Aktuelle Elektroautos im Test: So hoch ist der Stromverbrauch

8.8.2019

Bei Elektroautos gibt es große Unterschiede bei Verbrauch und Reichweite, das hat der realitätsnahe ADAC Ecotest ergeben. Aktuelle e-Autos im Vergleich – vom günstigen Renault Zoe bis zum teuren Tesla Model X. Mit erstaunlichen Ergebnissen

Opel Ampera E auf dem Prüfstand
ADAC Ecotest: Der Opel Ampera-e auf dem Prüfstand
  • Reichweite: Eine große Batterie ist nicht alles
  • Der Hyundai Ioniq Elektro fährt am sparsamsten
  • 451 Kilometer: Das Tesla Model X 100D kommt am weitesten

 

Was ein Benziner oder Diesel in etwa verbraucht, wissen die meisten Autofahrern aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen. Doch wie sieht es bei einem Elektroauto aus? Hier fehlt vielen noch jegliches Gefühl dafür, wie viel Strom ein Elektroauto "frisst". Doch das ist entscheidend bei der Frage, ob ein Stromer wirtschaftlich betrieben werden kann oder ob er am Ende teurer kommt als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel.

Die Reichweite hängt ebenfalls vom Stromverbrauch ab. Was hilft eine dicke Batterie, wenn sie sich im Nu leersaugt und viel länger aufgeladen werden muss als ein kleinerer Akku in einem sparsamen Auto?

Wir haben elf Elektroautos verschiedener Größen und Preisklassen getestet und dabei speziell auf Reichweite und Verbrauch geachtet. Gemessen wurde im realitätsnahen ADAC Ecotest, dem sich alle Fahrzeuge mit allen Antriebsarten gleichermaßen unterziehen müssen. Einen Bonus für Elektroautos gibt es also nicht.

Verbrauch: Der Hyundai Ioniq Elektro ist besonders sparsam

Modell
Verbrauch im ADAC Ecotest in kWh/100 km
Verbrauch Herstellerangabe NEFZ/WLTP in kWh/100 km
Hyundai Ioniq Elektro Style
14,7  11,5/k.A.
VW e-Golf
17,3  13,2/15,8 
VW e-up!  17,7  11,7/14,3 
BMW i3 (120 Ah)  17,9  13,1/15,3 
Kia e-Niro Spirit (64 kWh)  18,1  k.A./15,9 
Smart Fortwo Coupé EQ Prime
18,3  13,9/16,6
Hyundai Kona Elektro (64 kWh) Trend
19,5
14,3/15,0
Opel Ampera-e First Edition
19,7
14,5/k.A.
Renault Zoe Intens (41 kWh)
20,3
13,3/k.A.
Tesla Model 3 Long Range AWD  20,9  k.A./16,0 
Nissan Leaf II Acenta (40 kWh)
22,1
15,2/20,6
Tesla Model X 100D
24,0
20,8/k.A.
Jaguar i-Pace EV400 S AWD 27,6  k.A./22,0 
Nissan e-NV200 Evalia (40 kWh)
28,1
k.A./25,9

 

Dass größere und schwerere Fahrzeuge tendenziell einen höheren Stromverbrauch haben, liegt auf der Hand. Doch wie groß die Unterschiede tatsächlich sind, überrascht. So kommt das sparsamste Auto im Vergleich, der Kompaktwagen Hyundai Ioniq Elektro, auf einen Ecotest-Verbrauch von 14,7 kWh für 100 Kilometer. Der Elektro-Transporter von Nissan, der e-NV 200 Evalia, nimmt sich mit 28,1 kWh fast doppelt so viel.

Tesla Model X und Jaguar i-Pace zeigen sich ebenfalls wenig sparsam und konsumieren knapp 10 kWh bzw. 13 kWh/100 km mehr als der Hyundai.

Wichtig: Beim Stromverbrauch ist nicht nur entscheidend, wie effizient der Elektromotor mit der Energie umgeht. Denn beim "Tanken" fallen auch Ladeverluste an, das heißt man verbraucht mehr Energie als letztlich in der Batterie ankommt. Bei einem Benziner wäre das etwa so, als würde man beim Tanken ein paar Liter verschütten. Bezahlen muss man sie dennoch. Deshalb rechnen wir die Ladeverluste mit ein.

Und die fallen zum Teil erheblich aus, wie die unten stehende Tabelle zeigt. Um die 100-kWh-Batterie des Tesla Model X100 D vollzumachen, müssen laut ADAC Ecotest 108,3 kWh geladen werden. Auch bei Opel Ampera-e (67,4 zu 60 kWh) und Jaguar i-Pace (100,8 zu 90 kWh) sieht es nicht besser aus.


Reichweite: Keiner kommt weiter als Tesla

Modell  Batteriekapazität in kWh (Herstellerangabe)
Benötigter Strom pro Vollladung in kWh (ADAC Ecotest)
Reichweite nach ADAC Ecotest in km
Tesla Model X 100D  100,0  108,3
451
Tesla Model 3 Longe Range AWD 75,0  89,5 429 
Kia e-Niro (64 kWh) Spirit  64,0  72,3 398
Hyundai Kona Elektro (64 kWh) Trend
64,0
73,9
379 
Jaguar i-Pace EV400 S AWD  90,0  100,8  366 
Opel Ampera-e First Edition  60,0 67,4
342
BMW i3 (120 Ah)  37,9  48,8  272 
Renault Zoe Intens  41,0 49,5
243
Hyundai Ioniq Elektro Style
28,0
30,9
211
Nissan Leaf II Acenta (40 kWh)
40,0
44,5
201
VW e-Golf
35,8*
34,9
201
Nissan e-NV 200 Evalia
40,0
46,9
167
Smart Fortwo Coupé EQ Prime
17,6 20,5
112
VW e-up!  18,7  20,9  106 

* Vermutlich gibt VW die Brutto-Batteriekapazität an. Auch auf Rückfrage liefert VW hierzu keine weiteren Informationen

Aktuell wird eine hohe Reichweite nicht unbedingt mit einem energieeffizienten Fahrzeug, sondern vor allem durch große Batteriekapazitäten erreicht. Deshalb belegen die Tesla-Modelle und der Jaguar i-Pace die vorderen Plätze. Ausnahme: Kia e-Niro und Hyundai Kona kommen mit ihren relativ sparsamen Motoren und ihren nicht allzu üppigen Batteriekapazitäten (64 kWh) erstaunlich weit. Aber selbst ein kleiner Renault Zoe hat mit seiner 41-kWh-Batterie schon einen ganz ordentlichen Radius.

Durch seinen relativ kleinen Akku verspielt der Hyundai Ioniq leider seinen Verbrauchsvorteil und schafft es nur ins Mittelfeld der getesteten Fahrzeuge. So verschenkt der Koreaner sein Reichweiten-Potenzial, das er mit einer größeren Akkukapazität erreichen könnte. Aber: Eine Version mit größerer Batterie kommt bald in den Handel.


Kosten: Der Stromverbrauch ist nicht alles

Basismodell Reichweite nach ADAC Ecotest in km
Preis in €
Preis je km Reichweite in €
Kia e-Niro (64 kWh)  398  ab 38.090  96 
Hyundai Kona Elektro (64 kWh)
379  ab 39.000
103
Tesla Model 3 Long Range  429  ab 53.390  124 
Opel Ampera-e
342  ab 42.990
126
Renault Zoe (41 kWh)  243  ab 34.100
140
BMW i3  272  ab 38.000  140 
Hyundai Ioniq Elektro  211  ab 33.300
158
VW e-Golf 
201
ab 35.900
179
Nissan Leaf II  201   ab 36.800  183 
Smart Fortwo Coupé EQ
112
ab 21.940
196
Tesla Model X 100D  451  ab 91.700   203 
Jaguar i-Pace  366  ab 78.240  214 
VW e-Up!  106  ab 22.975  217 
Nissan e-NV 200 Evalia  167
ab 41.053
246
 

Schaut man sich den reinen Kaufpreis an und geht der simplen Frage nach "Wie viel Reichweite bekomme ich für mein Geld", ergibt sich eine neue Reihung. In puncto Preis-Reichweiten-Verhältnis ist der elektrische Kia Niro unschlagbar günstig und kommt auf 96 Euro pro Kilometer Reichweite.

Dass kleine Autos bei dieser Art Preis-Leistungsverhältnis nicht immer gut abschneiden müssen, beweist der VW e-Up!. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel und kann weder bei Preis noch Reichweite mithalten. Zeit für ein Update.


Auf die Gesamtkosten kommt es an

Dass die Anschaffungskosten längst nicht alles sind, gilt auch für Elektroautos. Kaufpreis, Wartung, Reparaturkosten, Versicherung und Wertverlust müssen in die Gesamtbilanz einbezogen werden. Zwar fallen die Kosten für Kundendienst und Wartung bei einem Elektroauto geringer aus als bei einem Benziner oder Diesel. Doch die immer noch hohen Anschaffungspreise und der damit verbundene Wertverlust machen sich bemerkbar. Der ADAC hält daher umfangreiche Kostenaufstellungen zur Rentabilität bereit.

Fazit: Bei der Bewertung des Umweltverhaltens von Pkw im Ecotest-Messverfahren zeigt sich, dass Elektrofahrzeuge beim Fahren größtenteils gut oder sehr gut abschneiden. Alle Elektrofahrzeuge im Ecotest erreichen vier oder fünf Sterne. Die gesamte CO2-Bilanz sieht allerdings nicht immer so rosig aus.

Unser Vergleich zeigt außerdem, dass es bei Reichweite, Verbrauch und Kosten große Unterschiede gibt. Umso mehr gilt es herauszufinden, wo die persönlichen Präferenzen liegen und zu welchem Zweck man das Auto braucht.

Foto: ADAC/Uwe Rattay