Elektroautos im Winter: Praktische Tipps zur Reichweite

E-Golf im Winter
Hoffentlich ist das E-Auto gut geladen: Bei Kälte steigt der Strombedarf ∙ © Shutterstock/Olexandr Panchenko

Im Winter benötigen Elektroautos deutlich mehr Energie als im Sommer. Doch warum ist das so? Was frisst bei Kälte den meisten Strom? Und wie kann man den Energieverbrauch optimieren? Die Erklärungen mit vielen praktischen Tipps.

  • Heizung: Stromverbraucher Nummer eins

  • Im Winter bis zu 30 Prozent weniger Reichweite

  • Tipps zum Stromsparen im Stau

Die Fahrer von Elektroautos kennen das Phänomen, können damit meistens aber gut umgehen: Bei hoher Geschwindigkeit oder aufgrund von starken Beschleunigungsvorgängen nehmen die Reichweiten von Elektrofahrzeugen rapide ab. Der Grund ist der dann deutlich erhöhte Energieverbrauch. Wenn es vor allem um die Reichweite geht, fährt man also stets langsam und besonders vorausschauend.

Schwieriger wird die Situation bei kalten Außentemperaturen. Einerseits nimmt bei Kälte der Innenwiderstand der Batterie zu, wodurch weniger Energie entnommen werden kann. Andererseits verbrauchen Elektroautos im Winter eindeutig mehr Energie: Die Reichweite sinkt – auch wenn man langsam fährt. Der Grund: Der Innenraum, die Scheiben, Sitze und das Lenkrad sowie der Akku selbst müssen mit elektrischer Energie aus der Antriebsbatterie beheizt werden. Doch in welchem Maß und von welchem Energieverbraucher wird die Reichweite beeinflusst? Wer darüber genau Bescheid weiß, kann den Energieverbrauch positiv beeinflussen.

Winter: Zwischen 10 und 30 Prozent weniger Reichweite

Die Reichweite eines Elektroautos reduziert sich in Abhängigkeit der winterlichen Einflüsse um etwa 10 bis 30 Prozent. Im Extremfall aber auch mal mehr, vor allem wenn bei mehreren Kurzstrecken pro Tag das ausgekühlte Elektroauto jeweils erneut aufgeheizt werden muss. Pflegedienste zum Beispiel sind davon besonders betroffen. Als größter Verbraucher ist nämlich ganz klar die Luftheizung zu identifizieren. Verbraucher wie die Infotainmentanlage, das Fahrlicht oder auch die Sitzheizung fallen dagegen kaum ins Gewicht hinsichtlich der Reichweite.

Um die Abhängigkeit von den Außentemperaturen genauer einzuschätzen, hat der ADAC gemeinsam mit den Kollegen vom österreichischen Automobilclub ÖAMTC untersucht, wie groß die Reichweitenverluste bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Außentemperaturen sind.

Testfahrzeug war ein Mitsubishi Electric Vehicle (i-Miev). Obwohl der Mitsubishi inzwischen schon sehr in die Jahre gekommen und technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, verraten die Messwerte exemplarisch, unter welchen Bedingungen es besonders hapert.

Die Messungen zeigen: Im Stadtverkehr (bei 30 bis 50 km/h) muss man bei einer Außentemperatur von 0 Grad im Vergleich zu milden 20 Grad mit Reichweitenverlusten von bis zu 50 Prozent rechnen. Bei höheren Geschwindigkeiten z.B. auf Autobahnen und Landstraßen (bei 100 km/h) reduziert sich die Einbuße auf rund 10 Prozent. Bei eisiger Kälte von minus 20 Grad werden die prozentualen Heizungsverluste noch einmal erheblich stärker. Interessanterweise folgt daraus, dass im sonst so verbrauchsarmen Stadtverkehr die Heizenergie anteilig besonders stark zu Buche schlägt.

Grund: Bei niedriger Geschwindigkeit braucht man für eine bestimmte Strecke mehr Fahrzeit – und damit wird für dieselbe Strecke mehr Heizenergie erforderlich. Es kommt aber noch etwas anderes hinzu: Sind die Batteriezellen kalt, nehmen sie schlechter Energie auf als in ihrem Wohlfühlbereich. Dadurch wird die Rekuperation schwächer.

Vorteil beim E-Auto: Es wird sofort warm

Trotz dieser Nachteile hat ein Elektroauto jedoch auch Vorteile im Winter. Denn jedes E-Auto hat sozusagen serienmäßig eine Standheizung und kann vorgeheizt werden. Da die Heizung elektrisch erfolgt und nicht über die Abwärme eines Verbrennungsmotors, kommt beim Elektroauto warme Luft quasi ohne Aufwärmphase aus dem Gebläse. Auch das Eiskratzen bleibt damit oft erspart. Ist das Fahrzeug an eine Lademöglichkeit angeschlossen, wird der Strom fürs Vorheizen zudem aus dem Stromnetz und nicht aus der Batterie entnommen.

