Tesla Model Y: Elon Musks kompakter Elektro-SUV im ADAC Test

Front und Seitenansicht eines stehenden Tesla Y
Tesla Model Y: Der SUV hat große Ähnlichkeit mit dem Model 3© ADAC/Wolfgang Rudschies

Lange mussten die europäischen Interessenten auf das Tesla Model Y warten, im
September 2021 hat das Mittelklasse-SUV endlich auch den Weg nach Deutschland
gefunden. ADAC Test der Maximum Range-Version, Infos, Daten, Bilder

  • Bestnoten für Antriebskomfort und Fahrleistungen

  • Elektroauto mit Praxis-Reichweite von 370 Kilometern

  • Preis: aktuell knapp 58.000 Euro für die Basisversion 

  • Sicheres Fahrverhalten, zu straffe Federung

Mit dem Model X hatte Tesla lange Zeit nur ein SUV im Angebot. Für einen amerikanischen Hersteller war das ungewöhnlich, schließlich sind die Amerikaner schon länger als die Europäer verrückt nach den höher bauenden Fahrzeugen. Mit dem Model Y hat Tesla nun ein zweites, deutlich kleineres Fahrzeug im Angebot, das mit Mercedes EQA und EQB, dem Audi Q4 e-tron, dem Lexus UX 300e und auch dem BMW iX3 konkurriert.

Die für den europäischen Markt bestimmten Model Y werden aktuell noch in Shanghai gefertigt. Und zwar so lange, bis die neue Gigafactory in Grünheide erste Fahrzeuge ausliefert. Die Verarbeitungsqualität – in der Vergangenheit oftmals ein großer Kritikpunkt bei Tesla-Modellen – profitiert erkennbar von der chinesischen Sorgfalt. Die Karosseriequalität ist tadellos, auch das Interieur hinterlässt einen soliden und wertigen Eindruck. Zudem überzeugt das Model Y mit viel Platz für vier Insassen samt Gepäck.

Mit einem Kampfpreis von mittelfristig rund 45.000 Euro soll das Model Y genauso einschlagen wie das Model 3. Bis dahin dauert es noch etwas, derzeit ist das Model Y Maximum Range AWD mit 254 kW/345 PS die Einstiegsversion.

Das Tesla Model Y ist 18 cm höher als das Model 3

Seitenansicht eines stehenden Tesla Y
Die kurze Motorhaube schafft Platz für den Innenraum des Tesla Model Y © ADAC/Wolfgang Rudschies

Auf den ersten Blick wirkt das Model Y vertraut – schließlich basiert es auf dem Model 3 und teilt sich mit der Schräghecklimousine zwei Drittel der Komponenten. Das gilt für Antrieb, Akkus und Ambiente. Das Model Y gibt es deshalb genau wie den Dreier als Performance, Maximum Range und später als Standard; und hier wie dort blickt der Fahrer in ein cleanes Cockpit. Doch so bekannt einem die Form erscheint: Das Format ist neu. Mit rund 4,75 Metern ist das Model Y sechs Zentimeter länger als das Model 3, sieben breiter und vor allem 18 Zentimeter höher. Zum Vergleich: Der VW ID.4 ist mit 4,58 Metern Länge etwas kürzer geraten.

Auch wenn es nicht so bullig auftritt wie viele andere SUV, bietet das Model Y für nur rund 1500 Euro Aufpreis zum Model 3 spürbar mehr Platz für vier Insassen samt Gepäck. Leider fällt die erlaubte Zuladung mit weniger als 400 Kilo viel zu gering aus. Bequemer einsteigen und besser rausschauen kann man dank der höheren Sitzposition auch.

Deutlich mehr Platz als im Model 3

Der neue Tesla Model Y 2020
Tesla Model Y: Mehr Platz im Vergleich zum Model 3 © ADAC/Frank Ratering

Den Unterschied merkt man vor allem hinten: In der zweiten Reihe, weil es nun ausreichend Kopffreiheit gibt und man die dreigeteilte Lehne in der Neigung verstellen kann. Und im Kofferraum, weil die Klappe nun groß ist, bis ins Dach reicht und darunter laut Tesla bis zu 1900 Liter passen, wenn man die Sitze flach legt. Nach ADAC Messmethode sind es immer noch akzeptable 420 bis 1380 Liter. Für die versprochene dritte Sitzreihe im Kofferraum dürfte es dennoch sehr eng werden.

