Kostenvergleich Elektro, Benzin oder Diesel: Was ist günstiger?

Elektroantrieb oder Verbrennungsmotor? Wichtig sind die Gesamtkosten
Elektroantrieb oder Verbrennungsmotor? Wichtig sind die Gesamtkosten© Shutterstock/Rawpixel.com

Dank Kaufprämie sind viele Elektroautos deutlich günstiger als Benziner und Diesel. Das hat der aktuelle ADAC Kostenvergleich von reinen Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Verbrennern ergeben. Und wie wirken sich die hohen Spritpreise aus?

  • Viele Elektrofahrzeuge fahren heute schon günstiger als Verbrenner

  • Aktuelle Kaufprämien machen E-Autos erschwinglich

  • Reale Energiekosten sind Grundlage der Berechnung

Diesel oder Benziner? Diese ideologische Frage teilte jahrelang die Stammtische in zwei Lager. Doch inzwischen ist alles etwas komplizierter, denn jetzt reden auch noch die Fans der Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride mit: Lokal emissionsfrei, leise, toller Abzug – doch rechnen sie sich auch?

Besonders die derzeit hohen Spritpreise bringen viele ins Grübeln, ob sich der Umstieg auf auf ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid nun finanziell lohnt. Schließlich werden die Stromer nach wie vor (voraussichtlich bis Ende 2025) über die Kaufprämie für Elektroautos gefördert. Je nach Modell gibt es bis zu 9000 Euro (netto) teils vom Staat und teils vom Hersteller geschenkt. Zudem haben E-Autos deutlich niedrigere Wartungs- und Energiekosten.

Zu beachten ist, dass die volle Förderprämie für E-Autos nur erhält, wer sein Auto bis spätestens 31.12.2022 zulässt (momentaner Stand). Bei den derzeit langen Lieferfristen kann es somit eng werden. Es empfiehlt sich, die Lieferzeiten im Vorfeld genau zu checken.

Gesamtkosten: Elektroautos sind oft günstiger

Der elektrische Cupra Born ist unter dem Strich günstiger als ein vergleichbarer Seat Leon © Cupra

Die Spezialisten des ADAC haben nachgerechnet, ob sich der Umstieg wirtschaftlich lohnt. Das Ergebnis: Nimmt man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust, schneiden Elektroautos immer häufiger besser ab als Verbrenner. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Vollkosten-Berechnung von nahezu allen auf dem deutschen Markt aktuell erhältlichen Elektroautos sowie Plug-in-Hybriden mit Benzinern oder Dieseln mit vergleichbarer Motorleistung und ähnlicher Ausstattung. Der aktuelle Umweltbonus von bis zu 9000 Euro für reine Elektrofahrzeuge und bis zu 6750 Euro für extern aufladbare Plug-in-Hybride ist in allen Berechnungen berücksichtigt.

Kostenaufstellung:

Unter diesem Link finden Sie die komplette Kostenaufstellung als PDF (Stand April 2022):

Doch auch für einen Verbrenner zahlt man nur selten den Listenpreis, der für obige Berechnungen zugrunde liegt. Wer gut im Verhandeln ist, kann oft noch Rabatte herausschlagen.

Daher hat der ADAC noch einmal kalkuliert: Dreht sich das Blatt zugunsten der Verbrenner, wenn man bei ihnen einen Nachlass von 15 Prozent veranschlagt? Bei manchen Modellen ist das in der Tat so, aber nicht bei allen, wie die zweite Aufstellung zeigt:

Der Hyundai Kona mit Verbrenner etwa fährt mit angenommenem 15-Prozent-Rabatt meist günstiger als der elektrische Kona. Ohne einkalkulierten Verbrenner-Rabatt ist es genau umgekehrt.

Anders verhält es sich beim Mini. Der Elektro-Mini (Mini SE) schlägt sein Verbrenner-Pendant kostenmäßig in jedem Fall – auch wenn der mit 15 Prozent Rabatt verkauft wird. Daher sollte man sich das Wunschmodell mit seinen verschiedenen Antriebsvarianten sehr genau ansehen und vor allem auch die jährliche Kilometerfahrleistung berücksichtigen. Die Aufstellung des ADAC hilft dabei.

Hoher Spritpreis hat keine durchschlagende Wirkung

In die Kostenberechnung des ADAC fließen sämtliche Aufwendungen ein, die beim Autofahren anfallen. Dazu gehören Versicherung, Kfz-Steuer, Ausgaben für Wartung und Reparaturen, Reifenverschleiß, Kraftstoff/Stromkosten und eine Pauschale für die Wagenwäsche/Wagenpflege.

Auch wenn der Preis für Diesel und Benzin sehr hoch ist, hat er keine durchschlagende Wirkung auf die Gesamtkosten: Den Löwenanteil macht der Wertverlust aus, also die Summe, die für die Anschaffung ausgegeben wurde, abzüglich eines durchschnittlichen Restwertes des Fahrzeugs.

Datenbasis der ADAC-Berechnungen

Basis ist die ADAC Autokosten-Datenbank. Im Kostenvergleich über fünf Jahre und einer jährlichen Kilometerleistung von 15.000 km sind berücksichtigt: Wertverlust (ohne Zinsen), Aufwand für Ölwechsel, Inspektionen sowie übliche Verschleißteile und Kosten für den Reifenersatz. Kraftstoff- und Ölnachfüllkosten (Herstellerangaben zum Verbrauch nach WLTP oder NEFZ) sowie die zum Zeitpunkt der Aktualisierung gültigen Kraftstoffpreisen je Liter im Drei-Monats-Schnitt (Diesel 1,80 €, Super 1,87 €, SuperPlus 1,96 €, Strom 0,39 €/kWh (anbieterabhängig!), Wasserstoff 9,50 € (kg), Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung mit je 50 % (Standardtarif ADAC Autoversicherung, ohne Zusatzrabatte), aktuelle KFZ-Steuer (kann aufgrund der WLTP-Umstellung abweichen). Sowohl die Steuerbefreiung wie auch die aktuellen Kaufprämien für Elektrofahrzeuge (bis 40.000 € netto: 9000 €, bis 65.000 €: 7500 €) und Plug-In Hybride (bis 40.000 € netto: 6750 €, bis 65.000 €: 5625 €) sind in den Berechnungen berücksichtigt. Fahrzeugauswahl, technische Daten und Kosten entsprechen dem Stand April 2022. Alle Preise und Kosten inkl. gesetzlicher Steuern.

Wichtig zu wissen

Da der ADAC nicht alle Modelle im realitätsnahen ADAC Ecotest testen konnte, wurden für alle Modelle des Kostenvergleichs die NEFZ-Angaben (Neuer Europäischer Fahrzyklus) oder auch schon der neue WLTP-Standard (Worldwide harmonized light-duty test Parocedure) der Hersteller herangezogen. Doch vor allem das (alte) NEFZ-Verfahren sorgt besonders bei den Plug-in-Hybriden aufgrund des Messverfahrens für extrem niedrige, in der Praxis üblicherweise nicht zu erreichende Angaben für den Kraftstoff- bzw. Stromverbrauch. Ob ein Plug-in-Hybrid wirklich von Vorteil ist und welche Verbräuche sich in der Praxis ergeben, hängt stark vom Nutzungsprofil ab – weit mehr als bei den klassischen Antriebskonzepten.

Grundlage aller Berechnungen ist eine durchschnittliche Haltedauer von 5 Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern. Aufgrund der aktuell überaus starken Schwankungen der Kraftstoffpreise wurde zur Berechnung der Durchschnitt über die letzten drei Monate herangezogen.

Ausgewählte Elektroautos im Kostenvergleich

BMW: 420d nur mit Rabatt günstiger als i4

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

i4 eDrive 40 (250 kW)

Strom

59.200

74,5

430i Gran Coupé (180 kW)

SuperPlus

53.100

80,4 / 69,0*

420d Gran Coupé (140 kW)

Diesel

50.500

77,3 / 66,4*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Dacia: Spring Electric nicht zu schlagen

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Spring Electric Comfort 2WD (33 kW)

Strom

20.940

29,3

Sandero SCe 65 Essential (49 kW)

Super

10.150

33,4 / 31,1*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Ford: Der Kuga überholt den elektrischen Mustang

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Mustang Mach-E Standard Range (198 kW)

Elektro

56.500

71,8

Kuga Plug-in-Hybrid Titanium (165 kW)

Super + Strom

41.800

56,9

Kuga Hybrid Titanium (140 kW)

Super

38.150

63,4 / 55,2*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Kia: Beim EV6 kommt es drauf an

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

EV6 (77,4 kWh/168 kW)

Strom

48.990

64,1

Sorento 1.6 T-GDI Hybrid Vision 2WD (169 kW)

Super

47.290

73,6 / 63,9*

Sorento 2.2 CRDi Vision 2WD DCT8 (148 kW)

