Test Ora Funky Cat: Funkt es bei dem E-Mini aus China?

Aufnahme der Front des Ora Funky Cat
Niedlich schaut er ja aus, der Elektro-Mini aus China namens Ora Funky Cat. Aber taugt er auch was?© ADAC/Rudschies

Ein Elektro-Kleinwagen aus China sorgt für Aufsehen. Wegen seines schräg klingenden Namens und seiner außergewöhnlich Optik, aber auch weil er beim ADAC Test einen Sicherheitsmangel offenbarte. Den hat der Hersteller rasch behoben. Alles über den Ora Funky Cat, der inzwischen GWM Ora 03 heißt.

  • Kleinwagen mit 126 kW/176 PS

  • Zwei Akkugrößen für 310 oder 420 Kilometer Reichweite

  • Viele technische Finessen und wertige Materialien

  • Funkenflug und Schmorgeruch: ADAC deckte Sicherheitsmangel auf

Die Chinesen kommen nach Deutschland und Europa – und setzen mit geballter Macht alles aufs Elektroauto. Neben Aiways, BYD, MG, Nio und weiteren heißt einer dieser Automobilhersteller Great Wall Motors (GWM). GWM hat bereits einen Plug-in-Hybrid in Deutschland am Start, den Wey Coffee 01. Ein großes SUV mit einer vergleichsweise hohen elektrischen Reichweite. Nun ist das erste vollelektrische Auto unter dem Markennamen Ora auf dem deutschen Markt: der Funky Cat.

Die "verrückte Katze" gibt's nicht mehr

Great Wall Motors hat in Europa die Strategien seiner Marken Ora und Wey geändert. Damit wurden auch die Modellbezeichnungen überabeitet: Der Ora Funky Cat heißt jetzt GWM Ora 03. Der nächste Ora wird dann – weil größer – GWM Ora 07 heißen.

Ora Funky Cat: Der ungewöhnliche Begleiter

Wie der Name klingt, so sieht das Auto auch aus: ein Kleinwagen von nur 4,24 Metern Länge mit fröhlicher Zweifarben-Lackierung, Kulleraugen-Front und rundlichem Heck. Die optische Wirkung ist tatsächlich ganz schön funky. Und das mit der Katze im Namen hat einen tieferen Sinn: Die Katze steht in China symbolhaft für einen Begleiter. "Funky Cat" ist also ein ungewöhnlicher Begleiter. Beim ersten ADAC Test offenbarte der Kleinwagen aber beim Laden einen Sicherheitsmangel. Den hat Ora zügig abgestellt (siehe Hinweiskasten).

Ora: Sicherheitsmangel nach ADAC Test gelöst

Funkenflug und Schmorgeruch: Beim Test des Ora Funky Cat deckte der ADAC einen Sicherheitsmangel auf. Der Ladestecker konnte "unter Last", also bei noch fließendem Strom, abgezogen werden. Nach Ansicht des ADAC war das beschriebene Verhalten nicht zulässig und stellte ein Sicherheitsrisiko dar. Der ADAC hatte den Importeur/Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert und aufgefordert, das Problem zu lösen.

Die gute Nachricht: Great Wall Motors (GWM), der Konzern hinter Ora, hat umgehend reagiert und das Problem mit einem Software-Update gelöst. Mit dem Entriegeln des Ladesteckers wird der Ladevorgang gestoppt und es fließt nun kein hoher Strom mehr. Der Stecker kann gefahrlos abgezogen werden. Davon hat sich der ADAC überzeugen können und den Ora Funky Cat nach dem Update noch einmal auf sein Ladeverhalten hin überprüft.

Laut GWM werden ab sofort alle Ora-Händler europaweit das Software-Update auf alle Lagerfahrzeuge aufspielen und Kundinnen und Kunden mit bereits ausgelieferten Fahrzeugen in die Werkstatt bitten. Ora will außerdem das Kraftfahrtbundesamt (KBA) über die Maßnahmen informieren.

Der ADAC rät Nutzerinnen und Nutzern, bis zum Software-Update in der Werkstatt Folgendes zu beachten: Der Ladevorgang muss beendet sein, bevor der Ladestecker gezogen wird. Einige Ladesäulen/Wallboxen bieten auch die Möglichkeit, den Ladevorgang z.B. über eine App zu beenden. Ist das nicht möglich, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher den Ladestecker möglichst langsam herausziehen.

Bildergalerie: Der Ora Funky Cat im Detail

Der Antrieb bereitet viel Fahrspaß

Im positiven Sinne ungewöhnlich ist das Fahrverhalten des Ora Funky Cat. Der Elektro-Mini flitzt mit seinen 126 kW/171 PS los, als gäbe es kein Morgen. Der dynamische Eindruck resultiert zum einen daraus, dass der Antrieb es mit einem relativ geringen Fahrzeuggewicht zu tun hat. Der Wagen wiegt lediglich 1615 Kilogramm. Das ist nicht viel angesichts des 63 kWh großen Batteriepakets im Unterboden. Und so haben die 250 Nm Drehmoment leichtes Spiel, den E-Kleinwagen putzmunter anzutreiben.

Das Anfahren von 15 bis 30 km/h gelingt in knapp unter einer Sekunde und lässt den Ora damit vor allem im Stadtverkehr beim Einfädeln und Abbiegen spritzig wirken. Auch Überholmanöver im Bereich von 60 bis 100 km/h geschehen mit 4,3 Sekunden zügig, von 80 auf 120 km/h geht es in 6,2 Sekunden. Und auch die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,2 Sekunden ist ein sehr guter Wert. Die Spitze wird auf ökonomisch sinnvolle 160 km/h begrenzt. In Summe wirkt der Ora flink und bereitet viel Fahrspaß.

Zum anderen überzeugt der Ora auch hinsichtlich der Querdynamik. Dank der feinfühlig agierenden elektronischen Regelsysteme meistert er Kurven aller Art mit Bravour – da kommt "Gokart-Feeling" auf. Dazu passen das direkte Ansprechverhalten der Lenkung und die sehr ordentlich arbeitenden Bremsen. Die Fahrstabilität des Ora ist unkritisch und kalkulierbar.

Sicher beim ADAC Ausweichtest

Aufnahme der Seite des Ora Funky Cat
Freude am Fahren: Der Ora Funky Cat fährt sich ähnlich sportlich wie der Elektro-Mini© ADAC/Rudschies

Beim ADAC Ausweichtest profitiert der Stromer von seinen kompakten Maßen und seinem direkten Einlenkverhalten. Letzteres bringt die Karosserie allerdings schnell ins Wanken, was die Fahrpräzision etwas senkt. Die Lastwechselreaktionen beim Ausweichversuch halten sich in Grenzen, zudem bleibt der Funky Cat dank seiner untersteuernden Auslegung berechenbar. Das ESP stabilisiert den Ora zuverlässig, wenngleich es im Test deutliche Eingriffe vornehmen musste.

Die Lenkung macht einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits lässt sie den Ora wegen ihrer direkten Auslegung handlich und agil wirken, doch es fehlt ihr an Rückmeldung, die für eine Verbindung von Fahrer und Straße nötig wäre. Ist die "Notlenkfunktion" aktiviert versucht der Ora oft allzu eifrig, vermeintliche Spurabweichungen des Fahrers oder der Fahrerin zu korrigieren. Bei Straßen ohne Mittelmarkierung wird man zum Beispiel gern in die Fahrbahnmitte "geschubst" – das kann nicht Sinn der Sache sein.

63-kWh-Batterie: 340 km Reichweite im Test

An Aktionsradius sollen laut Hersteller mit dem 63-kWh-Akku der Topversion bis zu 420 Kilometer drin sein. Alternativ gibt es noch eine Variante mit einem 48-kWh-Akku, mit dem der Funky Cat bis zu 310 Kilometer weit kommen soll, ohne nachzuladen. Beides sind auf dem Papier ganz ordentliche Reichweiten für einen Kleinwagen.

Im ADAC Test kam die 63-kWh-Batterie bei einem Verbrauch (mit Ladeverlusten) von nur durchschnittlichen 20,0 kWh auf 100 Kilometer auf eine Reichweite von 340 Kilometern. Ein ordentlicher, wenn auch kein herausragender Wert, und immerhin besser als die gemessenen 280 Kilometer des Opel Corsa-e mit 50-kWh-Batterie. Unter dem Strich bekommt der Ora aber die vollen fünf Sterne im ADAC Ecotest.

Nicht so gut ist es um die Ladezeiten des Ora bestellt. An Wechselstrom (AC) lädt er bestenfalls mit 11, an Gleichstrom-Schnellladern mit maximal 64 kW. Das ist für ein neu konstruiertes Elektroauto enttäuschend. Zugute halten muss man dem Funky Cat aber, dass die Ladekurve lange oben bleibt: Die Ladung von 10 auf 80 Prozent dauerte im ADAC Test bei einer gemessenen mittleren Ladeleistung von 57,8 kW 48 Minuten an einer Schnellladesäule.

Die Überwachungs-Sensorik nervt

Die Überwachungskamera im Ora Funky Cat Elektro-Auto
Kameras, die den Fahrer überwachen, haben alle Autos. Aber keine ist so groß wie die im Ora© ADAC/Wolfgang Rudschies

Irritierend wirkt, dass die Bordsysteme des Funky Cat dem Fahrer bzw. der Fahrerin permanent gut gemeinte Hinweise kundgeben möchten. Zum Beispiel, dass die soeben absolvierte Strecke auch mit weniger Energie zurückzulegen wäre, wenn man es richtig anstellte. Oder dass der bzw. die Verantwortliche am Lenkrad doch bitte nicht geistesabwesend, sondern aufs Fahren konzentriert sein möge.

Verantwortlich für die Aufmerksamkeits-Gängelei ist die Fahrerüberwachung, deren Kamera die jeweilige Blickrichtung der Person hinter dem Steuer erkennt. Um ermahnt zu werden, genügt es, den Blick, statt geradeaus auf die Straße, für wenige Sekunden aus dem Seitenfenster oder auf den Touchmonitor in der Mitte des Armaturenbretts zu richten. Die häufigen Ermahnungen und Hinweise, es besser zu machen, nerven den Fahrenden nach kurzer Zeit ungemein – und lenken ab. Das frustriert und führt dazu, dass man die "Helferlein" lieber abschaltet.

Gleiches gilt für den Sprachassistenten, der weit davon entfernt ist, Kommandos in freier Sprache zu verstehen. Selbst so einfache Dinge wie Adresseingaben werden mitunter nicht einwandfrei identifiziert. Hinzu kommen Schwächen der Bedienungsergonomie.

Die Bedienungsprobleme liegen nicht nur in irgendwelchen Untermenüs begründet. Auch sichtbare Funktionseinheiten garantieren nicht unbedingt Freude an der Bedienung. So erfordern die zu kleinen Schriften und Bedienfelder des zentralen Touchscreens höchste Konzentration während der Fahrt. Das alles sollte nicht sein und erfordert Nachbesserung durch den Hersteller. Eine praxistaugliche Laderoutenplanung, die Ladepunkte intelligent entlang der Fahrtroute verteilt, gibt es nicht.

Positiv zu werten sind die vielen liebevollen Details des Ora Funky Cat. Seien es die nett ausschauenden Rundscheinwerfer, die verchromten Kippschalter an der Mittelkonsole, der schicke Automatikwahlhebel oder der smarte Fahrzeugschlüssel. Da geht einem das Herz auf.

360-Grad-Blick: Innenraum des Funky Cat

Außen klein, innen groß?

Mit seinen 4,24 Metern Länge, seiner leichtgängigen Lenkung und seinem kleinen Wendekreis ist der Funky Cat prädestiniert für den Stadtverkehr. Wie aber sieht es mit den Platzverhältnissen innen aus?

Die Rücksitzbank aus blauem Kunstleder mit Becherhalter im neuen Ora Funky Cat Elektro-Auto
Der Innenraum ist hochwertig eingerichtet, auch auf der geräumigen Rückbank© Ora/Jan Greune

Vorn Sitzende genießen ein mehr als ordentliches Innenraumgefühl. Unterstützt wird der Eindruck durch das viele Licht des Panoramadachs sowie den hellen Stoffhimmel. Die Sitzeinstellung vorn passt für alle denkbaren Körpergrößen, nur die Innenbreite wirkt etwas einengend. Dafür kommen auf der Rückbank selbst Menschen mit langen Beinen erstaunlich gut zurecht. Personen mit langem Oberkörper drohen dagegen mit dem Kopf am Dach anzustoßen, wenn sie hinten sitzen. Hier ist bei 1,85 Meter Körpergröße Schluss.

Der Kofferraum gehört zweifellos nicht zu den Stärken des Ora Funky Cat. 228 Liter Volumen laut Werk und magere 215 Liter nach ADAC Messung sind auch für einen Kleinwagen nicht rühmlich. Etwaiges Transportgut muss über eine hohe und breite Ladekante gehievt werden. Die hohe Stufe bei umgeklappten Rücksitzlehnen erschwert außerdem das Beladen. Einzig positiv hervorzuheben ist, dass die Rücklehnen zweigeteilt umlegbar und auch vom Kofferraum hinten stehend aus umgelegt werden können.

Fazit: Ein paar Schwachstellen zu viel

Aufnahme des parkenden Ora Funky Cat
Viel Licht, aber auch viel Schatten: Ora Funky Cat© ADAC/Rudschies

Dass der Ora Funky Cat ähnlich agil wie ein Mini fährt, kommt nicht von ungefähr. Die Neuauflage des elektrischen Mini von BMW ist gemeinsam mit dem Funky Cat entwickelt worden. Der vollelektrische BMW-Mini wird Ende des Jahres 2023 in der Fabrik der Chinesen gemeinsam mit dem Funky Cat vom Band laufen. Ob sich Ora auch beim hohen Preis an Mini orientiert hat? Das Testfahrzeug kam samt Sonderausstattung auf 48.480 Euro.

Das ist heftig für einen Kleinwagen, der noch dazu nicht perfekt ist. Für diesen Preis hat der Ora Funky Cat ein paar Schwachstellen zu viel, auch wenn er insgesamt mit einer Note von 2,2 im ADAC Autotest gut abschneidet. Grund sind die guten Noten bei Umwelt und Sicherheit – beide Kapitel werden im ADAC Test doppelt gewertet.

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Der Ora Funky Cat im EuroNCAP Crashtest

Hier sehen Sie das Crashtest-Video zum Ora Funky Cat ∙ Bild: © Euro NCAP, Video: © ADAC e.V.

Technische Daten und Preise: Ora Funky Cat

Technische Daten (Herstellerangaben)

ORA Funky Cat (48 kWh) 300 (01/23 - 12/23)

ORA Funky Cat (63 kWh) 400 Pro (01/23 - 12/23)

ORA Funky Cat (63 kWh) 400 Pro + (01/23 - 12/23)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

126
126
126

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

171
171
171

Drehmoment (Systemleistung)

250 Nm
250 Nm
250 Nm

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,3 s
8,2 s
8,2 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h
160 km/h
160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

310 km
420 km
420 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,7 kWh/100 km
16,5 kWh/100 km
16,5 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

47,8
63,1
63,1

Batteriekapazität (Netto) in kWh

45,4
59,3
59,3

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:64,0
AC:11,0 DC:67,0
AC:11,0 DC:67,0

Kofferraumvolumen normal

228 l
228 l
228 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

858 l
858 l
858 l

Leergewicht (EU)

1.615 kg
1.615 kg
1.615 kg

Zuladung

355 kg
355 kg
355 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre
5 Jahre
5 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.235 mm x 1.825 mm x 1.603 mm
4.235 mm x 1.825 mm x 1.603 mm
4.235 mm x 1.825 mm x 1.603 mm

Grundpreis

38.990 Euro
44.490 Euro
47.490 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Ora Funky Cat (63 kWh) 400 Pro+

Überholvorgang 60 – 100 km/h

4,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,3 m

Wendekreis

11,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

20,0 kWh/100 km, 100 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

340 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,5 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1590 / 380 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

215 / 595 / 990 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Ora Funky Cat (63 kWh) 400 Pro+

Karosserie/Kofferraum

3,2

Innenraum

2,9

Komfort

2,9

Motor/Antrieb

1,3

Fahreigenschaften

3,0

Sicherheit

1,8

Umwelt/Ecotest

1,5

Gesamtnote

2,2

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

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