Fiat 500 Elektro: Das Kultauto fährt jetzt mit Strom

Das erste Elektroauto von Fiat ist natürlich ein Cinquecento ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Fiat

Der knuffige Fiat 500 surrt jetzt auch elektrisch durch die Stadt. Und nicht nur dort: Mit einer realen Reichweite von bis zu 245 Kilometern und Schnellladesystem taugt er auch für längere Strecken. ADAC Test der Cabrio-Version, technische Daten, Bilder

  • Komplette Neuentwicklung als Elektroauto

  • Zwei Batterien zur Wahl: 23,8 kWh und 42 kWh

  • Reichweite nach WLTP bis zu 190 und 320 Kilometer

  • Fiat 500 Elektro in Basisversion ab 23.560 Euro zu haben

Dass das erste Elektroauto von Fiat ein Ableger des erfolgreichen 500 sein würde, war zu erwarten. Doch alle, die mit einem halbgaren Umbau des bestehenden Modells gerechnet hatten, belehrt Fiat eines Besseren: Der elektrische Fiat 500 wurde komplett neu entwickelt, steht auf einer eigenen Plattform und hat mit seinem mittlerweile 14 Jahre alten benzingetriebenen Namensvetter im Prinzip nur die knuffige Optik gemein, diese aber in modernisierter Form in die Jetztzeit transportiert.

Neuer Fiat 500 nach allen Seiten gewachsen

Fiat spricht daher von der "dritten Generation" des Fiat 500, die ein bisschen so aussieht, als hätte man Luft in den alten geblasen. Tatsächlich ist er auch nach allen Seiten gewachsen: Mit 3,63 Metern Länge (plus 6,1 cm), 1,68 Metern Breite (plus 5,6 cm) und 1,53 Metern Höhe (plus 2,9 cm) bleibt der 500 Elektro aber immer noch ein ideales Stadtauto im Segment der Kleinstwagen, in dem sich schon einige elektrische Konkurrenten tummeln: Das mittlerweile nicht mehr verfügbare Elektro-Trio VW e-up!, Seat Mii electric und Škoda Citigo iV etwa, der Smart EQ und ganz neu auch der Renault Twingo Electric oder der Dacia Spring.

Fiat 500 Elektro mit 245 km Reichweite im Test

Ein blauer Fiat 500 Cabrio fährt auf einer Strasse
Fährt angenehm leise: Das elektrische Fiat 500 Cabrio ∙ © Fiat

Was den elektrischen Fiat 500 zum Knaller im Segment macht: Er bietet den stärksten Akku – und damit die beste Reichweite. Fiat hat eine Batterie mit 42 kWh Kapazität eingebaut, von der netto 37,3 kWh nutzbar sind. Das ist ordentlich und soll je nach Version eine Reichweite zwischen 298 und 320 Kilometer nach dem WLTP-Zyklus ermöglichen. Für ein Auto dieser Größe ist das eine Ansage, die allerdings in der Realität nicht ganz eingehalten wird: Im standardisierten ADAC Ecotest schaffte der elektrische Italiener im gemischten Betrieb 245 Kilometer. Rein innerorts gefahren sind immerhin rund 300 Kilometer drin.

Zusätzlich gibt es noch eine Basisversion mit kleinerer Batterie, die sich mit 23,8 kWh Kapazität auf dem (niedrigen) Niveau des Renault Twingo Electric bewegt und laut Hersteller für 190 Kilometer Reichweite sorgen soll. In der Realität dürften das dann nicht mehr als 150 sein, zumindest wenn der 500er nicht nur in der Stadt bewegt wird. Für Pflegedienste, Pizzaboten und Pendler mit kalkulierbarem Arbeitsweg könnte der Basis-500 dennoch eine gute Alternative darstellen, denn mit einem Listenpreis von 23.650 Euro liegt er nach Abzug der aktuellen Elektroauto-Förderung bei rund 14.500 Euro.

Fiat 500 Elektro auch als Cabrio und "3+1"

Die meisten dürften sich jedoch der besseren Alltagstauglichkeit wegen für die 42-kWh-Version entscheiden. Sie ist mit 27.560 Euro (Limousine) ausgewiesen und damit ab rund 18.500 Euro zu haben, das "Cabrio" mit Faltdach kostet 3000 Euro und der pfiffige "3+1" mit Zusatztür auf der rechten Seite 2000 Euro mehr. Für den ADAC Test stand das Cabrio zur Verfügung.

