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Der ADAC

Porsche Taycan: So fährt der 680-PS-Elektro-Sportwagen

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Porsche startet mit dem bärenstarken Elektro-Sportwagen Taycan durch: Erster Fahrbericht unserer Test-Redaktion. Plus: Bilder, technische Daten, Infos zu Batterie, Reichweite und Preis.

  • Drei Versionen: von 320 kW/435 PS bis 460 kW/625 PS

  • Topversion extrem schnell: von 0-200 km/h in 9,8 Sekunden

  • Je nach Akkugröße 333 bis 450 Kilometer Reichweite

Mehr als sieben Jahre nach dem Verkaufsstart des Tesla Model S in USA hat Porsche endlich eine viertürige Elektro-Limousine im Angebot. Aber die hat es in sich, wie wir im Rahmen eines groß angelegten Alltagstests erfahren konnten. Alle technischen Highlights haben wir am Ende des Artikels detailliert aufgelistet.

Unsere Route führte von Göteborg nach Kopenhagen – zuerst in einer östlichen Schleife durch die schöne Landschaft Südschwedens in Richtung Malmö. Allerdings wussten wir nicht, ob wir uns darüber freuen sollten. In Skandinavien gelten nämlich durchgängig Tempolimits: Selbst Autobahnen sind auf 110, gelegentlich 120 km/h, limitiert. Wie also sollten wir das volle Leistungspotential des Taycan ausloten können? Was macht man mit all der Leistung und Drehmoment im Überfluss? Kann man die überschäumende Kraft überhaupt genießen? 

Unglaubliche 1050 Nm Drehmoment

Der Taycan steht in drei verschiedenen Versionen zur Wahl – als 4S mit 320 kW/435 PS und 640 Nm Drehmoment, als Turbo mit 460 kW/625 PS und 850 Nm Drehmoment und als
Turbo S mit 1050 Nm und einer kurzzeitig abrufbaren Boostleistung von 560 kW/761 PS. Unser Testwagen war "nur" der Turbo. Ein Unterschied zur Topversion, der angesichts der Testbedingungen aber im Grunde ohne Bedeutung bleiben würde. Das war klar.

Das Motto hieß angesichts des rigiden Tempolimits: Immer schön gelassen bleiben. Auch die Gefahr, mit leerem Akku irgendwo im schwedischem Hinterland liegen zu bleiben, bestand nicht. 381 bis 450 Kilometer nennt Porsche für den Taycan Turbo als Reichweite im definierten Messzyklus. 

Die etwa 400 Kilometer lange Route wäre daher wohl auch ohne Ladestopp möglich gewesen. Trotzdem hatten wir einen Stopp eingeplant. Auch um wenigstens eine der Ultraschnell-Ladesäulen von Ionity auszuprobieren, die inzwischen in vielen Ländern Europas zu finden sind.  

Der Taycan ist "vollgasfest"

Was die Fahrt richtig spannend machte, war etwas anderes: Der Porsche Taycan soll das erste Elektroauto sein, das den Modellen von Tesla in Sachen Performance Paroli bieten kann. Dafür setzt Porsche auf die 800-Volt-Technologie, die im Zusammenspiel mit einem intelligenten Thermomanagement dafür sorgt, dass der Sportwagen "vollgasfest" ist. Normal arbeiten Elektroautos mit einer Spannungslage von 400 Volt. Doch mit 800 Volt ist es den Stuttgartern bei Beschleunigungstests gelungen, den Taycan mehr als zwanzigmal hintereinander von null auf 200 km/h zu beschleunigen – und das praktisch ohne Leistungseinbußen. Zumindest zehn solcher Beschleunigungsorgien in Folge wären garantiert, erklärt ein Porsche-Sprecher. Das solle Tesla erstmal nachmachen.

Im öffentlichen Straßenverkehr kann man das nicht mal im Ansatz ausprobieren. Dennoch fühlt man auch bei zurückhaltender Fahrweise im Taycan permanent die enorme Kraft des Elektroantriebs. Wer das Strompedal für einen Moment auch nur annähernd durchdrückt, spürt einen Schlag ins Kreuz, der wehtut. Dabei sorgt die Elektronik dafür, dass die Reifen nicht quietschen und der Sportwagen nicht von der Straße fliegt. Perfekt.   

Laut Hersteller soll der Porsche Taycan Turbo in nur 3,2 Sekunden den Spurt auf 100 km/h bewältigen und die 200-km/h-Marke in 10,6 Sekunden. Den Angaben kann man glauben, auch ohne es auf abgesperrter Straße überprüft zu haben: Die 850 Newtonmeter katapultieren den Wagen per Allrad und Traktionshilfen in Windeseile Richtung Horizont.       

Doch ist ein solches Leistungspotential nicht absurd? Im Grunde ja. Aber der Porsche Taycan soll die technologische Speerspitze des VW-Konzerns sein und beweisen, was man aus einem Elektroauto herausholen kann. Ein Statement, das die Konkurrenz in Kalifornien und China beeindrucken soll. Und das ist gelungen.

Ladedauer: 20 Minuten genügen 

Auch die Ladeleistung und damit das Tempo beim Aufladen an der Ladesäule sind dank des 800-Volt-Systems höher als bei anderen Elektroautos. Mit bis zu 270 kW kann der Taycan an speziellen Säulen wie denen von Ionity aufgeladen werden. Die Ladezeit beträgt dann theoretisch circa 25 Minuten von 5 auf 80 Prozent Akkufüllstand. Und das bei einem großen Akku von über 90 kWh Gesamtkapazität brutto.

Allerdings herrschen nur sehr selten ideale Bedingungen. Und die braucht man für optimale Ladeleistung. Das geben die Porsche-Techniker im Gespräch unumwunden zu. Oft kommt einfach weniger Strom aus der Steckdose, aber 20 Minuten genügen in aller Regel vollkommen, auch wenn mal "nur" 140 Kilowatt anliegen. Mit welchem Tempo genau der Akku des Porsche Taycan geladen wird, wird von den ADAC-Ingenieuren noch ermittelt.

Traktion und Straßenlage sind absolut top

Dass der große Batterieblock zwischen den Achsen des Taycan verstaut ist, merkt man im Fahrbetrieb deutlich. Zum Glück nicht als hinderliches Strafgewicht, sondern durchaus als Gewinn: Der Taycan ist extrem satt mit der Straße verbunden, nimmt jede Kurve sicher und souverän und verliert selbst bei brachialem Krafteinsatz nicht die Haftung der Räder - ein sensationelles Fahrerlebnis.

Weniger Freude bereitet die Federung. Die ist so sportlich-straff ausgelegt, dass die Insassen auch kleine Verwerfungen der Straße zu spüren bekommen. Gut, auf einer Rennstrecke macht so eine straffe Abstimmung Sinn. Doch den einen oder anderen Fahrer könnte die Abstimmung auf dem Weg ins Büro schon mal auf die Nerven gehen.

Dafür kann er sich eines geräumigem Innenraums erfreuen: 366 Liter im hinteren Kofferabteil sowie 81 zusätzliche Liter unter der vorderen Haube sind alltagstauglich. Und auch im Fond sitzende Passagiere werden sich nicht beklagen, dass sie sich beengt fühlen oder nur schwer ins Auto krabbeln könnten.

Enormer Fahrspaß, wenig Verbrauch

Wieviel hat der Porsche Taycan Turbo nun auf der Testfahrt insgesamt an Energie verbraucht? Laut Bordcomputer waren es auf unserer Strecke durchschnittlich 22,9 kWh pro 100 Kilometer. Das ist weniger als Porsche im Prospekt angibt. Der Wert bestätigt, wie zurückhaltend und sparsam man mit einem Porsche fahren kann, wenn man will oder muss. Als durchgängiges Prinzip wird man die Fahrweise aber vermutlich nicht anwenden wollen.

