Der gute alte VW Golf im Test: Ist der Bestseller noch up to date?

Der gute alte VW Golf auf dem Prüfstand: der 1.5 TSI, der 2.0 TDI und ein eHybrid im ADAC Test. Welches Modell welche Stärken bietet. Und wo die Schwachstellen liegen.
VW Golf: Allrounder mit vielen Qualitäten
Zeit der Reife: Verbesserungen im Detail
Plug‑in-Hybrid "eHybrid" mit hoher E-Reichweite
Aufregend? Das war ein VW Golf – mit Ausnahme des Golf GTI und dessen weiteren sportlichen Derivaten – im Grunde nie. Im weitesten Sinne begehrenswert war er als Auto für jedermann immer. Nun schon mehr als 50 Jahre lang. Von den erreichten Verkaufszahlen des Golf konnten die anderen Automobilhersteller jahrzehntelang nur träumen. Doch die Konkurrenz ist groß, auch aus dem eigenen Haus, mit den beliebten SUV-Modellen T-Cross oder T-Roc und dem elektrischen ID. 3 Neo. Und der Golf ist damit nicht mehr automatisch ein Selbstläufer.
Aktuell führt der Golf die Zulassungs-Hitliste beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) noch an. Aber der Abstand zu den Verfolgern schmilzt und schmilzt. Was die Frage aufwirft: Ist er noch zeitgemäß? Im ADAC Test mussten sich gleich drei Versionen des VW Golf 8 beweisen: ein 1.5 TSI Benziner, ein 2.0 TDI Diesel und ein 1.5 eHybrid Plug‑in.
VW Golf 8: Innere Reife
Bitte nehmen Sie Platz! Der Bildschirm des VW Golf 8 thront wie ein Tablet frei stehend auf der Mittelkonsole, so wie im Tiguan oder im Passat. Die Bedienlogik hat es zu einer wohltuenden Reife gebracht, und das trotz seines enormen Funktionsumfangs. Die Menüs sind klar strukturiert und teilweise bebildert, am Kopf des Touchscreens befindet sich eine feste "Knopf"-Leiste für den direkten Zugriff auf Fahrzeugeinstellungen oder das Navigationssystem. Und am Fuß des Bildschirms sind jetzt die Einstellmöglichkeiten für die Klimaanlage zu finden. Alles prima also?
Nicht ganz: Bei den berührungsempfindlichen Touchslidern für die Lautstärke und die Temperatur unter dem Bildschirm ist es nämlich geblieben – hier wären Knöpfe oder Drehregler besser zu bedienen. Immerhin sind die Slider nun beleuchtet.
Der VW Golf 8 in Bildern

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Bedienung merklich verbessert
Zur schnellen und einfachen Bedienbarkeit sind Shortcuts an der richtigen Stelle hinzugekommen. Und es gibt praktische Individualisierungsmöglichkeiten bei der Konfiguration der Menüs. Parallel dazu wurde die Rechenleistung der Hardware erhöht: Das System mit aktueller Software arbeitet so schnell und stabil, wie man das von einem Bestseller erwarten darf.
Lenkrad, Sitz, Licht und andere Grundfunktionen sind schnell eingestellt, die Bedienung klappt hier völlig problemlos. Das Lenkrad hat mechanische Tasten und nicht nur Sensorflächen, die Handhabung lenkt weit weniger ab und gelingt treffsicherer.
Viel Platz, hoher Komfort

Auch die Platzverhältnisse sind gut. So fühlen sich vorn bis zu zwei Meter große Personen wohl. Im Fond reicht die Kniefreiheit nach ADAC Messungen für 1,90/1,95 Meter große Personen, wenn sich vorn ein 1,85-Meter-Mensch befindet. Zumindest gilt das für den "normalen" TSI. Beim eHybrid berühren schon ab 1,85 Meter Körpergröße die Knie die Vordersitze.
Die Sitze sind bequem und gut konturiert. Der Kofferraum des TSI und des TDI, der nach ADAC Messmethode zwischen 305 (normal) und 1160 Litern (dachhoch) aufnimmt, ist vom Volumen her zumindest okay, wenn auch nicht allzu üppig bemessen. Auch hier muss man beim eHybrid Abstriche machen. Weil die Antriebskomponenten ja irgendwo unterkommen müssen, bleiben nur noch 255 bis 1110 Liter Ladevolumen übrig. Das ist dann sehr überschaubar.
Zu den Paradedisziplinen beim VW Golf gehört der Fahrkomfort. Tatsächlich ist schon das Standardfahrwerk ein guter Kompromiss für den Alltag. Es spricht ausreichend willig und fein auf Unebenheiten an, ohne dabei schaukelig zu wirken. Das für einige Modellversionen erhältliche manuelle Sechsgang-Getriebe flutscht nur so durch die Gassen, wie übrigens auch beim getesteten Modell. Erfreulich entwickelt hat sich zudem das DSG-Automatikgetriebe, das nun auch beim Anfahren ruckfrei funktioniert – das war bei VW nicht immer so.
Im Test: Golf 1.5 TSI mit 116 PS
Mit dem 116 PS starken Turbovierzylinder ist der Golf völlig ausreichend motorisiert, seine 220 Nm Drehmoment liegen zwischen 1500 und 3000 U/min an. Damit lässt sich der Kompakte sehr schaltfaul fahren, schon ab 60 km/h kann man im 6. Gang unterwegs sein. Bei niedrigen Drehzahlen zeigt der Motor ein etwas verzögertes Ansprechen, ansonsten reagiert er recht spontan auf Gasbefehle.
Die Elastizitätsmessungen in den Gängen 4 bis 6 bestätigen die gute Durchzugskraft des Turbobenziners. Insgesamt kann man durchaus mit Fahrspaß unterwegs sein. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt laut Hersteller in 9,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 203 km/h. Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h im 2. Gang wurden gute 6,1 Sekunden gemessen.
Wer eifrig hochschaltet und stets niedrige Drehzahlen wählt, kann günstige Verbrauchswerte erzielen. Im ADAC Verbrauchstest erreicht der Kandidat einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern Super pro 100 Kilometer.
Test Golf TDI: Diesel als Rarität
Dieselmotoren finden sich in der Kompaktklasse kaum noch. Anders beim Golf: Hier gibt es den Selbstzünder noch in mehreren Versionen. Zum ADAC Test angetreten ist der 2.0 TDI mit 116 PS und Handschaltung. Auch diese Kombination ist zur Seltenheit geworden. Sie ist aber keine schlechte: Der Verzicht auf das Automatikgetriebe spart zum einen Geld, zum anderen macht das Schaltgetriebe einfach Freude. Es lässt sich knackig bedienen und wirkt im Zusammenspiel mit Motor und Kupplung gut abgestimmt.
Auch der Motor selbst ist gut gelungen. Er verkneift sich Brummen und Dröhnen und grummelt einfach nur mit klassischem Dieselgeräusch im Hintergrund vor sich hin. Wer es vorausschauend angeht und eifrig hochschaltet, kann sich über den niedrigen Verbrauch freuen: Im gemischten Betrieb mit Autobahnanteil hat der ADAC einen Verbrauch von 4,3 l/100 km gemessen. Mit Sommerreifen statt der Ganzjahresreifen am Testwagen sollte noch etwas weniger möglich sein. In jedem Fall wäre der Bremsweg kürzer als im Test.
Test Golf eHybrid: Plug‑in-Hybrid mit großer Reichweite

Besonders interessant ist auch noch eine weitere Antriebsart: der Plug‑in-Hybrid. Seit dem 2024er Facelift kommt ein größerer Akku zum Einsatz. Mit 19,7 kWh Kapazität (brutto 25,7 kWh) soll er laut VW für bis zu 143 Kilometer rein elektrische Reichweite garantieren, bis der Benziner übernehmen muss. Das ist erheblich mehr als bisher und wohl unter städtischen Fahrbedingungen erreichbar.
Beim ADAC Verbrauchstest, der eine gemischte Fahrweise in der Stadt, über Land und auch auf der Autobahn simuliert, kam der Golf eHybrid auf eine Testreichweite von immerhin 119 Kilometern. Auch das ist überaus respektabel und für den Alltag mehr als genug.
So ist der Golf 8 eHybrid eigentlich ein halbes Elektroauto – sollte sich die enorme Reichweite auch in der Praxis herausfahren lassen, dürften Pendler den Benziner nur noch selten benutzen müssen. Top auch, dass sich der Akku nun schnell laden lässt und man zudem CCS-Säulen nutzen kann. Bis zu 50 kW kann der Golf dort ziehen, sodass sich auch bei einem kurzen Stopp auf einer Reise das Zwischenladen lohnt.
Im Test waren 80 Prozent der Batterie an einer Schnellladesäule in 20 Minuten gefüllt, 100 Prozent nach 40 Minuten. Lädt man an einer langsameren AC-Säule mit nur 11 kW, ist die Batterie in knapp zweieinhalb Stunden wieder voll.
Und wie sieht es mit dem Verbrauch aus? Startet man mit dem Golf eHybrid mit voller Batterie, schaltet sich der Verbrenner erst nach 119 Kilometern Fahrt zu. Der reine Stromverbrauch liegt im E-Modus bei 19,1 kWh/100 km (inkl. Ladeverluste) – für einen Plug‑in-Hybrid ist das einwandfrei. Hier zeigt sich die hohe Effizienz des neuen Plug‑in-Antriebsstrangs von VW.
Fährt man im Hybrid-Modus (Batterie leer), ergibt sich ein Verbrauch von durchschnittlich 6,0 Litern Super auf 100 Kilometer, wobei dieser Wert bei etwas vorausschauender Fahrweise unterboten werden kann.
Noch etwas zeichnet den eHybrid aus: Er macht richtig Laune! Wie ein kleiner GTI zieht der Plug‑in-Hybrid davon, sprintet mit 204 PS Systemleistung in 7,2 Sekunden auf Tempo 100, als 272 PS starker GTE sogar in nur 6,6 Sekunden. So kommen also auch sportliche Fahrerinnen und Fahrer mit dem halben E-Golf auf ihre Kosten. Zwischenspurts beim Überholen sind ebenfalls schnell erledigt.
Beim rein elektrischen Betrieb ist die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt. Fährt man schneller, kommt der Benziner dazu und beschleunigt den Golf auf bis zu 220 km/h.
Car2X-Vorreiter: Dialog mit anderen Autos

Manche Extras lassen sich nachträglich über den Bordbildschirm kaufen bzw. freischalten. Wer zum Beispiel kein Navi geordert hat, dann aber doch eines fest an Bord haben möchte, rüstet den Golf online nach. Das klappt auch mit dem Abstandsradar ACC (dessen Hardware immer verbaut ist) oder der Ambientebeleuchtung.
In manchen Ausstattungsversionen ist der Golf mit der Außenwelt ("Car2X") vernetzt. In einem Umkreis von 800 Metern tauscht er sich mit anderen Fahrzeugen in Millisekunden via WLAN aus und warnt vor Unfällen, Pannen, einem Stauende oder einem sich nähernden Krankenwagen.
Fazit: Zeit für einen Wechsel
Keine Frage: In den vergangenen Jahren ist sicher nicht alles zu 100 Prozent richtig gemacht worden beim Golf. An mancher Stelle war der Sparzwang bei Volkswagen nicht zu übersehen. Dennoch ist der Golf im Laufe der Zeit weiter gereift und besser geworden. Nur die hohen Preise, die sind geblieben. Und das ist der größte Pferdefuß am Golf. Insofern wird es Zeit für einen Wechsel hin zu kostengünstigerer Produktion. Damit der Golf auch in Zukunft ein richtiger "Volkswagen" sein darf und sein kann. Die Weichen dafür sind in Wolfsburg längst gestellt.
VW Golf 1.5 TSI, TDI und eHybrid: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | VW Golf 1.5 TSI Life (ab 07/24) | VW Golf 2.0 TDI ENERGY (09/25 - 10/26) | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG (ab 10/25) |
|---|---|---|---|
Motorart | Otto | Diesel | PlugIn-Hybrid |
Hubraum (Verbrennungsmotor) | 1.498 ccm | 1.968 ccm | 1.498 ccm |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 85 | 85 | 150 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 116 | 116 | 204 |
Drehmoment (Systemleistung) | 220 Nm | 300 Nm | 350 Nm |
Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor) | 5.000 U/min | 2.750 U/min | 5.000 U/min |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,9 s | 10,2 s | 7,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 203 km/h | 202 km/h | 220 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | - | - | 142 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 121 g/km | 113 g/km | 26 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 5,3 l/100 km | 4,3 l/100 km | 1,1 l/100 km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | - | - | 12,1 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | - | - | 25,7 |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | - | - | 19,7 |
Ladeleistung (kW) | - | - | AC:2,3-11,0 DC:40 |
Kofferraumvolumen normal | 381 l | 381 l | 273 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.237 l | 1.237 l | 1.129 l |
Leergewicht (EU) | 1.307 kg | 1.387 kg | 1.642 kg |
Zuladung | 493 kg | 503 kg | 438 kg |
Anhängelast ungebremst | 650 kg | 690 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.300 kg | 1.500 kg | 1.700 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.282 mm x 1.789 mm x 1.483 mm | 4.282 mm x 1.789 mm x 1.483 mm | 4.282 mm x 1.789 mm x 1.483 mm |
Grundpreis | 32.615 Euro | 37.505 Euro | 46.830 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | VW Golf 1.5 TSI Life | VW Golf 2.0 TDI Energy | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG |
|---|---|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 6,1 s | 5,7 s | 4,0 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 36,7 m | 38,6 m | 33,9 m |
Wendekreis | 11,1 m | 11,1 m | 11,1 m |
ADAC Testverbrauch | 5,6 l Super/100 km | 4,3 l Diesel/100 km | 0,4 l Super + 18,5 kWh/100 km |
Reichweite | 800 km | 1049 km | 790 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 68,2 dB(A) | 67,8 dB(A) | 68,3 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1296 / 504 kg | 1352 / 538 | 1614 / 466 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 305 / 680 / 1160 l | 305 / 680 / 1160 l | 255 / 630 / 1110 l |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | VW Golf 1.5 TSI Life (ab 07/24) | VW Golf 2.0 TDI ENERGY (09/25 - 10/26) | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG (ab 10/25) |
|---|---|---|---|
Karosserie | 2,7 | 2,6 | 2,7 |
Innenraum | 2,3 | 2,1 | 2,4 |
Komfort | 2,6 | 2,4 | 2,0 |
Antrieb | 2,1 | 2,1 | 1,7 |
Fahreigenschaften | 2,4 | 2,5 | 2,0 |
Sicherheit | 1,5 | 1,9 | 1,5 |
Umwelt | 1,8 | 1,4 | 1,9 |
Gesamtnote | 2,1 | 2,1 | 2,0 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
Hinweis: Die Gesamtnoten der drei getesteten Modelle sind nicht direkt vergleichbar, da der TDI nach einem neueren ADAC Testschema (ab 2026) beurteilt wurde.
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