Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

VW ID.3: Erste Testfahrt & Kostenvergleich

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © VW

Der lange angekündigte, vollelektrische VW ID.3 wird nun ausgeliefert. Der ADAC war mit dem Elektroauto auf Testfahrt. Infos, Daten, Reichweite, Preis. Plus: Kostenvergleich mit VW Golf und Elektro-Konkurrenten.

  • Drei Batteriegrößen für 330 bis 550 Kilometer Reichweite

  • Software-Probleme in zwei Schritten lösbar

  • Sicher: 5 Sterne im Euro NCAP

  • Kostenvergleich: ID.3 günstiger als Golf und Konkurrenz

Bei VW stehen die Zeichen auf Strom: Der VW ID.3 soll als erstes rein als Elektroauto konzipiertes Fahrzeug von Volkswagen die Welt der Elektromobilität gehörig aufmischen und als "Volks-E-Auto" in die Fußstapfen von VW Käfer und VW Golf treten. So sieht es zumindest VW. Was der ID.3 wirklich kann, klärt unsere erste Begegnung mit dem in Zwickau gebauten Wolfsburger.

Attraktiver Preis dank erhöhter Kaufprämie

Hilfreich auf dem Weg zum Erfolg ist in jedem Fall die neue Elektroauto-Förderung. Denn während es für herkömmliche Benziner und Dieselmodelle kein Geld gibt, rückt der ID.3 nun im Preis noch näher an ein konventionelles Auto. So liegt die First Edition mit 58 kWh Batteriekapazität für 420 Kilometer Normreichweite bereits jetzt auf dem Niveau eines gut ausgestatteten Golf Diesel (siehe Kostenberechnung weiter unten). Und wenn später das Basismodell mit 45 kWh und einem maximalen Aktionsradius von 330 Kilometern kommt, geht das Ticket ins Elektrozeitalter schon in Richtung 20.000 Euro – nach Abzug der Prämie.

Den Strom fürs erste Jahr packen die Niedersachsen momentan noch drauf. Und auch an Vielfahrer hat VW gedacht und einen 77-kWh-Akku für bis zu 550 Kilometer in Planung – so viel Energie steckt noch bei keinem Konkurrenten der Kompaktklasse in den Akkus. Weder beim Nissan Leaf noch beim Kia e-Niro oder Hyundai Ioniq. Mehr Konkurrenten hat der ID.3 momentan nicht, sieht man einmal vom Auslaufmodell Opel Ampera-e ab. Für Sportler soll es irgendwann eine potentere Version der R GmbH geben.

Der ID.3 fährt schnell und ist handlich

Dabei fährt schon der normale ID.3 wie ein GTI: Der hinten angeschlagene E-Motor leistet schließlich 150 kW/204 PS, seine 310 Nm liegen ab der ersten Umdrehung an. Das reicht für einen Kavalierstart mit quietschenden Reifen und einen Sprint von 0 auf 60 Sachen in 3,4 Sekunden. Tempo 100 hat er nach knapp acht Sekunden erreicht und mit 160 km/h Spitze schwimmt er buchstäblich mit dem Strom.

Bemerkenswert ist, wie leise des ID.3 fährt. Nicht einmal das Sirren des Elektromotors ist zu hören, selbst dann nicht, wenn das Gaspedal ganz durchgetreten wird. Erst bei außerstädtischem Tempo dringen Abroll- und Windgeräusche ans Ohr. Weil man dann regelrecht entkoppelt von der Außenwelt unterwegs ist und der ID.3 super-spontan auf Gasbefehle reagiert, sollte man den Tacho immer im Auge behalten – sonst ist der Führerschein schnell weiter entfernt als die nächste Ladesäule.

Während sich der Sprint anfühlt wie bei den meisten Stromern, müssen sich E-Fahrer im
ID.3 beim Bremsen umgewöhnen. Zwar schaut die Elektronik weit voraus, verzögert vor Kreuzungen, Gefällstrecken, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder beim Aufschließen zum Vordermann automatisch mit der elektrischen Motorbremse und gewinnt so reichlich Energie zurück.

Doch wer den Fuß vom Fahrpedal nimmt, der rollt im Standardprogramm meilenweit wie im Leerlauf dahin und wird selbst beim Wechsel in den B-Modus am Getriebewählhebel nur wenig gebremst. Das bei anderen Stromern verbreitete One-Pedal-Feeling – beim BMW i3 ist das zum Beispiel so – bietet der ID.3 somit nicht. Zudem muss man ziemlich fest in die Eisen steigen, damit der Elektrowagen wie gewohnt verzögert.

Und noch etwas ist anders als bei vielen anderen Akku-Autos: Weil der ID.3 den allein für Stromer konzipierten Elektroauto-Baukasten MEB nutzt und die Konstruktion anders als etwa beim Audi e-tron oder beim Mercedes EQC keine Verbrenner mehr berücksichtigt, hat das Fahrwerk eine andere Geometrie. Ergebnis: Der ID.3 fährt sich handlicher als ein VW Polo und kommt auf einen überraschend kleinen Wendekreis von gut zehn Metern.

Ein BMW i3 mag zwar durch seine sehr fahraktive und noch direktere Auslegung schnellere Haken schlagen als der VW ID.3, doch für den Volkswagen spricht seine sehr komfortable Federung, die auf einem Niveau mit der des Golf liegt. Nur bei Fahrzeugen mit großen 20-Zoll-Rädern muss man leichte Abstriche machen.

420 km Reichweite unter Idealbedingungen

Dass er mit seiner rund 500 Kilo schweren Batterie im Bauch kein Leichtgewicht ist, haben die Ingenieure dank tiefem Schwerpunkt und einer optimalen Gewichtsverteilung von 50:50 (Vorderachse/Hinterachse) geschickt kaschiert.

Dass die versprochenen 420 Kilometer Reichweite nur unter Idealbedingungen (reiner Stadtverkehr bei Wohlfühltemperatur) zu schaffen sind, ist auch bei anderen E-Autos so. Auf unseren ersten Testfahrten konnten wir bei gemischter Fahrweise rund 350 ermitteln.

Innenraum: Viel Platz, billiges Material

Den Spagat zwischen Gegenwart und Zukunft hat VW gut hinbekommen. Das gilt sowohl für das frische und futuristische Karosseriedesign als auch für die Bedienung mit einem stark reduzierten Cockpit und einer weitreichenden Sprachsteuerung. Auch die Lichtleiste unter der Frontscheibe, die mit ihrem Farbenspiel als zusätzlichem Dialogkanal zwischen Mensch und Maschine genutzt wird, gefällt. Es warnt etwa vor Gefahren (rot) oder wandert in die Richtung (blau), in die der Fahrer laut Navi abbiegen soll.

Kompakte Maße, gute Platzverhältnisse

Darüber hinaus sind die Platzverhältnisse geradezu konkurrenzlos: Weil der Motor kleiner ist als ein Verbrenner und die Akkus im Wagenboden verschwinden, ist der ID.3 innen geräumiger als man von außen annimmt: Mit 4,26 Metern Länge in der Golf-Klasse zu Hause, sitzt man im Fond so gut wie im Passat. Zumindest in Sachen Beinfreiheit. Bei der Innenraumbreite liegt der ID.3 allerdings dann doch wieder auf Golf-Niveau.

VW-Werk Zwickau: CO₂-neutrale Produktion

VW verspricht, den ID.3 "bilanziell" CO₂-neutral zu produzieren. Das heißt: Das E-Auto-Werk in Zwickau bezieht ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen. Außerdem sorgt ein eigenes Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung für Energie, das auf lange Sicht mit CO₂-neutralem Gas betrieben werden soll. Auch der Hersteller der Batteriezellen in Polen arbeitet mit Grünstrom. Darüber hinaus werden alle Teile-Lieferanten des ID.3 verpflichtet, möglichst viel CO₂ einzusparen.

Ganz ohne CO₂-Ausstoß ist eine industrielle Produktion aber nicht möglich. Als Ausgleich unterstützt VW deshalb Klimaprojekte und forstet zum Beispiel Wälder auf. Den großen CO₂-Rucksack, den viele E-Autos mitbringen, hat der ID.3 daher nicht.

Perfekt ist der VW ID.3 nicht

Es gibt aber dennoch Verbesserungspotential. So ist die Sicht nach hinten durch das kleine Heckfenster und die breite C-Säulenicht ideal. Und das Display hinter dem Lenkrad wurde zwar überschaubar groß und mit sehr reduzierten Inhalten gestaltet. Das ist an sich lobenswert, weil der Fahrer so nicht abgelenkt wird. Aber dass man dort weder den Gesamtkilometerstand noch den Tageskilometerzähler findet und danach in den Menüs des großen Bildschirms suchen muss, erscheint etwas übertrieben. Wie beim Golf ist der "Slider" unter dem Bildschirm für Lautstärke und Temperatur nicht beleuchtet. Das wird sich erst zur Modellpflege in ein paar Jahren ändern, wie VW-Markenchef Ralf Brandstätter einräumt.

Was zudem nicht zur bisher gewohnten VW-Qualität passt, ist die Materialauswahl im Innenraum, die von oben nach unten und von vorn nach hinten mit jedem Zentimeter ärmlicher wird. Nur dort, wo der Blick als Allererstes hinfällt und wo man den ID.3 immer wieder anfasst, gibt es Metall und unterschäumte Kunststoffe – ansonsten jede Menge grau in grau. Es sei denn man entscheidet sich für die wohl fleckempfindlichere weiße Innenausstattung, bei der sogar das Lenkrad eine weiße Farbe trägt.

5 Sterne beim Euro NCAP Test

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Beim neuen Euro NCAP Test 2020 wurde der ID.3 in den vier Kategorien Insassenschutz, Kindersicherheit, Fußgängerschutz/ungeschützte Verkehrsteilnehmer und aktive Sicherheit, überprüft. In allen Teilkategorien schnitt der neue ID.3 als vollelektrisches Fahrzeug der Unteren Mittelklasse so gut ab, dass er insgesamt die Höchstwertung von 5 Sternen erreichen konnte.

Beim Insassenschutz blieb die Fahrgastzelle des ID.3 bei allen Frontal- und Seiten-Crashtests stabil und schützte Fahrer, Beifahrer und Personen auf den Rücksitzen gut bis ausreichend. Gut funktionierte dabei auch der Zentralairbag, mit dem die Köpfe beider Insassen auf den Vordersitzen geschützt bleiben.

Bei der Kindersicherheit überzeugt der ID.3 ebenfalls: Im Frontal-Offset-Crashtest ist der Schutz beider Kinderdummys für alle kritischen Körperteile gut und im Seitencrash erreicht er für diesen Teil der Bewertung ebenfalls die maximale Punktzahl.

Bei den Tests mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern kann der ID.3 jedoch nicht ganz überzeugen. So erkennt das Notbremssystem z.B. Fußgänger im Abbiegevorgang nicht sicher oder detektiert sie beim Zurücksetzen im Bereich hinter dem Fahrzeug gar nicht.

Wieder durchweg gute Ergebnisse fuhr der ID.3 dagegen beim Test der Sicherheitsassistenten wie dem autonomen Notbremssystem (AEBS) oder dem Spurhalteassistenten ein.

VW ID.3 1st: Preise und Ausstattungen

Zunächst gibt es eine First Edition in drei Versionen. Außenfarben: Türkis, Mangangrau-Metallic, Mondsteingrau und Weiß. Das Dach ist immer schwarz. Für das Interieur gibt es fünf verschiedene Farbkombinationen. Akku: mittlere Größe mit 58 kWh. Serienmäßig ist der Elektrowagen mit 11 kW Ladeleistung beim AC-Laden ausgestattet, so dass ein komplett leerer Akku in rund sechs Stunden zu 100 Prozent gefüllt ist. Beim DC-Laden an Schnellladesäulen verträgt der ID.3 100 kW, was im Bestfall eine 80-Prozent-Ladung in 30 Minuten ermöglicht.

ID.3 First EditionID.3 First PlusID.3 First Max

38.987 €*

incl. 1 Jahr kostenloses Laden bis 600 €

44.835 €*

incl. 1 Jahr kostenloses Laden bis 600 €

48.735 €*

incl. 1 Jahr kostenloses Laden bis 600 €

Akku mit 58 kWh Kapazität

Akku mit 58 kWh Kapazität

Akku mit 58 kWh Kapazität

18-Zoll-Räder, DAB+, Navi Discover Pro, ACC, Lenkrad und Sitze beheizbar, Climatronic, Lichtautomatik

19-Zoll-Räder, zusätzlich Keyless Advanced, LED-Matrix-Scheinwerfer, Rückfahrkamera u.a.

20-Zoll-Räder, zusätzlich HUD, Soundpaket, Travel Assist, Panoramadach, Wärmepumpe u.a.

* Preise inkl. 16 % MwSt.

VW ID.3: Technische Daten und Preise

Technische Daten45 kWh58 kWh77 kWh

Motor/Antrieb

Elektromotor mit 107 kW/146 PS, 310 Nm, Heckantrieb

Elektromotor mit 107 kW/146 PS (150 kW/204 PS), 310 Nm, Heckantrieb

Elektromotor mit 150 kW/204 PS, 310 Nm Heckantrieb

Fahrleistungen

ca. 8,5 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

ca. 8,5 s (7,3 s) auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

7,3 - 7,9 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

Reichweite im WLTP, praxisnahe Spanne laut VW

330 km, k.A.

420 km, 300 - 420 km

550 km, 390 - 550 km

Ladetechnik

AC-Laden mit 7,4 kW (Basisversion), sonst 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 50 kW (Serie) und bis zu 100 kW (Aufpreis)

AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 100 kW

AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 125 kW

Maße

L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m

L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m

L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m

Kofferraum

385 l

385 l

385 l

Garantie auf die Batterie

8 Jahre bis 160.000 km

8 Jahre bis 160.000 km

8 Jahre bis 160.000 km

Leergewicht (m. Fahrer)

ca. 1720 kg

ca. 1800 kg

ca. 1900 kg

Preis

29.900 €

ab 35.575 €

ab 40.936 €

Preise mit 16 % MwSt. Die aktuellen Förderprämien müssen noch abgezogen werden

Kosten: ID.3 günstiger als Golf und Elektro-Konkurrenz

Elektroautos sind viel teurer als Autos mit Verbrennungsmotor und somit keine wirkliche Alternative – so das gängige Klischee. Vor ein paar Jahren mag das noch gestimmt haben, doch heute ist das nicht mehr so: Mit einem Elektroauto fährt man oft sogar günstiger als mit einem vergleichbaren Verbrenner, wie aktuelle Kostenvergleiche des ADAC ergeben haben.

Dabei wirkt sich vor allem die deutlich höhere Kaufprämie für Elektroautos von bis zu 9000 Euro aus, die sich Staat und Hersteller teilen.

Hier die Beispielrechnungen für den VW ID.3 1st im Vergleich zu einem VW Golf Benziner und einem Golf Diesel sowie zu Konkurrenzmodellen:

In der Gesamtkostenrechnung (fünfjährige Haltedauer, 15.000 km/Jahr) schlägt der VW ID.3 unter Berücksichtigung der Elektro-Kaufprämie vergleichbar motorisierte und ausgestattete Golf-Modelle mit Benziner und Diesel deutlich – sogar bei einem angenommenen Nachlass auf den Kaufpreis der Verbrenner-Modelle von zehn Prozent. Als Gründe sind der absolut geringere Wertverlust, die niedrigeren Fixkosten (keine Kfz-Steuer) und vor allem die deutlich besseren Typklasseneinstufungen des ID.3 zu nennen. Hinzu kommen gegenüber den Verbrennern die niedrigeren Betriebskosten und auch die geringeren Ausgaben für die Werkstatt (vor allem Inspektion und Wartung).

Die Golf-Modelle mit Verbrenner könnten in der Beispielrechnung des ADAC nur mit einem kräftigen Nachlass auf den Kaufpreis mit dem Elektro-ID.3 gleichziehen: Beim Golf Benziner müsste man rund 20 Prozent Nachlass aushandeln, beim Diesel sogar rund 25 Prozent, um auf die Kilometerkosten des ID.3 zu kommen.

ID.3 günstiger als andere Elektroautos

Auch bei der Gegenüberstellung mit vergleichbaren elektrischen Konkurrenzmodellen steht der ID.3 durch die Bank besser da. Verglichen mit Hyundai Ioniq und Nissan Leaf kommt der (prognostizierte) geringere Wertverlust und die bessere Versicherungseinstufung zum Tragen. Das Tesla Model 3, das eine Fahrzeugklasse über dem ID.3 angesiedelt ist (Mittel- statt Kompaktklasse), hat größere Kosten für Wartung und Reifen und einen durch den höheren Kaufpreis bedingten größeren absoluten Wertverlust.

ADAC Autokosten: Das sind die Berechnungsgrundlagen im Detail
PDF, 65.3 KB
PDF ansehen

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler