Ford Mustang Mach-E: Mit Akku statt V8 zum Tesla-Jäger

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Der neueste Ford Mustang ist kein Muscle-Car, sondern ein Elektro-SUV. Mit bis zu 487 PS starken Motoren und Reichweiten bis 610 Kilometer aber durchaus eines mit hohem Potential. Testfahrt, Infos, Daten, Bilder.

  • Der elektrische Ford Mustang ist ein SUV

  • Zwei Akkus mit 76 und 99 kWh; Reichweite: 400 bis 610 km

  • Motorleistung: Zwischen 198 und 358 kW

  • Preis ab 46.900 Euro, mit großem Akku ab 54.475 Euro

Er ist ein Mythos unter den Muscle-Cars und die Ikone der V8-Fraktion: Kaum ein Auto steht bei den "Petrolheads" höher im Kurs als der Ford Mustang. Ausgerechnet unter diesem Namen will Ford seine Kunden nun ins Elektrozeitalter beamen.

Nach über 50 Jahren wird dem nach wie vor erhältlichen bulligen Coupé ein SUV zur Seite gestellt, das in Deutschland ab Januar 2021 zu Preisen ab 46.900 Euro in den Handel kommt. Damit füllt der Mustang Mach-E zusammen mit dem Tesla Model Y die Lücke, die zwischen Volumenmodellen wie dem VW ID.4 und Premium-Stromern wie BMW iX3, Audi e-tron, Jaguar i-Pace und Mercedes EQC klafft.

Mach-E mit typischer Mustang-Optik

Ford Mustang Mach-E fahrend auf der Straße
Elektro-Mustang: Mix aus Sportwagen und SUV ∙ © Ford

Die Gene des Muscle-Cars bleiben dabei erhalten: Die endlos lange Haube, die sexy ausgestellten Kotflügel am Heck und natürlich die typischen Mustang-Rückleuchten mit ihren drei breiten Streifen. Neu und ungewohnt sind die Türen, denen die konventionellen Griffe fehlen, weil sie mit Sensoren öffnen und den Passagieren entgegen springen. Das sieht cool aus, ist aber nicht wirklich praktisch. Bei der Performance ist der Mach-E ein echter Mustang – und zwar nicht erst in der Ende 2021 kommenden GT-Version mit 487 PS, 860 Nm und einem Sprintwert von 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Schon im gefahrenen Volumenmodell können einem die Gäule durchgehen: Kaum gibt man dem Mustang Mach-e die Sporen, galoppiert er wild und willig davon. Von den gut und gerne 2,5 Tonnen ist nichts zu spüren, und weil die riesigen Akkus wie bei allen Elektroautos im Wagenboden sitzen und so den Schwerpunkt drücken, nimmt er selbst den Slalom unbeirrt. Wäre es nicht so leise hier an Bord und würde man nicht etwas höher sitzen, man würde sich fast in einem normalen Mustang wähnen.

99-kWh-Akku für 540 km Reichweite

"Volumenmodell" heißt in diesem Fall "Dualmotor" mit "Extended Range Akku" mit 88-kWh-Batterie (brutto 99 kWh) und Allradantrieb, 351 PS und 580 Nm. Und ein Sprintwert, der mit 5,1 Sekunden besser ist als bei einem Porsche Macan S, eine Spitze, die mit 180 km/h über VW ID.3 & Co liegt, und eine WLTP-Reichweite, die mit 540 Kilometern einen Audi e-tron quattro aussticht.

Darunter gibt es noch eine Version, die nur einen Motor an der Hinterachse hat, 269 (Standard Range mit 68-kWh-Batterie) oder 294 PS (Extended Range mit 88 kWh-Batterie) leistet und 440 bzw. 610 Kilometer weit kommt. Schon die Einstiegsversion dürfte den meisten reichen.

Mustang Mach-E: Maximal 150 kW Ladeleistung

Klar, dass das Navigationssystem weiß, wo die nächste Stromtankstelle zu finden ist. An Schnell-Ladestationen (HPC) – beispielsweise von Ionity, zu jenem Verbund auch Ford gehört – kann der Mustang Mach-E mit einer Leistung von bis zu 150 Kilowatt (kW) laden. Dadurch sollen bereits innerhalb von zehn Minuten rund 100 Kilometer Reichweite nachgeladen sein. Sind nur noch zehn Prozent Restenergie in der 99 kWh großen Batterie, kann man nach rund 45 Minuten Ladezeit mit 80 Prozent rechnen. Neu für die Marke Ford ist der Einsatz der serienmäßigen "Intelligent Range"-Funktion, die mittels Cloud präzise und realistische Reichweiten-Prognosen ermöglichen soll.

Elektroauto mit viel Platz; moderner Innenraum

Rückbank eines Ford Mustang Mach-E
SUV-typisch großzügige Platzverhältnisse im Innenraum ∙ © Ford

So eifrig der Mach-E den Mustang von außen zitiert und so sportlich der Stromer auch fährt, ist es mit der Verwandtschaft innen vorbei. Denn erstens ist der Mach-E bei 4,71 Metern Länge und knapp drei Metern Radstand natürlich viel geräumiger und damit der erste Mustang, in dem man auch hinten bequem sitzen kann. Selbst wenn er spürbar weniger Kopf- und Beinfreiheit bietet als etwa der VW ID.4.

Dafür aber hat er nicht nur hinten einen zwischen 402 und 1420 Liter großen Kofferraum, sondern kann auch vorn noch 100 Liter mitnehmen. Dort gibt es wie im Heck des kleinen Bruders Puma einen Ablauf, so dass der "Frunk" auch als Kühlbox oder für den Transport schmutziger Gegenstände genutzt werden kann.

Vorbild Tesla: Innen mit Riesenbildschirm

Cockpit eines Ford Mustang Mach-E
Wie bei Tesla mit großem Touchscreen: Ford wird modern ∙ © Ford

Und zweitens machen die Amis beim Interieur einen riesigen Sprung nach vorn. Selbst wenn der Mach-E keinen Premium-Anspruch hat, fühlt sich der Mustang solider an als jeder Tesla. Und vor allem sieht der Mach-E innen endlich mal modern aus und bringt frischen Wind in die Ford-Welt. Was ein 15-Zoll-Display, das aufrecht vor dem ansonsten gähnend leeren Cockpit thront und nur von einem kleinen Bildschirm hinter dem Lenkrad flankiert wird, so alles ausmacht. Fehlt nur noch ein Head-up-Display, das aus Kostengründen gestrichen wurde.

Dafür gibt es die üblichen Menüs zur Konfiguration von Laderoute und Klimakomfort und natürlich auch drei unterschiedliche Fahrmodi, die allerdings auch eher nach Mustang klingen als nach Generation E: Denn statt Eco, Komfort und Sport gibt’s "Whisper" (flüstern), "Enganged" (mitreißen) oder "Unbridle" (ungezügelt). Dann reagiert der Mach-E nicht nur zunehmend giftiger auf jeden Stromstoß, sondern fährt auch strammer und lenkt direkter.

Kein Mini-Wendekreis wie die Konkurrenz

Ford Mustang Mach-E fahrend von vorne
Ein Mustang im klassischen Sinne ist der Mach-E natürlich nicht ∙ © Ford

Geht man vom Gas rekuperiert der Mach-E weniger stark als die Konkurrenz und bremst daher nicht so stark ab. So wendig wie andere Stromer ist der Mach-E ebenfalls nicht. Wo diese aus dem Leerraum im Bug Kapital schlagen, deutlich größere Lenkwinkel erlauben und so auf sensationelle Wendekreise kommen, fühlt sich der Mustang an wie jeder konventionelle SUV seiner Größe. Aber das wird sich in Zukunft ändern. Schließlich hat Ford sich nicht umsonst in den Elektro-Baukasten des VW-Konzerns eingekauft und entwickelt die nächsten Akku-Autos auf Basis von VW-Know-how.

Selbst wenn Ford nicht alle Chancen genutzt hat bei der Elektrifizierung, macht der Mustang einen großen Sprung in die Zukunft und wirft dabei viele Traditionen über Bord. Nur an einem Wert halten die Amerikaner fest: Dem Sound. An dem haben sie beim Mach-E so lange komponiert, dass selbst die E-Motoren verdächtig nach V8 klingen. Den US-Musiker Matthew Dear hat dieser Klang derartig beeindruckt, dass er ihn in ein Lied mit dem Titel "New Breed"* umgewandelt hat.

Ford Mustang Mach-E: Technische Daten

Herstellerangaben

Ford Mustang Mach-E Standard Range (68 kWh)

Ford Mustang Mach-E Extended Range (88 kWh)

Ford Mustang Mach-E Standard Range AWD (68 kWh)

Ford Mustang Mach-E Extended Range AWD (88 kWh)

Motor/Antrieb

Elektromotor mit 198 kW/269 PS, 430 Nm, Heckantrieb

Elektromotor mit 216 kW/294 PS, 430 Nm, Heckantrieb

Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, 198 kW/269 PS, 580 Nm, Allradantrieb

Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, 258 kW/351 PS, 580 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen

6,1 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

6,2 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

5,6 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

5,1 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze

Batteriekapazität brutto / netto nutzbar

76 / 68 kWh

99 / 88 kWh

76 / 68 kWh

99 / 88 kWh

Reichweite

440 km

610 km

400 km

540 km

Verbrauch (WLTP)

17,2 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

16,5 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

19,5 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

18,7 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Maße

L 4,71 / B 1,88 / H 1,62 m

L 4,71 / B 1,88 / H 1,62 m

L 4,71 / B 1,88 / H 1,62 m

L 4,71 / B 1,88 / H 1,62 m

Kofferraum

402 - 1420 l hinten + 100 l vorn

402 - 1420 l hinten + 100 l vorn

402 - 1420 l hinten + 100 l vorn

402 - 1420 l hinten + 100 l vorn

Preis

ab 46.900 €

ab 54.475 €

ab 54.000 €

ab 62.900 €

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Text: Thomas Geiger mit Material von mid