100 km

6,0 l/100 km

1,6 l/100 km

4,2 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-

-

13,8

-

Ladeleistung (kW)

-

-

AC:2,3-7,2

-

Kofferraumvolumen normal

591 l

562 l

540 l

526 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.780 l

1.751 l

1.715 l

1.715 l

Leergewicht (EU)

1.526 kg

1.648 kg

1.905 kg

1.598 kg

Zuladung

559 kg

562 kg

510 kg

547 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

750 kg

750 kg

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.650 kg

1.650 kg

1.350 kg

1.950 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

7 Jahre oder 150.000 km

7 Jahre oder 150.000 km

7 Jahre oder 150.000 km

Grundpreis

27.790 Euro

37.990 Euro

44.390 Euro

30.440 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.515 mm x 1.865 mm x 1.650 mm

4.515 mm x 1.865 mm x 1.650 mm

4.515 mm x 1.865 mm x 1.650 mm

4.515 mm x 1.865 mm x 1.650 mm

Der Kia Sportage im Video-Review

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Kia

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