Kostenvergleich Elektro, Benzin oder Diesel: Lohnt es sich umzusteigen?

Frau informiert sich am Computer über Fahrzeugdaten zum Autokauf
Verbrenner oder Elektro? Wichtig sind die Kilometerkosten ∙ © Shutterstock/Rawpixel.com

Dank Kaufprämie für Elektroautos sind viele Elektroautos deutlich günstiger als Verbrenner. Das hat der aktuelle ADAC Kostenvergleich von reinen Batterie-Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden und Verbrennern ergeben. Entscheidend sind die Kilometerkosten.

  • Viele Elektrofahrzeuge fahren heute schon günstiger als Verbrenner

  • Aktuelle Kaufprämien machen E-Autos erschwinglich

  • Reale Energiekosten sind Grundlage der Berechnung

Diesel oder Benziner? Diese ideologische Frage teilte jahrelang die Stammtische in zwei Lager. Doch inzwischen ist alles etwas komplizierter, denn jetzt reden auch noch die Fans der Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride mit: Lokal emissionsfrei, leise, toller Abzug – doch rechnen sie sich auch?

E-Autos fahren oft überraschend günstig

Immer öfter sogar. Zu sinkenden Grundpreisen kommt die bis Ende 2025 erhöhte Kaufprämie für Elektroautos hinzu. Je nach Modell gibt es bis zu 9000 Euro teils vom Staat und teils vom Hersteller geschenkt. Zudem haben E-Autos deutlich niedrigere Wartungs- und Energiekosten. Die Spezialisten des ADAC haben nachgerechnet, ob es sich aktuell – neben dem ökologischen Aspekt – auch wirtschaftlich lohnt, auf ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid umzusteigen.

Rechnet man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust, schneiden Elektroautos immer häufiger besser ab als Verbrenner. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Vollkosten-Berechnung von nahezu allen auf dem deutschen Markt aktuell erhältlichen Elektroautos sowie Plug-in-Hybriden mit Benzinern oder Dieseln mit vergleichbarer Motorleistung und ähnlicher Ausstattung. Der aktuelle Umweltbonus von bis zu 9000 Euro für reine Elektrofahrzeuge und bis zu 6750 Euro für extern aufladbare Plug-in-Hybride ist in allen Berechnungen berücksichtigt.

Kostenvergleich: Elektrofahrzeuge gegen Benziner und Diesel Oktober 2021
PDF, 278 KB
PDF ansehen

Doch auch für einen Verbrenner zahlt man nur selten den Listenpreis, der für obige Berechnungen zugrunde liegt. Wer gut im Verhandeln ist, kann oft noch Rabatte herausschlagen. Daher haben wir noch einmal kalkuliert: Dreht sich das Blatt zugunsten der Verbrenner, wenn man bei ihnen einen Nachlass von 15 Prozent veranschlagt?

Bei manchen Modellen ist das in der Tat so, aber nicht bei allen, wie die zweite Aufstellung unten zeigt. Der Hyundai Kona mit Verbrenner etwa fährt mit angenommenem 15-Prozent-Rabatt meist günstiger als der elektrische Kona. Ohne einkalkulierten Verbrenner-Rabatt ist es genau umgekehrt.

Anders verhält es sich beim Mini. Der Elektro-Mini (Mini SE) schlägt sein Verbrenner-Pendant kostenmäßig in jedem Fall – auch wenn der mit 15 Prozent Rabatt verkauft wird. Daher sollte man sich das Wunschmodell mit seinen verschiedenen Antriebsvarianten sehr genau ansehen und vor allem auch die jährliche Kilometerfahrleistung berücksichtigen. Die Aufstellung des ADAC hilft dabei:

Kostenvergleich: Elektrofahrzeuge gegen Benziner und Diesel Oktober 2021 mit Rabatt
PDF, 284 KB
PDF ansehen

Alle Kostenfaktoren sind wichtig

In die Kostenberechnung des ADAC fließen sämtliche Aufwendungen ein, die beim Autofahren anfallen. Dazu gehören Versicherung, Kfz-Steuer, Ausgaben für Wartung und Reparaturen, Reifenverschleiß, Kraftstoff/Stromkosten und eine Pauschale für die Wagenwäsche/Wagenpflege. Den Löwenanteil aber macht der Wertverlust aus, also die Summe, die für die Anschaffung ausgegeben wurde, abzüglich eines durchschnittlichen Restwertes des Fahrzeugs.

