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Der ADAC

Der neue Hyundai Tucson im Fahrbericht: Seine Stärken, seine Schwächen

Hyundai Tucson fahrend auf der Straße
Markante Optik: Testfahrt mit dem neuen Hyundai Tucson ∙ © Hyundai

Schick sieht er aus, der neue Hyundai Tucson, aber ist er auch gut? Der ADAC konnte die Dieselversion mit Elektro-Unterstützung fahren. Stärken und Schwächen, technische Daten, Preise.

  • Testfahrt im Hyundai Tucson 1.6 CRDi 48V

  • Viele interessante optische und technische Details

  • Spritspareffekte durch 48-Volt-Technik fraglich

Zurückhaltendes Design war gestern: Der neue Hyundai Tucson zeigt eindrucksvoll, dass auch die bislang eher bescheiden auftretenden Koreaner mutiger werden. Mit einer Länge von 4,50 Metern, einer Breite von 1,87 Metern, einer Höhe von 1,65 Metern und mit dem um zehn Millimeter auf 2,68 Meter gewachsenen Radstand ist der neue Tucson geräumiger als je zuvor, bleibt aber im Rahmen der kompakten SUV-Konkurrenz à la Toyota RAV4, Ford Kuga, VW Tiguan und Opel Grandland X.

Heckansicht des Hyundai Tucson fahrend auf einer Straße
Topmodell zur Markteinführung ist ein Vollhybrid mit 230 PS ∙ © Hyundai

Auffällig am Motorenprogramm ist, dass alle Triebwerke mit 1,6 Liter Hubraum auskommen müssen (Tabelle unten), vom Basisbenziner mit 110 kW/150 PS Leistung bis hin zum vorläufigen Topmodell, einem Vollhybrid mit 169 kW/230 PS. Zur ersten Testfahrt stand dem ADAC der Hyundai Tucson 1.6 CRDi 48V in Topausstattung "Prime" und mit Allradantrieb zur Verfügung.

Der Diesel ist als Mildhybrid ausgelegt, er wird also durch einen kleinen elektrischen Motor mit 48-Volt-Spannung unterstützt. Zum Vergleich: "Echte" Elektroautos operieren mit Spannungslagen von 400 Volt und haben viel größere und leistungsstärkere Maschinen. Ziel dieser Elektro-Hilfe: Weniger Spritverbrauch.

Hyundai Tucson: Design mit Ecken und Kanten

Wer sich dem Tucson nähert, reibt sich verwundert die Augen. Statt glatter Flächen und Rundungen tauchen scharfe Kanten und kühne Linien überall an der Karosserie auf: am Frontgrill, am Heck, an der Flanke. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.

Das Designthema scheint immer wichtiger genommen zu werden in der Autoindustrie. Beispiel Tagfahrlicht: Bei ausgeschalteter Zündung integrieren sie sich quasi unsichtbar in den Kühlergrill. Eingeschaltet werden die versteckten Leuchten in ungewöhnlicher Anordnung sichtbar und geben dadurch dem kompakten SUV ein völlig neues Gesicht.

Weitere optische Besonderheiten sind ein im Heckspoiler integrierter Scheibenwischer sowie das Firmenlogo, das im Glas der Heckscheibe eingelassen ist – ein weltweit absolutes Novum. Nur die schicke Zweifarblackierung gehört heute quasi schon bei allen Herstellern zum Standardrepertoire.

48-Volt-Diesel mit Allrad und Automatik

Motor eines Hyundai Tucson
Unauffällig: 1,6-Liter-Dieselmotor mit 136 PS ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Ein Druck auf den Startknopf, und der Diesel mit 48-Volt-System erwacht klassisch, also leise grummelnd, zum Leben. Statt über einen Wahlhebel werden die Automatik-Fahrstufen beim Tucson über Tasten angewählt. Das ist nicht nur einfacher zu handhaben als die Rastung eines Wahlhebels, sondern auch verwechslungssicherer. Und man fragt sich, warum so viele andere Hersteller noch nicht auf die Tastenlösung umgestellt haben.