Diesel

46.290

75,6 / 66,1*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Mercedes: EQA – elektrisch fährt man besser

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

EQA 250 Progressive (140 kW)

Strom

47.541

62,8

GLA 250 Progressive (165 kW)

Super

47.630

81,4 / 70,9*

GLA 220 d Progressive (140 kW)

Diesel

47.315

81,8 / 68,8*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Nissan: Leaf schlägt Qashqai nur ohne Verbrenner-Rabatt

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Leaf Tekna (40 kWh/110 kW)

Strom

37.050

52,5

Qashqai 1.3 DIG-T MHEV Tekna (103 kW)

Super

37.540

59,8 / 52,2*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Opel: Mokka Diesel mit Rabatt günstiger als Elektro

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

Mokka-e Edition (100 kW)

Strom

34.460

46,8

Mokka 1.2 DI Turbo Edition Automatik (96 kW)

Super

26.855

53,0 / 47,4*

Mokka 1.5 Diesel Edition (81 kW)

Diesel

25.635

50,4 / 45,0*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

Peugeot: Mal ist der Elektro günstiger, mal der Diesel

Modell

Kraftstoff

Grundpreis €

Cent pro km

e-208 Allure Pack (100 kW)

Strom

34.850

45,0

208 1.2 PureTech 130 Allure Pack EAT8 (96 kW)

Super

25.550

48,1 / 42,9*

208 1.5 BlueHDi 100 Allure Pack (75 kW)

Diesel

24.700

46,9 / 41,8*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

VW: ID.3 schlägt Golf

Modell

Kraftstoff

Grundpreis in €

Cent pro km

ID.3 Pro Performance (58 kWh/150 kW)

Strom

36.960

47,2

Golf 1.5 eTSI Life DSG (110 kW)

Super

32.460

56,9 / 49,8*

Golf 2.0 TDI Life DSG (110 kW)

Diesel

35.190

60,6 / 53,0*

Aktuelle Listenpreise inkl. 19% MwSt. Bei der Kostenrechnung "Cent pro km" sind die aktuellen Fördersummen für Plug-in-Hybride und Elektroautos berücksichtigt; *Kilometerkosten berechnet mit 15% Nachlass vom Kaufpreis

So lesen Sie die Kostentabelle

Beispiel VW ID.3/Golf: Den ausgewählten ID.3 für rund 37.000 Euro kann man nicht mit dem günstigsten Basismodell des VW Golf (66 kW) mit Schaltgetriebe für 20.700 Euro vergleichen. Denn in Relation bietet der ID.3 mit seinem drehmomentstarken elektrischen 150-kW-Antrieb eine deutlich bessere Motorleistung und eine stufenlose "Automatik". Zum Vergleich hat der ADAC deshalb den 110 kW starken 1.5 eTSI Golf mit DSG (32.460 Euro) herangezogen. Zieht man nun noch die aktuelle Elektro-Umweltprämie vom Kaufpreis des Stromers ab, dann ist der ID.3 rund 5000 Euro günstiger in der Anschaffung - mit Folgen für den Wertverlust, der dann entsprechend geringer ausfällt.

Besonders spannend ist diese Berechnung, weil sich über die Jahre die vergleichsweise geringen Wartungs- und Betriebskosten von Elektroautos in der Gesamtbilanz bemerkbar machen. Ergebnis im Falle des VW ID.3/Golf: Die e-Version kommt bei der Gesamtrechnung auf 47,2 Cent pro Kilometer, der vergleichbar ausgestattete Benziner auf 56,9 Cent. Selbst wenn man einen Preisnachlass von 15 Prozent auf den Golf mit Benziner einrechnet, kommt der elektrische ID.3 am Ende günstiger weg.

Fazit

Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb werden kostengünstiger. Dazu tragen sinkende Kaufpreise, höhere Stückzahlen sowie auch die bis Ende 2025 verlängerte Umweltprämie bei. Hinzu kommt ein immer breiteres Angebot an Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen. Durch verbesserte Batterietechnik sind bereits reale Reichweiten von deutlich mehr als 300 Kilometern möglich.

Damit jedoch die Kostenbilanz bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen auch ohne Subventionen noch besser ausfällt, müssen die Kaufpreise weiter sinken und dürfen nur geringfügig über denen eines vergleichbaren konventionellen Modells liegen.

Hier finden Sie viele weitere Kostenvergleiche des ADAC.

Thomas Kroher
Thomas Kroher
Redakteur
Kontakt
Jochen Wieler
Jochen Wieler
Redakteur
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