Drei Versionen: 4S, Turbo und Turbo S

Technische Daten (Herstellerangaben)Porsche Taycan 4S Porsche Taycan TurboPorsche Taycan Turbo S

Leistung/Antrieb

320 kW/435 PS, 390 kW/530 PS Overboost-Leistung, 640 Nm Drehmoment, Allrad

460 kW/625 PS, 500 kW/680 PS Overboost-Leistung, 850 Nm Drehmoment, Allrad

460 kW/625 PS, 560 kW/761 PS Overboost-Leistung, 1050 Nm Drehmoment, Allrad

Fahrleistungen

0 – 100 km/h in 4,0 s;

0 – 200 km/h in 13,3 s

0 – 100 km/h in 3,2 s;

0 – 200 km/h in 10,6 s

0 – 100 km/h in 2,8 s;

0 – 200 km/h in 9,8 s

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h

260 km/h

260 km/h

Batteriekapazität

79,2 kWh brutto,

71,0 kWh

93,4 kWh brutto,

83,7 kWh netto

93.4 kWh brutto,

83,7 kWh netto

Verbrauch

24,6 kWh/100 km

26,0 kWh/100 km

26,9 kWh/100 km

Reichweite (nach WLTP)

333 bis 407 km

381 – 450 km

388 – 412 km

Ladeleistung

bis zu 225 kW

bis zu 270 kW

bis zu 270 kW

Karosserie-Maße

L 4,96 / B 1,97 / H 1,38 m

L 4,96 / B 1,97 / H 1,38 m

L 4,96 / B 1,97 / H 1,38 m

Luftwiderstand

0,22 cW

0,22 cW

0,22 cW

Radstand

2,90 m

2,90 m

2,90 m

Leergewicht/Zuladung

2215 kg/740 kg

2380 kg/575 kg

2370 kg/575 kg

Kofferraum

81 l vorn, 407 l hinten

81 Liter vorn, 366 Liter hinten

81 Liter vorn, 366 Liter hinten

Preis

ab 105.607 €

ab 152.136 €

ab 185.456 €

Technische Highlights des Porsche Taycan

Karosserie mit bestem cw-Wert aller aktuellen Porsche-Modelle

Die vollverzinkte Karosserie besteht aus einem Materialmix aus Aluminium und Stahl. Bei hohem Tempo wird die Karosserie mithilfe der Luftfederung in zwei Stufen abgesenkt. Außerdem sind die Lufteinlässe an der Front regelbar. Luftwiderstandsbeiwert: cw 0,22.

800 Volt Systemspannung

Üblich bei Elektroautos ist eine Systemspannung von 400 Volt. Das System des Porsche Taycan arbeitet mit 800 Volt. Das sogt für eine außergewöhnlich hohe Dauerleistung, reduziert die (Warte-)Zeit für das Aufladen des Akkus und verringert das Gewicht sowie den notwendigen Bauraum für die Verkabelung im Fahrzeug.

Performance-Batterie

Die Gesamtkapazität des Lithium-Ionen-Akkus im Unterboden von Taycan Turbo und Turbo S beträgt 93,4 kWh. Der Akku wiegt 650 Kilogramm und trägt zu einem tiefen Schwerpunkt des Fahrzeugs bei. Die spätere Basisversion des Taycan bekommt eine etwas kleinere Batterie. Die Akkus werden vom Zulieferer Dräxlmaier gefertigt, die Zellen stammen von LG Chem. Das Batteriepaket besteht aus 33 Modulen à 12 Zellen. Das Alu-Gehäuse der Batterie ist Teil der Sicherheitsstruktur des Taycan.

Zwei Elektromotoren bedeuten Allradantrieb

Der Taycan wird von zwei permanent erregten Elektromotoren angetrieben, die als besonders effizient gelten. Dabei setzt Porsche auf eine sogenannte Hairpin-Technologie, das heißt, die Wicklung der Statorspulen bestehen aus Drähten, die nicht rund, sondern eckig sind. Dadurch steigt der Füllraum mit Kupfer auf 70 statt 45 Prozent.

Der Motor an der Vorderachse ist kleiner sowie leichter und entwickelt eine Leistung von 190 kW. Der größere Motor am Heck leistet 300 kW und ist mit einem Zweiganggetriebe verbunden, wobei der erste Gang nur bei sehr sportlicher Beschleunigung im unteren Tempobereich aktiviert wird. 

Ultraschnelles Aufladen ("High-Power-Charging")

Dank der 800-Volt-Spannungslage kann der Taycan aktuell mit einer Ladeleistung von bis zu 270 kW geladen werden. Ausgelegt ist das System sogar auf 350 kW (Jahr 2021/2022). Der limitierende Faktor besteht in der Batterie, die zur Zeit nicht mehr verträgt. Realistisch ist an HPC-Säulen von Ionity mit einer Ladeleistung von 150 kW zu rechnen. An den gängigen 400-Volt-Säulen funktioniert das Laden mit 50 kW. Die dafür notwendige CCS-Buchse befindet sich rechts vor der Beifahrertür.

Gegen einen Aufpreis von 416,50 Euro soll ein Hochvolt-Booster von Porsche erhältlich sein, mit dem dann auch bis zu 150 kW Ladeleistung realisiert werden kann. Wechselstrom-Laden (AC) zu Hause ist serienmäßig nur mit bis zu 11 kW möglich. Ein 22-kW-Onboardlader ist in Planung. Beim AC-Laden kommt die Typ-2-Buchse auf der linken Seite des Fahrzeugs zum Einsatz.

Fahrwerk und Bremsen

Für eine sichere Straßenlage sorgt das 4D-Chassis-Control-System von Porsche. Dazu gehören die adaptive Luftfederung mit Dreikammer-Technologie inklusive elektronischer Dämpferregelung (PASM), die elektronische Wankstabilisierung (PDCC Sport) sowie das Torque-Vectoring (PTV Plus). In Kombination mit den zwei Elektromotoren führt das zu einem in Echtzeit geregelten Allradantrieb. 

Rekuperation

Im Unterschied zu anderen Elektroautos, rekuperiert und bremst der Porsche Taycan nicht, sobald der Fahrer den Fuß vom Strompedal nimmt. Einen Schalter, wodurch die Rekuperationsleistung/Bremswirkung eingestellt werden kann, gibt es nicht.

Der Taycan soll also vor allem den einmal gewonnenen Schwung mitnehmen. Tritt der Fahrer mit dem Fuß leicht aufs Bremspedal, verzögert das Auto allein durch die Rekuperation (Energierückgewinnung) der Elektromotoren. Erst wenn der Fahrer kräftiger aufs Pedal drückt, setzt die mechanische Wirkung der Scheibenbremsen ein. Porsche geht davon aus, dass 90 Prozent aller Bremsvorgänge allein über die Elektromotoren abgewickelt wird.

Trotzdem hat der Taycan selbstverständlich eine Hochleistungs-Bremsanlage mit riesigen Bremsscheiben an Bord, die enorme Verzögerungswerte produziert. Die maximale Rekuperationsleistung gibt Porsche mit 265 kW an. Das ist enorm.

Wärmepumpe

Die Wärmepumpe nutzt die Abwärme des Antriebs zum Erwärmen des Innenraumes. Wie groß der Reichweitengewinn sein kann, hat Porsche bisher nicht bekannt gegeben.

Nachhaltige Fahrzeugproduktion 

Die Produktion des Porsche Taycan im Stammwerk Zuffenhausen soll mittels Blockheizkraftwerk so weit nachhaltig und CO₂-arm wie möglich funktionieren. Der Innenraum des Taycan wird zum Teil mit wiederverwerteten Materialien gefertigt.

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