Innen ist alles typisch Tesla. Bis auf die Fensterheber in den Türen, die zwei Bedienhebel hinter dem und die zwei Drehwalzen im Lenkrad gibt es keine Knöpfe. Alles, was es zu bedienen gibt, macht man über den Touchscreen, der größer ist als die meisten Tablet-Computer und zugleich als Fenster in eine umfassende Infotainment-Welt fungiert. Das sieht zwar klasse aus. Allerdings geht diese Reduktion mit einem enormen Ablenkungspotenzial vom Verkehrsgeschehen einher. Selbst für die Wahl der Scheibenwischergeschwindigkeit oder Scheinwerfereinstellung muss man in ein Untermenü des Infotainmentsystems scrollen.

"Tesla treibt es bei der Bedienung auf die Spitze und schießt dabei deutlich über das Ziel hinaus", so das Urteil der ADAC Ingenieure. Zwei Beispiele: Die Richtung der Lüftungsdüsen muss umständlich über das Zentraldisplay verstellt werden. Und die Taste für die Warnblinkanlage befindet sich am Dachhimmel und dort außerhalb des Sichtbereichs des Fahrers – hier stellt Tesla die (cleane) Optik vor die Sicherheit.

Gute Fahrleistungen: 5,0 s auf 100 km/h

Nur weil Tesla die Bedienelemente wegrationalisiert, sparen die Amerikaner aber nicht an Inhalten – selbst wenn die nicht immer mit Fahren zu tun haben oder sinnstiftend wären. Aber warum nicht mal ein Kaminfeuer anzünden oder ein Furzkissen programmieren?

Der Fahrer fühlt sich fast wie im Model 3. Zwar ist die Maximum Range-Version nicht ganz so flott wie das Schwestermodell. Doch mit einem Sprintwert von 5,0 Sekunden und einem Spitzentempo von 217 km/h lässt das Model Y viele Stromer in diesem Segment und selbst die meisten Verbrenner lässig hinter sich. Aktuell wird diese Version mit einem Preis von knapp 60.000 Euro geführt.

Wer stattdessen den Performance bestellt, kann sich zwar über 3,7 Sekunden für den Standardsprint und 250 km/h Spitze freuen, muss aber 7000 Euro mehr ausgeben und kommt laut WLTP-Zyklus 480 statt 505 Kilometer weit. Beiden gemein: Sie haben zwei Elektromotoren ("Dualmotor") an Bord und daher Allradantrieb.

Stromverbrauch im Test: 22,6 kWh/100 km

Deren durchschnittlicher Stromverbrauch im ADAC Ecotest beträgt akzeptable 22,6 kWh/100 km inklusive Ladeverluste. Dank des 77 kWh (netto) großen Akkus schafft das Model Y Maximum Range AWD eine Reichweite von gut 370 Kilometern.

Preis für die Basisversion: mindestens 45.000 Euro

Heck und Seitenansicht des Tesla Y
Von hinten wirkt das Model Y wie ein höhergelegtes Model 3 © ADAC/Wolfgang Rudschies

Wie beim Model 3 wird es später auch eine Standard-Version geben – wobei Firmenchef Elon Musk höchstpersönlich die zunächst angedachte Variante mit kleinem Akku wegen einer "unakzeptabel geringen Reichweite" von rund 400 Kilometern beerdigte. Jetzt sollen mit nur einem Motor an der Hinterachse und Long Range-Akku etwa 200 km/h Spitze und knapp 500 Kilometer Reichweite drin sein. Damit wird der zunächst gehandelte Preis von um die 45.000 Euro, mit dem das Basis-Model Y in die Nähe des VW-Konkurrenten ID.4 mit mit 77-kWh-Akku gerückt wäre, wohl nicht ganz zu halten sein.

Das Model Y mag weniger gediegen dahingleiten als ein Audi e-tron oder ein Mercedes EQC. Doch wo die Konkurrenz vergleichsweise blutdrucksenkend abgestimmt ist, will der Tesla engagiert gefahren werden und dankt es einem mit einer Straßenlage, die trotz des hohen Schwerpunkts auch in engen Kurven nicht aus der Ruhe gerät. In Sachen Fahrsicherheit lässt er nichts anbrennen und fährt stabil durch den Ausweich-Parcours. Auch unter fahrdynamischen Gesichtspunkten überzeugt der Stromer, die erreichbaren Geschwindigkeiten sind hoch, bevor er im Grenzbereich gut kontrollierbar über die Vorderachse schiebt. Selbst unter Lastwechseln bleibt der Tesla seiner Kurvenlinie weitgehend treu.

Die sensible ESP-Regelung sorgt in Verbindung mit der blitzschnellen Kraftverteilung für ein sehr sicheres Kurvenverhalten, auch und gerade bei viel Einsatz des Fahrpedals. Die Traktion ist aufgrund der beiden angetriebenen Achsen und der sehr sensiblen Antriebsschlupfregelung trotz der hohen Antriebsleistung tadellos.

Dass Tesla das Fahrwerk des Model Y recht straff abgestimmt hat, ist auf jedem Meter zu spüren. Über Hindernisse wie Kanaldeckel rumpelt der SUV recht unsanft hinweg, die meisten Unebenheiten des urbanen Straßenbaus bleiben den Tesla-Insassen nicht verborgen. Die
großen und schweren 19-Zoll-Räder tragen ebenfalls ihren Anteil zum spröden Abrollkomfort bei.

Oftmals bessert sich der Federungskomfort mit zunehmender Geschwindigkeit, leider nicht beim Model Y. Auch auf Landstraßen und Autobahnen kommt der Aufbau kaum zur Ruhe, speziell das Kippeln um die Querachse, das bei kürzeren Bodenwellen hervorgerufen wird, ist auf Dauer störend.

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Der "Autopilot" gibt Anlass zur Kritik

Serienmäßig ist das Model Y mit dem Basis-Autopilot mit Notbremssystem samt Kollisionswarnung, radarbasierter adaptiver Geschwindigkeitsregelung sowie einem Spurhalteassistenten und dem Totwinkelwarner ausgestattet. Zusätzlich sind zwei Ausbaustufen erhältlich: Der Enhanced-Autopilot beinhaltet eine Spurwechselautomatik und
einen vollautonomen Autobahnpiloten. Die umfangreichste Variante mit der Bezeichnung
„Volles Potenzial für autonomes Fahren" bietet zusätzlich eine Ampel- und Stoppschilderkennung sowie – in naher Zukunft – einen City-Lenkassistenten, der innerorts die Lenkarbeit übernehmen kann.

Erkenntnis beim ADAC Test: Vor allem der Geschwindigkeitsassistent funktioniert wie im 2019
getesteten Model 3 nach wie vor nicht zuverlässig. Es kommt immer wieder vor, dass das Fahrzeug bei aktiviertem Autopiloten ungewollt beschleunigt oder abbremst – beides
kann zu kritischen Verkehrssituationen führen.

Zwar kommt Tesla mit dem Model Y in Europa zum ersten Mal nach der etablierten Konkurrenz. Doch wie alle anderen Teslas dürfte das Model Y Kultstatus erreichen und weltweit womöglich dieselbe Rolle spielen wie heute der Golf in der alten Welt.

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Tesla Model Y: technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Tesla Model Y Maximum Range AWD (ab 09/21)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

378

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

514

Drehmoment (Systemleistung)

n.b.

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

5,0 s

Höchstgeschwindigkeit

217 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

533 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,9 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

80,5

Batteriekapazität (Netto) in kWh

77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:250,0

Kofferraumvolumen normal

854 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.041 l

Leergewicht (EU)

2.056 kg

Zuladung

315 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.600 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre oder 80.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.751 mm x 1.921 mm x 1.624 mm

Grundpreis

60.945 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Tesla Model Y Maximum Range AWD

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,5 m

Wendekreis

12,7 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

22,6 kWh Strom/100 km, 113 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

370 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1984 / 387 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

420 / 850 / 1380 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Tesla Model Y Maximum Range AWD

Karosserie/Kofferraum

2,5

Innenraum

2,6

Komfort

2,6

Motor/Antrieb

0,8

Fahreigenschaften

2,2

Sicherheit

2,3

Umwelt/Ecotest

2,0

Gesamtnote

2,1

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Text: Thomas Geiger, Rudolf Huber, Wolfgang Rudschies

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