Innenraum: Fiat legt Wert auf Details

Schon beim Einsteigen zeigt sich, wie modern der Fiat 500 in seiner Elektroausführung geworden ist. In der Türgriffmulde versteckt sich eine Taste, mit der die Türen via Knopfdruck elektrisch öffnen. Auch innen gibt es statt eines mechanischen Griffs einen Knopf und nebenan in der Türverkleidung ist die Silhouette mit dem Ur-Fiat-500 und den Worten "Made in Torino" eingestanzt. Das Tagfahrlicht in der Motorhaube wirkt wie eine kleine Augenbraue und es gibt eine Begrüßungsmelodie beim Starten des Motors. Das sind alles nur kleine Details, die sich aber konsequent durchziehen. Der Kunde soll spüren: Der 500 wird mit Liebe gemacht.

Das Cockpit wirkt modern und die Materialien fallen auch ohne den Einsatz unterschäumter Kunststoffe hochwertiger aus als bei den genannten Konkurrenten. Gut, dass nicht alles in den Touchscreen gepackt wurde und am Armaturenbrett die wichtigsten Knöpfe geblieben sind, etwa die für die Heizungseinstellung. Nicht optimal ist, dass manche Einstellungen über
den Hauptbildschirm und andere wiederum im Kombiinstrument vorgenommen werden müssen.

Auch die Automatik wird über Tasten gesteuert. Der bis zu 10,25-Zoll-Touchscreen des neuen "UConnect"-Bediensystems (die Basisversion hat keinen Bildschirm) lässt sich übrigens ohne große Eingewöhnungszeit einwandfrei bedienen. Manches lässt sich auch per Sprache steuern.

Sehr angenehm ist, dass man zumindest vorn deutlich mehr Bewegungsfreiheit hat als im Benziner-Modell und es mehr Verstaumöglichkeiten für Kleinkram gibt. Passagiere bis zu 1,95 Meter sind gut untergebracht. Hinten wird dann allerdings schnell wieder klar, dass aus einem kleinen Auto nun mal kein Tanzsaal werden kann: Sind die Vordersitze auf 1,85-Meter-Menschen eingestellt, haben im Fond nur noch bis zu 1,60 Meter große Mitfahrer Platz.

Der Kofferraum fasst in Standardkonfiguration äußerst bescheidene 170 Liter. Alternativ kann man zwei Getränkekisten unterbringen. Klappt man die Rückbank um und beschränkt sich auf den Stauraum bis zur Fensterunterkante, was aus Sicherheitsgründen empfehlenswert ist, lassen sich immerhin bis zu 460 Liter verstauen.

Elektroauto mit guten Fahrleistungen

Das Cockpit eines Fiat 500 Cabrio
Der Fiat 500 Elektro setzt auf Touchscreen und Tasten ∙ © Fiat

Beim zweimaligen Druck auf den Startknopf erwacht der 500 Elektro zum Leben. Dann nur noch auf "D" drücken und schon stromert der Italiener los. Ziemlich flott sogar: Der Druck aufs Gaspedal wird sofort in Vortrieb umgesetzt und der Fiat surrt leicht und locker von dannen. Die Beschleunigung fühlt sich leichtfüßig und gleichmäßig an und es ist eine wahre Freude, sich im Stadtgewühl an allen anderen vorbeizuschlängeln. Kein Wunder bei einer Beschleunigung von 15 auf 30 km/h in knapp über einer Sekunde. 100 km/h werden aus dem Stand nach 9,0 Sekunden erreicht. Auch mit 150 km/h Spitze gehört der 87 kW/118 PS starke Elektro-500 nicht zu den langsamen Fahrzeugen.

Dass der Fiat aber trotzdem nicht an das Go-Kart-ähnliche Fahrgefühl eines Mini Electric herankommt, liegt an seiner schwammigen Lenkung. Sie wirkt besonders bei niedrigem Tempo um die Mittellage synthetisch und wenig präzise, von der mangelnden Rückmeldung ganz zu schweigen. Hier gäbe es noch Verbesserungspotential.

Auf Bodenwellen und anderen Fahrbahnunebenheiten rollt der Fiat spröde ab. In der Stadt poltert die Vorderachse über Kanaldeckel und andere Unbilden des Straßenbaus, die Hinterachse federt hölzern hinterher. Bei höherer Geschwindigkeit bessert sich der Komfort zwar, richtig geschmeidig wird der Kleinstwagen aber nie.