Kältetest: Keine Angst vor dem Stau

Zwei Elektroautos stehen nebeneinander
Testszenario: Die Autos nächtigen bei Frost unter Strom ∙ © ADAC/Test und Technik

In diesem Zusammenhang gilt es, mit einem Gerücht aufzuräumen. Hartnäckig hält sich nämlich die Mär, bei einem Elektroauto wäre im Stau die Batterie so schnell leer, dass man fürchten müsse, zu (er)frieren. Doch ein ADAC Versuch hat bewiesen: Mit einem Elektroauto im Stau darf die Heizung auch bei eisiger Kälte problemlos mehrere Stunden auf Wohlfühltemperaturen laufen.

Der Test: Ein Renault ZOE Z.E. 50 und ein VW e-up wurden mit einer angenehmen Innenraumtemperatur von 22 Grad und aktiver Sitzheizung abgestellt. Die Fahrzeugbeleuchtung war auf Standlicht geschaltet, damit das Fahrzeug auch im Stau stets sichtbar wäre. Die anschließende Nacht brachte strengen Frost von -9 bis -14 Grad.

Das Ergebnis: Nach 12 Stunden waren beim Renault Zoe etwa 70 Prozent und beim VW e-up etwa 80 Prozent des Akkus verbraucht. Der Leistungsbedarf für den elektrischen Verbrauch lag also beim e-up im Schnitt bei rund 2 Kilowatt, beim Renault Zoe bei 3 Kilowatt.

Das bedeutet: Auch bei solch sehr winterlichen Bedingungen könnte man mit der 52 Kilowattstunden großen Batterie des Zoe ungefähr 17 Stunden und mit den 32,3 Kilowattstunden des e-up 15 Stunden ausharren.

So sparen Sie im Stau Strom

Zeichnet sich ab, dass der Stau länger dauern könnte, gibt es schon vorher Möglichkeiten, Strom zu sparen:

  • Stellen Sie die Innenraumheizung gegebenenfalls etwas niedriger ein, nutzen Sie die sparsamere Sitzheizung und ziehen sie eine Jacke an.

  • Halten Sie Türen und Fenster nicht länger offen als notwendig.

  • Schalten Sie die Heizung auf Umluft: Im Umluftbetrieb wird der Innenraum schneller erwärmt, und das System benötigt weniger Energie, um den Innenraum auf die gewünschte Temperatur zu bringen

  • Schalten Sie unnötige Verbraucher wie Front-/Heckscheibenheizung, Scheibenwischer und Abblendlicht aus. Die Standbeleuchtung sollte aus Sicherheitsgründen immer an bleiben.

ADAC Tipps: So kommen Sie gut durch den Winter

  • Heizen Sie das Auto vor, wenn es am Stromnetz hängt. Dann kommt die Heizenergie nicht aus der Antriebsbatterie. Das Vorheizen kann häufig in den Fahrzeugeinstellungen oder – noch einfacher – per App programmiert bzw. gestartet werden.

  • Parken Sie möglichst in einer Garage, um ein extremes Auskühlen des Akkus zu vermeiden.

  • Halten Sie Türen und Fenster nicht länger offen als notwendig.

  • Schalten Sie die Heizung auf Umluft: Im Umluftbetrieb wird der Innenraum schneller erwärmt .

  • Stellen Sie die Innenraumheizung gegebenenfalls etwas niedriger ein. Nutzen Sie Sitzheizung, Lenkradheizung und Heizdrähte in der Windschutzscheibe, die effizienter arbeiten als die Luftheizung .

  • Schalten Sie den Fahrmodus auf "Eco". Das reduziert oder verhindert auch ein Durchdrehen der Räder und spart Energie.

  • Vermeiden Sie kurze Fahrten mit langen Standzeiten dazwischen, da der Innenraum und die Batterie abkühlen und immer wieder neu aufgeheizt werden müssen.

  • Rechnen Sie bei Kälte mit einem etwas anderen Bremsverhalten: Die Rekuperation kann dann auch spürbar schwächer sein.

  • Zum Schnellladen muss die Batterie auf Betriebstemperatur sein. Eine ausgekühlte Batterie begrenzt die Ladeleistungen merklich. Es ist also effektiver, eine Ladung mit hoher Leistung abends nach der Fahrt als morgens vor der Fahrt vorzunehmen.

  • Kalkulieren Sie ein, dass sich bei kalter Batterie die Ladedauer erhöht.

  • Manche Elektroautos bieten eine Sparfunktion in der Heizung, bei der vorwiegend der Fahrerplatz beheizt wird. Nutzen Sie diese Funktion, wenn Sie allein im Auto sitzen.

  • Viele Hersteller bieten ihre E-Autos mit einer Wärmepumpe als Extra an. Ist die Reichweite im Winter ein relevantes Kriterium, empfehlen wir diese Investition.

Sicherheit geht vor

  • Energie zu sparen darf niemals auf Kosten der Sicherheit gehen! So müssen alle Scheiben stets eis- und beschlagfrei sein. Und auch beim Licht (z.B. in der Dämmerung) darf keinesfalls gespart werden.

  • Planen Sie im Winter auch für Ihre gewohnten Stammstrecken eine ausreichende Reichweitenreserve ein.

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