Nio ET5: Ambitionierte Limousine mit eigenen Ideen

Angriffslustig in Design und Technik: Der Nio ET5 platziert sich als Elektro-Limousine im Markt
Angriffslustig in Design und Technik: Der Nio ET5 platziert sich als Elektro-Limousine im Markt© Nio

Die E-Limousine des chinesischen Herstellers Nio will es mit der hochpreisigen Konkurrenz aufnehmen. Der Nio ET5 setzt dabei selbstbewusst eigene Akzente und will gerade beim Thema Sportlichkeit nicht zurückstehen. Daten, Bilder, Infos.

  • Zwei Batterie-Versionen: 75 kWh oder 100 kWh

  • Zeitersparnis durch Akkutausch statt Aufladen

  • Originelle Lösung bei der Sprachsteuerung

Der chinesische Hersteller Nio hat mit dem Start des Nio ET7 für Furore gesorgt. Das edle Design, die innovative Möglichkeit den Akku zu tauschen und nicht zuletzt der Vergleich des Nio-Gründers William Li mit Elon Musk machen die Marke zum vielbeachteten Branchenneuling. Der ET5 kommt als zweites Nio-Modell im Januar 2023 auf den Markt und will es – bezogen auf Image und Technik– mit Tesla und der hochpreisigen europäischen Konkurrenz aufnehmen. Kann der ET5 diesem Anspruch gerecht werden?

Elektro-Limousine mit eigener Identität

Die sehr schmalen und langen Frontlichter sorgen für ein schnittig-sportliches Gesicht © Nio

Optisch gleichen sich ET5 und ET7 mit Ausnahme weniger Details am Heck bis zum letzten Schräubchen, auch wenn die Mittelklasse-Limousine ET5 21 Zentimeter kürzer ist. Die Haube läuft ebenso scharf nach vorne zu, die sehr schmalen Lichter sorgen in Verbindung mit den markanten Windeinlässen, die ein wenig an Nüstern erinnern, für einen angriffslustigen Eindruck. Im Vergleich zum eher runden Tesla Model 3 gelingt Nio eine eigene optische Identität. Das Panoramadach ist serienmäßig und vermittelt gerade bei hellen Lichtverhältnissen ein sehr offenes Raumgefühl.

Nio ET5: Bald bis zu 1.000 km Reichweite

1000 km Reichweite. Diese Angabe wird immer wieder mit Nio verknüpft und ist auch beim ET5 auf der Nio-Website zu finden. Doch bei genauerem Hinschauen zeigt sich, dass der ET5 zum Marktstart noch nicht so weit kommen wird: Denn hier wurde noch mit dem in China üblichen CLTC- und nicht dem in Europa üblichen WLTP-Verfahren und außerdem mit einer 150-kWh-Batterie getestet. Diese ist noch nicht Bestandteil der Serienproduktion, 2024 könnte es damit so weit sein.

Erst einmal können Kundinnen und Kunden also nur zwischen einer 75-kWh- und 100 kWh-Batterie wählen, die Reichweiten zwischen 405-445 Kilometern bzw. 525-580 Kilometern ermöglichen sollen. Verglichen mit der E-Limousinen-Konkurrenz ist dies eher durchschnittlich: Der BMW i4 kommt nach Herstellerangabe 576 Kilometer weit, hat allerdings nur eine Batterie mit 83,9 kWh, der noch nicht erschienene Hyundai Ioniq 6 verspricht mit seiner 77 kWh "kleinen" Batterie stolze 610 Kilometer. Also deutlich mehr als der ET5 selbst mit dem größten Akku.

Grund für diese guten, aber nicht herausragenden Werte ist der vergleichsweise hohe Verbrauch: 21-19 kWh sind für 100 Kilometer Fahrt nötig, deutlich mehr als etwa die Performance-Version des Tesla Model 3 mit 16,6 kWh/100 km. Dafür kann der ET5 bei der Leistung mit der kalifornischen Konkurrenz mithalten, beide verfügbaren Versionen bringen es auf satte 360 kW/489 PS. In vier Sekunden schnellt die chinesische Limousine damit von 0 auf 100 km/h, nur einen Lidschlag langsamer als der Tesla (3,4 Sekunden).

Innovativ: Nio lädt zum Batterie-Boxenstopp

In puncto sportlichem Fahren muss Nio sich nicht verstecken: In 4 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h © Nio

Auch wenn sich die Wartezeiten vor allem durch Schnellladesäulen an der Autobahn und immer besserer Technik schon stark verkürzt haben, kann man mit dem Nio ET5 nun in Rekordzeit neue Reichweite generieren: An Nio-exklusiven Anlagen, den "Power Swap Stations", wird der leergefahrene Akku komplett durch einen neuen ersetzt. Nur etwa fünf Minuten dauert dieser Prozess, während dessen das Fahrzeug autonom in die Akkutausch-Garage fährt, die Batterie vollautomatisch ausgetauscht wird und das Auto anschließend wieder geladen bereitsteht. Zwei dieser Stationen gibt es aktuell schon in Deutschland, laut Nio-Gründer Li sollen insgesamt einmal 100 Wechselstationen entlang der deutschen Autobahnen entstehen. Für Nio-Kunden ist dieser Batterie-Boxenstopp, freilich abgesehen von den regulären Stromkosten, kostenlos.

Wer gerade nicht zufällig in der Nähe einer der derzeit zwei Stationen unterwegs ist, kann den ET5 auch wie gewohnt an AC- oder DC-Säulen laden. 11 bzw. 130 kW Ladeleistung stehen dafür zur Verfügung, was angesichts des hochinnovativen Swap-Konzepts eher moderate Werte sind. Zum Vergleich: Der gerade veröffentlichte Volvo EX90 schafft 250 kW beim Schnellladen, der BMW iX1 beim Laden mit Wechselstrom 22 kW.

Innen minimalistisch, aber mit Kniff bei der Sprachsteuerung

Glatte Linien und typisch technisch-minimalistischer Innenraum. Einzig "Nomi" schafft beim Nio ET5 ein wenig optische Varianz © Nio

Gerade mit Blick auf Vorbild und Konkurrent Tesla ist es kaum ein Wunder, dass der Nio ET5, wie auch der ET7, einen sehr minimalistisch gehaltenen, reduzierten Innenraum anbietet. Kaum ein drückbarer Knopf ist noch vorhanden, die Steuerung des Infotainmentsystems findet nur auf dem 12,8 Zoll Touch-Display statt. Das gilt auch für das Einstellen der Fahrmodi, von den acht zur Auswahl stehen: Der "Eco"-Modus erhöht zum Beispiel die Reichweite, während bei "Sport +" die Performance und bei "Nass" das sichere Fahrverhalten bei rutschiger Fahrbahn im Mittelpunkt steht.

Der Wegfall haptischer Elemente vergrößert beim ET5 wie in vielen Modellen anderer Hersteller die Bedeutung der Sprachsteuerung. Nio hat seine Sprachassistentin Nomi getauft, doch sie tritt deutlich persönlicher in Erscheinung als von anderen Assistenzen gewohnt: Nomi ist eine kleine Kugel über dem Display, blinzelt mit digitalen Augen und neigt sich beim Sprechen zu Fahrerin oder Beifahrer. Kleine Emotes wie etwa eine winkende Hand sollen eine persönliche Bindung herstellen. Obwohl nur ein Gimmick, zeigt es dennoch den Willen des chinesischen Herstellers, bei etablierten Funktionen Innovationen zu wagen.

Abonnement statt fester Preis beim Nio ET5

Das sieht man zu guter Letzt auch bei den Vertriebswegen: Den Nio ET5 soll es vornehmlich innerhalb eines Abomodells geben: Je nach Vertragsdauer und Akkugröße variiert der monatliche Preis zwischen 999 Euro und 1200 Euro, je länger man den Wagen mietet, desto günstiger wird er. Abgedeckt durch das Abo sind dann auch weitere Services wie fällige Reparaturen, Reifenwechsel und Versicherung. Ob der ET5 genauso wie der ET7 (69.000 Euro) auch gekauft werden kann, ist noch nicht bekannt.

Der Marktstart ist zwar offiziell für Januar 2023 angesetzt, lieferbar sind sämtliche Modelle laut Nio-Website allerdings erst in 6-8 Monaten. Vorbestellungen sind allerdings schon möglich.

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