Porsche Taycan im Test: So gut ist der Elektro-Sportwagen

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Porsche startet mit dem Elektro-Sportwagen Taycan durch. Macht er intern dem Klassiker 911 Konkurrenz? Vergleich des Taycan 4S Plus gegen den 911 Carrera S. Dazu: technische Neuerungen und Besonderheiten des Taycan

  • Antriebs-Versionen von 86.000 bis 186.000 Euro

  • Im Test: Porsche Taycan 4S mit 420 kW/571 PS

  • Überragende Fahrleistungen, gute Langstreckentauglichkeit

  • Technik-Highlights erklärt

Auch eingefleischte Porsche-Fahrer kommen immer mehr ins Grübeln: Muss es tatsächlich der 911 Carrera sein? Oder lohnt es sich, zum elektrischen Sportwagen Taycan zu wechseln – und leise sowie ohne Abgas unterwegs zu sein?

Kunden haben die Qual der Wahl. Zumal es für den Porsche Taycan inzwischen sieben verschiedene Antriebsversionen gibt: mit Leistungen von 300 bis 560 kW, zu Preisen von 86.000 bis 186.000 Euro. Als neueste Version im Programm ist der Taycan GTS, der knapp unter dem Taycan Turbo angesiedelt ist. Von der Papierform her lässt sich somit auf jeden Fall etwas finden, was auf Augenhöhe mit dem Porsche 911 rangiert.

Daten Hersteller

Leistung/ Akku

Sprint/Vmax

Reichweite

Preis

Taycan

300 kW/79 kWh

5,4 s/230 km/h

432 km

85.543 €

Taycan Plus

350 kW/93 kWh

5,4 s/230 km/h

486 km

91.267 €

Taycan 4S

390 kW/79 kWh

4,0 s/250 km/h

409 km

106.487 €

Taycan 4S Plus

420 kW/93 kWh


4,0 s/250 km/h

464 km

113.008 €

Taycan GTS

440 kW/93 kWh

3,5 s/250 km/h

505 km

131.834 €

Taycan Turbo

500 kW/93 kWh

3,2 s/ 260 km/h

453 km

153.016 €

Taycan Turbo S

560 kW/93 kWh

2,8 s/260 km/h

417 km


186.336 €

Um der Eingangsfrage auf die Spur zu kommen, haben wir uns den Spaß gemacht, die Testergebnisse vom Taycan 4S Plus und dem 911 Carrera S zu vergleichen: 300 kW unter Hochspannung gegen 331 kW mit hochoktanigem Benzin im Tank. Selbstverständlich sind das zwei technische Konzepte, die jeweils völlig anders sind. Aber es muss ja Gründe haben, dass von Januar bis September 2021 weltweit mehr Taycan-Exemplare verkauft wurden als Modelle von der Klassiker-Baureihe 911, wie Porsche mitteilt. Im Kundenvotum hat der Taycan offenbar eine ganze Menge Argumente auf seiner Seite.

Mit 250 km/h über die Autobahn?

Punkt eins: Atemberaubende Fahrleistungen bieten beide. Bei der Höchstgeschwindigkeit nehmen sie sich nichts: Mit 250 km/h über die Autobahn zu schnüren, geht locker. Doch der "Spaß" ist im Porsche Taycan dann von kurzer Dauer. Der Akkufüllstand geht bei diesem Tempo so schnell zur Neige, dass die nächste Lademöglichkeit garantiert zur Haltestation wird.

ADAC Messwerte (Auszug)

Taycan 4S Performance Plus

911 Carrera S zum Vergleich

Überholvorgang 60-100 km/h

2,3 s

2,0 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,9 m

30,9 m

Wendekreis

10,9 m

10,9 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

23,6 kWh/100 km, 130 g CO₂/km (well-to-wheel)

10,0 l Super/100 km, 275 g CO₂/km (Well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

**

Reichweite

400 km

640 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,4 dB (A)

72,8 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

2322 / 558 kg

1575 / 410 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

330 / 655 / - l

135 /- /- l

Nur, man gestatte einmal diese Frage: Ist eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (oder sogar mehr) heutzutage noch relevant? Wo gibt es denn noch freie Autobahnen, wo Topspeed zu fahren möglich wäre? Noch dazu hat der Porsche Taycan in einem weiteren Leistungskriterium zumindest gefühlt die Nase vorn: seine ansatzlose Beschleunigungskraft, die man beim Überholen eines Lkw oder beim Herausbeschleunigen aus Landstraßenkurven auskosten kann. Das entschädigt mehr als genug für die erzwungene Zurückhaltung auf der Autobahn.

Punktsieg in der Umweltbewertung

Porsche Taycan beim Laden
An der Schnell-Ladesäule lädt der Taycan mit bis zu 270 kW © Porsche

Und die realistische Reichweite? Wer mit der Basisversion 4S ohne große Leistungseskapaden unterwegs ist, kann immerhin Fahrstrecken von etwa 400 Kilometer schaffen – vorausgesetzt es ist die 93 kWh fassende Performance-Batterie an Bord. Die Batterie des Basis-Taycan fasst nur 79 kWh – entsprechend kleiner ist der Aktionsradius. Klar, 400 Kilometer Reichweite ist im Vergleich mit anderen Elektroautos zwar sehr respektabel. Im Vergleich mit dem Markenbruder 911 aber eher nicht: Schließlich schafft der Carrera S mehr als 600 Kilometer mit einer Tankfüllung. Und selbstverständlich ist der Tank des 911 auch schneller wieder voll – beim Taycan kostet das Auffüllen des Akkus in etwa eine halbe Stunde.

Andererseits stößt der Porsche Taycan beim Fahren keinerlei Schadstoffe aus und schlägt den Porsche 911 in der CO₂-well-to-wheel-Betrachtung – auch unter Einbeziehung des CO₂-lastigen Kohlestroms im Netz. Das Ergebnis in der Umweltbewertung des ADAC Ecotest: Der 911 bekommt zwei Sterne, der Taycan vier von fünf möglichen Sternen. Der fünfte Stern wird dem Taycan übrigens nur deshalb verwehrt, weil der Energieverbrauch mit 23,6 kWh pro 100 Kilometer keinen Effizienz-Bestwert darstellt, der dafür vonnöten wäre.

Der Elektro-Sportwagen ist "vollgasfest"

Heck des Porsche Taycan fahrend
Brachial: Die Beschleunigung des Taycan ist atemberaubend © Porsche

Dazu stuft Porsche den Taycan als "vollgasfest" ein. Dadurch kann der Zuffenhausener Elektro-Sportwagen den Modellen von Tesla beispielweise Paroli bieten. Im Unterschied zu Tesla setzt Porsche nämlich auf die 800-Volt-Technologie, die im Zusammenspiel mit einem intelligenten Thermomanagement dafür sorgt, dass weder der Elektromotor noch die Elektronik oder die Batterie überhitzt. Auch nach mehrmaligen, kurz hintereinander erfolgenden Beschleunigungsorgien auf der Rennstrecke nicht.

Eine abgesperrte Rennstrecke braucht es tatsächlich, um das volle Leistungspotential des Taycan auszuloten. Im öffentlichen Straßenverkehr ist das praktisch unmöglich. Wer das Strompedal für einen Moment nur annähernd durchdrückt, spürt einen Schlag ins Kreuz, der fast wehtut. Dabei sorgt die schlaue Regelungstechnik dafür, dass weder die Reifen quietschen noch der Sportwagen von der Straße fliegt.

Traktion und Straßenlage sind top

Porsche Taycan 4s fahrend auf der Straße
Auffällige Erscheinung, auch dank der LED-Scheinwerfer © Porsche

Dass der große Batterieblock zwischen den Achsen des Taycan verstaut ist, merkt man im Fahrbetrieb deutlich. Zum Glück nicht als hinderliches Strafgewicht, sondern durchaus als Gewinn: Der Taycan ist extrem satt mit der Straße verbunden, nimmt jede Kurve sicher und souverän. Trotz dieser hohen Fahrperfektion und Leistung gelingt es dem Taycan aber nicht, den Bruder 911 in Sachen Sportlichkeit zu überflügeln: Während die ADAC-Ingenieure dem Taycan in puncto Fahreigenschaften die Note 1,7 zuschreiben, erhält der 911 die Note 1,1. Gleichauf liegt der Taycan im Testkapitel Motor/Antrieb: Hier erhalten beide die Traum-Note 0,9.  

Deutliche Vorteile beim Platzangebot

Blick auf das Cockpit des Porsche Turbo S mit Drive-Mode Schalter
Mit dem kleinen runden Drive-Mode-Schalter kann man den Taycan scharf schalten: Auf die Stufe Sport oder Sport plus © Porsche

Im Gegensatz zum 911 kann man sich im Taycan über ein großzügiges Platzangebot freuen: 366 Liter im hinteren Kofferabteil sowie 81 zusätzliche Liter unter der vorderen Haube sind alltagstauglich. Und auch im Fond sitzende Passagiere werden sich nicht beklagen, dass sie sich beengt fühlen oder nur schwer ins Auto krabbeln könnten. Im Porsche 911 hinten zu sitzen oder ausreichend Reisegepäck mitzunehmen ist dagegen praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Darüber hinaus bietet der Taycan auch in Sachen Komfort und Sicherheit mehr als der 911.

Fazit: Der Taycan hat die Nase vorn

Beim vergleichenden Blick auf die Testergebnisse stellen wir fest: Bei insgesamt fünf der sieben Testkapitel im ADAC Autotest hat der Porsche Taycan die Nase vorn. Der Taycan 4S erzielt die technische Gesamtnote 1,9, der Porsche 911 Carrera S nur die Note 2,6. Es gibt also tatsächlich gute Gründe, sich für den Taycan zu entscheiden – auch abgesehen vom Antrieb und der damit verbundenen Emotionalität.

Porsche Taycan 4S gegen Porsche 911 Carrera S

ADAC Testergebnis

Taycan 4S Performance Plus

911 Carrera S zum Vergleich

Karosserie/Kofferraum

2,7

3,3

Innenraum

2,6

2,9

Komfort

1,4

2,9

Motor/Antrieb

0,9

0,9

Fahreigenschaften

1,7

1,1

Sicherheit

1,5

2,8

Umwelt/Ecotest

2,5

3,3

Gesamtnote

1,9

2,6

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet
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Technische Highlights des Porsche Taycan

Karosserie mit bestem Cw-Wert aller aktuellen Porsche-Modelle

Die vollverzinkte Karosserie besteht aus einem Materialmix aus Aluminium und Stahl. Bei hohem Tempo wird die Karosserie mithilfe der Luftfederung in zwei Stufen abgesenkt. Außerdem sind die Lufteinlässe an der Front regelbar. Luftwiderstandsbeiwert: Cw 0,22.

800 Volt Systemspannung

Üblich bei Elektroautos ist eine Systemspannung von 400 Volt. Das System des Porsche Taycan arbeitet mit 800 Volt. Das sogt für eine außergewöhnlich hohe Dauerleistung, reduziert die (Warte-)Zeit für das Aufladen des Akkus und verringert das Gewicht sowie den notwendigen Bauraum für die Verkabelung im Fahrzeug.

Performance-Batterie

Das Gewicht des 93 kWh großen Lithium-Ionen-Akkus im Unterboden beträgt 650 Kilogramm und trägt zu einem tiefen Schwerpunkt des Fahrzeugs bei. Die Akkus werden vom Zulieferer Dräxlmaier gefertigt, die Zellen stammen von LG Chem. Das Batteriepaket besteht aus 33 Modulen à 12 Zellen. Das Alu-Gehäuse der Batterie ist Teil der Sicherheitsstruktur des Taycan. Die kleine Batterie hat einen Energieinhalt von 79 kWh (brutto).

Zwei Elektromotoren bedeuten Allradantrieb

Der Taycan wird von zwei permanent erregten Elektromotoren angetrieben. Dabei setzt Porsche auf eine sogenannte Hairpin-Technologie, das heißt, die Wicklung der Statorspulen bestehen aus Drähten, die nicht rund, sondern eckig sind. Dadurch steigt der Füllraum mit Kupfer auf 70 statt 45 Prozent. Die E-Maschinen sind so abgestimmt, dass sie bei mittleren und höheren Drehzahlen besonders effizient sind.

Der Motor an der Vorderachse ist (abhängig von der Modelversion) kleiner und leichter. Der größere und stärkere Motor am Heck ist mit einem Zweiganggetriebe verbunden, wobei der erste Gang nur bei sehr sportlicher Beschleunigung im unteren Tempobereich aktiviert wird. 

Ultraschnelles Aufladen ("High-Power-Charging")

Dank der 800-Volt-Spannungslage kann der Taycan aktuell mit einer Ladeleistung von bis zu 270 kW geladen werden. Ausgelegt ist das System sogar auf 350 kW.

Fahrwerk und Bremsen

Für eine sichere Straßenlage sorgt das 4D-Chassis-Control-System von Porsche. Dazu gehören die adaptive Luftfederung mit Dreikammer-Technologie inklusive elektronischer Dämpferregelung (PASM), die elektronische Wankstabilisierung (PDCC Sport) sowie das Torque-Vectoring (PTV Plus). In Kombination mit den zwei Elektromotoren führt das zu einem in Echtzeit geregelten Allradantrieb. 

Rekuperation

Der Taycan nimmt im Normalmodus den einmal gewonnenen Schwung mit, um Energie zu sparen. Tritt der Fahrer mit dem Fuß leicht aufs Bremspedal, verzögert das Auto allein durch die Rekuperation (Energierückgewinnung) der Elektromotoren. Erst wenn der Fahrer kräftiger aufs Pedal drückt, setzt die mechanische Wirkung der Scheibenbremsen ein. Porsche geht davon aus, dass 90 Prozent aller Bremsvorgänge allein über die Elektromotoren abgewickelt wird.

Trotzdem hat der Taycan selbstverständlich eine Hochleistungs-Bremsanlage mit riesigen Bremsscheiben an Bord, die enorme Verzögerungswerte produziert. Die maximale Rekuperationsleistung hat Porsche zur Markteinführung mit 265 kW angegeben.

Über eine Taste am Lenkrad lässt sich die persönlich oder aktuell bevorzugte Rekuperation (stärker - schwächer) individuell einstellen.

Nachhaltige Fahrzeugproduktion 

Die Produktion des Porsche Taycan im Stammwerk Zuffenhausen soll mittels Blockheizkraftwerk so weit nachhaltig und CO₂-arm wie möglich funktionieren. Der Innenraum des Taycan wird zum Teil mit wiederverwerteten Materialien gefertigt.

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