Hyundai Bayon im ADAC Test: Wie gut ist der preiswerte Mini-SUV?

Zweiter Mini-SUV von Hyundai: Der Bayon ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Hyundai

Der Hyundai Bayon hat fast die gleichen Abmessungen wie der Kona von Hyundai und tritt ebenfalls in der Klasse der Mini-SUV an. Da stellt sich die Frage, was er besser können soll. ADAC Test, Daten, Preise

  • Bayon: Mini-SUV von Hyundai ab 17.090 Euro

  • Ausschließlich Benzinmotoren zur Wahl

  • ADAC Test: Bayon 1.0 T-GDI Mildhybrid mit 100 und 120 PS

  • Viel Platz, gute Sitze, einfache Bedienung

Dass die koreanischen Autobauer schnell lernen, haben sie längst bewiesen. Gerade einmal drei Jahrzehnte sind Hyundai-Modelle hierzulande zu haben. In dieser Zeit hat sich die Marke vom belächelten Billiganbieter zum Trendsetter entwickelt.

Ein reichweitenstarkes Elektroauto hatten die Koreaner mit dem Kona Elektro lange vor der Konkurrenz zu bieten. Und die vielversprechende 800-Volt-Technik bei Elektroautos kommt nach dem Porsche Taycan und dem Audi e-tron GT nicht etwa von Mercedes, BMW oder Volvo zum Einsatz – Hyundai hat sie gebracht. Und zwar zuerst in dem auch aus anderen Gründen interessanten Ioniq 5.

Und dann rollte auch noch der Bayon zu den Händlern. Der Mini-SUV macht auf den ersten Blick wenig Sinn, schließlich hat Hyundai mit dem Kona bereits einen Vertreter im Segment von VW T-Cross, Seat Arona und Opel Crossland zu bieten. Doch der Bayon ist ein schlauer Schachzug: In den nächsten Jahren werden 50 Prozent aller Kleinwagen als Mini-SUV verkauft. Tendenz weiter steigend. Gut, wenn man als Hersteller mehrere Angebote hat.

Optisch grenzt sich der Bayon deutlich von seinem Bruder ab – besonders die dreigeteilten
Hauptscheinwerfer und sein extravagantes Heck sind auffällig stylish. Abgesehen von den optischen Differenzen ist der Bayon aber lediglich drei Zentimeter kürzer, zwei Zentimeter schmaler und sieben Zentimeter niedriger als der Kona und liegt mit einer Länge von 4,18 Metern genau zwischen VW Polo und VW Golf. Ein Riese ist er damit freilich nicht, will er aber auch nicht sein.

Umso überraschender fällt das Platzangebot des Bayon aus. Vorn sitzen bis zu 1,95 Meter große Personen angenehm. Wobei nur die Beinfreiheit limitierend ist, die Kopffreiheit würde auch für knapp 2,15 Meter große Menschen ausreichen. Der Innenraum ist breit genug und für einen Kleinwagen sogar recht großzügig, die üppige Außenbreite des Bayon hat das schon angedeutet. Im Fond begrenzt die Kopffreiheit die Personengröße auf circa 1,95 Meter, die Beinfreiheit würde noch mehr hergeben. Für zwei Personen nebeneinander ist die Innenbreite völlig ausreichend, für drei Erwachsene wird es aber eng. Die Sitze sind groß und bequem.

In Sachen Bedienung macht es einem der Bayon mit klar gezeichneten, hoch auflösenden Digitalinstrumenten und praktischen Direktwahltasten unterhalb des großen Touchscreens und mit den etwas tief angebrachten Drehschaltern für die Klimaanlage leicht. Sieht man einmal davon ab, dass der Motor bei der getesteten 100-PS-Version mit Schaltgetriebe und 48-V-Technik nur anspringt, wenn der Schalthebel in Leerlaufposition steht, kommt jeder auf Anhieb mit dem Bayon zurecht. Das Fahrwerk des Bayon ist in der Summe ausgewogen abgestimmt, es federt die Unzulänglichkeiten der Straßen ordentlich weg und reicht nur harte Kanten spürbar bis zu den Insassen durch.

360-Grad-Blick in den Innenraum des Bayon

Wer seine Augen im Innenraum schweifen lässt, blickt zwar auf viel hartes Plastik, selbst der Dachhimmel ist eine Billigversion ohne schönen Stoffüberzug. Doch das Gesamtpaket sieht zumindest nicht so billig aus, wie es wahrscheinlich zu produzieren ist. Und schließlich hat auch die Konkurrenz hier keine besseren Materialien zu bieten. Die Verarbeitung ist jedenfalls tadellos, nichts klappert oder scheppert auf schlechten Fahrbahnen.

Zur Fahrerinformation bietet der Bayon eine Reihe von in dieser Fahrzeugklasse innovativen Funktionen. Dazu gehört eine optionale, vernetzte Routen-Navigation, die dank Cloud-Umgebung genauere Verkehrsprognosen und Ankunftszeiten liefert. Eine sogenannte Last-Mile-Navigation ermöglicht es dem Fahrer, den Weg navigiert von seinem Smartphone bis zum Zielort fortzusetzen, nachdem er sein Auto geparkt hat.

Gute Smartphone-Anbindung

Die Fahr- und Infotainment-Funktionen sind über das digitale Cockpit mit 10,25-Zoll-Display und je nach Ausstattung über einen 8-Zoll-Farb-Touchscreen oder das 10,25-Zoll-Navigationssystem abruf- und bedienbar. Apple CarPlay und Android Auto garantieren die Integration aller gängigen Smartphones – in Kombination mit dem 8-Zoll-Farb-Touchscreen auch per Bluetooth. Zudem steht eine kabellose Ladefunktion für Smartphones zur Verfügung.

Beim Kofferraumvolumen überragt der Bayon mit nominell 411 Litern Fassungsvermögen den Kona sogar um 37 Liter, was aber nur dann der Fall ist, wenn man nicht die Versionen mit 48-Volt-Technik nimmt. Bei diesen macht sich die 48-Volt-Batterie im Unterboden so breit, dass nur noch 334 Liter übrig bleiben (umgeklappt 1128 zu 1205 Liter bei den anderen Versionen). Nach ADAC Messmethode bleiben bei den Prüflingen noch 275 bis 1145 Liter übrig, beim Kona kamen die Ingenieure auf 225 bis 1070 Liter. Sprich: Beim praktischen Nutzwert steht der Bayon dem Kona in nichts nach, im Gegenteil.

Hyundai Bayon: 5,8 und 6,3 Liter Testverbrauch

Hyundai Bayon: Fällt auf, fährt gut © Hyundai

Anders bei den Motoren. Denn der Kona wird mit Benzinmotoren, als Vollhybrid, Plug-in-Hybrid und als reine Elektroversion angeboten. Der Bayon dagegen setzt ausschließlich auf drei Benziner mit 84, 100 und 120 PS Leistung. Den 100-PS-Motor gibt es zudem gegen Aufpreis mit der inzwischen gängigen Mildhybrid-Technik, der 120-PS-Motor hat sie serienmäßig. Das heißt, dem Verbrennungsmotor wird ein 48-Volt-Generator als Unterstützung beim Anfahren zur Seite gestellt. Das soll Sprit sparen, vor allem im Stadtverkehr mit den vielen Anfahrbewegungen von Ampel zu Ampel.

Beim ADAC Test des 100-PS-Dreizylinders mit 48-Volt-Technik ließ sich der Bayon mit einem Ecotest-Verbrauch von 5,8 Litern Super bewegen. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 157 g/km. Das Aggregat punktet mit sehr geringen Schadstoffemissionen und kann vier Sterne sowie das Prädikat empfehlenswert im ADAC Ecotest einheimsen.

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Der Motor hat nicht zuletzt dank der 48-Volt-Unterstützung wenig Probleme mit dem Bummeln im hohen Gang und genügend Leistung für den Alltag. Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h absolviert der Koreaner in 6,8 Sekunden, von 80 auf 120 km/h in 9,1 Sekunden. Von 15 auf 30 km/h, beispielsweise nach dem Abbiegen, vergehen knapp über 2 Sekunden. Hyundai gibt den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h mit 10,7 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 183 km/h.

Der 120-PS-Motor des Bayon verbraucht mehr

Der Testkandidat mit 120 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schafft es mit 10,4 Sekunden nur einen Wimpernschlag schneller auf 100 Sachen als sein schwächerer, handgeschalteter Kollege. Und beim Sprint von 60 auf 100 km/h nimmt er ihm gerade mal 1,1 Sekunden ab. Die Spitze liegt bei 185 km/h, den Auftritt des stärksten Motors beschreiben die ADAC Ingenieure mit "recht dynamisch".

Die Getriebesteuerung wählt meistens zum passenden Zeitpunkt den richtigen Gang, über die drei Fahrmodi von Eco bis Sport kann man gut nachvollziehbar das angestrebte Drehzahlniveau beeinflussen. Und der Verbrauch: Im ADAC Ecotest kommt der Hyundai auf 6,3 Liter pro 100 Kilometer, seine geringen Schadstoffemissionen sichern ihm drei von fünf möglichen Ecotest-Sternen.

Dass es sich beim 1,0-Liter-Motor um einen Dreizylinder handelt, kann der Koreaner aber nicht ganz verhehlen, schließlich zeigen sich im Stand und beim Anfahren merkliche Vibrationen und beim Hochdrehen bleibt der sonor-schnarrende Dreizylinderklang nicht aus. Mit vier Zylindern kann nur der Basismotor dienen.

Preis: Der Bayon ist etwas günstiger als der Kona

Kein schlechtes Angebot: Der Hyundai Bayon © Hyundai

Doch den althergebrachten Saugmotor mit schlappen 84 PS kann man eigentlich nicht mehr empfehlen, selbst wenn sein Basispreis von 17.090 Euro recht verlockend klingt. Insofern ist der Bayon auf den ersten Blick günstiger als der Kona, der erst bei 20.390 Euro startet – aber auch nur mit stärkeren Motoren zu haben ist. Zieht man eine vergleichbare Version heran, zum Beispiel den 120-PS-Motor mit 48 Volt und derselben Ausstattungsstufe Trend, besteht noch ein Preisunterschied von gerade einmal 890 Euro zugunsten des Bayon.

So kann man den Bayon als Einstiegs-Mini-SUV für preisbewusste Käufer sehen, ohne dass diese Abstriche bei Platz und Komfort hinnehmen müssten. Da beide Kleinwagen-SUV ihre Sache gut machen, darf es aber auch gern eine Frage des Geschmacks sein.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Trend mit 100 PS
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Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Prime DTC mit 120 PS
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Hyundai Bayon: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Trend iMT (ab 06/21)

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Prime DCT (ab 06/21)

Motorart

Otto (Mild-Hybrid)
Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

998 ccm
998 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

74
88

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

100
120

Drehmoment (Systemleistung)

172 Nm
200 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.500 U/min
6.000 U/min

Antriebsart

Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

10,7 s
10,4 s

Höchstgeschwindigkeit

183 km/h
185 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

125 g/km
124 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,5 l/100 km
5,5 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

334 l
334 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.128 l
1.128 l

Leergewicht (EU)

1.120 kg
1.145 kg

Zuladung

540 kg
535 kg

Anhängelast ungebremst

450 kg
450 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.110 kg
1.110 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre
5 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.180 mm x 1.775 mm x 1.490 mm
4.180 mm x 1.775 mm x 1.500 mm

Grundpreis

23.060 Euro
28.730 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Trend

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Prime DCT

Überholvorgang 60 – 100 km/h

6,8 s

5,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,3 m

35,0 m

Wendekreis

11,1 m

11,1 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,8 l Super/100 km, 157 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

6,3 l Super/100 km, 163 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

***

Reichweite

690 km

635 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,7 dB(A)

68,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1200 / 460 kg

1235 / 445 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

275 / 690 / 1145 l

275 / 690 / 1145 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Trend iMT (ab 06/21)

Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48-Volt-Mildhybrid Prime DCT (ab 06/21)

Karosserie/Kofferraum

3,2
3,1

Innenraum

2,7
2,7

Komfort

3,2
3,1

Motor/Antrieb

2,8
2,3

Fahreigenschaften

2,7
2,5

Sicherheit

2,2
2,1

Umwelt/EcoTest

2,3
2,8

Gesamtnote

2,7
2,6
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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