Kia Sportage im Test: Kompakt-SUV mit Kurs auf Wolfsburg

Der Kia Sportage tritt mit Mildhybrid-Technik an
Der Kia Sportage tritt mit Mildhybrid-Technik an© Kia

Dieses SUV aus Korea könnte selbst eingefleischte Tiguan-Fahrer überzeugen: Am neuen Kia Sportage gibt es beim ADAC Test wenig zu kritisieren. Was er besonders gut macht, wo noch Luft nach oben ist, alle Daten, Fakten und Bilder.

  • Kia Sportage mit guter Komfort- und Sicherheitsausstattung

  • Motoren: ein Diesel, zwei Benziner und ein Plug-in-Hybrid

  • Preise: nur eine Version unter 30.000 Euro

  • Im Test: Mildhybrid-Benziner mit Allradantrieb

Können Sie sich noch an das Jahr 1994 erinnern? Bundeskanzler war Helmuth Kohl, wir bezahlten noch mit D-Mark, und der FC Bayern – wie soll es anders sein – wurde Deutscher Meister. Und: Kia hat die erste Generation des Sportage auf den Markt gebracht.

Das staksige, kleine SUV hat man 28 Jahre später zwar (zu Recht) längst wieder vergessen. Doch seine Nachfolger wurden immer besser, größer, ausgereifter. Und was uns Kia mit der fünften, in Europa entwickelten und in der Slowakei gebauten Generation kredenzt: alle Achtung!

Schon optisch sieht der Kompakt-SUV moderner aus als etwa ein Ford Kuga oder VW Tiguan, wirkt ähnlich extravagant wie das Schwestermodell Hyundai Tucson, hat aber seinen eigenen Stil. Die Kia-typische „Tigernase“ an der Front wurde weiterentwickelt und kommt nun mit auffälligen Tagfahrleuchten, die wie eckige Klammern aussehen. Und der flotte Knick im Heck hat auch was. Erster Eindruck: sehr gelungen.

Der Kia Sportage lässt sich gut bedienen

Innen zeigt sich, wie gut die Koreaner die Bedürfnisse der Kunden verstanden haben. An der hohen Materialqualität mit soften Flächen kann sich VW mittlerweile eine Scheibe abschneiden. Das Cockpit wirkt hochwertig, man fühlt sich sofort wohl. Dass die rein digitalen Anzeigen in einer stehenden und schmal bauenden Einheit untergebracht sind, ist zwar keine neue Idee und gerade schwer in Mode. Man kennt das schicke „Tablet im Großformat“ mit optisch verbundenen Bildschirmen in ähnlicher Form bereits von der Mercedes A-Klasse, dem VW Golf, dem Opel Mokka oder dem neuen Astra. Doch so große und deutlich dargestellte Anzeigen wie im Kia sieht man heutzutage nicht so häufig – da kann die Lesebrille zu Hause bleiben.

Auch die Bedienung erschließt sich recht schnell: Ein praktischer Drehknopf für das Automatikgetriebe (bei den schwächeren Motorisierungen 2000 Euro extra, sonst serienmäßig), noch ein paar feste Tasten auf der Mittelkonsole und eine Bedienleiste mit Direktwahltasten für Navi, Radio etc. und zwei festen Drehknöpfen – das dürfte die wenigsten überfordern. Der Clou: Die Bedienleiste ist wandlungsfähig. Per Knopfdruck wird sie zur Kontrolleinheit für Heizung und Klimaanlage und aus dem Laut/Leiser-Knopf der Drehregler für die Temperatur. Genial gelöst, auch wenn man sich erst daran gewöhnen muss.

Taschenhaken und in den Kopfstützen integrierte Kleiderbügel erhöhen den Nutzwert, genau wie die Möglichkeit, das Smartphone induktiv zu laden und über Apple CarPlay und Android Auto geschmeidig mit dem Fahrzeug verbinden zu können. Verbesserungswürdig: Die Taste für die elektrische Handbremse ist links vom Lenkrad platziert und dort im Notfall vom Beifahrer nicht zu erreichen.

