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VW Golf 8: Überraschend anders – erste Testfahrt

Neuer VW Golf 8 fahrend auf einer Brücke
Außen wurde der Golf 8 nur dezent verändert ∙ © Volkswagen

Die achte Generation des VW Golf steht bei den Händlern – mit einigen Überraschungen an Bord. Testfahrt, Daten, Motoren, Bilder, Preise.

  • Der Golf wurde digitaler: Öffnen per Smartphone, Extras lassen sich online nachbestellen

  • Weniger Knöpfe und Schalter: Die Bedienung erfolgt weitgehend per Touchscreen

  • Motoren: Große Bandbreite von 90 bis 300 PS

  • Erstmals fünf Hybridversionen und ein CNG-Erdgasmodell

Aufregend? Das war ein VW Golf zwar noch nie. Doch der Schritt vom Golf 7 zum Golf 8 ist größer, als man auf den ersten Blick vermuten würde, wie wir bei unserer ersten Testfahrt feststellen konnten. Die nur dezent weiterentwickelte Optik mit ein paar geschärften Konturen, einer stärker ausgeformten Motorhaube und prägnanteren Scheinwerfern täuscht zunächst – optisch bleibt der Golf einfach er selbst.

Der Aha-Effekt kommt, sobald man die Tür öffnet: Innen ist alles anders als zuvor! Analoge Instrumente sind digitalen gewichen, Knöpfe weitgehend verschwunden. Hinter dem Lenkrad gibt es ein Display, das sich der Fahrer nach seinem Geschmack einrichten kann. Erstmalig werden Fahrinfos wie Geschwindigkeit, Tempolimit oder Navi-Hinweise via Head-up-Display (Aufpreis) in die Scheibe projiziert.

VW Golf 8 mit neuem Bediensystem

Ein 8,25 Zoll großer Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts (10 Zoll gegen Aufpreis) steuert als Kommandozentrale vom Radio bis zu den Grundeinstellungen und Assistenzsystemen so ziemlich alles. Nur ein kleines Tastenfeld für "Licht und Sicht" links vom Lenkrad und eines in der Mittelkonsole bleiben. Das ist mutig – doch die Umgewöhnung dürfte zumindest keinem schwer fallen, der den Umgang mit Tablets und Smartphones gewöhnt ist. Die Menüs sind klar strukturiert, teilweise bebildert und weitgehend intuitiv zu bedienen. Dass die übrig gebliebenen Tasten rund um den Warnblinkschalter mit dürrer weißer Schrift auf schwarz glänzendem Grund kaum abzulesen sind, hätte allerdings nicht passieren dürfen.

Für die Heizung gibt es feste "Slider" am Fuß des Bildschirms: Einfach mit dem Finger nach links oder rechts wischen und es wird kälter oder wärmer. Und im zusätzlichen Heizungsmenü auf dem Touchscreen kann man nicht nur die üblichen Standards einrichten (z.B. die Luft auf die Scheibe leiten), es gibt jetzt auch "smarte" Funktionen wie z.B. "Hände wärmen" – dann springt die Lenkradheizung an und es strömt warme Luft aus den Düsen.

Doch der Golf kann noch mehr. Er öffnet und startet auf Wunsch per Smartphone statt mit Schlüssel (momentan nur mit Samsung-Handys). Bis zu 15 Fahrer können so berechtigt werden. Vieles lässt sich per Sprache bedienen ohne dass man Befehle auswendig lernen muss. Frei gesprochene Sätze versteht das System nach dem Aktivierungszuruf "Hallo Volkswagen" erstaunlich gut.

Wir haben es ausprobiert: "Es zieht" zu sagen reicht, damit das Gebläse heruntergeregelt wird und "ich brauche Benzin" mündet in eine Liste von Tankstellen in der Nähe. Wer zu Hause Alexa nutzt, kann den Amazon-Sprachassistenten zusätzlich mit dem Golf verknüpfen.

Car2X: Der Golf spricht mit anderen Autos

Legt sich der Fahrer ein VW-Benutzerprofil an, werden Sitzeinstellungen, Radiosender oder Temperatur in der Cloud gespeichert. Die persönlichen übertragen sich so automatisch auf andere Fahrzeuge, etwa auf einen gemieteten (neuen) Golf im Urlaub. Manche Extras lassen sich sogar nachträglich über den Bordbildschirm kaufen bzw. freischalten. Wer zum Beispiel kein Navi geordert hat, dann aber doch eines braucht, rüstet den Golf online nach. Das klappt auch mit dem Abstandsradar ACC (dessen Hardware immer verbaut ist) oder der Ambientebeleuchtung.

Als erstes Auto überhaupt ist der Golf mit der Außenwelt ("Car2X") vernetzt. Im Umkreis von 800 Metern tauscht er sich mit anderen Fahrzeugen in Millisekunden via WLAN aus und warnt vor Unfällen, Pannen, einem Stauende oder einem sich näherndem Krankenwagen.

Weil sich die Autobauer auf einen einheitlichen Standard geeinigt haben, können sich künftige Modelle herstellerübergreifend austauschen. Doch eine entsprechende Marktdurchdringung dürfte noch einige Jahre dauern.

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Platzverhältnisse wie beim Vorgänger

Gut: Es bleibt bei den kompakten und überschaubaren Maßen, die in etwa dem des Golf 7 entsprechen. Die Länge ist von 4,26 auf 4,28 Meter um nur zwei Zentimeter gewachsen, die Breite bleibt bei 1,79 Metern und die Höhe ist um drei Zentimeter geschrumpft auf 1,46 Meter. Weil auch der Radstand in etwa gleich geblieben ist (2,64 m), ändert sich an den Platzverhältnissen im Innenraum nichts. Sie fallen nach wie vor ordentlich aus, auch auf den hinteren Plätzen. Die Sitze sind bequem und gut konturiert.

Und wie fährt sich der Golf 8? Tadellos und eigentlich so wie ein alter Bekannter, wegen seiner direkteren Lenkung aber einen Hauch sportlicher als zuvor. Dass das Fahrwerk nach wie vor kommod federt, die Geräusche gut weggedämmt sind und das neue Sechsganggetriebe problemlos durch die Gassen flutscht, war zu erwarten. Besonders angenehm ist aber, dass das DSG-Automatikgetriebe nun auch beim Anfahren völlig ruckfrei funktioniert – das war bei VW nicht immer so.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. ∙ Bild: © ADAC

Alternative Antriebe: Erdgas und Hybrid

Beim Antrieb ist der neue Golf breit aufgestellt und bietet neben konventionellen Benzinern und Dieseln mit Leistungen zwischen 90 und 150 PS wieder ein Erdgasmodell (130 PS), erstmals zwei Plug-in-Hybride mit 204 und 245 PS Systemleistung (elektrische Reichweite ca. 70 Kilometer) und drei Mild-Hybride, bei denen der Benziner von einem Startergenerator mit 48-Volt-Technik elektrisch unterstützt wird. Letztere gibt es nur in Kombination mit DSG-Getriebe. Bei unseren ersten Testfahrten konnten wir den 1.5 TSI mit 130 PS und den Mildhybrid mit 150 PS und DSG bewegen. Der 130-PS-Motor mit Zylinderabschaltung ist auf Sparsamkeit getrimmt und beschleunigt den Golf zwar in 9,2 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht eine Spitze von 214 km/h. Doch gefühlt wirkt er deutlich schwächer: Es fehlt der letzte Biss und die Durchzugskraft, die man bei 130 PS eigentlich erwarten könnte. Da stellt sich die Frage, ob sich der Mehrpreis zum 1.0 mit 110 PS wirklich lohnt.

Wer richtig flott unterwegs sein will, sollte sich den 150-PS-TSI gönnen. Er dreht munter hoch, zeigt sich allen Fahrsituationen gelassen und souverän. In Kombination mit dem 48-Volt-Mildhybridsystem wird der Benziner elektrisch von einem Riemenstartergenerator unterstützt. Beim Fahren macht sich das nur insofern bemerkbar, dass der Verbrenner in manchen Situationen abgeschaltet wird, der Motor an der Ampel fast unmerklich startet und am Ende die Tankrechnung etwas kleiner ausfällt. Spritersparnis laut VW: ca. zehn Prozent. Rein elektrisch fahren können 48-Volt-Hybride aber nicht.

Die Motoren des neuen Golf

AntriebsartMotorversionPreis
Benziner
  • 1.0 TSI, 90 PS
  • 1.0 TSI, 110 PS
  • 1.5 TSI, 130 PS
  • 1.5 TSI, 150 PS
  • geplant: GTI, R-Version
  • unter 20.000 Euro
  • k. A.
  • 27.510 Euro
  • 28.530 Euro
  • k. A.
Diesel
  • 2.0 TDI, 115 PS
  • 2.0 TDI, 150 PS
  • geplant: GTD
  • 29.155 Euro
  • 33.840 Euro
  • k. A.
Mild-Hybrid (48 V)
  • 1.0 eTSI, 110 PS
  • 1.5 eTSI, 130 PS
  • 1.5 eTSI, 150 PS
  • k. A.
  • k. A.
  • k. A.
Plug-in-Hybrid
  • eHybrid, 204 PS
  • GTE, 245 PS
  • k. A.
  • k. A.
Erdgas
  • 1.5 TGI, 130 PS
  • k. A.

Bei den Dieseln spricht VW von "den saubersten und effizientesten Verbrennungsmotoren der Welt." Beide Selbstzünder haben 2,0 Liter Hubraum und werden von einem zweifachen SCR-Katsystem gereinigt, sollen daher besonders wenig Stickoxide (NOx) ausstoßen und einen "signifikant optimierten Wirkungsgrad" aufweisen – also noch sparsamer sein als bisher. Das müssen die Motoren im ADAC Test aber erst noch beweisen.

In Planung sind weitere Versionen wie die sportlichen Modelle GTI, GTD und eine R-Version sowie Allradvarianten 4Motion. Der Kombi Variant soll Anfang 2020 vorgestellt werden, der Sportsvan als Mercedes B-Klasse-Konkurrent wird erst mal in alter Form noch ein paar Jahre weitergebaut. Auf ein Golf Cabrio darf man wohl nicht hoffen, für Frischluftfans hat VW zumindest das VW T-Roc Cabrio im Programm.

Preis für den 130-PS-TSI: 27.510 Euro

Zunächst sind nur wenige Versionen zu haben. Momentan startet die Preisliste beim 130-PS-Benziner für 27.510 Euro, der 150-PS-Benziner kostet 28.530 Euro. Die Diesel stehen mit 29.155 (115 PS) und 33.840 Euro (150 PS) in der Liste. VW verspricht aber, dass die Basiversion (ab Frühjahr 2020) für "unter 20.000 Euro" zu haben sein soll. Den Elektro-Golf gibt es nicht mehr – dafür ist ab 2020 der voll elektrische VW ID.3 zuständig.

Crashtest: 5 Sterne für den VW Golf

Mit der serienmäßigen Sicherheitsausstattung erreicht der VW Golf die Bestwertung bei der EuroNCAP-Sicherheitsbewertung. Auf der offiziellen EuroNCAP-Seite können Sie die Detailbewertung des VW Golf zu Inassensicherheit, Fußgängerschutz und Assistenzsystemen nachlesen.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. ∙ Bild: © Euro NCAP