Grundlage aller Berechnungen ist eine durchschnittliche Haltedauer von 5 Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern.

Ausgewählte Elektroautos im Kostenvergleich

BMW: i3 mit Kostenvorteil, beim 3er Plug-in kommt es drauf an

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

i3 (125 kW)

Strom

39.000

50,1

118i (100 kW)

SuperPlus

36.200

58,7 / 51,2*

118d (110 kW)

Diesel

40.500

63,4 / 55,0*

320e (150 kW)

SuperP./Strom

47.450

65,0

320i (135 kW)

SuperPlus

42.150

73,6 / 63,9*

320d (140 kW)

Diesel

44.750

76,1 / 65,8*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Hyundai: Ioniq 5 günstiger als Santa Fe

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Ioniq 5 2WD (72,6 kWh, 160 kW)

Strom

45.100

57,7

Santa Fe 1.6 T-GDI Hybrid 2WD (169 kW) Autom.

Super

49.450

77,8 / 67,4*

Santa Fe 2.2 CRDi 2WD DCT (148 kW)

Diesel

47.450

77,5 / 67,5*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Jaguar: i-Pace lohnt nicht immer im Vergleich zum F-Pace

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

i-Pace EV 400 S (294 kW)

Strom

77.300

100,4

F-Pace P 400 S (294 kW)

Super

74.750

114,1 / 98,2*

F-Pace D 300 S (221 kW)

Diesel

69.800

109,6 / 94,7*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Kia: e-Niro teurer als (Plug-in-)Hybrid

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

e-Niro Vision (39,2 kWh/100 kW)

Strom

38.290

51,4

Niro 1.6 Plug-in-Hybrid Edition 7 (104 kW)

Super/Strom

34.190

45,9

Niro 1.6 Hybrid Edition 7 (104 kW)

Super

27.490

47,8 / 42,1*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Mercedes: B 250e und EQA – elektrisch fährt man besser

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

B 250 e (160 kW)

Super/Strom

39.347

60,6

B 250 (165 kW)

Super

40.621

72,8 / 63,7*

B 220 d (140 kW)

Diesel

40.954

71,0 / 61,8*

EQA 250 Progressive (140 kW)

Strom

47.541

60,9

GLA 250 Progressive (165 kW)

Super

44.953

75,6 / 65,7*

GLA 220 d Progressive (140 kW)

Diesel

44.697

72,1 / 62,2*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Nissan: Leaf schlägt Qashqai nur ohne Verbrenner-Rabatt

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Leaf (40 kWh/110 kW)

Strom

37.050

51,9

Qashqai 1.3 DIG-T Tekna (103 kW)

Super

36.840

58,2 / 50,7*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Opel: Mokka Verbrenner mit Rabatt günstiger als Elektro

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Mokka-e Edition (100 kW)

Strom

34.110

45,0

Mokka 1.2 DI Turbo Edition Automatik (96 kW)

Super

25.355

49,8 / 44,4*

Mokka 1.5 Diesel Edition (81 kW)

Diesel

24.185

47,0 / 41,8*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Renault: Zoe mit großer Batterie am teuersten

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Zoe R110 Z.E. 40 (80 kW) inkl. Batterie

Strom

29.990

40,4

Zoe R110 Z.E. 50 (80 kW) inkl. Batterie

Strom

32.890

45,4

Clio TCe 90 Zen X-tronic (67 kW)

Super

19.100

41,7 / 37,6*

Clio Blu dCi 100 Intens (74 kW)

Diesel

21.750

44,4 / 39,8*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

VW: ID.3 schlägt Golf

Modell

Kraftstoff

Grundpreis in €

Cent pro km

ID.3 Pro (58 kWh/107 kW)

Strom

35.460

44,4

Golf 1.5 eTSI Life DSG (110 kW)

Super

31.480

53,4 / 46,6*

Golf 2.0 TDI Life DSG (110 kW)

Diesel

34.150

57,0 / 49,7*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis
Datenbasis der ADAC-Berechnungen