Gutes Platzangebot im neuen Kia Sportage

Was das Platzangebot angeht, gibt es nichts auszusetzen. Nicht nur vorn, wo knapp 1,95 Meter große Personen reinpassen, auch hinten sitzt man geräumig. Für zwei Leute nebeneinander ist die Innenbreite völlig ausreichend, für drei Erwachsene wird es allerdings ein bisschen knapp. Bein- und Kopffreiheit fallen so dagegen wieder so großzügig aus, wie man es von einem 4,52 Meter langen SUV erwarten kann. Das gilt auch für den Kofferraum, der im Vergleich zum Vorgänger größer geworden ist und nun laut Hersteller 591 Liter bei der Basisversion fasst. Die Benziner mit 48-Volt-Technik können wegen der Batterie im Unterboden etwas weniger mitnehmen (562 Liter) und der 48-Volt-Diesel mit 526 Liter Fassungsvermögen am wenigsten.

Nach ADAC Messmethode bleiben beim getesteten Mildhybrid-Benziner unter der Kofferraumabdeckung 395 Liter übrig, dachhoch passen 605 Liter oder alternativ bis zu elf
Getränkekisten
rein. Unter Ausnutzung des kompletten Raums hinter den Vordersitzen sind bis zu 1395 Liter Volumen verfügbar.

Umklappen lassen sich die Rücksitze im Verhältnis 20 zu 40 zu 20, deren Lehnen können in der Neigung verstellt werden. Eine verschiebbare Rückbank wie der VW Tiguan hat der Sportage aber nicht. Weniger schön ist, dass die Radkästen im Kofferraum die Nutzbarkeit etwas einschränken und noch dazu aus billigem, nicht kratzfestem Plastik gefertigt sind. Das passt nicht zum ansonsten hochwertigen Auftritt des Sportage.

Unpraktisch ist die hohe Ladekante: Sie liegt etwa 72 Zentimeter über der Straße, das Gepäck muss weit angehoben werden. Immerhin stört innen keine Stufe, die Ladekante liegt auf einer Höhe mit dem Ladeboden – das erleichtert insbesondere das Ausladen.

Motoren: Der Plug-in-Hybrid kommt als Letzter

Sieht auch von hinten schick aus: Neuer Kia Sportage © Kia

Bei den Antrieben hat der Kunde die Wahl zwischen einem Diesel (136 PS) und zwei Benzinern (150 und 180 PS), Front- und Allradantrieb. Bis auf die wegen ihrer Magerausstattung ohnehin nicht zu empfehlende Basisversion (Benziner als „Edition 7“) haben alle Motoren eine leichte Hybridisierung (48 Volt) an Bord. Ein Startergenerator unterstützt dadurch den Verbrenner beim Beschleunigen, ganz elektrisch kann man mit dieser Technik im Gegensatz zu einem Vollhybriden aber nicht fahren. Der Verbrauch soll trotzdem leicht sinken, auch deshalb, weil das Fahrzeug wegen der Technik segeln kann, also beim Gaswegnehmen den Motor ausstellt und dahingleitet.

7,6 Liter Verbrauch: Der 180-PS-Benziner ist durstig

Das Segeln klappt vorzüglich, wie wir bei den Testfahrten mit dem 180-PS-Benziner feststellen konnten. Besonders sparsam ist das Aggregat aber trotz des technischen Aufwands nicht. Der Elektromotor arbeitet zwar mit dem Verbrenner harmonisch zusammen. Dennoch konsumiert der Sportage 1.6 T-GDI im ADAC Ecotest durchschnittlich 7,6 Liter pro 100 Kilometer. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 208 Gramm pro Kilometer. In Kombination mit dem guten Abschneiden im Schadstoff-Kapitel ergattert der Sportage trotzdem noch drei von fünf möglichen Ecotest-Sternen.

Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet zwar an sich sehr geschmeidig, das Anfahren klappt ruck- und verzögerungsfrei, nur der erste Gang wird grundsätzlich zu weit ausgedreht, egal wie vorsichtig man anfährt; ansonsten ist die Automatik auf niedrige Drehzahlen bedacht. Und beim Herunterschalten lässt sich der Automat besonders im Eco-Modus zu viel Zeit.

Deutlich sparsamer als der Mildhybrid dürfte die 265 PS starke (!) Plug-in-Hybridversion sein, die Kia für April 2022 angekündigt hat und mit ihrer 13,8-kWh-Batterie rund 70 Kilometer rein elektrische Reichweite schaffen soll. Einen Vollhybriden gäbe es zwar prinzipiell auch für den Sportage, doch diese Variante wird wahrscheinlich nicht in Deutschland angeboten werden.

Preis: Nur eine Version unter 30.000 Euro zu haben

Warum immer grau? Das dezente Grün steht dem Sportage gut © Kia

Dass der Sportage mit Assistenzsystemen aller Art ausgerüstet ist – vom aktiven Spurhalteassistenten bis hin zur Verkehrszeichenerkennung –, ist für ein neu entwickeltes Auto fast schon selbstverständlich. Nicht aber, dass er auch beim Rückwärtsfahren vor Querverkehr warnt oder beim Blinken ein Kamerabild einblendet, um den toten Winkel des Außenspiegels auszugleichen. Und wer will, kann den Sportage auch von außen per Fernbedienung in eine enge Parklücke hinein bugsieren oder aus einer solchen herausgleiten lassen – in dieser Fahrzeugklasse gehören solche Extras bislang noch nicht zum guten Ton.

Doch all die Technik hat ihren Preis. Die Basisversion ist ab rund 28.000 Euro zu haben, der gefahrene 180-PS-Motor mit Allradantrieb aber erst ab rund 38.000 Euro. Und selbst wer ihn in der besten Ausstattungslinie GT-Line wählt (rund 45.500 Euro), muss für das ein oder andere Gimmick noch extra bezahlen. Zumindest in diesem Punkt sehnt man sich nach 1994 zurück: Die erste Generation des Sportage war ab umgerechnet 16.500 Euro zu haben.

Das hat uns gefallen: Hochwertige Materialien, viel Platz, gute Bedienbarkeit, hoher Federungskomfort, gute Fahrleistungen, saubere Abgase, sieben Jahre Garantie

Das hat uns nicht gefallen: Hoher Verbrauch, unverkleidete Radhäuser im Kofferraum, hohe Preise, zu hohe Schließkräfte an Fondfensterhebern und elektrischer Heckklappe

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Kia Sportage: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

KIA Sportage 1.6 T-GDI EcoDynamics+ GT-Line AWD DCT (ab 01/22)

Motorart

Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

132

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

180

Drehmoment (Systemleistung)

265 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

9,0 s

Höchstgeschwindigkeit

201 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

162 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

7,1 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

6,0 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

562 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.751 l

Leergewicht (EU)

1.648 kg

Zuladung

562 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.650 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.515 mm x 1.865 mm x 1.650 mm

Grundpreis

46.150 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

KIA Sportage 1.6 T-GDI EcoDynamics+ GT-Line AWD DCT

Überholvorgang 60 – 100 km/h

5,0 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,5 m

Wendekreis

11,9 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

7,6 l Super/100 km, 208 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

710 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1645 / 565 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

395 / 835 / 1395 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

KIA Sportage 1.6 T-GDI EcoDynamics+ GT-Line AWD DCT (ab 01/22)

Karosserie/Kofferraum

2,5

Innenraum

2,5

Komfort

2,1

Motor/Antrieb

2,0

Fahreigenschaften

2,3

Sicherheit

2,1

Umwelt/EcoTest

3,1

Gesamtnote

2,4

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen:

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Der Kia Sportage im Video

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