Test Audi e-tron GT: So fährt der Bruder des Porsche Taycan

Der Audi e-tron unterscheidet sich optisch deutlich von seinem Bruder Porsche Taycan ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Audi

Optisch ist der e-tron GT ein echter Audi, technisch basiert er auf dem Porsche Taycan – gute Voraussetzungen für ein spezielles Fahrerlebnis. Der E-Sportler im ausführlichen ADAC Test. Plus: Infos zu Batterie, Motoren, Reichweite, Preis

  • e-tron GT In zwei Versionen erhältlich: 350 oder 440 kW Leistung

  • Beeindruckende Fahrleistungen, alltagstaugliche Reichweite

  • Konkurrenz: Tesla Model S und Mercedes EQS

An der Formel E sieht man seit vielen Jahren, wohin die Fahrt in eine nachhaltigere Zukunft gehen könnte. Maximale Elektro-Power, der "Treibstoff" möglichst regenerativ erzeugter Strom: Das ist der beste Beweis dafür, dass Fahrspaß durchaus auch mit Nachhaltigkeit kombiniert werden kann. Und wie sieht es bei den betont dynamisch und sportlich ausgelegten Straßenmodellen aus? Ganz ähnlich, wie der Elektrorenner e-tron GT von Audi zeigt. Der ADAC hat den e-tron GT getestet.

350 kW, nach klassischer Währung 476 PS – Leistung hat der Gran Turismo mit seiner elegant komponierten, langen, breiten und flachen Karosse in Hülle und Fülle zu bieten. Seine zwei E-Motoren – einer vorne, einer hinten – liefern mit Overboost kurzfristig sogar bis zu 390
kW/530 PS und ein maximales Drehmoment von 640 Newtonmetern.

Der Audi e-tron GT in Bildern

Elektro-Audi mit atemberaubenden Fahrleistungen

Die Fahrleistungen fallen trotz des immensen Fahrzeuggewichts von 2,3 Tonnen beeindruckend aus. Beim Tritt aufs Fahrpedal verwandelt sich der e-tron GT in einen katapultartig losstartenden Pfeil, der die Atmung der Insassen kurzzeitig stocken lässt. In Zahlen: 4,1 Sekunden dauert es von null auf 100 km/h. Und erst bei 245 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Noch beindruckender als die schiere Beschleunigung ist die Tatsache, wie ansatzlos der e-tron GT Gaspedalbefehle des Fahrers umsetzt und nach vorn schnellt. Dabei ist die Leistungsentfaltung sehr homogen, das Ansprechverhalten äußerst spontan. Vibrationen sind den beiden E-Motoren prinzipbedingt fremd. Wie der technisch eng verwandte Porsche Taycan verfügt der E-Audi über ein Zweigang-Getriebe für den Motor an der Hinterachse. Das zweite Aggregat an der Vorderachse gibt seine Kraft wie üblich über eine Konstantübersetzung an die Antriebsräder weiter.

Der Vorteil der zusätzlichen Fahrstufe ist eine Senkung der Motordrehzahl und somit analog zu den Verbrennerfahrzeugen eine Reduktion des Verbrauchs. Zudem kann der erste Gang kürzer übersetzt werden, was die Beschleunigung verbessert. Bei normaler Fahrt nutzt der Allradler lediglich den zweiten Gang, der bis zur Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h reicht.
Der erste Gang kommt vor allem im Modus Dynamic zum Einsatz und reicht bis circa 130 km/h.

Der Schaltvorgang ist unter Volllast nicht nur zu hören, sondern durch ein leichtes Rucken auch zu spüren. Ist der e-tron GT bei gemäßigter Geschwindigkeit im zweiten Gang unterwegs und der Fahrer ruft die volle Leistung ab, legt der Audi den ersten Gang für
beste Beschleunigung mit einem spürbaren Ruck ein – das mag zwar Sportlichkeit vermitteln, wirkt in einer luxuriösen Limousine aber deplatziert und ist unkomfortabel.

Testverbrauch: 26,3 kWh/100 km

Apropos Verbrauch und Reichweite: Im ADAC Ecotest wurde ein durchschnittlicher Stromverbrauch von 26,3 kWh pro 100 Kilometer ermittelt. Enthalten sind auch die Ladeverluste bei 3-phasiger Ladung mit 16 A. Um die 93,4 kWh große Batterie (netto 83,7 kWh) einmal komplett von leer auf voll zu laden, werden 97,3 kWh benötigt. Die Reichweite im gemischten Ecotest-Betrieb liegt bei 370 Kilometern. Dank der 800-V-Bordarchitektur sind hohe Ladeleistungen von bis zu 270 kW möglich. Damit gelingt das Nachladen von zehn auf 80 Prozent in circa 20 Minuten.

Mit dem Porsche Taycan verwandt

Dass der GT mit den vier Ringen viel mit dem Porsche Taycan gemeinsam hat, ist kein Geheimnis. Der Antriebsstrang ist bis auf diverse Adaptionen wegen der unterschiedlichen Karossen weitgehend identisch. Auch die praktische Fußgarage für die Fond-Passagiere, also eine Vertiefung in Bodenblech und Akku-Pack, ist bei beiden Stromern vorzufinden. Wobei ein Platz in der zweiten Reihe wegen der kräftig heruntergezogenen Dachlinie nicht wirklich empfehlenswert ist. Denn bereits 1,75 Meter große Insassen nehmen Kontakt mit dem Dachhimmel auf.

Vorne bietet der e-tron GT ein gutes Platzangebot. Bein- und Kopffreiheit reichen für zwei Meter große Menschen. Die Innenbreite ist ebenfalls gut, wenngleich die breite Mittelkonsole die Bewegungsfreiheit etwas einschränkt. Unter der Kofferraumabdeckung fasst der Gepäckraum 310 Liter oder sechs Getränkekisten. Klappt man die Rückbank um und beschränkt sich auf den Stauraum bis zur Fensterunterkante, lassen sich bis 710 Liter verstauen.

360-Grad-Blick: Audi-typisches Digital-Cockpit

Das Cockpit ist im Vergleich zum Porsche Taycan vollkommen eigenständig und wird von den beiden digitalen Displays dominiert. Die meisten Fahrzeugfunktionen werden über das
10,1 Zoll große Zentraldisplay gesteuert, das zwar gut erreichbar ist, aber für eine geringere Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen etwas höher positioniert sein dürfte. Die
Menüstruktur ist logisch aufgebaut, für manche Einstellungen muss man aber recht tief in deren Verzweigungen abtauchen – und biegt dabei schon mal falsch ab. Unterhalb des Displays befindet sich erfreulicherweise eine separate Klimabedieneinheit, die den Umgang mit dem Fahrzeug im Alltag spürbar erleichtert.

Die Fahrstabilität des e-tron GT ist beeindruckend

Der e-tron GT legt eine schier unerschütterliche Fahrstabilität an den Tag, auch bei der Fahrdynamik kann der Allradler beeindrucken. Für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse fährt sich die Sportlimousine bemerkenswert agil. Nur in engen Kurven lässt sich die Physik nicht
überlisten, hier schiebt der Wagen kräftig über die Vorderräder. Agilitätsfördernd wirkt sich neben der optionalen 20-Zoll-Mischbereifung des Testwagens auch die ebenfalls
aufpreispflichtige, geregelte Hinterachs-Differenzialsperre auf das Fahrverhalten aus. Durch die gezielte Drehmomentverteilung zwischen den Hinterrädern („Torque Vectoring") bessert sich das Einlenkverhalten und der Wagen neigt weniger stark zum Untersteuern.

Unebenheiten werden einfach weggebügelt

Der dynamisch designte Front des Audi e-tron GT fällt in jedem Stadtbild auf © Audi

Der hohe technische Aufwand führt zu einer beeindruckenden Vorstellung im ADAC Ausweichest: Der e-tron durcheilt die Pylonengasse nicht nur absolut fahrsicher, sondern auch bemerkenswert flink. Ab Werk ist das Fahrwerk mit einer adaptiven Dämpferregelung
ausgerüstet, der Testwagen hat zudem die optionale Luftfederung an Bord. Deren Ansprechverhalten ist in allen Geschwindigkeitsbereichen sehr sensibel – auch bei langsamer Fahrt. Ob kurz aufeinanderfolgende oder lange und tiefe Bodenwellen, das Fahrwerk bügelt sämtliche Unebenheiten weg. Selbst Geschwindigkeitshügel schlucken die Feder-Dämpfer-Elemente auf beeindruckende Art und Weise.

Also alles eitel Sonnenschein beim e-tron GT? Leider nein. Im Alltag stören neben den wenigen Ablagemöglichkeiten im Cockpit vor allem der extrem beschwerliche Ein- und Ausstieg. Hinzu kommen das spärliche Platzangebot im Fond, die fehlende Stütz- und Anhängelasten sowie die Reichweite von 370 Kilometern im ADAC Ecotest, die für eine Reiselimousine der Oberklasse nicht gerade ein Ruhmesblatt darstellt.

Schon gefahren und bewertet

Preise: Ab knapp über 100.000 Euro

Zum Schluss der größte Wermutstropfen, die offiziellen Preise: Der Basispreis des e-tron mit 350 kW beträgt 101.600 Euro, die Version RS mit 440 kW Leistung gibt es ab 140.000 Euro. Alle weiteren wichtigen Daten wie etwa die Ladekurve beim Schnellladen finden sich im folgenden PDF, in den Tabellen und im ADAC Autokatalog.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum Audi e-tron GT als PDF
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Audi e-tron GT: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Audi e-tron GT quattro (ab 04/21)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

350

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

476

Drehmoment (Systemleistung)

630 Nm

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

4,1 s

Höchstgeschwindigkeit

245 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

475 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

20,5 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

19,2 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

93,4

Batteriekapazität (Netto) in kWh

83,7

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:270,0

Kofferraumvolumen normal

405 l

Leergewicht (EU)

2.350 kg

Zuladung

490 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.989 mm x 1.964 mm x 1.413 mm

Grundpreis

101.600 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Audi e-tron GT quattro

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,9 m

Wendekreis

11,2 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

26,3 kWh Strom/100 km, 132 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

370 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2345 / 495 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

310 / 710 / – l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Audi e-tron GT quattro

Karosserie/Kofferraum

2,8

Innenraum

2,5

Komfort

1,6

Motor/Antrieb

0,9

Fahreigenschaften

1,6

Sicherheit

1,6

Umwelt/Ecotest

2,7

Gesamtnote

2,0

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Text: Rudolf Huber/mid

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