Basis ist die ADAC Autokosten-Datenbank. Im Kostenvergleich über fünf Jahre und einer jährlichen Kilometerleistung von 15.000 km sind berücksichtigt: Wertverlust (ohne Zinsen), Aufwand für Ölwechsel, Inspektionen sowie übliche Verschleißteile und Kosten für den Reifenersatz. Kraftstoff- und Ölnachfüllkosten (Herstellerangaben zum Verbrauch nach WLTP oder NEFZ sowie den zum Zeitpunkt der Aktualisierung gültigen durchschnittlichen, regional evtl. abweichenden Kraftstoffpreisen je Liter), Diesel 1,30 €, Normal/Super 1,48 €, SuperPlus 1,56 €, Strom 0,36 €/kWh (anbieterabhängig!), Wasserstoff 9,50 € (kg), Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung mit je 50 % (Standardtarif ADAC Autoversicherung, ohne Zusatzrabatte), aktuelle KFZ-Steuer (kann aufgrund der WLTP-Umstellung abweichen). Sowohl die Steuerbefreiung wie auch die aktuellen Kaufprämien für Elektrofahrzeuge (bis 40.000 € netto: 9000 €, bis 65.000 €: 7500 €) und Plug-In Hybride (bis 40.000 € netto: 6750 €, bis 65.000 €: 5625 €) sind in den Berechnungen berücksichtigt. Fahrzeugauswahl, technische Daten und Kosten entsprechen dem Stand April 2021. Alle Preise und Kosten inkl. gesetzlicher Steuern.

So lesen Sie die Kostentabelle

Beispiel VW ID.3/Golf. Den ausgewählten ID.3 für rund 35.500 Euro kann man nicht mit dem günstigsten Basismodell des VW Golf (66 kW) mit Schaltgetriebe für 20.700 Euro vergleichen. Denn in Relation bietet der ID.3 mit seinem drehmomentstarken elektrischen 107-kW-Antrieb eine deutlich bessere Motorleistung und eine stufenlose "Automatik". Zum Vergleich hat der ADAC deshalb den 110 kW starken 1.5 eTSI Golf mit DSG (31.480 Euro) herangezogen. Zieht man nun noch die aktuelle Elektro-Umweltprämie vom Kaufpreis des Stromers ab, dann ist der ID.3 rund 5000 Euro günstiger in der Anschaffung - mit Folgen für den Wertverlust, der dann entsprechend geringer ausfällt.

Besonders spannend ist diese Berechnung, weil sich über die Jahre die vergleichsweise geringen Wartungs- und Betriebskosten von Elektroautos in der Gesamtbilanz bemerkbar machen – ganz analog zu den Kraftstoffkostenvorteilen des Diesels gegenüber dem Benziner. Ergebnis im Falle des VW ID.3/Golf: Die e-Version kommt bei der Gesamtrechnung auf 44,4 Cent pro Kilometer, der vergleichbar ausgestattete Benziner auf 53,4 Cent. Selbst wenn man einen Preisnachlass von 15 Prozent auf den Golf mit Benziner einrechnet, kommt der elektrische ID.3 am Ende günstiger weg.

Wichtig zu wissen

Da der ADAC nicht alle Modelle im realitätsnahen ADAC EcoTest testen konnte, wurden für alle Modelle des Kostenvergleichs die NEFZ-Angaben (Neuer Europäischer Fahrzyklus) oder auch schon der neue WLTP-Standard (Worldwide harmonized light-duty test Parocedure) der Hersteller herangezogen. Doch vor allem das (alte) NEFZ-Verfahren sorgt besonders bei den Plug-in-Hybriden aufgrund des Messverfahrens zu extrem niedrigen, in der Praxis üblicherweise nicht zu erreichenden Angaben für den Kraftstoff- bzw. Stromverbrauch. Ob ein Plug-in-Hybrid wirklich von Vorteil ist und welche Verbräuche sich in der Praxis ergeben, hängt stark vom Nutzungsprofil ab – weit mehr als bei den klassischen Antriebskonzepten.

Fazit

Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb werden kostengünstiger. Dazu tragen sinkende Kaufpreise, höhere Stückzahlen sowie auch die bis Ende 2025 verlängerte Umweltprämie bei. Hinzu kommt ein immer breiteres Angebot an Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen. Durch verbesserte Batterietechnik sind bereits reale Reichweiten von deutlich mehr als 300 Kilometern möglich.

Damit jedoch die Kostenbilanz bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen auch ohne Subventionen noch besser ausfällt, müssen die Kaufpreise weiter sinken und dürfen nur geringfügig über denen eines vergleichbaren konventionellen Modells liegen.