Anstelle einer Wandlerautomatik kommt beim Tucson ein automatisches 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zum Einsatz. Um Kraftstoff zu sparen, ist es auch im Tucson in der Grundeinstellung so programmiert, dass schon bei möglichst niedriger Drehzahl der jeweils nächsthöhere Gang eingelegt wird. Das ist okay, denn dem Diesel fehlt es mit 280 Nm Drehmoment bei 1500 Umdrehungen nicht wirklich an Durchzugskraft.

Wer unterwegs auf mehr Zug und Druck sowie auf spontaneres Ansprechverhalten Wert legt, der kann die Drive-Mode-Funktion nutzen. Und siehe da: Der Diesel gibt im Sport-Modus alles, was er hat. Die Kraftentfaltung bzw. die Leistungswerte reichen im öffentlichen Straßenverkehr vollkommen aus – auch wenn 11,4 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h eher nach einer müden Veranstaltung klingen.

Das adaptive Fahrwerk des Testwagens bleibt in allen Einstellungen recht ausgewogen und federt für einen Kompakt-SUV angemessen. Die Lenkung dürfte für manchen Geschmack allerdings zu leichtgängig sein, insbesondere bei mittleren und hohen Geschwindigkeiten.  Der optionale Allradantrieb erfreut Besitzer, die einen Pferdeanhänger ziehen möchten und sorgt für außerordentliche Traktionssicherheit bei feuchter Fahrbahn, Eis und Schnee.

Verbrauch laut Bordcomputer: 7,3 Liter

Cockpit eines Hyundai Tucson
Cockpit: hübsch aufgeräumt, aber nicht frei von Bedienungsmängeln ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Viel wichtiger als die Fahrleistungen sind heutzutage die Abgas- und Verbrauchswerte. Natürlich schaltet auch im Tucson die obligatorische Start-Stopp-Automatik den Motor im Stand aus. Praktisch beim Tucson ist, dass er seinem Fahrer einen Hinweis gibt, sobald der Vorauswagen an der Kreuzung losrollt. Da kann man schon mal den Fuß Richtung Gaspedal bewegen, damit der Motor seine Arbeit wieder aufnimmt, und es nicht zu unnötigen Verzögerungen im Verkehrsfluss kommt. Wir kennen das alle: Die Ampel ist grün, aber irgendwie schaffen es nur drei Fahrzeuge über die Kreuzung, und es ist schon wieder rot.

Obwohl der Antrieb dank der Elektrounterstützung durch das 48-Volt-System immer wieder in den sogenannten Segelmodus übergeht, wo der Diesel weggeschaltet wird, liegt der Verbrauchswert bei der ersten Testrunde weit über dem Prospektwert des Herstellers. Statt 5,6 Liter Diesel pro 100 Kilometer zeigte der Bordcomputer auf der Probefahrt einen Verbrauch von 7,3 Litern an.

Einen wirklich repräsentativen Wert können die ADAC Testingenieure allerdings erst ermitteln, wenn der Wagen länger als bei unserer ersten Probefahrt zur Verfügung steht und er den standardisierten ADAC Autotest durchläuft. Ob die 48-Volt-Unterstützung nicht nur im gesetzlichen WLTP-Zyklus, sondern auch im Alltag einen Spritspareffekt zeigt, bleibt bis dahin eine offene Frage.

Viel Platz auf der Rückbank und im Kofferraum

Kofferraum eines Hyundai Tucson
Der Kofferraum soll 546 bis 1725 Liter fassen ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Einen sehr überzeugenden Eindruck macht der neue Hyundai Tucson im Innenraum. Die verwendeten Materialien wirken solide bis hochwertig, alles sieht schön und aufgeräumt aus. Auch das Platzangebot ist prima. Insbesondere im Fond sitzen Passagiere mit wohltuend viel Bein- und genügend Kopffreiheit. Der Kofferraum ist okay, zumal ins Unterbodenfach noch Kleinkram passt, der lose im Kofferabteil abgelegt nur herumkullern würde. Das Kofferraum-Volumen beträgt nach Herstellerangabe 546 bis 1725 Liter.