Im ADAC Ausweichtest zeigt der Kleine durchaus fahrdynamisches Können. Problemlos folgt der Testwagen der eingeschlagenen Linie, das leicht nach außen drängende Heck stellt dabei keine Gefahr dar. Unter sportlichen Gesichtspunkten gefällt das Verhalten ebenfalls, Kurvenfahrten machen besonders Spaß.

Vom Antrieb hört man eigentlich nie etwas, der Elektro-500 fährt bemerkenswert leise. Wer noch den rappeligen Zweizylinder TwinAir im Fiat 500 im Ohr hat (inzwischen durch einen Dreizylinder ersetzt), dürfte die wohltuende Stille umso mehr genießen.

Volle fünf Sterne im Ecotest für den Fiat 500 Elektro

Tachoanzeige des Fiat 500e
Fiat 500e: Drei Fahrmodi stehen zur Auswahl ∙ © Fiat

Die tatsächliche Reichweite variiert wie bei Elektroautos üblich auch beim Cinquecento stark. Bei reinem Einsatz in der Stadt sind ihm die versprochenen 300 Kilometer und auch ein bisschen mehr durchaus drin. Geht es aber auch mal über Land oder auf die Autobahn mit gemischter Fahrweise, muss man mit den 245 Kilometern aus dem ADAC Ecotest kalkulieren. Der durchschnittliche Stromverbrauch des Fiat 500e Cabrio liegt hier bei akzeptablen 17,4 kWh pro 100 Kilometer (innerorts etwa 13,6, außerorts 18,2 und auf der Autobahn 20,4 kWh/100 km) – dabei enthalten die Verbrauchswerte auch die Ladeverluste. Klarer Fall: Das kleine Strom-Cabrio schafft die vollen fünf Sterne im ADAC Ecotest.

Schnellladung mit bis zu 85 kW

Serienmäßig wird der Fiat 500e (offiziell heißt er nur Fiat 500) mit Schnellladefunktion via CCS-Stecker ausgeliefert, was bei der Konkurrenz meist Aufpreis kostet. Damit kann der Akku an entsprechenden Säulen mit bis zu 85 kW aufgeladen werden, allerdings nur einen begrenzten Zeitraum. Ab einem Ladezustand von circa 30 Prozent wird die Leistung sukzessive und in mehreren Stufen auf bis zu 12 kW reduziert (bei 85 Prozent).

Das leere Batteriesystem ist daher zwar nach rund 24 Minuten zu etwa 80 Prozent geladen, für die weiteren knapp 20 Prozent sind dann allerdings zusätzliche 30 Minuten erforderlich. Das heißt: Die vollständige Ladung ist erst nach über einer Stunde abgeschlossen. An gewöhnlichen Wechselstromsäulen nimmt sich der Fiat bis zu 11 kW – auch das ist besser als bei der Konkurrenz. Hier dauert eine Vollladung vier Stunden und 15 Minuten. Am nicht empfehlenswerten Schukostecker zu Hause mehr als 18 Stunden.

Drei Fahrstufen lassen sich wählen: Normal, Range und Sherpa. Bei "Range" rekuperiert der Antrieb mehr Energie als bei "Normal", indem er stärker abbremst, sobald der Fahrer vom Gas geht. Wie beim BMW i3 ist dadurch ein "One-Pedal"-Fahren möglich, der 500 bremst sogar bis zum Stillstand ab. Mit ein bisschen Übung braucht man das Bremspedal dabei kaum noch zu betätigen. "Sherpa" ist das Mittel der Wahl, wenn es um maximales Stromsparen und nur noch ums Ankommen geht. Dann schleicht der 500er mit maximal 80 km/h zum Ziel, Klimaanlage und Sitzheizung werden deaktiviert.

Sitzbezüge mit Recycling-Plastik aus dem Meer

Vordersitze des Fiat 500e
Für die Sitzbezüge wird Plastik aus dem Meer verwendet ∙ © Fiat

Stolz ist Fiat auch auf die Vielzahl an Assistenzsystemen wie Müdigkeitswarner und Tempolimiterkennung sowie auf die Konnektivität: Via Smartphone lässt sich der Ladezustand abfragen und ein Ziel ans Navi schicken. Der kleine Fiat kann auch als Internet-Hotspot für bis zu acht Endgeräte dienen. Und wenn das Fahrzeug gestohlen wird, wird der Besitzer sofort über das Smartphone informiert. Eine interessante Möglichkeit, denn laut der ADAC Ingenieure besitzt das schlüssellose Zugangssystem einen ungenügenden Diebstahlschutz. Das Fahrzeug kann über einen Funkverlängerer unbefugt geöffnet und gestartet werden - wie die meisten anderen Automodelle auch. Weiterführende Informationen gibt es unter www.adac.de/keyless.

Nachhaltigkeit demonstriert die Marke bei den Sitzbezügen, die aus Recycling-Materialien bestehen, teilweise auch aus Kunststoff, der aus dem Meer gefischt wurde. Nettes Detail: Anders als die meist sphärisch-technisch klingende Konkurrenz macht der Fiat 500 unterhalb von 20 km/h Musik! Fußgänger werden von der Titelmelodie aus Federico Fellinis Film "Amarcord" vor dem Stromer gewarnt (kein Witz).

Der Fiat 500 3+1 hat eine kleine Extra-Tür

Geöffnete Türen des Fiat 500e Cabrio
Der Fiat 500 3+1 hat rechts eine nach hinten öffnende Zusatztür ∙ © Fiat

Vorn steigt man in den Viersitzer trotz des kleinen Fahrzeugformats kommod ein und aus, auch dank der in der niedrigsten Stellung angenehme 51 Zentimeter über der Straße montierten Sitze. Das Ein- und Aussteigen nach hinten ist trotz einer praktischen Einstiegshilfe wegen des beengten Einstiegsbereichs nicht so leicht. Immerhin verfügt der mechanische Helfer über eine Memoryfunktion. Haltegriffe sucht man am Dachhimmel vergebens.

Praktischer, aber weniger luftig geht es beim Fiat 500 in der Version "3+1" zu: Durch eine zusätzliche kleine Tür auf der rechten Fahrzeugseite, durch die das Einsteigen in den engen Fond oder die Montage eines Kindersitzes zumindest zu einem gewissen Grad erleichtert wird. Wie beim BMW i3, beim Mazda MX-30 oder beim früheren Mini Clubman lässt sie sich allerdings nur nutzen, wenn die vordere Tür geöffnet ist. Das kann man als Kindersicherung verstehen, aber auch als unpraktisch: Schließlich muss der Beifahrer immer mit aussteigen.

Fazit

Der knuffige Elektro-500 ist nicht nur ein attraktives Angebot, er hat genau wie sein kultiges Pendant mit Benziner das Zeug, vor allem der Damenwelt den Kopf zu verdrehen –
speziell natürlich als Cabrio. Konkurrenz hat er jedenfalls in der Version mit per Knopfdruck zu betätigendem Stoffdach derzeit nicht zu fürchten. Und wer sich partout nicht mit einem Elektroauto anfreunden kann: Der Fiat 500 mit Verbrennungsmotor wird als Hybrid weitergebaut.

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Fiat 500 Elektro: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Fiat 500 Elektro (23,8 kWh)

Fiat 500 Elektro Cabrio Icon (42 kWh, getestetes Modell)

Antrieb

Elektromotor mit 70 kW/95 PS, 220 Nm

Elektromotor mit 87 kW/118 PS, 220 Nm

Batteriekapazität brutto / nutzbar netto

23,8 / 21,3 kWh

42,0 / 37,3 kWh

Fahrleistungen

3,1 s auf 50 km/h, 9,5 s auf 100 km/h, Spitze 135 km/h

3,1 s auf 50 km/h, 9,0 s auf 100 km/h, Spitze 150 km/h

Verbrauch (WLTP)

13,0 kWh/100 km

14,0 - 14,9 kWh/100 km

Reichweite nach WLTP

bis zu 190 km

298 - 321 km

Ladeleistung

bis zu 11 kW (AC), bis zu 50 kW (DC)

bis zu 11 kW (AC), bis zu 85 kW (DC)

Maße

L 3,63/ B 1,68 / H 1,53 m

L 3,63 / B 1,68 / H 1,53 m

Leergewicht

1255 kg

1405 kg

Garantie auf die Antriebsbatterie

8 Jahre / 160.000 km

8 Jahre / 160.000 km

Preis ab

23.560 € (nur als Limousine zu haben)

32.560 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Fiat 500 Elektro Cabrio Icon 42 kWh

Überholvorgang 60 – 100 km/h

5,0 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,3 m

Wendekreis

10,0 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

17,4 kWh/100 km, 87 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

245 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,7 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1370 / 360 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

170 / 460 / 460 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Fiat 500 Elektro Cabrio Icon 42 kWh

Karosserie/Kofferraum

3,7

Innenraum

3,2

Komfort

3,5

Motor/Antrieb

1,3

Fahreigenschaften

2,8

Sicherheit

2,7

Umwelt/Ecotest

1,1

Gesamtnote

2,5

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

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