Kia e-Niro im Test: Elektro-SUV mit großer Reichweite

Kia e-Niro fährt auf einer Straße
Kia e-Niro: Die Elektroversion erkennt man am geschlossenen Kühlergrill ∙ © Kia

Der Elektroversion des Kia Niro verspricht eine praxistaugliche Reichweite von bis zu 455 Kilometern – zum halben Preis eines Tesla Model S. Doch wie weit kommt das Elektroauto wirklich? ADAC Test, Daten, Preise

  • 289 km Normreichweite mit 39,2 kWh-Batterie, 455 km mit 64 kWh

  • Basisversion für 35.290 Euro zu haben

  • Der Kia Niro kann mit bis zu 100 kW geladen werden

Gestartet ist der Kia Niro als Benzin-Hybrid und Plug-in-Hybrid. Konsequenterweise folgte eine rein elektrische Variante. Schnell waren die Koreaner damit auch: Der elektrische Niro hatte weit vor dem VW ID.3 seine Markteinführung. Zunächst gab es lange Lieferzeiten von bis zu einem Jahr. Die Nachfrage ist zwar weiter hoch, weil der e-Niro zusammen mit seinem technischen Bruder Hyundai Kona Elektro und Kia e-Soul Maßstäbe bei Elektroautos setzt – doch inzwischen haben die Koreaner die Produktion kräftig hochgefahren.

Die Reichweite ist alltagstauglich

Grauer Kia Ceed E-Niro fahert Kuestenstrasse entlang
Bei der Bergab-Fahrt kann der Elektro-Niro Energie zurückgewinnen ∙ © Kia

Die Basisvariante leistet 100 kW/136 PS, wird mit einer 39,2 kWh-Batterie ausgeliefert und soll im WLTP-Verbrauchszyklus 289 Kilometer weit kommen. Kostenpunkt: ab 35.290 Euro. Abzüglich der Elektroautoprämie von 9000 Euro liegt der kompakte SUV mittlerweile deutlich unter der psychologisch wichtigen Preisschwelle von 30.000 Euro. Ein Schnäppchen ist der e-Niro dann zwar immer noch nicht, aber zumindest erschwinglich.

Letztlich entscheiden sich laut Kia sowieso 97 Prozent der e-Niro-Käufer für die größere Batterie mit 64 kWh – eine hohe Reichweite von bis zu 455 Kilometern ist offenbar für die meisten das überzeugende Argument, noch einmal 3800 Euro draufzulegen.

Reichweite im ADAC Ecotest: 395 Kilometer

Der ADAC hat deshalb die 64-kWh-Version getestet. Die ist tatsächlich sehr alltagstauglich. Gut 400 Kilometer sind bei ganz normaler Fahrweise absolut kein Problem und wer nur niedrige Geschwindigkeiten in der Stadt fährt und viel rekuperieren kann (Energierückgewinnung beim Bremsen und Bergabfahren), kann auch auf mehr kommen. Im Winter und bei flotter Autobahnfahrt aber auch auf deutlich weniger. Als Testschnitt im ADAC Ecotest (inklusive Autobahnanteil) haben die Testingenieure eine Reichweite von gut 395 Kilometern ermittelt.

Kia Ceed E-Niro wird aufgeladen
Serienmäßig ist der e-Niro schnellladefähig ∙ © Kia

So darf sich auch der e-Niro zum wachsenden, aber immer noch kleinen Kreis der Elektroautos zählen, bei denen Reichweiten-Angst kein Thema mehr ist. Doch wofür die 2,5 Tonnen schweren Oberklassemodelle Jaguar i-Pace und Audi e-tron quattro riesige Akkus brauchen, reicht beim Kia eine kleinere Batterie. 
Grund: Er ist als Kompakt-SUV leichter (zwischen 1667 und 1866 Kilo) und sein Antrieb ist erstaunlich effizient. Kia gibt als Verbrauchswert niedrige 15,3 (kleine Batterie) und 15,9 kWh (große Batterie) auf 100 Kilometer im realitätsnahen WLTP-Zyklus an. Nicht unrealistisch, doch der ADAC rechnet im Test auch noch die Ladeverluste mit ein, also die Energie, die aus der Steckdose kommt und mit bezahlt werden muss, aber nicht in der Batterie ankommt. Mit Ladeverlusten ergibt sich ein Stromverbrauch von 18,1 kWh/100 km.

Elektroauto mit sportlichen Fahrleistungen

Das Cockpit des neuenKia e-Niro
Cockpit des Kia e-Niro: Einfache Bedienung, Drehrad für die Automatik ∙ © Kia

Allzu häufig sollte man dabei die Leistung des e-Niro aber nicht ausreizen, auch wenn er dazu verleitet: Mit der 64-kWh-Batterie einher geht auch eine höhere Leistung von 150 kW/204 PS. Das Gaspedal lässt sich sehr feinfühlig dosieren, ein entspanntes und sehr ruhiges Dahingleiten beherrscht der Kia aus dem Effeff.
Doch bewegt man das Pedal schneller in Richtung Bodenblech, zeigt der nur 4,37 Meter lange Koreaner seine sportliche Seite und stürmt so flott davon, dass die Kräfte sogar an der Lenkung zerren. 7,8 Sekunden auf Tempo 100 sollten auch Dynamiker überzeugen. Die Spitze ist bei 167 km/h begrenzt, die 39,3 kWh-Version schafft nur 155 km/h.

Im positiven Sinne fährt sich der e-Niro wie ein ganz normales Auto, lässt sich einfach bedienen, kommt mit reichlich Assistenzsystemen (Kollisionswarner, Spurhalteassistent, Abstandstempomat Serie) und hat so viel Platz wie man es von einem kleineren SUV erwartet: Es gibt ausreichend Bewegungsfreiheit mit passabler Beinfreiheit im Fond und einen praxistauglichen Kofferraum, der laut Prospekt zwischen 451 und 1405 Litern fasst. Nach ADAC Messungen sind es bis zur Kofferraumabdeckung nur zufriedenstellende 280 Liter, umgeklappt bis zu 1175.

Sicher im ADAC Ausweichtest

Im ADAC Ausweichtest präsentiert sich der Koreaner nicht wirklich dynamisch, was auch an den Reifen mit begrenzter Seitenführungskraft liegen dürfte. So quittiert der e-Niro das
erste Anlenken mit Untersteuern, wobei im Lastwechsel dann das Heck nach außen drängt. Das ESP stabilisiert den Wagen effektiv, dabei wird aber stets recht deutlich Geschwindigkeit abgebaut. Daher sind auch keine hohen Durchfahrgeschwindigkeiten möglich. Unter dem Strich eine sichere, aber wenig dynamische Abstimmung.

Weil der e-Niro schnellladefähig ist und bis zu 100 kW Ladeleistung verkraftet, dauert eine Ladung von 20 auf 80 Prozent im Bestfall (die Ladeleistung variiert) rund 55 Minuten. Zum Vergleich: An der gewöhnlichen Haushaltssteckdose würde er dafür knapp 18 Stunden brauchen. Für zu Hause empfiehlt sich eine Wallbox (hier finden Sie den aktuellen ADAC Wallbox-Test), über die mit dem für 500 Euro extra eingebauten, dreiphasigen Onboard-Lader immerhin 10,5 kW möglich sind und mit der eine 100-Prozent-Ladung in viereinhalb Stunden klappt.

Übertriebene Inspektions-Intervalle

Es gibt aber auch Verbesserungspotential. Dass Kia den Elektro-Niro, dessen Bremsen kaum verschleißen und der keinen Ölwechsel braucht, einmal im Jahr oder alle 15.000 Kilometer zur Inspektion in die Werkstatt bittet, wirkt wie ein Relikt aus der Verbrenner-Zeit. Oder als Zugeständnis an die Händler. Sieben Werkstattbesuche sind ihnen so wegen der an sich lobenswerten siebenjährigen Werksgarantie (gilt auch für den Akku) schließlich sicher.

Eine positive Änderung gibt es für das aktuelle Modelljahr: Der e-Niro ist jetzt serienmäßig für 100 Kilo Stützlast ausgelegt, kann deshalb mit einer Anhängerkupplung ausgerüstet werden, um etwa einen Fahrradträger zu installieren.

Übrigens: Zeitgleich mit dem e-Niro hat Kia auch den Soul auf den Markt gebracht. Ihn gibt es nur noch als Elektroauto, Diesel und Benziner sind nicht mehr im Angebot. Weil er über die gleiche Technik wie der e-Niro und die gleichen Batteriegrößen verfügt, sind die Reichweiten ähnlich gut. Preislich liegt der etwas kleinere Soul leicht unter dem e-Niro. Er ist mit kleiner Batterie ab 33.990 Euro zu haben, mit großer ab 37.790 Euro. Kia meint es also wirklich ernst mit der Elektromobilität.

Kia e-Niro: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Kia e-Niro (39,2 kWh)

Kia e-Niro (64 kWh, getestete Version)

Antrieb

Permanentmagnet-Synchronmotor, 100 kW/136 PS, 395 Nm ab 1 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 39,2 kWh Nennkapazität

Permanentmagnet-Synchronmotor, 150 kW/204 PS, 395 Nm ab 1 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 64 kWh Nennkapazität

Fahrleistungen

9,8 s von 0 auf 100 km/h, 155 km/h Spitze

7,8 s von 0 auf 100 km/h, 167 km/h Spitze

Verbrauch

15,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

15,9 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Reichweite nach WLTP

289 km

455 km

Maße

L 4,38 / B 1,81 / H 1,56 m

L 4,38 / B 1,81 / H 1,56 m

Leergewicht / max. Zuladung

1667 – 1721 kg / 413 kg

1812 – 1866 kg / 418 kg

Kofferraum

451 – 1405 l

451 – 1405 l

Preis

ab 35.290 Euro

ab 39.090 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Kia e-Niro (64 kWh) Spirit

Überholvorgang 60-100 km/h

3,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,0 m

Wendekreis

11,0 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

18,1 kWh/100 km , 99 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

395 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,1 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1775 / 455 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

280 / 660 / 1175 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Kia e-Niro (64 kWh) Spirit

Karosserie/Kofferraum

3,0

Innenraum

2,5

Komfort

2,7

Motor/Antrieb

1,0

Fahreigenschaften

2,5

Sicherheit

1,9

Umwelt/Ecotest

1,5

Gesamtnote

2,1

Die Kapitel Umwelt und Sicherheit werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Große Praxisreichweite. Sparsamer und angenehm leiser Antrieb. Einfache Bedienung. Gute Ausstattung. Angemessenes Platzangebot. Serienmäßig bis 100 kW schnellladefähig. 7 Jahre Garantie.

Das hat uns nicht gefallen: Kurze Werkstattintervalle. Für einen Kompaktwagen relativ hoher Preis. Hohe Ladekante.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Kia e-Niro herunterladen
PDF, 661 KB
PDF ansehen

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.