Nicht in allen Belangen überzeugt aber die Bedienbarkeit des Hyundai Tucson. Konkret war im Testwagen das Top-Infotainment-System mit 10,25 Zoll großem Display und Soundsystem mit acht hochwertigen Lautsprechern verbaut. Zum einen ist aufgrund des flachen Displayformats nicht immer ein passender Kartenausschnitt zu finden. Zum anderen macht Hyundai beim völlig überflüssigen Krieg der Knöpfe mit. Zwar gibt es im Tucson eine separate Klimabedieneinheit, aber hier muss trotzdem mühsam auf einem Display herumgetoucht werden, um eine Einstellung zu ändern. Diese neue Mode der Autoindustrie kann ganz schön nerven.

Das Kamerabild im Fahrerdisplay ist spitze

Hyundai Tucson Display
Biegt man ab, erscheint im Fahrerdisplay ein rückwärtiges Kamerabild ∙ © Hyundai

Zum Schluss aber noch ein dickes Lob: Beim Abbiegen wechselt das Fahrerdisplay auf ein Kamerabild, das den Bereich seitlich hinter dem Auto zeigt. Die 500 Euro Aufpreis, die das System extra kostet, sind gut angelegtes Geld. Denn man bekommt dafür ein tolles Sicherheitsfeature, durch das sich die Gefahr, etwas im toten Winkel zu übersehen, auf ein Minimum reduziert. Am effektivsten dürfte es beim Rechtsabbiegen sein, besonders in großen Städten mit viel Verkehr und vielen Radfahrern.

Toll ist auch, dass die dann verdeckte Tacho-Information ins Kamerabild eingeblendet wird. Links betrifft das die Geschwindigkeit, rechts die Drehzahl. Das ist zwar sicherheitstechnisch wenig von Belang, zeigt aber die Liebe zum Detail, mit der Hyundai den Tucson entwickelt hat.

Motoren Hyundai Tucson: Benziner, Diesel und Hybrid

Hyundai Tucson1.6 T-GDI 1.6 T-GDI 48V 150 PS1.6 T-GDI 48V 180 PS1.6 T-GDI Hybrid1.6 CRDi 1.6 CRDi 48V

Motor/Antrieb

4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³, 110 kW/150 PS, 250 Nm bei 1500 U/min, Frontantrieb

4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³, 110 kW/150 PS, 250 Nm bei 1500 U/min, Frontantrieb

4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³, 132 kW/180 PS, 265 Nm bei 1500 U/min, Frontantrieb

4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³, 169 kW/230 PS, 350 Nm System, Frontantrieb

4-Zylinder-Turbodiesel, 1598 cm³, 85 kW/116 PS, 280 Nm bei 1500 U/min, Frontantrieb

4-Zylinder-Turbodiesel, 1598 cm³, 100 kW/136 PS, 280 Nm bei 1500 U/min, Frontantrieb

Getriebe

6-Gang MT

6-Gang iMT*

6-Gang iMT*

6-Stufen-AT

6-Gang MT

7-Gang-DTC

Fahrleistungen

10,3 s auf 100 km/h, 189 km/h Spitze

10,3 s auf 100 km/h, 189 km/h Spitze

9,4 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze

8,0 s auf 100 km/h, 193 km/h Spitze

12,1 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze

11,4 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

7,0 l Super/100 km, 159 g CO₂/km

6,8 l Super/100 km, 154 g CO₂/km

6,7 l Super/100 km, 152 g CO₂/km

5,9 l Super/100 km, 135 g CO₂/km

5,6 l Diesel/100 km, 146 g CO₂/km

5,6 l Diesel/100 km, 146 g CO₂/km

Preis

ab 26.800 €

ab 30.500 €

ab 31.400 €

ab 35.400 €

ab 31.600 €

ab 34.900 €

* iMT = manuelles Schaltgetriebe mit intelligentem Segelmodus

* iMT = manuelles Schaltgetriebe mit intelligentem Segelmodus

Erweiterung der Motorenpalette: Plug-in-Hybrid folgt

Die Plug-in-Hybridvariante mit 1,6-Liter-T-GDI-Motor und 265 PS Systemleistung debütiert erst im Frühjahr 2021. Genaue Infos zur elektrischen Reichweite sind noch nicht verfügbar. Auch Preise und Verbrauchswerte für den PHEV nennt Hyundai noch nicht.

SUV: Schon gefahren und bewertet

Der ADAC hat noch viele weitere SUVs und Geländewagen unter die Lupe genommen: